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Römische Geschichte

Livius: Römische Geschichte - Kapitel 146
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Geschichte Bd. I
authorTitus Livius
translatorKonrad Heusinger
firstpub1821
year1821
publisherFriedrich Vieweg Verlag
addressBraunschweig
titleRömische Geschichte
created20060416
sendergerd.bouillon
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14. «Ich finde darin keine Ursache zum Erröthen, Vater, wenn ich einmal an einem Festtage unter Jugendgenossen etwas reichlicher getrunken habe. Ich wünschte, auch du möchtest dich darnach umhören, wie froh, wie lustig es bei meinem gestrigen Schmause zugegangen sei, da auch die – vielleicht tadelnswerthe – Freude uns aufforderte, daß in dem jugendlichen Waffenkampfe unsere Partei nicht die schwächere gewesen war. Nur einem so traurigen Auftritte, wie dieser, und seinen Schrecken wurde es leicht, unsern Rausch zu vertreiben: kamen diese nicht dazwischen, so lägen wir Meuchelmörder noch in tiefem Schlafe. Wenn ich Willens war, Perseus, dein Haus zu erstürmen, nach dem Einbruche den Hausherrn zu morden, sollte ich mich dann nicht einmal auf den einzigen Tag im Weine gemäßigt, nicht meine Soldaten davon zurückgehalten haben? Und um nicht der Einzige zu sein, der sich mit gar zu großer «Gutmüthigkeit vertheidigt, – mein herzensguter, von Argwohn weit entfernter Bruder sagt ja selbst: ««Ich weiß weiter nichts, ich habe weiter keinen Beweis, als daß sie bei ihrem Herüberschwarme zu mir bewaffnet gewesen sind.»» Wie, wenn ich dich nun frage, woher du selbst dieses weißt? Dann mußt du nothwendig gestehen, entweder, mein Haus sei von deinen Spähern voll gewesen, oder, jene hätten die Dolche so offenbar zu sich gesteckt, daß es Jedermann habe sehen 107 können. Und um sich nicht den Schein zu geben, als habe er die Sache schon früher erkundschaftet, oder hasche jetzt als Verläumder nach Beweisen, forderte er dich vorhin auf, Vater, die selbst, die er dir nennen würde, zu befragen, ob sie nicht Dolche gehabt hätten; damit sie dann, wenn du sie, gleich als bei zweifelhafter Sache, um das befragtest, was sie doch selbst eingestehen, als die Überführten erscheinen sollen. Warum verlangst du nicht, daß sie darüber befragt werden, ob sie die Dolche beisteckten, um dich zu morden? ob auf mein Geheiß und mit meinem Wissen? Denn dahin soll doch, nach deiner Absicht, der Schein fallen, nicht auf das, was sie eingestehen, was offenbar ist. Sie sagen ja selbstat sui se tuendi caussa sumsisse dicunt]. – Dies at, unser ja in diesem Sinne, ist (wie ich glaube, sehr passend) von Hrn. Ruperti vorgeschlagen. Wenn Gronov und Crevier et und dicunt wegstreichen wollen, so haben sie alle Msc. gegen sich., daß sie zu ihrem eigenen Schutze sie beigesteckt haben. Ob sie daran recht oder unrecht gethan haben, darüber müssen sie, als über ihre That, Rechenschaft geben. Meine Sache, die mit dieser That nichts zu thun hat, mußt du nicht hineinmischen, oder du mußt uns aus einander setzen, ob wir dich haben mit offenbarer Gewalt, oder heimlich angreifen wollen. Sollte es offenbare Gewalt sein, warum waren wir denn nicht Alle bewaffnet? warum weiter niemand, als die, welche deinen Horcher geschlagen hatten? oder heimlich? was war alsdann der Gang unsres Planes? Nach geendigtem Schmause, da ich um zu dir hinüberzuschwärmen, weggegangen war, ihrer vier aber dort zurückbliebenquatuor substitissent, ut sopitum te adgrederentur?]. – Daß diese Stelle schwierig sei, beweisen schon die mehreren Vorschläge, substitissent in ein andres Wort umzuschaffen; auch Dukers und Drakenb. Meinung, daß das Fragezeichen hinter adgrederentur wegfallen müsse. Ich verstehe die ersten Worte so: Quum convivio soluto comissator (oder commissatum) discessissem ex domo mea, quatuor autem ibi (qui sibi ob pulsatum speculatorem tuum metuentes mecum ire noluerant) substitissent – und nun setzt er, spöttisch fragend, um den Ungrund zu zeigen, hinzu: ut te sopitum (in domo tua) adgrederentur? Denn da er kurz vorher den Perseus aufgefordert hatte: Explica! und: Quis ordo consilii fuit? so kann er, um ihn zu