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Römische Geschichte

Livius: Römische Geschichte - Kapitel 160
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Geschichte Bd. I
authorTitus Livius
translatorKonrad Heusinger
firstpub1821
year1821
publisherFriedrich Vieweg Verlag
addressBraunschweig
titleRömische Geschichte
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12. Als im Anfange des folgenden Jahres die neuen Consuln Quintus Marcius und Cneus Servilius über die Standplätze den Antrag thaten, hieß sie der Senat sobald als möglich über Italien und Macedonien entweder sich vergleichen oder losen; und um alle Einwirkung der Parteilichkeit zu verhüten, sollten aufs Ungewisse, ehe noch das Los entscheide, für beide Standplätze die nöthigen Ergänzungstruppen bestimmt werden. Für Macedonien nämlich an Fußvolk sechstausend Römer, sechstausend Latiner Bundestruppen; an Reuterei zweihundert funfzig Römer, dreihundert Bundesgenossen. Die alten Soldaten sollten entlassen werden, so daß bei jeder Legion Römer nicht über sechstausend Mann Fußvolk und dreihundert Ritter blieben. Dem andern Consul wurde für die Ergänzungstruppen, die er ausheben sollte, keine bestimmte Zahl Römischer Bürger festgesetzt; nur das wurde festgesetzt, daß er zwei Legionen aushöbe, deren jede fünftausend zweihundert Mann zu Fuß haben solle und dreihundert 345 Ritter: Ihm wurden aber mehr Latiner bestimmt, als seinem Amtsgenossen; zehntausend Mann zu Fuß und sechshundert Ritter. Außerdem sollten noch vier Legionen geworben werden, um sie dahin gehen zu lassen, wo es nöthig sein würde. Für diese die Obersten zu ernennen wurde den Consuln nicht gestattet; das Volk wählte sie. Von den verbündeten Latinern forderte man sechzehntausend Mann Fußvolk und tausend Ritter. Dies Heer sollte bloß in Bereitschaft sein, um ausrücken zu können, sobald ihm die Umstände einen Ort der Bestimmung gaben. Die meiste Aufmerksamkeit zog Macedonien auf sich. Deswegen sollten für die Flotte aus Römischen Bürgern vom Freigelaßnenstande tausend Mann Seesoldaten ausgehoben werden; aus Italien *** Mann, aus Sicilien eben so viel; und die Sorge für ihre Überfahrt nach Macedonien, – mochte dort die Flotte stehen, wo sie wollte – wurde dem aufgetragen, dem das Los seinen Platz auf der Flotte gäbe. Für Spanien bestimmte man als Ergänzungstruppen dreitausend Mann Römisches Fußvolk und dreihundert Ritter. Auch hier wurde die Anzahl der Soldaten für die Legionen festgesetzt, für jede nämlich fünftausend Mann zu Fuß und dreihundert und dreißig Ritter. Auch sollte sich der Prätor, welchem Spanien zufallen würde, von den Bundsgenossen viertausend Mann Fußvolk und dreihundert Reuter stellen lassen.

13. Ich weiß es sehr wohl, daß aus eben der Achtlosigkeit, mit der man jetzt allgemein glaubt, die Götter gäben keine Vorbedeutungen, auch so gut als gar keine Schreckzeichen öffentlich mehr gemeldet, sie auch nicht in die Jahrbücher eingetragen werden. In mir aber – ich weiß nicht, wie es zugeht – belebt den Geschichtschreiber des Alterthums der Geist der Vorwelt, und eine Art heiligen Schauers wehret mir, der Aufnahme in meine Jahrbücher Vorfälleea pro dignis habere]. – Ich glaube, Drakenb. und Crevier folgen zu müssen, welche ea pro indignis habere lesen. Crevier sagt freilich: Si quis tamen vulgatam lectionem tueri velit, habet quo nitatur, exemplum e l. X. Liviano, c. 37. Ist aber meine dort gegebene Erklärung jener Stelle richtig, so konnte auch diese Stelle nicht zum Beweis für unsre dienen. Meiner Meinung nach liegt dort in dem in religionem venit eben sowohl ein metus aversantium, als hier in religio tenet, ein absterret oder vetat. unwürdig zu halten, welche jene 346 einsichtsvollen Männer selbst vom State anerkannt wissen wollten. Von Anagina wurden in diesem Jahre zwei Schreckzeichen gemeldet: am Himmel sei eine Fackel wahrgenommen, und eine Kuh habe geredet und werde schon auf gemeine Kostenbovem feminam locutam publice ali]. – Eben so 41, 13. Bovem in Campania locutam. – – in Campania bos alenda publice data. gefüttert. Auch zu Minturnä hatte man in diesen Tagen gesehen, daß der brennende Himmel Strahlen warf. Zu Reate regnete es Steine. Auf der Burg zu Cumä ließ der Apoll drei Tage und drei Nächte Thränen fließen. In Rom selbst meldeten zwei Tempelwärter, der eine, im Tempel der Fortuna hätten mehrere Leute eine Schlange mit Mähnen gesehen; der andre, bei dem Tempel der Fortuna der Erstlinge, der auf dem Hügel steht, habe man zwei sich widersprechende Vorzeichen gesehen; auf dem freien Tempelplatze sei eine Palme hervorgewachsen und ein Blutregen sei am hellen Tage gefallen. Zwei Wunderzeichen wurden als beziehungslos für den Stat angesehen; das eine, weil es sich nur in einem Privathause begeben hatte: Titus Marcius Figulus nämlich meldete, in seinem Hofe sei eine Palme hervorgewachsen; das andre, weil der Ort, wo es geschah, einem