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Römische Geschichte

Livius: Römische Geschichte - Kapitel 147
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Geschichte Bd. I
authorTitus Livius
translatorKonrad Heusinger
firstpub1821
year1821
publisherFriedrich Vieweg Verlag
addressBraunschweig
titleRömische Geschichte
created20060416
sendergerd.bouillon
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29. In diesem Jahre wurde nach Graviscä auf Hetrurischem, vormals den Tarquiniensern abgenommenen Grund und Boden eine Pflanzung abgeführt. Jeder bekam fünf Morgen Landes. Die Abführung hatten die Dreiherren Cajus Calpurnius Piso, Publius Claudius Pulcher, Cajus Terentius Istra. Dies Jahr zeichnete sich durch Dürre und Unfruchtbarkeit aus. Man findet angegeben, daß es in sechs Monaten nicht Einmal geregnet habe. In eben diesem Jahre fanden auf einem dem Schreiber Lucius Petillius gehörigen Acker unten am Janiculum die 127 Arbeiter, als sie die Erde tiefer aufgruben, zwei steinerne Kasten, jeden fast acht Fuß lang und vier Fuß breit, und die Deckel mit Blei befestiget. Beide Kasten hatten eine Lateinische und Griechische Inschrift: in dem einen sollte Numa Pompilius, des Pompo Sohn, König der Römer, beigesetzt sein, der andre die Bücher des Numa Pompilius enthalten. Als der Besitzer auf seiner Freunde Zureden die Kasten öffnete, fand sich der eine, in welchem der Aufschrift zufolge, der König begraben lag, ganz leer, ohne alle Spur eines menschlichen Körpers, oder sonst irgend einer Sache, weil durch die Verwesung in so vielen Jahren Alles verschwunden war. In dem andern enthielten zwei mit gewichsten Schnüren umwundene Packete, jedes sieben Bücher, die nicht allein unversehrt waren, sondern auch völlig neu aussahen. Die sieben Lateinischen handelten vom oberpriesterlichen Rechte, die sieben Griechischen von der Weltweisheit, wie sie in jenem Zeitalter sein konnte. Valerius von Antium setzt hinzu, sie seien Pythagorisch gewesen, so daß er sich mit seiner Versicherung durch diese glaubliche Lüge der gemeinen Meinung anschmiegt, nach welcher Numa ein Zuhörer des Pythagoras gewesen sein soll. Von den Freunden des Schreibers, die dabei zugegen waren, wurden die Bücher zuerst gelesen. Als sie durch die mehreren Leser bekannter wurden, ließ sie sich der Stadtprätor Quintus Petillius, neugierig sie zu lesen, vom Lucius Petillius geben. Sie standen in näherem Umgange, weil Quintus Petillius als Schatzmeister jenen in der Classe der Schreiber angestellt hatte. Als er bei Übersicht des Hauptinhalts wahrnahm, daß sie sich meistens auf eine Abstellung des Gottesdienstes bezogen, so sagte er dem Lucius Petillius: «Er werde diese Bücher ins Feuer werfen. Ehe er das thue, wolle er ihm überlassen, von jedem Rechte, von jedem Hülfsmittel Gebrauch zu machen, wodurch er sich den Wiederbesitz der Bücher verschaffen zu können glaube. Er könne dies ihrer Freundschaft unbeschadet thun.» Der Schreiber wandte sich an die Bürgertribunen: die Tribunen verwiesen die Sache an den Senat. Der 128 Prätor versicherte, er sei bereit zu schwören, daß diese Bücher nicht gelesen und aufbehalten werden müßten. Darauf erklärte der Senat: «Es sei hinreichend, daß sich der Prätor zu diesem Eide erbiete. Die Bücher müsse man je eher je lieber auf dem Versammlungsplatze verbrennen. Der Preis der Bücher, so hoch ihn der Prätor Quintus Petillius und der größere Theil der Bürgertribunen bestimmen würden, solle dem Besitzer ausgezahlt werden.» Der Schreiber nahm das Geld nicht an. Die Bücher wurden auf dem Versammlungsplatze auf einem von den Opferdienern angezündeten Feuer vor den Augen des Volks verbrannt.

30. Im diesseitigen Spanien kam während dieses Sommers ein ernsthafter Krieg zum Ausbruche. Gegen fünfunddreißigtausend Menschen, mehr als jemals vorher, hatten die Celtiberer zusammengebracht. Quintus Fulvius Flaccus hatte dort seinen Standort. Weil er gehört hatte, daß die Celtiberer ihre Mannschaft bewaffneten, so hatte auch er von den Bundsgenossen so viele Hülfstruppen als möglich zusammengezogen: allein er kam dem Feinde in der Anzahl bei weitem nicht gleich. Mit Frühlingsanfang führte er sein Heer in Carpetanien, und nahm sein Lager bei der Stadt Äbura, in die er eine mäßige Besatzung gelegt hatte. Wenig Tage nachher schlugen die Celtiberer in einer Entfernung von beinahe zweitausend Schritten unter einer Anhöhe ihr Lager auf. Als der Römische Prätor ihre Ankunft erfuhr, schickte er seinen Bruder Marcus Fulvius mit zwei Geschwadern Bundesreuterei ab, das feindliche Lager in Augenschein zu nehmen, mit dem Befehle, sich dem Walle so viel als möglich zu nähern, um zu erfahren, wie groß es sei. Alles Gefechts aber sollte er sich enthalten, und wenn er die feindliche Reuterei ausrücken sehe, sich zurückziehen. Er that, wie ihm befohlen war. Mehrere Tage über wurde nichts weiter unternommen, als daß jene beiden Geschwader sich zeigten, und dann, wenn die feindliche Reuterei aus ihrem Lager hervorbrach, wieder abgeführt wurden. Endlich traten die Celtiberer, die zugleich mit allen ihren 129 Truppen zu Fuß und zu Pferde aus ihrem Lager rückten, in der Richtung einer Schlachtreihe fast in der Mitte des Raums zwischen beiden Lagern auf. Das ganze Feld war eben und eignete sich zu einer Schlacht. Hier standen die Spanier, den Feind erwartend. Vier Tage nach einander behielt der Römische Feldherr die Seinigen in seinem Walle, und jene stellten immer auf demselben Platze ihre Schlachtordnung auf. Die Römer unternahmen nichts. Seitdem blieben auch die Celtiberer ruhig im Lager, weil das Treffen nicht angenommen wurde: nur die Reuterei rückte auf ihren Posten aus, um, wenn der Feind etwas unternähme, in Bereitschaft zu sein. Hinter ihrem Lager gingen beide Parteien auf Futter- und Holzholungen aus, ohne daß eine von beiden die andre gehindert hätte.