widerlegen, den Gang des ihm angeschuldigten Plans nicht ungereimt genug zusammenstellen: und größer kann die Ungereimtheit nicht sein, als wenn er sagt: Ihrer Vier blieben in meinem Hause, um dich im deinigen zu morden. Allein nun fehlt ein Übergang in der Darstellung des Vorfalls von dem substitissent in domo mea bis zu dem quomodo fefellissent. Und hier vermuthe ich, es sei hinter den Worten quatuor substitissent, – ut sopitum te adgrederentur? eine Lücke, vielleicht wegen ihrer ähnlichen Endigung mit te adgrederentur eine Zeile ausgefallen, die etwa so ausgesehen haben konnte: quum tandem inscio me armati ad te traherentur; aus Cap. 7. quum eos quoque Demetrius traheret. Das Ganze hinge dann so zusammen: Convivio soluto, quum comissator ego discessissem, quatuor substitissent, – ut sopitum te adgre derentur? – quum tandem, inscio me armati, ad te tra herentur; quomodo fefellissent? Ich habe diese Verbindung in der Übersetzung durch Klammern abgezeichnet.108 um dich hier im Schlafe zu überfallen? – [und ich nun endlich diese ohne mein Wissen Bewaffneten zu deinem Hause mit fortzog]; wie hätten sie da als Fremde, als meine Leute, und noch dazu so verdächtig, weil sie so eben bei der Schlägerei gewesen waren, sich einschleichen können? wie hätten sie ferner, wenn sie dich nun gemordet hätten, für ihre Person entkommen wollen? Konnte dein Haus mit vier Dolchen genommen und erstürmt werden?»

15. «Warum giebst du nicht lieber die ganze nächtliche Geschichte auf und kommst auf das zurück, was dir so wehe thut und deinem Neide zur Marter wird? ««Wie kann irgend in der Welt, Demetrius, von deiner Regierung die Rede sein? warum scheinst du diesem und jenem ein würdigerer Nachfolger in des Vaters Rang, als ich? warum machst du mich in meiner Hoffnung, die mir, wenn du nicht wärest, sicher war, so ungewiß und ängstlich?»» So denkt Perseus, wenn er es auch nicht sagt. Dies macht ihn zu meinem Feinde, zu meinem Ankläger: dies macht deinen Pallast und dein Reich zum Sammelplatze der Verläumdung und des Argwohns. So wenig ich aber jetzt, Vater, auf den Thron hoffen, und diesen Punkt deswegen vielleicht nie zur Streitfrage machen darf, weil ich der Jüngere bin, weil du mich dem Ältern nachstehen lassen willst; so wurde ich doch nie, und werde dadurch auch jetzt noch nicht berechtigt, mich so aufzuführen, daß mich Alleindignus te patre, indignus omnibus]. – Ich interpungire so: ut indignus, te patre indignus, omnibus videar. Herr Walch hat sehr richtig bemerkt, daß dies omnibus der Gegensatz von quibusdam (in den Worten: cur dignior patris fortunae succesor quibusdam videris?) sei, und also nicht in omnibus abgeändert werden dürfe. Nur darin kann ich ihm nicht beistimmen, daß zwischen te und patre ein Komma stehen und beides geschieden sein soll; denn in te liegt doch immer auch patre, und in patre eben so te. Dies Auseinanderreißen würde ich mir nur dann gefallen lassen, wenn hier ausdrücklich stände: indignus te rege et patre cet. Meiner Meinung nach sagt Demetrius auf den Vorwurf, daß er Einigen des Thrones würdiger scheine: Darum darf ich mich doch nicht so aufführen, daß ich nun Allen als unwürdig (des Thrones nämlich, wovon die Rede war) und folglich (als der unwürdige Nachfolger) auch als der unwürdige Sohn erscheine; nicht bloß als Nachfolger, sondern auch als Sohn deiner unwürdig erscheine. Bei dem ersten indignus also behält Demetrius ein eo, de quo loquimur, i. e. regno, in Gedanken: und irre ich nicht, so war hier gerade die Zurückbehaltung des dem Vater empfindlichen Wortes für den bescheidenen sowohl, als für den klugen Selbstvertheidiger, an der rechten Stelle. für 109 unwürdig, für deiner, meines Vaters, unwürdig halten müssen. Denn dies würde die Folge meiner Unarten sein, nicht die der Nachgiebigkeit gegen den, dem ich nach menschlichen und göttlichen Rechten nachgeben soll, nicht die der Bescheidenheit. – Du wirfst mir die Römer vor, und machst aus dem, was mir zum Ruhme gereichen muß, eine Anklage. Ich habe weder darum gebeten, den Römern als Geisel überliefert, noch, als Gesandter nach Rom geschickt zu werden. Weil du mich hingehen