Ausländerin loco peregrino]. – So wie vorher in privato loco sich auf das Haus eines Privateigenthümers bezog, so nehme ich hier in loco peregrino für ein Haus, das keinem Eingebornen gehört. Denn auf Fregeliae darf locus peregrinus nicht bezogen werden. Dies war Römische Colonie, und lag der Stadt Rom, wie das ganze Volskergebiet, wozu es ehemals gehört hatte, weit näher, als Capua, Neapolis, Velia und andre Städte, aus welchen nach Livius selbst, Prodigien zu Rom einberichtet und angenommen wurden. Jetzt gehörte längst das ganze Volskerland den Römern. Wollte man etwa das Wort peregrinus so viel bedeuten lassen, als nicht in Rom, so wären Capua, Neapel u. a. ebenfalls urbes peregrinae, und aus diesen werden doch Prodigien angenommen. Ich kann aus diesem Grunde der Vermuthung Dukers und Drakenb. nicht beitreten, welche statt L. Atrei lieber L. Atrii lesen wollen, weil letzteres als Römischer Name im Livius selbst vorkomme. Es muß hier meiner Meinung nach der Griechische Name bleiben. Der Grieche Atreus – ob er sich damals zweisilbig oder dreisilbig sprechen ließ, weiß ich nicht – kauft sich zu Fregellä an, und giebt sich, um sich einzubürgern, den Vornamen Lucius. Er ist also peregrinus, d. i. nach Festus: qui neque Romanus, neque hostis habetur.gehörte. 347 Es hieß nämlich, zu Fregellä habe in dem Hause des Lucius Atreus eine Lanze, die er seinem Sohne, einem Soldaten, gekauft hatte, bei hellem Tage über zwei Stunden gebrannt, ohne daß das Feuer das Mindeste daran verzehrte. Wegen der vom State anerkannten Schreckzeichen wurden von den Zehnherren die Bücher nachgeschlagen. Aus diesen gaben sie an, welchen Göttern man mit vierzig großen Thieren opfern müsse, undsacrificarent, ediderunt, et uti supplicatio]. – So lesen Gronov, Crevier, Drakenb., und ich folge ihnen. daß ein Betfest gehalten werden solle, an welchem alle Statsbeamten an allen Altären große Thiere zum Opfer bringen, und die Bürger in Kränzen gehen sollten, Alles dieses wurde so, wie die Zehnherren die heilige Handlung leiteten, ausgerichtet.

14. Nun wurde ein Versammlungstag zur Censornwahl angesetzt. Um die Censur bewarben sich die ersten Männer des Stats, Cajus Valerius Lävinus, Lucius Postumius Albinus, Publius Mucius Scävola, Marcus Junius Brutus, Cajus Claudius Pulcher, Tiberius Sempronius Gracchus. Diese beiden wählte das Römische Volk zu Censorn. Da die Werbung diesmal wegen des Macedonischen Krieges sorgfältiger betrieben wurde, als sonst, so klagten die Consuln beim Senate über den Bürgerstand, da sogar junge Leute bei der Aufforderung stillschwiegen. Gegen sie nahmen sich die Prätoren Cajus Sulpicius und Marcus Claudius des Bürgerstandes an. «Die Werbung werde ihnen schwer gemacht, nicht als Consuln, sondern als den gefallsüchtigen Consuln: denn sie nähmen ja keinen einzigen wider seinen Willen zum Soldaten. Um die versammelten Väter hiervon zu überzeugen, wollten sie, als Prätoren, ob sie gleich ein an Macht und Ansehen geringeres Amt bekleideten, die Werbung, wenn der Senat damit zufrieden sei, zu Stande bringen.» Mit großer Einstimmung der Väter wurde den Prätoren, nicht ohne Schimpf für die Consuln, dieser Auftrag gegeben. Und um die Sache zu unterstützen, kündigten die Censorn in der 348 Volksversammlung an: «Sie würden eine bei der Vermögensschatzung zu beobachtende Verordnung feststellen, daß jeder, außer dem gemeinen, von allen Bürgern zu leistenden Eide, auch nach folgender Formel beeidigt werden solle: ««Du bist noch nicht sechsundvierzig Jahre alt, und mußt dich vermöge der von den Censorn Cajus Claudius und Tiberius Sempronius erlassenen Bekanntmachung zur Werbung stellen: auch mußt du, so oft eine Werbung eintritt, welche unter dieser Censur von der Obrigkeit gehalten wird, wenn du nicht schon zum Soldaten genommen bist, bei der Werbung dich stellen.»» Weil auch das Gerücht sagte, viele Soldaten der Legionen in Macedonien hätten sich bei der gefälligen Nachsicht der Feldherren auf unbestimmten Urlaub vom Heere entfernt, so machten sie in Ansehung der unter den Consuln Publius Älius, Cajus Popillius, oder nach deren Consulate für Macedonien geworbenen Soldaten bekannt: «Wer von diesen sich in Italien aufhalte, solle binnen dreißig Tagen, nachdem er sich zuvor bei ihnen habe schatzen lassen, auf den Standplatz des Krieges zurückgehen. Wer noch unter Vater oder Großvater stehe, solle seinen Namen bei ihnen angeben lassen. Auch würden sie bei den Verabschiedeten die Rechtmäßigkeit des Abschiedes untersuchen, und denjenigen, welche nach ihrem Ermessen den Abschied vor Verlauf der Dienstjahre als eine Gefälligkeit erhalten hätten, andeuten, wieder Soldaten zu werden.» Als diese Bekanntmachung nebst einem Schreiben der Censoren in die Marktflecken und Gerichtsorte herumgeschickt war, stellte sich zu Rom eine so große Menge Dienstfähiger ein, daß dies ungewöhnliche Gewühl der Stadt sogar lästig wurde.