31. Der Römische Prätor, als er glaubte, sein Stillsitzen seit so vielen Tagen habe den Feinden die sichere Hoffnung eingeflößt, daß er nicht zuerst auftreten werde, hieß den Lucius Acilius mit der linken Abtheilung der Bundesgenossen und sechstausend Mann vom Hülfskohre der dortigen Landestruppen den Berg im Rücken der Feinde umgehen, und von dort herab, sobald er das Schlachtgeschrei höre, über ihr Lager herfallen. Um nicht sichtbar zu werden, brachen sie in der Nacht auf. Mit dem ersten Morgenlichte sandte Flaccus den Obersten der Bundestruppen Cajus Scribonius mit der auserlesenen Reuterei der linken Abtheilung gegen das feindliche Lager. Sobald die Celtiberer diese und zwar in stärkerer Anzahl, als gewöhnlich, sich nähern sahen, strömte ihre ganze Reuterei zum Lager hinaus und zugleich erhielt das Fußvolk das Zeichen zum Ausrücken. Scribonius kehrte, wie ihm befohlen war, sobald er das Getümmel der Reuterei vernahm, mit seinen Pferden um und suchte sein Lager wieder. So viel hitziger stürzten ihm die Feinde nach. Zuerst erschien ihre Reuterei, dann auch die Linie ihres Fußvolks, in der sichern Erwartung, heute den Angriff auf das Lager zu thun. Fünfhundert Schritte, nicht weiter, waren sie noch vom Walle entfernt. Wie also Flaccus glaubte, sie weit genug von der Beschützung ihres 130 Lagers weggezogen zu haben, brach er mit seinem innerhalb des Walles aufgestellten Heere zugleich auf drei Seiten aus, unter einem Geschreie, das nicht bloß den Muth zum Kampfe wecken, sondern auch denen auf dem Gebirge hörbar werden sollte. Und diese säumten nicht, zum Angriffe auf das Lager, wie ihnen befohlen war, herabzukommen, in welchem fünftausend Mann, mehr nicht, zur Bedeckung gelassen waren. Da diesen ihre eigne Schwäche, die Stärke der Feinde und die Überraschung den Muth benahm, so wurde das Lager fast ohne Gefecht erobert: und die Seite vom Lager, die den Schlachtliefernden am meisten vor dem Blicke lag, steckte Acilius in Brand.

32. Die letzten Glieder in der Linie der Celtiberer wurden die Flamme zuerst gewahr. Dann theilte sichs die ganze Linie mit, ihr Lager sei erobert; gerade jetzt stehe es in vollen Flammen. Was sie in Schrecken setzte, erhöhete den Muth der Römer; und schon vernahmen sie das Geschrei der siegenden Ihrigen; brennend zeigte sich ihnen das feindliche Lager. Ein Weilchen wankten die Celtiberer in Unentschlossenheit: weil sie aber, wenn sie geschlagen wurden, sich auf Nichts zurückziehen konnten, und nur die Schlacht allein sie hoffen ließ, so erneuerten sie den Kampf so viel hartnäckiger. Auf ihrem Mittelpunkte wurden sie von der fünften Legion heftig bedrängt: aber gegen den linken Flügel, wo sie die Hülfstruppen der dortigen Landeskinder von den Römern aufgestellt sahen, brachen sie mit größerem Zutrauen ein. Und es war nahe daran, daß der linke Flügel der Römer geschlagen wäre, wäre nicht die siebente Legion eingerückt. Zugleich traf aus der Stadt Äbura die dort zurückgelassene Besatzung mitten im hitzigsten Kampfe ein, und im Rücken zeigte sich Acilius. Das Gemetzel unter den in die Mitte genommenen Celtiberern war anhaltend. Die Übriggebliebenen nahmen allenthalben die Flucht nach allen Seiten. Die Reuterei, die in zwei Abtheilungen ihnen nachgeschickt wurde, machte sehr viele nieder. Gegen dreiundzwanzigtausend Feinde wurden an diesem Tage 131 erlegt, viertausend siebenhundert gefangen genommen und über vierhundert Pferde erbeutet nebst achtundachtzig Fahnen. Der Sieg war groß, er hatte aber Blut gekostet. Von den zwei Legionen fielen etwas über zweihundert Römer, an Latinischen Bundsgenossen achthundert und dreißig, an ausländischen Hülfstruppen fast zweitausend und vierhundert. Der Prätor führte das siegreiche Heer in sein Lager zurück. Acilius mußte in dem von ihm eroberten Lager bleiben. Am folgenden Tage sammelte man die feindliche Beute; und Alle, deren Tapferkeit sich ausgezeichnet hatte, wurden vor der Versammlung beschenkt.