ließest, setzte ich mich nicht dagegen, hinzugehen. Beide Male habe ich mich so betragen, daß ich dir, daß ich deinem Reiche, daß ich der Macedonischen Nation keine Schande machte. Also bist du, Vater, zu meiner Freundschaft mit den Römern die Veranlassung gewesen. So lange dein Frieden mit ihnen bleibt, bleibt auch das gute Vernehmen mit mir: bricht ein Krieg aus, so werde ich, der ich auf meines Vaters Partei als Geisel, als Gesandter, nicht der Untaugliche war, eben so ihr thätigster Feind sein. Und auch für heute verlange ich nicht, von dem Wohlwollen der Römer Vortheil zu ziehen; nur daß es mir nicht schade, das ist meine Bitte. Es nahm seinen Anfang nicht im Kriege, und wird auch nicht für den Krieg gehegt. Ich war Unterpfand des Friedens, war der zur Beibehaltung des Friedens hingeschickte Gesandte: beides gereiche mir weder 110 zum Ruhme, noch zum Vorwurfe. Vater, habe ich mich irgend an dir gegen die kindliche Liebe, oder an meinem Bruder aus frevelhafter Absicht vergangen, so weigere ich mich keiner Strafe: bin ich aber unschuldig, so bitte ich, nicht vom Neide mich stürzen zu lassen, da es die Anklage nicht konnte. Mein Bruder verklagt mich heute nicht zum ersten Male; aber heute zum ersten Male so offenbar, ohne alles mein Verschulden um ihn. Zürnte mein Vater auf mich, so mußtest du als älterer Bruder für den jüngeren eine Fürbitte einlegen, mußtest seiner Jugend, seinem Fehltritte, Verzeihung auswirken. Aber da, wo ich für mich Schutz finden sollte, gerade da findein eo, ubi – ibi]. – Ich sehe nicht, warum dies ibi weggestrichen werden soll. Außerdem, daß es hier verstärkt, ist dies so ganz in der Manier des Livius. Von vielen solchen Stellen nur die eine von der Lucretia: Cultrum, quem sub veste abditum habebat, eum in corde defigit. ich mein Verderben. Vom Schmause, von Nachtschwärmereien, beinahe halbschlafend, werde ich fortgeschleppt, mich wegen eines Brudermordes zu verantworten. Ohne Beistände, ohne Sachführer, muß ich für mich selbst sprechen. Hätte ich für einen Andern zu reden, so würde ich mir doch Zeit zum Nachdenken und zur Einkleidung meines Vortrags genommen haben, ob ich gleich dabei – was denn für größere? Gefahr liefe, als die, den Ruf eines guten Kopfes einzubüßen. Unwissend, warum ich geholt sei, höre ich dich in der Sprache des Zürnenden, und deinen Befehl, mich zu verantworten, und meinen Bruder als Kläger. Er greift mich in einer lange vorbereiteten, überdachten Rede an; ich behalte nur die Zeit, in welcher ich angeklagt werde, um zu erfahren, worauf es ankomme. Sollte ich in diesen wichtigen Augenblicken auf meinen Kläger hören? oder meine Vertheidigung entwerfen? Betäubt von dem überraschenden und ungeahnten Unglücke konnte ich kaum verstehen, was man mir vorwarf, geschweige denn wissen, wie ich mich vertheidigen sollte. Was für Hoffnung bliebe mir, wenn ich nicht in meinem Richter meinen Vater hätte; und stehe 111 ich gleich bei ihm in der Liebe meinem älteren Bruder nach, so darf ich wenigstens als Beklagter in seiner Erbarmung diesem nicht nachstehen. Denn ich bitte, daß du mir und dir mich erhalten mögest, er aber verlangt, daß du zu seiner Sicherheit mich hinrichten sollst. Was glaubst du? wie wird er mich behandeln, wenn du ihm einst die Regierung hinterlassen hast, da er schon jetzt die Forderung für billig hält, ihm zu Gefallen mich bluten zu lassen?»

16. Bei diesen Worten verschlossen ihm die Thränen beides, Athem und Stimme. Philipp, der sie abtreten ließ, erklärte nach einer kurzen Rücksprache mit seinen Vertrauten: «Er wolle ihre Sache so wenig durch mündlichen Ausspruch, als nach einer Untersuchung von Einer Stunde, entscheiden, sondern dadurch, daß er künftig über beider Leben und Wandel Nachfrage hielte, und ihre Reden und Handlungen, bei wichtigen Dingen und in Kleinigkeiten, beobachtete: so daß es Allen einleuchtete, die Anklage wegen der vorigen Nacht sei vollkommen widerlegt, nur sei ihm des Demetrius gar zu große Freundschaft mit den Römern verdächtig. So wurde noch bei Philipps Leben zu jenem Macedonischen Kriege gleichsam der Same ausgestreut, der eigentlich mit Perseus geführt werden sollte.