15. Außer denen, welche zur Absendung als Ergänzungstruppen geworben werden mußten, hob der Prätor Cajus Sulpicius vier Legionen aus und in elf Tagen war die Werbung beendigt. Nun loseten die Consuln um ihre Standplätze: denn die Prätoren hatten wegen der Rechtspflege schon früher geloset. Die in der Stadt war dem Cajus Sulpicius, die über die Fremden dem Cajus Decimius 349 zugefallen; Spanien hatte Marcus Claudius Marcellus, Sicilien Servius Cornelius Lentulus erloset, Sardinien Publius Fontejus Capito, die Flotte Cajus Marcus Figulus. Von den beiden Consuln traf den Cneus Servilius Italien, den Quintus Marcius Macedonien: und gleich nach der Feier des Latinerfestes brach Marcius auf. Auf die Anfrage des Cäpio beim Senate, welche beiden von den neuen Legionen er mit nach Gallien nehmen solle, erklärten die Väter, die Prätoren Cajus Sulpicius und Marcus Claudius sollten von den Legionen, welche sie geworben hätten, nach ihrem Gutbefinden zwei dem Consul anweisen. Voll VerdrußIndigne patiente]. – Man sehe Gron. und Drakenb. Auch hat Crevier mit Recht indigne patiens schon in den Text aufgenommen; nur hätte er meiner Meinung nach se gleich auf patiens folgen lassen sollen, weil aus patiēsse die falsche Lesart patiente entstand., als Consul vom Ermessen der Prätoren abzuhängen, entließ er den Senat, und forderte, vor dem Richterstuhle der sitzenden Prätoren stehend, sie sollten ihm nach dem Senatsschlusse zwei Legionen bestimmen: und die Prätoren überließen das Aussuchen seiner eignen Wahl. Nun lasen die Censorn ihre Senatorenliste vor. Sie waren schon die dritten Censorn, die den Marcus Ämilius Lepidus obenan setzten. Sieben wurden von ihnen aus dem Senate gestoßen. Bei der Annahme der Schatzungssteuer vom Volke wiesen sie die Soldaten vom Macedonischen Heere – und in wie zahlreicher Menge sie von den Fahnen abwesend waren, ergab sich aus der Schatzung selbst – nach dem Standplatze des Krieges, untersuchten bei denen, die nochcaussas stipendii missorum]. – Ich halte mich an Crevier, welcher die Lücke so ausfüllt: caussas stipendiis nondum emeritis missorum. nicht ausgedient hatten, den Rechtsbestand des Abschiedes, und ließen den, der ihn nach ihrer Ansicht noch nicht verdient hatte, die vorgelegte Frage eidlich beantworten: «Sage mir, wie du es ehrlich meinst; willst du, der Bekanntmachung der Censorn, Cajus Claudius und Tiberius Sempronius gemäß, auf deinen Standplatz Macedonien zurückgehen, so weit du das, ohne zum Schelme zu werden, in deiner Macht hast?»