33. Nun wurden die Verwundeten in die Stadt Äbura gebracht, und die Legionen durch Carpetanien vor Contrebia geführt. Diese Stadt wurde eingeschlossen und sie ließ zu ihrem Entsatze Celtiberer herbeirufen: als aber diese ausblieben, nicht etwa, weil sie geflissentlich zögerten, sondern weil auf ihrem Marsche von der Heimat die durch anhaltende Regengüsse ungangbar gewordenen Wege und angeschwollenen Ströme sie aufhielten, hoffte sie nicht länger auf Hülfe von den Ihrigen und ergab sich. Auch Flaccus sah sich durch die abscheuliche Witterung genöthigt, sein ganzes Heer in die Stadt zu legen. Als die aus ihrer Heimat aufgebrochenen Celtiberer, sobald die Regengüsse nachließen, endlich über die Ströme gingen, und ohne von der Übergabe zu wissen, sich Contrebia näherten, so glaubten sie, weil sie nirgend ein Lager vor den Mauern sahen, entweder sei es auf die andre Seite verlegt, oder der Feind schon abgezogen und kamen in aller Sorglosigkeit zur Stadt herangestürzt. Da thaten die Römer aus zwei Thoren einen Ausfall auf sie und warfen die Ungeordneten, so wie sie angriffen. Was diese nicht zum Widerstande, nicht zum Gefechte kommen ließ, daß sie nämlich nicht in Einem Zuge, nicht im Schlusse unter den Fahnen herankamen, gerade dies war ihnen großentheils zur Flucht sehr heilsam. Denn allenthalben über das ganze Feld zerstreuet, liefen sie aus einander, und nirgend konnte der Feind sie in Haufen umringen. Dennoch verloren sie gegen 132 zwölftausend Mann, an Gefangenen über fünftausend, vierhundert Pferde, zweiundsechzig Feldzeichen. Die versprengten Flüchtlinge, welche ihre Heimat aufsuchten, veranlaßten durch die Erzählungen von der Übergabe Contrebia's und ihrer eignen Niederlage das zweite Heer der heranziehenden Celtiberer zur Umkehr. Und sogleich verliefen sie sich Alle in ihre Flecken und Schanzen. Flaccus machte nach seinem Aufbruche von Contrebia mit seinen Legionen einen verheerenden Zug durch Celtiberien, und erstürmtecastella expugnavit]. – So lese ich hier, und eben so Cap. 47. u. 50., statt oppugnavit, mit Gron., Crev., Drak. viele Schanzen, bis sich der größte Theil der Celtiberer ergab.

34. So weit die Begebenheiten dieses Jahres im diesseitigen Spanien. Auch im jenseitigen lieferte der Prätor Manlius den Lusitanern mehrere glückliche Treffen. Nach Aquileja auf Gallischem Gebiete wurden in diesem Jahre Latinische Pflanzbürger abgeführt. Dreitausend Mann zu Fuße bekamen jeder funfzig Morgen Landes, die Hauptleute hundert, die Ritter hundert und vierzig. Die Dreiherren, welche die Hinführung hatten, waren Publius Cornelius Scipio Nasica, Cajus Flaminius, Lucius Manlius Acidinus. Zwei Tempel wurden in diesem Jahre geweihet: der eine der Venus Erycina am Collinischen Thore. Ihn weihete der Zweiherr Lucius Porcius Licinus, des Lucius Sohn; verheißen hatte ihn im Ligurischen Kriege der Consul Lucius Porcius. Der andre war der Tempel der Pietas am Kohlmarkte. Diesen weihete der Zweiherr Manius Acilius Glabrio; auch stellte er seines Vaters Glabrio vergoldetes Standbild auf, von allen vergoldeten Standbildern in Italien dasPrima omnium]. – Die schon 38, 35. erwähnten signa aurata widersprechen dieser Behauptung nicht: denn dort sind signa Götterbilder, αγάλματα, hier ist statua, ανδρίας. Ich will zwar nicht behaupten, daß statua bloß Menschenbilder, im Gegensatze von Götterbildern, bedeute; doch erinnere ich mich keines Beispiels, wo statua ein Götterbild wäre. Auch finde ich keins in Gesn. Thes. Ginge statua bloß auf Menschen, dann wäre die Vermuthung unnöthig, daß vielleicht die Lesart omnium aus hominis entstanden sei. erste. Dieser hatte den Tempel an jenem Tage selbst verheißen, an 133 dem er sich bei Thermopylä des Sieges über den König Antiochus versichern wollte, hatte ihn auch nach einem Senatsschlusse in Verding gegeben. In eben den Tagen, an welchen diese Tempel geweihet wurden, hielt Lucius Ämilius Paullus als Proconsul seinen Triumph über die Ingaunischen Ligurier. Er führte fünfundzwanzig goldene Kränze auf; außer diesen kam in diesem Triumphe weiter kein Gold und Silber ein. Viele vornehme Ligurier zogen als Gefangene seinem Wagen voran. Jedem Soldaten gab er zum Antheile dreihundert AssEtwa 5 Thlr. 10 Ggr.. Was den Ruf dieses Triumphes noch vergrößerte, waren die angekommenen Ligurischen Gesandten, welche um einen beständigen Frieden baten: «denn die Ligurische Nation sei entschlossen, nie wieder eine Waffe anzurühren, außer wenn sie ihnen vom Römischen Volke auferlegt werde.» Auf Befehl des Senats gab der Prätor Quintus Fabius den Liguriern zur Antwort: «Diese Sprache der Ligurier sei nicht neu; ob sie aber neue, mit dieser Sprache übereinstimmende Gesinnungen hegten, dies könne niemanden so viel verschlagen, als ihnen selbst. Sie möchten sich an die Consuln wenden, und thun, was ihnen von diesen befohlen würde. Die Consuln seien die Einzigen, denen es der Senat zuglauben wolle, daß die Ligurier es mit dem Frieden ehrlich meinten.» In Ligurien blieb es wirklich beim Frieden. In Corsica aber wurde den Corsen eine Schlacht geliefert. Der Prätor Marcus Pinarius hieb ihrer an zweitausend im Treffen nieder, und durch diesen Verlust bewogen lieferten sie Geisel und hunderttausend Pfund Wachs. Von hier ging das Heer nach Sardinien über und lieferte den Iliensern, einem selbst jetzt noch nicht völlig beruhigten Volke, einige glückliche Treffen. Den Carthagern gaben die Römer in diesem Jahre die hundert Geisel wieder, und erhielten ihnen für diesmalpacemque cum iis]. – Gronov und Crevier verwerfen mit Drakenborch dieses cum aus guten Gründen, und der Letztere zieht die Lesart tum, der ich folge, aus dem Cod. Harl. vor. Eben dieser Cod. Harlej. lieset nachher: qui cum praesidio, welches Crevier aus dem Cod. Victor. bestätigt. nicht nur den Frieden von 134 ihrer Seite, sondern auch mit dem Könige Masinissa, welcher das streitige Gebiet mit Truppen besetzt hatte.

35. Die Consuln fanden auf ihrem Standorte nichts zu thun. Marcus Bäbius, der zum Wahlgeschäfte nach Rom zurückgerufen wurde, hatte den Vorsitz, als Aulus Postumius Albinus Luscus und Cajus Calpurnius Piso zu Consuln gewählt wurden. Darauf wurden zu Prätoren ernannt Tiberius Sempronius Gracchus, Lucius Postumius Albinus, Publius Cornelius Mammula, Tiberius Minucius Molliculus, Aulus Hostilius Mancinus, Cajus Mänius. Sie alle traten auf den funfzehnten März ihr Amt an.