350 16. Bei der Musterung der Ritter war ihre Censur sehr strenge und hart. Vielen nahmen sie das Pferd. Da sie sich schon hiedurch die Unzufriedenheit des Ritterstandes zugezogen hatten, so erhöheten sie den Haß gegen sich noch durch Bekanntmachung des Befehls: «Es solle niemand, von denen, welche unter der Censur des Quintus Fulvius und Aulus Postumius Statseinnahmen oder Statsausgaben in Pacht genommen hätten, bei ihnen ein Gebot thun dürfen, noch mit ihrer diesmaligen Verpachtung in irgend einer Gemeinschaft oder Verbindung stehen.» Schon ehemals hatten die Statspächter durch ihre öfteren Klagen nie vom Senate erlangen können, daß die Gewalt der Censoren beschränkt wurde: endlich fanden sie an dem Bürgertribun Publius Rutilius, den ein Streit über eine Privatsache gegen die Censorn erbittert hatte, einen Beschützer. Seinem Schützlinge, einem Freigelassenen, hatten sie befohlen, seine Gegenwand an einem Statsgebäude auf der heiligen Straße abzutragen, weil sie auf Grundeigenthum des Stats gebaut sei. Der Mann sprach die Tribunen um Beistand an. Da sich aber außer dem Rutilius keiner für ihn verwandte, so schickten die Censorn hin, ihn auszupfänden und bestimmten ihm in der Volksversammlung eine Geldstrafe. Als bei dem hierüber entstandenen Wortwechsel die ehemaligen Statspächter auf des Tribuns Seite traten, so wurde unerwartet unter dem Namen des Einen Tribuns dem Volke der Antrag vorgelegt: «Die Verpachtung, vermöge welcher Cajus Claudius und Tiberius Sempronius Statseinnahmen und Statsausgaben in Verding gegeben hätten, solle nicht gültig sein. Es solle Alles von neuem verpachtet werden und Jedem ohne Unterschied die Übernahme und Pacht gestattet sein.» Zur Abstimmung über diesen Antrag setzte der Bürgertribun einem Versammlungstag an. Dieser kam; die Censoren traten als Gegner des Antrags auf, und so lange Gracchus redete, war Alles still. Dem Claudius tobte man entgegen und er hieß den Herold Stille gebieten. Mit der Klage, daß man die von ihm berufene Versammlung von ihm abwende, daß man ihn auf den Privatmann 351 beschränke, verließ der Tribun das Capitol, wo die Zusammenkunft war. Am folgenden Tage machte er gewaltigen Lärm. Zuerst belegte er die Güter des Tiberius Gracchus mit dem Banne der Weihe, weil dieser durch zuerkannte Geldstrafe und Auspfändung eines Mannes, der ihn als Tribun zu Hülfe gerufen, sich an die Einsage eines Tribuns nicht gekehrt und ihn als Privatmann behandelt habe. Dem Cajus Claudius setzte er einen Gerichtstag, weil er die Versammlung von ihm abgewandt habe; erklärte, er halte beide Censoren der Anklage auf Hochverrath für schuldig und erbat sich dazu vom Stadtprätor Cajus Sulpicius eine Versammlung des Gesamtvolks. Da die Censorn sich nicht weigerten, das Volksgericht je eher je lieber über sich ergehen zu lassen, so wurden als Versammlungstage über die Klage auf Hochverrath der vier- und fünfundzwanzigste September angesetzt. Sogleich begaben sich die Censoren zur Halle der Freiheit hinauf, versiegelten daselbst alle Statspapiere, schlossen die Schriftenkammer, entließen die Unterbedienten und erklärten, sie würden nicht das Geringste in Statsgeschäften vornehmen, bis das Urtheil des Volks über sie gesprochen sei. Claudius trat zuerst als Beklagter vor. Und als von den achtzehnex XIIX centuriis equitum XIII censorem]. – So lieset Drakenb. nach Liv. I, 43, Ihm folge ich in der Übersetzung. Rittercenturien dreizehn, und noch mehr andre Centurien der ersten Classe den Censor verurtheilten, legten sogleich die Vornehmsten des Stats vor den Augen des Volks ihre goldnen Ringe ab und nahmen andre Kleider, um im Aufzuge der Flehenden bei dem Bürgerstande herumzugehen. Hauptsächlich aber soll Tiberius Gracchus die Abänderung des Ausspruchs dadurch bewirkt haben, daß er, ob ihm gleich von allen Seiten das Volk schreiend zurief, Gracchus habe nichts zu fürchten, den feierlichen Eid ablegte, wenn sein Amtsgenoß verdammt würde, so werde er, ohne das Urtheil des Volks über sich abzuwarten, ihn in die Verbannung begleiten. Dennoch ging die Hoffnung für den Beklagten so nahe zu Ende, daß zu 352 seiner Verurtheilung nur acht Centurien fehlten. Als Claudius freigesprochen war, erklärte der Bürgertribun, an den Gracchus habe er weiter keine Sache.

17. Da in diesem Jahre Gesandte von Aquileja im Senate darauf antrugen, die Anzahl ihrer Pflanzbürger zu vermehren, so wurden durch einen Senatsschluß tausend und fünfhundert Familien zusammengebracht, und die zu deren Ausführung ernannten Dreiherren waren Titus Annius Luscus, Publius Decius Subulo, Marcus Cornelius Cethegus. Auch gingen in diesem Jahre die nach Griechenland geschickten Abgeordneten, Cajus Popillius und Cneus Octavius, mit dem Senatsschlusse, den sie zuerst in Theben vorlasen, in alle Städte des Peloponnes herum, «Daß niemand Römischen Befehlshabern etwas zum Kriege liefern solle, wenn es nicht der Senat verordnet habe.» Dies hatte den Griechen auch für die Zukunft Sicherheit gegeben, von Lasten und Kosten befreit zu sein, durch welche sie, weil immer Andre sich bald dies, bald jenes liefern ließen, erschöpft wurden. Also fanden die Abgeordneten bei dem zu ÄgeumArgis agitato]. – Nach Ursinus lese ich aus Polyb. mit Crev. u Drak. Aegii agitato. verhandelten Achäischen Landtagsgeschäfte nach einer freundlichen Anrede gleiches Gehör, verließen diese Nation bei der herrlichen Aussicht auf ihre künftige Lage in der unverbrüchlichsten Treue, und segelten nach Ätolien über. Zwar noch war hier kein Aufruhr, aber Alles verdächtig und allenthalben gegenseitige Beschuldigungen der Ätoler unter einander. Deswegen forderten die Abgeordneten Geisel; und ohne der Sache einen Ausgang zu geben, gingen sie von hier nach Acarnanien. Zu Thyrium hielten die Acarnanen um ihrentwillen einen Landtag. Auch hier gab es Streit unter den Parteien. Einige der Vornehmeren trugen darauf an, man müsse, um der Tollheit derer zu steuren, welche die Nation auf die Macedonische Partei ziehen wollten, in ihre Städte Besatzungen legen. Andre verwarfen dies, um sich nicht im Frieden und Bunde mit Rom 353 einem Schimpfe ausgesetzt zu sehen, den man gewöhnlich nur eroberten und feindlichen Städten anthue. Ihr Recht, dies zu verbitten, wurde anerkannt. Die Abgeordneten gingen zum Proconsul Hostilius – er war es, der sie geschickt hatte – nach Larissa zurück. Den Octavius behielt er bei sich; den Popillius ließ er mit beinahe tausend Mann in die Winterquartiere nach Ambracien gehen.

18. Hatte Perseus Macedoniens Gränzen im Anfange des Winters nicht zu verlassen gewagt, damit nicht in sein unbesetztes Reich auf irgend einer Seite die Römer einbrächen, so rückte er nun um die Zeit des kürzesten Tages, wenn der hohe Schnee die Gebirge von Thessalien her unübersteiglich macht; weil er jetzt Gelegenheit zu haben glaubte, den benachbarten Völkern Hoffnung und Muth zu benehmen; um sich so jeder Gefahr von ihnen zu entledigen, während er auf der andern Seite im Kriege mit den Römern beschäftigt sein würde; – denn von Thracien aus gewährte ihm Cotys Friede; von Epirus aus Cephalus durch seinen neulichen Abfall von den Römern; die Dardaner hatte er selbst neulich durch seinen Feldzug gezähmt: nur jene Seite Macedoniens, welche gegen Illyricum offen stand, sah er noch bedroht, weil die Illyrier selbst nicht ruhig sein und auch den Römern den Zugang zu Macedonien gestatten würden; – zugleich in der Hoffnung, durch Besiegung der angränzenden Illyrier den schon lange wankenden Illyrischen König Gentius zu einem Bündnisse zu bewegen; mit zehntausend Mann Fußvolk aus, worunter ein Theil vom Phalanx war, ferner mit zweitausend Leichtbewaffneten und fünfhundert Reutern, und kam nach Stubera. Von hier nahm er auf mehrere Tage Getreide mit, ließ die Werkzeuge zum Sturme auf Städte nachkommen, und lagerte sich am dritten Tage vor Uscanaad Uscanam]. – Cap. 10. macht Ap. Claudius auf diese Stadt einen vergeblichen Versuch; sie blieb damals dem Perseus. Da sie jetzt Perseus belagert, so muß sie doch in der Zwischenzeit an die Römer gekommen sein. Crev., Drakenb. , der Hauptstadt des Penestianischen Gebiets. 354 Ehe er aber Gewalt gebrauchte, schickte er hinein, um theils auf die Befehlshaber der Besatzung, theils auf die Bürger selbst Versuche zu machen: denn außer einer Illyrischen Mannschaft lag hier auch eine Römische Besatzung. Als die Antwort nicht friedlich lautete, begann er den Angriff und suchte die Stadt im Ringsturme zu gewinnen. Ob nun gleich ohne Unterbrechung Tag und Nacht immer neu anrückende Truppen hier Leitern an die Mauern, dort Feuer an die Thore warfen, so boten die Vertheidiger der Stadt dennoch diesem Ungewitter Trotz, weil sie sich Hoffnung machten, die Macedonier würden die heftige Kälte im Freien in die Länge nicht aushalten, und auch dem Könige werde der Römische Krieg nicht so viele Zwischenzeit gestatten, sich lange zu verweilen. Als sie aber Annäherungshütten bauen und Thürme aufführen sahen, wurde ihr Trotz gebrochen. Denn außerdem daß ihnen die Stürmenden an Zahl überlegen waren, hatten auch sie selbst bei der unerwarteten Einschließung sich weder mit Getreide noch irgend andern Vorräthen versehen können. Da sie also zum Widerstande keine Hoffnung hatten, so wurden von der Römischen Besatzung Cajus Carvilius Spoletinus und Cajus Afranius herausgeschickt, bei dem Perseus zuerst darauf anzutragen, daß er sie unter den Waffen mit ihrem Eigenthume abziehen ließe; dann aber, wenn sie dies nicht erlangen könnten, sollten sie sich wenigstens Leben und Freiheit versprechen lassen. Der König bewies größere Bereitwilligkeit im Zusagen, als Treue im Halten. Ob er ihnen gleich hatte hinein sagen lassen, sie könnten mit ihrem Eigenthume abziehen, nahm er ihnen gleich zuerst die Waffen. Sobald sie die Stadt verlassen hatten, ergaben sich mit der fünfhundert Mann starken Cohorte Illyrier auch die Bürger von Uscana mit ihrer Stadt.