Mit dem Anfange des Jahrs, in welchem Aulus Postumius Albinus und Cajus Calpurnius Piso Consuln waren, wurden vom Consul Aulus Postumius dem Senate die Abgeordneten vorgestellt, welche Quintus Fulvius Flaccus aus dem diesseitigen Spanien geschickt hatte; sein Unterfeldherr Lucius Minucius und zwei Obersten, Titus Milnius und Lucius Terentius Massiliota. Sie berichteten zwei Siege, die Übergabe Celtiberiens, die vollendete Eroberung, und daß es für dieses Jahr nicht nöthig sei, den gewöhnlich zu überschickenden Sold oder Getreidezufuhren zum Heere abgehen zu lassen: dann baten sie den Senat, Einmal, «für diese glücklichen Thaten den unsterblichen Göttern den Ehrendank darbringen zu lassen:» zum Andern, «dem Quintus Fulvius zu erlauben, daß er, beim Abgange von seinem Standplatze, das Heer, von dessen tapfren Diensten sowohl er, als schon viele Prätoren vor ihm, Gebrauch gemacht hätten, dort abführen dürfe. Außerdem daß dies pflichtmäßig sei, werde es auch fast selbst durch die Noth geboten. Denn die Soldaten rechneten so fest darauf, daß es dem Anscheine nach unmöglich sei, sie länger dort im Auslande zu halten; und daß sie, wenn man sie nicht entließe, ohne Befehl dort abziehen, oder, wollte man sie mit Ernst zurückhalten, zu einem höchst verderblichen Aufruhre losschlagen würden.»

135 Beiden Consuln bestimmte der Senat Ligurien zu ihrem Kriegsposten. Nun loseten die Prätoren. Den Aulus Hostilius traf die Gerichtspflege in der Stadt, den Tiberius Minucius die über die Fremden; den Publius Cornelius Sicilien, den Cajus Mänius Sardinien. Die beiden Spanien fielen, das jenseitige dem Lucius Postumius zu, das diesseitige dem Tiberius Sempronius. Weil dieser des Quintus Fulvius Flaccus Nachfolger werden sollte, so sprach er, um sich auf seinem Posten das alte Heer nicht nehmen zu lassen: «Ich frage bei dir an, Lucius Minucius, da du uns eine völlige Eroberung berichtest, ob du glaubst, daß die Celtiberer ununterbrochen bei ihrer Pflicht beharren werden, so daß sich jene Provinz ohne Heer behaupten lasse. Kannst du dich aber für die Treue der Barbaren nicht verbürgen oder sie uns versprechen, und findest es nöthig, dort ein Heer zu halten; würdest du dann dem Senate dazu rathen, Ergänzungstruppen nach Spanien abgehen zu lassen, so daß, bloß nach Entlassung solcher Truppen, welche ihre Dienstzeit ausgehalten haben, die Neulinge unter die übrigen Altkrieger eingereihet werden; oder nach Abführung der alten Legionen aus der Provinz, neue zu errichten und hingehen zu lassen; obgleich die Nichtachtung der Neulinge selbst friedsamere Barbaren zur Erneurung des Krieges auffordern könne. Ferner, ob nicht die völlige Unterwerfung eines so trotzigen, so empörungssüchtigen Volks, den Worten nach leichter sei, als in der Wirklichkeit. So viel ich höre, haben sich nur wenige Städte, die am meisten durch die Nähe unsrer Winterquartierungen bedrohet wurden, unsrer Verfügung und Oberherrschaft unterworfen; die entlegneren sind in den Waffen. Unter solchen Umständen, versammelte Väter, kann ich schon von hier aus vorhersagen, ich werde mit dem Heere, welches jetzt dort steht, der Sache des Stats mich unterziehen: nimmt aber Flaccus die Legionen mit sich, so werde ich mir zu Winterquartieren unangefochtene Gegenden aussuchen, nicht aber meine neuen Soldaten dem kecksten Feinde preisgeben.»

136 36. Auf die an ihn ergangenen Fragen antwortete der Unterfeldherr: «Weder er noch irgend jemand könne ahnen, wie die Celtiberer dächten, oder künftig denken würden. Er könne also nicht leugnen, daß es besser sein werde, selbst nach ruhigen Barbaren, wenn sie noch nicht ganz an den Gehorsam gewöhnt wären, ein Heer zu schicken. Ob aber hier ein neues, oder das altes Heer nöthig sei, habe nur der zu bestimmen, der vorherwissen könne, wie treu die Celtiberer den Frieden halten würden, und der zugleich auch darüber gewiß sei, ob die Soldaten, wenn sie länger in der Provinz zurückbleiben müßten, sich ruhig verhalten würden. Wenn man aus dem, was sie entweder in Gesprächen unter einander, oder durch laute Antworten auf die Vorträge des Feldherrn zu erkennen gäben, auf ihre Stimmung schließen müsse; so hätten sie frei genug ausgerufen, sie wollten entweder ihren Feldherrn in der Provinz behalten, oder mit ihm nach Italien kommen.» Diese Auseinandersetzung des Prätors mit dem Unterfeldherrn wurde durch den Antrag der Consuln unterbrochen, welche es für schicklich erklärten, daß ihnen selbst, ehe vom Heere eines Prätors die Rede sein könne, ihre Standplätze bestellt würden. Den Consuln wurde ein ganz neues Heer bestimmt, jedem zwei Römische Legionen mit der gehörigen Reuterei, und an Latinischen Bundestruppen so viel; wie immer, funfzehntausend zu Fuß und achthundert Ritter. Mit diesem Heere sollten sie die Apuanischen Ligurier bekriegen. Dem Publius Cornelius und Marcus Bäbius wurde der Oberbefehl verlängert, und sie sollten ihre Standplätze so lange behalten, bis die Consuln kämen, dann aber nach Entlassung ihres jetzigen Heeres nach Rom zurückkommen. Nun kam man über das Heer des Tiberius Sempronius zur Sprache. Die Consuln erhielten Befehl, für ihn eine neue Legion von fünftausend zweihundert Mann zu Fuß und vierhundert Rittern auszuheben, und außerdem noch an gebornen Römern tausend zu Fuß nebst funfzig Rittern; ferner die Bundesgenossen des Latinergebiets siebentausend Mann Fußvolk und dreihundert 137 Ritter stellen zu lassen. Mit diesem Heere sollte Tiberius Sempronius nach dem diesseitigen Spanien abgehen. Dem Quintus Fulvius wurde freigestellt, diejenigen Soldaten, möchten sie geborne Römer oder Bundesgenossen sein, die vor dem ConsulateDiese waren im Jahre 566 Consuln gewesen. Folglich hatten diese Truppen über sechs Jahre in Spanien gedient. des Spurius Postumius und Quintus Marcius nach Spanien abgeführt waren, ferner was nachDiese sollten jetzt mit dem Tib. Gracchus nach Spanien abgehen. Ankunft der Ergänzungstruppen in zwei Legionen über zehntausend vierhundert Mann zu Fuß und sechshundert Ritter, und an Latiner Bundestruppen über zwölftausend Mann und sechshundert Ritter zu viel sei, solche nämlich, die dem Quintus Fulvius in den beiden Schlachten gegen die Celtiberer tapfre Dienste geleistet hätten, wenn er nichts dawider habe, bei seinem Abzuge mitzunehmen. Auch wurde wegen seiner glücklichen Verrichtungen im Amte ein Dankfest bewilligt; und die übrigen Prätoren mußten auf ihre Posten abgehen. Dem Quintus Fabius Buteo wurde der Oberbefehl in Gallien verlängert. Man setzte die Zahl der Truppen, außer dem alten Heere, welches in Ligurien seiner nahen Verabschiedung entgegen sah, für dieses Jahr auf acht Legionen. Und selbst dieser Heeresmacht gab man die Vollzähligkeit nur mit Mühe, weil jene Seuche schon ins dritte Jahr die Stadt Rom und Italien verheerte.

37. Es starben der Prätor Tiberius Minucius, nicht lange nachher der Consul Cajus Calpurnius, und viele andre angesehene Männer von allen Ständen. Zuletzt hielt man dies Unglück für ein Zeichen göttlicher Ungnade. Der Hohepriester wurde befehligt, Sühnmittel des göttlichen Zorns aufzufinden; die Zehnmänner, die heiligen Bücher nachzuschlagen; der Consul, dem Apollo, dem Äsculap, der Salus Geschenke zu verheißen und ihnen vergoldete Standbilder zu weihen. Er verhieß und weihete sie. Die Zehnmänner verordneten eine zweitägige Andacht mit Gebeten um Genesung, sowohl in der Stadt, als an allen Gerichtsorten und Marktplätzen. Alles, was über 138 zwölf Jahre alt war, verrichtete die Andacht bekränzt und mit Lorberzweigen in der Hand. Man hegte sogar Verdacht auf menschliche Bosheit, und nach einem Senatsschlusse wurde dem Prätor Cajus Claudius, der in die Stelle des Tiberius Minucius gewählt war, eine Untersuchung über Vergiftungen aufgetragen, die in der Stadt und diesseit des zehnten Meilensteins verübt wären: die über den zehnten Stein hinaus in den Gerichtsorten und Marktplätzen, dem Cajus Matienus, ehe er auf seinen, Standort nach Sardinien überginge. Vorzüglich war der Tod des Consuls verdächtig. Es hieß, seine Gattinn Hostilia Quarta habe ihn vergeben. Und wie nun ihr Sohn Quintus Fulvius Flaccus an des Stiefvaters Stelle zum Consul erklärt wurde, kam der Tod des Piso noch weit mehr in Verruf. Es fanden sich Zeugen, welche aussagten, nach der Erklärung des Albinus und Piso zu Consuln, bei welcher Wahl Flaccus abgewiesen war, habe ihm die Mutter Vorwürfe gemacht, daß ihm nun schon zum dritten Male die Bitte um das Consulat abgeschlagen sei, und habe hinzugesetzt: «Er möge sich auf das Ansuchen gefaßt machen; binnen zwei Monaten wolle sie bewirken, daß er Consul werde.» Unter vielen andern Zeugnissen, die auf die Sache Einfluß hatten, waren auch diese durch ihren nur zu wahren Erfolg bestätigten Worte ein Grund zur Verurtheilung der Hostilia. Im Anfange dieses Frühjahrs rückten unterdessen, daß die neuen Consuln die Werbung zu Rom festhielt, und dann der Tod des Einen und die zur Wiederbesetzung seiner Stelle zu haltende Wahl Alles verspätete, Publius Cornelius und Marcus Bäbius, die in ihrem Consulate nichts Denkwürdiges gethan hatten, mit ihrem Heere gegen die Apuanischen Ligurier vor.