19. Perseus legte in Uscana eine Besatzung und führte Alle, die sich ergeben hatten, eine Menge, die seinem Heere beinahe gleichkam, nach Stubera. Hier vertheilte er die viertausend Römer, die Anführer ausgenommen, zur Verwahrung in mehrere Städte, verkaufte die 355 Uscanenser und Illyrier zu Sklaven, und führte sein Heer wieder in Penestien, um sich die Stadt Oäneum zu unterwerfen. Sie hat überhaupt eine vortheilhafte Lage, und außerdem führt hier der Weg durch, wenn man zu den Labeaten will, welche Gentius beherrschte. Als er jetzt bei einer bevölkerten Bergfestung, Namens Draudacum, vorüberzog, sagte Einer von denen, welche diese Gegend kannten: «Die Eroberung Oäneums könne zu nichts helfen, wenn man nicht auch Draudacum in seiner Gewalt habe. Ja dieses habe in jeder Hinsicht eine noch vortheilhaftere Lage.»Perseus rückte mit seinem Heere davor und sogleich ergaben sich die Bewohner alle. Die über seine Erwartung schnell erfolgte Übergabe hob seinen Muth, und da er wahrnahm, wie groß der Schrecken sei, den sein Heer verbreitete, so unterwarf er sich während dieser Bestürzung der Völker noch elf andre Bergfestungen. Nur bei wenigen hatte er Gewalt nöthig: die übrigen ergaben sich freiwillig. Und er machte in diesen tausend fünfhundert Römische Soldaten zu Gefangenen, welche hier, in die Besatzungen vertheilt, lagen. Hier wurde ihm Carvilius Spoletinus sehr nützlich, weil dieser in den Unterredungen versicherte, es sei keinem Römer Leides geschehen. Nun kam der Zug vor Oäneum an, welches ohne förmliche Belagerung nicht gewonnen werden konnte: denn die Stadt war durch ihre Mannschaft und durch ihre Mauern weit stärker, als die übrigen. Auch schützte sie auf der einen Seite der Strom, Namens Artatus, auf der andern ein sehr hoher und schwer zu ersteigender Berg. Dies Alles gab den Bürgern Muth zum Widerstande. Nachdem Perseus die Stadt umpfählt hatte, legte er auf der obern Seite einen Erdwall an, dessen Höhe die Mauern übertreffen sollte. Ehe dies Werk zu Stande kam, verloren die Bürger in öfteren Gefechten, durch welche sie bei Ausfällen theils ihre Mauer deckten, theils die feindlichen Werke hinderten, eine große Menge der Ihrigen durch mancherlei Misgeschick, und die noch übrig waren, wurden durch die bei Tage und bei Nacht fortgesetzten Arbeiten und durch ihre Wunden unbrauchbar. Sobald der Damm 356 in die Mauer einfaßte, stieg nicht allein die königliche Cohorte, welche bei den Macedoniern die Sieger hieß, hinüber, sondern man drang auch an mehreren Orten zugleich über die Leitern in die Stadt hinein. Alle Erwachsenen wurden niedergehauen; ihre Weiber und Kinder gab der Sieger in Verwahrung; die übrige Beute überließ er den Soldaten. Auf seinem Rückzuge von hier nach Stubera schickte er als Gesandte an den Gentius den Illyrier Pleuratus ab, der sich bei ihm als Flüchtling aufhielt, und den Macedonier Aputeus von Beröa. Er trug ihnen auf, dort eine Schilderung von dem zu machen, was er in diesem Sommer und Winter gegen die Römer und Dardaner ausgerichtet habe; dann sollten sie seine neuen Thaten vom Winterfeldzuge in Illyricum folgen lassen, und den Gentius auffordern, mit ihm und Macedonien in freundschaftliche Verbindung zu treten.

20. Als diese über das Scordusgebirge gegangen waren, kamen sie durch Illyricums Wüsteneien, welche die Macedonier absichtlich durch ihre Verheerungen geschaffen hatten, um den Dardanern den Übergang nach Illyricum oder Macedonien zu erschweren, und endlich nach unsäglicher Mühe zu Scodra an. König Gentius war aber zu Lissus. Er ließ die Gesandten dorthin kommen: sie fanden mit ihren Aufträgen ein gnädiges Gehör, brachten aber die nichts entscheidende Antwort zurück: «Es fehle ihm zu einem Kriege mit den Römern nicht am Willen: allein auf das, was er wünsche, sich einzulassen, fehle es ihm hauptsächlich an Gelde.» Diesen Bescheid brachten sie dem Könige nach Stubera, wo er jetzt seine Gefangenen aus Illyricum verkaufte. Er schickte sogleich dieselben Gesandten wieder hin, gab ihnen noch den Glaucias von seiner Leibwache mit, hieß sie aber keiner Geldsumme erwähnen, obgleich dies das Einzige war, was den dürftigen ausländischen König zum Kriege bewegen konnte. Als Perseus auf seinem Zuge von hier Ancyra verwüstet hatte, ging er wieder mit seinem Heere nach Penestien, verstärkte zu Uscana und 357 in allen übrigen von ihm eroberten Festen dieser Gegend die Besatzungen und zog sich nach Macedonien zurück.