38. Die Ligurier, die vor der Ankunft der Consuln auf ihren Standort keinen Krieg erwartet hatten, sahen sich unvermuthet überfallen, und ihrer an zwölftausend Menschen ergaben sich. Cornelius und Bäbius, überzeugt, daß der Ligurische Krieg nicht eher sein Ende erreichen werde; beschlossen nach vorhergegangener 139 schriftlichen Anfrage bei dem Senate, diese Leute von ihren Gebirgen in ein flaches Land herabzuführen, weit genug von ihrer Heimat, so daß sie keine Rückkehr zu hoffen hätten. Rom hatte Statsländereien im Samnitischen, ehemals Taurasinisches Eigenthum. Auf diese wollten sie die Apuanischen Ligurier herüberführen und machten bekannt: «Dieut Ligures Apuani de montibus descenderent]. – So lese ich nach Muretus. Auch darf uns die Wiederholung der Worte Ligures Apuani nicht anstößig sein. Sie werden hier als Formel wiederholt. Crevier sagt sehr richtig: Verba sunt edicti consulum. Apuanischen Ligurier sollten mit Weib und Kind von den Gebirgen herabkommen und alles Ihrige mitbringen.» Die Ligurier ließen zu wiederholten Malen durch Gesandte bitten, man möge sie nicht zwingen, ihre Hausgötter, den Wohnsitz, wo sie geboren wären, die Gräber ihrer Vorfahren zu verlassen, und versprachen ihre Waffen zu liefern und Geisel zu geben. Weil sie durchaus kein Gehör fanden und zum Kriege zu schwach waren, leisteten sie der Bekanntmachung Gehorsam. Gegen vierzigtausend Freigeborne wurden mit Weibern und Kindern auf Kosten des Stats versetzt. Man gab ihnen hundert funfzigtausend SilberdenareCL millia]. – Nach Crev. wahrscheinlich Denare. Diese gäben etwa 46,880 Gulden Conv. M. Er glaubt aber auch, daß die Abschreiber die Summe zu klein angegeben haben., um sich die zu ihrem neuen Anbaue nöthigen Bedürfnisse anzuschaffen. Zu Aufsehern bei der Vertheilung und Einräumung der Länderei machte man den Cornelius und Bäbius, welche die Ausführung geleitet hatten. Weil aber diese selbst es verlangten, so gab ihnen der Senat Fünfherren zu, nach deren Rathe sie verfahren könnten. Als sie nach vollendetem Geschäfte ihr altes Heer nach Rom führten, wurde ihnen vom Senate ein Triumph zuerkannt. Sie waren die Ersten, die ohne Krieg geführt zu haben, triumphirten, doch so, daß nur die feindlichen Gefangenen dem Wagen voraufgingen; denn es gab bei ihren Triumphen keine Beute zur Schau zu tragen oder zu fahren, eben so wenig als eine unter die Soldaten zu vertheilende Summe.

39. In eben diesem Jahre führte Fulvius Flaccus 140 als consularischer Stellvertreter in Spanien, weil sein Nachfolger später auf seinem Posten eintraf, das Heer aus den Winterquartieren und ließ sich es angelegen sein, das jenseitige Celtiberien zu verheeren, weil sich von dort niemand zu einer Übergabe eingefunden hatte. Hiedurch erbitterte er die Barbaren mehr, als er sie schreckte. Heimlich sammelten sie Truppen und besetzten den Manlianischen Waldpaß, durch welchen, wie sie gewiß wußten, das Römische Heer seinen Weg zu nehmen hatte. Seinem Amtsgenossen Lucius Postumius Albinus, als er nach dem jenseitigen Spanien abging, hatte Gracchus aufgetragen, dem Quintus Fulvius anzuzeigen, daß er das Heer nach Tarraco führen möge: denn hier wolle er das alte Heer verabschieden lassen, die Ergänzungen vertheilen und das ganze Heer einordnen. Auch wurde dem Flaccus ein Tag, und zwar ein nicht entfernter, angegeben, auf welchen sein Nachfolger eintreffen wolle. Da diese neue Mittheilung den Flaccus nöthigte, seine Unternehmung aufzugeben und das Heer eiligst aus Celtiberien abzuführen, so besetzten die Barbaren, die mit der Veranlassung unbekannt, sich einbildeten, er habe ihren Abfall und ihre geheimen Rüstungen erfahren und sei in Furcht gerathen, den Wald mit so viel größerer Zuversicht. Als der Zug der Römer bei frühem Morgen den Paß betrat, griffen plötzlich die auf zwei Seiten zugleich hervorbrechenden Feinde die Römer an. Kaum wurde es Flaccus gewahr, so stillte er das erste Getümmel dadurch, daß er durch die Hauptleute befehlen ließ, Alle sollten im Zuge stehen bleiben, jeder auf seinem Platze und die Waffen zur Hand nehmen: und sobald das Gepäck und die Lastthiere auf Einen Ort geschaffet waren, stellte er, ohne die mindeste Übereilung, theils selbst, theils durch die Unterfeldherren und Obersten, so wie Zeit und Ort es verlangten, alle seine Truppen auf, nicht ohne die Erinnerung, sie hätten mit einem Feinde zu thun, der sich schon zweimal ergeben habe. In Bosheit und Treulosigkeit habe es dieser weiter gebracht, nicht in Tapferkeit und Muth. Ihre sonst ruhmlose Heimkehr ins Vaterland 141 werde jetzt durch diese verherrlicht und denkwürdig gemacht. Nun könnten sie Schwerter, vom frischen Blutbade der Feinde geröthet, Beute noch von Blute triefend, zum Triumphe nach Rom mitbringen.» Die Zeit gestattete keinen längern Vortrag. Die Feinde drangen ein; auf den äußersten Ecken wurde schon gefochten. Nun trafen die Schlachtreihen auf einander.