21. Über Illyricum war ein Römischer Unterfeldherr gesetzt, Lucius Cölius. Er wagte es nicht, so lange der König in diesen Gegenden stand, sich zu regen, und als er endlich nach dessen Abzuge den Versuch machte, Uscana in Penestien wieder zu erobern, mußte er, von der dort liegenden Macedonischen Besatzung geschlagen, mit vielen Verwundeten abziehen, und kam mit seinen Truppen wieder zu Lychnidus an. Wenige Tage nachher schickte er von hier den Marcus Trebellius Fregellanus mit einer hinreichenden Mannschaft nach Penestien, von den Städten, welche der Römischen Freundschaft treu geblieben waren, die Geisel in Empfang zu nehmen. Er hieß ihn, auch in das Gebiet der Parthiner vorrücken; denn auch sie hatten sich zu Geiseln verstanden. Bei beiden Völkern wurden sie ohne Unruhe eingetrieben. Die Geisel der Penesten wurden nach Apollonia, nach Dyrrhachium aber – bei den Griechen war damals der Name Epidamnus gebräuchlicher – die Parthinischen geschickt.

Appius Claudius, welcher den in Illyricum erlittenen Schimpf wieder gut zu machen wünschte, unternahm einen Angriff auf PhanotePhanoten, Epiri]. – So lieset Crev. (nicht Phanote m), denn die Stadt heißt Φανότη. Aus gleichem Grunde lieset er Cap. 23. ab obsidione Phan otes., eine Bergfestung in Epirus, brachte außer dem Römischen Heere an sechstausend Mann Athamanischer und Thesprotischer Hülfstruppen mit, und richtete doch mit diesen Anstalten nichts aus, weil Clevas, welchen Perseus in der Festung zurückgelassen hatte, sie mit einer starken Besatzung vertheidigte. Auch Perseus, der nach Elimea aufgebrochen war und in dieser Gegend sein Heer gemustert hatte, zog auf Einladung der Epirotenvocantibus Epirotis]. – Es ist nicht durchaus nöthig, Epirotis in Aetolis zu verwandeln. Denn oben (Cap. [5] Supplem.) hatten die Epiroten auf Betrieb des Cephalus sich mit den Ätolern verbunden, und die Ätolische Stadt Stratus kann Epirotische Hülfstruppen haben. gegen Stratus heran. Stratus war 358 damals Ätoliens stärkste Festung. Sie liegt über dem Ambracischen Meerbusen, am Strome Achelous. Er unternahm den Zug dorthin mit zehntausend Mann zu Fuß und nur dreihundert Reutern. Wegen der engen und rauhen Wege nahm er ihrer nur Wenige mit. Als er in drei Tagen an das Gebirge Citius gelangt war und ihn bei dem hohen Schnee kaum hatte übersteigen können, fand er auch nur mit Mühe einen Platz zum Lager. Er rückte, mehr aus dem Grunde, weil er nicht bleiben konnte, als weil Weg und Wetter erträglich gewesen wären, unter großem Ungemache, welches vorzüglich die Lastthiere traf, weiter, und lagerte sich den folgenden Tag bei dem Tempel Jupiters, mit dem Zunamen des Sieggebers. Nach einem zurückgelegten sehr starken Marsche verweilte er am Flusse Arachthus, weil ihn der hochgehende Strom aufhielt. Als während dieses Aufenthalts eine Brücke fertig geworden war, und er mit seinen hinübergeführten Truppen noch einen Tagemarsch gemacht hatte, kam ihm Archidamus, einer der Ätolischen Großen, der ihm Stratus übergeben wollte, entgegen.

22. Für heute lagerte er sich an der Gränze des Ätolischen Gebiets. Von hier traf er Tags darauf vor Stratus ein. Als er hier in dem am Strome Achelous genommenen Lager voll Erwartung war, daß die Ätoler aus allen Thoren herzuströmen würden, sich in seinen Schutz zu geben, fand er nicht allein die Thore verschlossen, sondern erfuhr auch, daß sie in eben der Nacht, in welcher er selbst angekommen war, eine Römische Besatzung mit dem Unterfeldherrn Cajus Popillius eingelassen hatten. Die Häupter der Stadt nämlich, die auf das Wort des Archidamus, so lange er persönlich zugegen war, den König eingeladen hatten, die aber, während er dem Könige entgegenging, weniger aufmerksam gewesen waren, hatten der Gegenpartei Zeit gelassen, von Ambracia den Popillius 359 mit tausend Mann Fußvolk hereinzurufen. Gerade jetzt war auch Dinarchus, der Anführer der Ätolischen Reuterei, mit sechshundert Mann zu Fuß und hundert Reutern angekommen. Es war ausgemacht, daß er in der Meinung, zum Perseus zu stoßen, nach Stratus gekommen war, und sich nun, gegen den Zufall geschmeidig genug, den Römern anschloß, deren Feind er noch beim Einrücken war. Auch war Popillius unter so wankelmüthigen Menschen ganz auf seiner Hut, wie sichs gehörte. Er eignete sich sogleich die Thorschlüssel und die Besetzung der Mauern zu; und den Dinarchus mit seinen Ätolern und der Mannschaft aus Stratus selbst entfernte er unter dem Auftrage, dort die Besatzung zu machen, auf die Burg. Als Perseus, welcher von den am obern Theile der Stadt ragenden Höhen sich auf Unterredungen einlassen wollte, Alles fest entschlossen und sich sogar aus der Ferne mit Geschossen abgewiesen sah, so verlegte er sein Lager auf die andre Seite des Stroms Petitarus, fünftausend Schritte von der Stadt. Hier hielt er Kriegsrath: und da Archidamus und die zu ihm übergegangenen Epiroten den König bleiben hießen, die Ersten der Macedonier hingegen sich erklärten, sie dürften nicht gegen die feindliche Jahrszeit ankämpfen, da sie sich nicht auf Lebensmittel geschickt hätten, da sie als Belagerer den Mangel eher fühlen würden, als selbst die Belagerten, hauptsächlich weil die Feinde ihre Winterquartiere so nahe hätten; so folgte er den Abrathenden und rückte nach Aperantia vor. Die Aperantier nahmen ihn, weil Archidamus bei ihrer Nation in großer Liebe und Achtung stand, mit allgemeiner Einstimmung auf, und er ließ ihnen diesen mit einer Besatzung von achthundert Mann als Befehlshaber zurück.

23. Zwar mit nichtRex cum minore vexatione]. – Freinsheim, Gronov und Crevier lesen: Rex non minore, verwandeln also cum in non. Drakenb. hält zwar dies non für unnöthig, wenn es aber angenommen werden soll, will er lieber Rex cum non minore vexatione lesen. Dies ist auch mir darum wahrscheinlicher, weil in dem zusammengelesenen cumnonmin das non um so viel eher ausfallen konnte, und noch leichter in cumnmin. Non darf aber hier, meiner Meinung nach, wegen des folgenden Appius tamen nicht fehlen. Hätte Livius (ohne non) geschrieben: Rex cum minore etc., so war die vexatio minor für den König, im Vergleiche mit der vorigen, ein Gewinn. Daß Appius die Belagerung aufhebt, war auch Gewinn für Perseus. Dann hätte Livius fortfahren müssen: Appius etiam. Da er aber mit tamen fortfährt, so muß etwas dem Könige Unvortheilhaftes vorangegangen sein. geringerem Ungemache für 360 Thiere und Menschen, als bei seinem Anzuge, kehrte der König nach Macedonien zurück; doch bewirkte der Ruf von der Annäherung des Perseus gegen Stratus, daß Appius die Einschließung von Phanote aufhob. Clevas, der ihn mit einer Bedeckung von raschen Jünglingen verfolgte, hieb ihm von seinem Zuge, der an dem beinahe unwegsamen Fuße des Gebirges nicht fortkommen konnte, gegen tausend Mann nieder und machte an zweihundert Gefangene. Als Appius über die Schluchten hinaus war, nahm er auf einige Tage sein Standlager in einer Ebene – sie hat den Namen der Weingarten. Unterdeß zog Clevas den Philostratus an sich, unter welchem die Epiroten standen, und machte sich in das Gebiet von Antigonea hinüber. Hier gingen die Macedonier auf Plünderung, Philostratus aber legte sich mit seiner Cohorte an einem versteckten Orte in einen Hinterhalt. Die Mannschaft von Antigonea brach gegen die zerstreuten Plünderer aus, und fiel, weil sie die Fliehenden zu weit verfolgte, in den von den Feinden im Thale aufgestellten Hinterhalt. Clevas und Philostratus, welche hier an tausend Feinde tödteten, beinahe hundert Gefangene machten und allenthalben Glück gehabt hatten, lagerten sich nun dem Standorte des Appius näher, um auch ihre Verbündeten gegen jeden Angriff vom Römischen Heere zu decken. Appius, der in dieser Gegend seine Zeit vergeblich aufopferte, ließ die Chaonischen Hülfstruppen und was er an Epiroten hatte, aus einander gehen, ging mit den Italischen Truppen wieder nach Illyricum, vertheilte sie in die Winterquartiere auf die Städte der Parthiner, seiner Bundsgenossen, und kehrte für seine Person zur Ausrichtung eines Opfers nach Rom zurück. Perseus schickte tausend Mann zu Fuß und zweihundert Reuter, die er aus Penestien zurückrief, als 361 Besatzung nach Cassandrea. Vom Gentius kamen seine Gesandten mit der vorigen Antwort zurück. Er hörte seitdem nicht auf, immer durch andre Abgeordnete den König zu bearbeiten, weil es ihm einleuchtete, wie wichtig ihm sein Beistand sein würde, und er es doch nicht über sich erhalten konnte, an eine Verbindung, die für ihn in jeder Rücksicht von so entscheidendem Ausschlage sein mußte, die Kosten zu wenden. * * * ** * * *]. – Wenn man nicht etwa annehmen will, daß hinter destitit ein Punctum stehen müsse, und mit Quum appareret ein neuer Satz angehe, so scheint hier auf den ersten Anblick nichts zu fehlen. Darum hat auch Crev. die Sternchen weggelassen. Drakenb. aber glaubt (aus 44, 23.), hieher gehöre die Absendung des Hippias, und das vom Perseus dem Gentius gegebene Versprechen, ihm 300 Talente zu zahlen. Dann hätte jene Stelle (44, 23.) auf die hier ausgelassene ihre Beziehung. Da aber Livius 44, 23. mit einer Art von Einleitung anhebt, und die Stelle auch ohne Beziehung auf eine frühere Angabe sich sehr gut verstehen lässet, so scheint eine frühere Erwähnung nicht durchaus nöthig zu sein.

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