40. Schrecklich war der Kampf überall, aber nicht von gleichem Erfolge. Die Legionen fochten mit Auszeichnung; mit nicht minderem Eifer beide Abtheilungen der Bundesgenossen: nur die fremden Hülfsvölker litten unter einem Feinde, der mit ihnen gleiche Rüstung, aber bei weitem bessere Krieger hatte, und konnten ihren Platz nicht behaupten. Als die Celtiberer sahen, daß sie in geordneter Reihe und Mann gegen Mann den Legionen nicht gewachsen waren, drangen sie im Keilschlusse vor: und in dieser Kampfstellung geben sie sich eine Überlegenheit, daß sie da, wo ihr Angriff zum Einbruche kommt, unaufhaltbar werden. Auch jetzt geriethen die Legionen in Unordnung und beinahe war die Linie getrennt. Als Flaccus diese Verwirrung sah, jagte er zu den Rittern der Legionen hin und rief: «Ob noch wohl Hülfe bei euch zu erwarten steht? oder soll es jetzt um dies Heer geschehen sein?» Auf ihren Zuruf von allen Seiten: Er möge ihnen kund thun, was er gethan wissen wolle; ungesäumt würden sie den Befehl vollziehen, sprach er: «Schiebt eure Geschwader, ihr Ritter, von beiden Legionen zusammen und laßt eure Pferde auf den Keil, mit dem die Feinde die Unsrigen bedrängen. Sprengt ihr mit entzügelten Pferden gegen sie, so werdet ihr von den Pferden selbst so viel mehr Wirkung haben: und oft haben es Roms Ritter, so sagt die Geschichte, zu ihrer großen Ehre eben so gemacht.» Sie gehorchten aufs Wort, nahmen die Zügel ab und durchbrachen die Feinde unter großem Gemetzel zweimal hin und zurück, obgleich auch keiner von ihnen seine Lanze ungeknickt behielt. Als der Keil gesprengt war, auf welchen die Celtiberer ihre ganze Hoffnung gesetzt hatten, geriethen sie in 142 Verlegenheit und sahen sich, fast mit Aufgebung des Gefechts, nach Auswegen zur Flucht um. Die Bundesritter, welche die denkwürdige That der Römischen Ritter vor Augen hatten, sprengten ebenfalls, durch die Tapferkeit jener befeuert, ohne allen Befehl auf die schon in Verwirrung gerathenden Feinde. Und nun strömten die Celtiberer sämtlich zur Flucht hinaus; und der Römische Feldherr verhieß, als er den Feinden auf den Rücken sah, der (Fortuna Equestris) Göttinn Ritterglück einen Tempel und dem allmächtigen Jupiter feierliche Spiele. Im ganzen Walde wurden die auf ihrer Flucht zerstreuten Celtiberer niedergehauen. Siebzehntausend Feinde sollen an diesem Tage getödtet sein; über viertausend wurden gefangen genommen mit zweihundert siebenundsiebzig Feldzeichen und beinahe tausend einhundert Pferden. Das siegreiche Heer übernachtete für dasmal ohne Lager. Der Sieg war nicht ohne Verlust. Vierhundert zweiundsiebzig Römer, tausend und neunzehn Latinische Verbündete und dreitausend von den Hülfstruppen waren gefallen. So wurde das siegreiche Heer, nach Erneurung seines früheren Ruhms, weiter nach Tarraco geführt. Dem kommenden Fulvius ging der Prätor Tiberius Sempronius, der zwei Tage früher angekommen war, entgegen, und wünschte ihm zu der Auszeichnung in den Thaten seines Amtes Glück. Mit großer Eintracht verabredeten sie, welche Soldaten sie entlassen, und welche sie zurückbehalten wollten. Von hier ging Fulvius, der die verabschiedeten Krieger einschiffte, nach Rom ab, Sempronius führte die Legionen nach Celtiberien.

41. Die beiden Consuln rückten mit ihren Heeren auf zwei verschiedenen Seiten in Ligurien. Postumius schloß mit der ersten und dritten Legion die Berge Balista und Suismontium ein; schnitt den Feinden dadurch, daß er ihre engen Pässe von seinen Truppen sperren ließ, die Zufuhr ab, und zwang sie durch den Mangel an Allem zur Unterwerfung. Fulvius, der von Pisä aus die Apuanischen Ligurier angriff, ließ die am Flusse Macra wohnenden, die sich ihm ergaben, an siebentausend 143 Menschen, sich einschiffen und schickte sie an der Küste des Tuskermeeres hin nach Neapolis. Von da führte man sie nach Samnium über und gab ihnen Ländereien bei ihren Landsleuten. Den Berg-Liguriern vernichtete Aulus Postumius die Weinberge und verbrannte ihnen die Feldfrüchte, bis sie endlich, von allem Ungemache des Krieges bedrängt sich ergaben und ihre Waffen ablieferten. Von hier ging Postumius mit der Flotte weiter auf Untersuchungen an der Küste der Ingaunischen und Intemelischen Ligurier. Ehe diese Consuln bei ihrem nach Pisä beschiedenen Heere eingetroffen waren, stand es unter dem Aulus Postumius und des Quintus Fulvius Bruder, Marcus Fulvius Nobilior. Dieser Fulvius war Oberster der zweiten Legion. In den Monaten seines Reihebefehls entließ er die Legion, nachdem er die Hauptleute hatte schwören lassen, daß sie die Löhnungsgelder an die Schatzmeister in die Kammer zurückliefern wollten. Als dies dem Aulus, welcher eben verreiset war, nach Placentia gemeldet wurde, setzte er mit leichter Reuterei den Verabschiedeten nach und brachte alle, die er einholen konnte, unter Verweisen nach Pisä. Von den übrigen that er dem Consul Anzeige; auf dessen Antrag der Senatsschluß erging, daß Marcus Fulvius nach Spanien über Neu-Carthago hinaus verwiesen sein solle: und der Consul gab ihm ein Schreiben, das er nach dem jenseitigen Spanien an den Publius Manlius mitnehmen mußte. Die Soldaten wurden beschieden, sich wieder zur Fahne zu stellen. Zu ihrer Beschimpfung erging der Befehl, daß diese Legion für dies Jahr nur halbjährigen Sold haben solle; und fände sich ein Soldat nicht wieder beim Heere ein, so sollte der Consul ihn selbst und seine Güter verkaufen.

42. Als Lucius Duronius, der als Prätor im vorigen Jahre aus Illyricum mit zehn Schiffen nach Brundusium zurückgekehrt war, in diesem Jahre von dort, mit Zurücklassung seiner Schiffe im Hafen, zu Rom ankam, gab er in dem Berichte, den er von seinen dortigen Unternehmungen ablegte, die Schuld von allen den Seeräubereien geradezu dem Illyrischen Könige Gentius. «Die 144 sämtlichen Schiffe, welche die Küste des Obermeers geplündert hatten, kämen aus dessen Reiche. Er habe deswegen Gesandte an ihn geschickt, die aber keinen Zutritt zum Könige hätten erhalten können.» Auch vom Gentius waren Gesandte in Rom angekommen. Er ließ sagen: «Gerade damals, als die Römer gekommen wären, den König zu sprechen, habe er in den entferntesten Gegenden seines Reiches krank gelegen. Gentius bitte den Senat, den erdachten Beschuldigungen, welche seine Feinde gegen ihn vorgebracht hätten, nicht zu glauben.» Dies beantwortete Duronius mit dem Zusatze, man habe viele Römische Bürger und Latinische Bundesgenossen im Reiche des Gentius gemishandelt, und wie es heiße, würden viele Römische Bürger auf CorcyraCorcyrae]. – Weil das größere Corcyra wahrscheinlich damals nicht zum Illyrischen Reiche gehörte, so vermuthet Drakenb., daß hier Corcyra nigra gemeint sei, eine Insel an der Dalmatischen Küste, der Italischen Stadt Hadria gegenüber. festgehalten. Man beschloß, diese alle nach Rom holen zu lassen; der Prätor Cajus Claudius solle die Untersuchung haben, und bis dahin dem Könige Gentius oder seinen Gesandten keine Antwort ertheilt werden.

Unter vielen Andern, welche die Seuche in diesem Jahre wegraffte, starben auch mehrere Priester. Es starb der Hohepriester Lucius Valerius Flaccus, an dessen Stelle Quintus Fabius Labeo gewählt wurde. Ferner Publius Manlius, welcher neulich aus dem jenseitigen Spanien zurückgekommen war, einer von den Dreiherren der heiligen Opfermahle. An dessen Stelle wählte das Gesamtamt den Quintus Fulvius, des Marcus Sohn, der jetzt noch im Jünglingsrocke ging. Über den in die Stelle des Cneus Cornelius Dolabella zu wählenden Opferkönig entstand ein Streit zwischen dem Hohenpriester Cajus Servilius und dem Zweiherrn beim Seewesen Lucius Cornelius Dolabella, welchen der Hohepriester sein Amt niederlegen hieß, damit er ihm die Weihe geben könne. Als dieser sich dessen weigerte, erkannte der Hohepriester dem Zweiherrn eine Geldstrafe zu, über welche es, als 145 der Zweiherr Ansprache that, bei dem Gesamtvolke zum Stimmen kam. Wie nun schon mehrere Bezirke nach ihrer Einberufung in die Schranken dafür gestimmt hatten, der Zweiherr habe dem Hohenpriester Folge zu leisten, und wenn er sein Amt niederlege, solle ihm die Strafe erlassen sein, so kam noch zuletzt eins der Ereignisse am Himmel dazwischen, welche die Versammlung aufheben. Und nun hielten es die Oberpriester für bedenklich, dem Dolabella die Weihe zu geben. Sie gaben diese dem Publius Clölius Siculus, der unter den Augurn die zweite Stelle hattequi secundo loco inauguratus erat]. – Ich nehme mir es nicht heraus, diese einem Gronov, Duker, Crevier, Drakenborch unheilbare Stelle heilen zu wollen. Weil ich sie doch aber übersetzen mußte, so habe ich, (mit Auslassung eines einzigen s) so gelesen: qui secundo loco in augu ratu erat; welches sich auch so ausdrücken ließe; qui inter augures secundum locum obtinebat. Livius scheint einen Grund angeben zu wollen, warum man den Cloelius zum Rex sacrificulus machte, und diesen finde ich darin angegeben, wenn er schon eine Art heiliges Amtes, gar eine der höheren Stellen im Augurate hatte. Nun bekommt er nur noch die besondere Weihe, die ihm zur Anstellung als Rex sacrificulus nöthig war. – – Bei der gleich folgenden Schwierigkeit in den Worten: At pontifex Max. M. Aemilius Lepidus, muß ich gestehen, daß ich deswegen, weil Livius – (ob er gleich kurz vorher gesagt hatte: pontifex cooptatus est Q. Fulv. Flaccus, und nun die Worte At pontifex Max. eingeschoben hatte) – dennoch bei dem decemvir sacrorum Q. Marcius die Worte cooptatus est ausdrücklich wiederholt, – der Meinung beitrete, daß Livius eben durch diese bei dem Marcius gemachte geflissentliche Wiederholung des cooptatus est zu erkennen giebt, daß der Pontifex Maximus kein cooptatus war, also ein creatus auslässet, da ohnehin seine Römer wußten, daß der Pontifex Max. allemal ein creatus (a populo) war und kein cooptatus sein konnte.. Am Ende des Jahres starb auch der Hohepriester Cajus Servilius Geminus. Er war zugleich Zehnherr der Gottesverehrungen gewesen. An seine Stelle als Oberpriester wurde vom Gesamtamte Quintus Fulvius Flaccus gewählt: Hoherpriester aber wurde Marcus Ämilius Lepidus, ob sich gleich viele angesehene Männer mit ihm beworben hatten: und zum Zehnherrn der Gottesverehrungen nahm ebenfalls statt seiner das Gesamtamt den Quintus Marcius Philippus auf. Auch starb der Augur Spurius Postumius Albinus, an dessen Stelle die Vogelschauer den Publius Scipio, des Africanus Sohn, unter sich aufnahmen. Den Bewohnern von Cumä wurde in diesem Jahre auf ihre 146 Bitte erlaubt, in Angelegenheiten ihrer Stadt sich der Lateinischen Sprache zu bedienen, daß auch die Ausrufer die zu verkaufenden Sachen Lateinisch ausbieten könnten.

43. Die Bewohner von Pisä erhielten vom Senate für die Zusage von Ländereien, auf welche Latinische Pflanzer geführt werden konnten, eine Danksagung. Die hierzu ernannten Dreimänner waren Quintus Fabius Buteo und die beiden Popillius, Marcus und Publius, beide mit dem Zunamen Länas. Vom Prätor Cajus Mänius – nachdem ihm das Los Sardinien zu seinem Standorte bestimmt hatte, war ihm als Zugabe die Untersuchung über die Vergiftungen aufgetragen, die über den zehnten Meilenstein hinaus Statt gehabt hatten – lief ein Schreiben mit der Meldung ein: «Er habe schon dreitausend Menschen verurtheilt, und durch die Aussagen werde die Untersuchung immer weitläufiger. Entweder müsse er von dieser abgehen, oder seinen Standposten aufgeben.» Aus Spanien kehrte Quintus Fulvius Flaccus mit großem Thatenruhme nach Rom zurück. Als er sich des Triumphs wegen vor der Stadt aufhielt, wurde er mit dem Lucius Manlius Acidinus zum Consul ernannt, und wenig Tage darauf zog er mit den Truppen, die er mit sich abgeführt hatte, triumphirend zur Stadt ein. In diesem Triumphe lieferte er hundert vierundzwanzig goldene Kränze; außerdem einunddreißigEtwa 9,700 Gulden Conv. M. Pfund Gold und an geprägtem Oskersilber hundert dreiundsiebzigtausend zweihundert13,500 Gulden. Denare. Von der Beute gab er jedem Soldaten funfzig8 Thlr. 8 Ggr. Denare, dem Hauptmanne das Doppelte, dem Ritter das Dreifache; und eben so den Latinischen Bundesgenossen; auch Allen doppelte Löhnung.

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