Die Consuln beide brachen nach Ligurien auf, welches damals der einzige consularische Standort war: und weil sie dort mit Glück fochten, wurde ein Dankfest auf Einen Tag angesetzt. Etwa zweitausend Ligurier kamen an die äußerste Gränze der Provinz Gallien, wo Marcellus sein Lager hatte, und baten ihn, ihre Übergabe anzunehmen. Marcellus, der die Ligurier da, wo sie standen, bis auf weiter, warten hieß, fragte deshalb schriftlich bei dem Senate an. Der Senat hieß den Prätor Marcus Ogulnius dem Marcellus antworten: «Es würde besser gewesen sein, die Consuln, die dort ihren Stand hatten, entscheiden zu lassen, was hierbei des States Bestes sei, als den Senat. Auch jetzt stimme der Senat, falls Marcellus die Ligurier vermittelst einer 112 Übergabe annehmen werde, nicht dafür, ihnen nach der Übergabe die Waffen zu nehmen; und sei überhaupt der Meinung, sie müßten an die Consuln gewiesen werden.» Die Prätoren kamen zu gleicher Zeit auf ihre Standplätze, in das jenseitige Spanien Publius Manlius; und, was jenerulteriorem Hispaniam, quam et priore]. – Diese Worte mußte ich eigentlich übersetzen, wenn ich den Livius den Widerspruch mit zwei früheren Stellen, 33, 43. und 34, 17., begehen lassen wollte, in welchem er diesem P. Manlius Hispaniam citeriorem gab. Er ist aber gerettet, wenn die Abschreiber seine Worte: P. Manlius in ulteriorem Hispaniam, et quam is priore praetura provinciam obtinuerat, Q. Fulvius Flaccus, in citeriorem pervenit, in unsre jetzige unrichtige Lesart umgeschaffen haben. in seiner ersten Prätur zum Standplatze gehabt hatte, in das diesseitige Quintus Fulvius Flaccus. Hier übernahm er vom Terentius das Heer: im jenseitigen Spanien aber hatte seit dem Tode des Proconsuls Publius Sempronius kein Befehl über ein Heer statt gehabt. Den Fulvius Flaccus griffen bei der Belagerung einer Spanischen Stadt, Namens Urbicua, die Celtiberer an. Hier kam es zu mehreren harten Gefechten. Die Römer hatten viele Verwundete und Getödtete. Die Celtiberer erlagen der Beharrlichkeit des Fulvius, welchen alle ihre Angriffe von der Belagerung nicht abzuziehen vermochten, und erschöpft durch die Gefechte von wechselndem Ausgange zogen sie ab. Die Stadt, die sie ohne Hülfe ließen, wurde wenig Tage nachher erobert und geplündert. Die Beute überließ der Prätor den Soldaten. Als Fulvius diese Stadt erobert, und Publius Manlius bloß das vertheilt gewesene Heer zusammengezogen hatte, führten sie, ohne weiter etwas Denkwürdiges gethan zu haben, ihre Truppen in die Winterquartiere. Dies sind die Vorfälle dieses Sommers in Spanien. Terentius, der dort abgegangen war, zog im kleinen Triumphe in die Stadt ein. Das vorüber gefahrne Silber betrug291,248 Gulden Conv. M, neuntausend dreihundert zwanzig Pfund, das Gold achtzig25,000 Gulden. Pfund, zwei goldene Kränze sieben und20,800 Gulden. sechzig Pfund.

17. In diesem Jahre fanden sich auch wegen eines 113 zwischen Carthago und dem Könige Masinissa streitigen Gebietes Schiedsrichter von Rom an Ort und Stelle ein. Des Masinissa Vater, Gala, hatte es den Carthagern abgenommen, den Gala hatte Syphax daraus vertrieben und es nachher, aus Gefälligkeit für seinen Schwiegervater Hasdrubal, den Carthagern geschenkt. Die Carthager hatte in diesem Jahre Masinissa hinaus getrieben. Beide führten ihre Sache vor den Römern mit eben der Erbitterung, mit der sie in bewaffneter Linie gefochten hatten. Die Carthager forderten das Land zurück, weil es von Anfang ihren Vorfahren gehört habe und dann von Syphax an sie gekommen sei. Masinissa sagte: «Er habe mit diesem Landstriche ein Stück seines väterlichen Reichs wieder an sich gebracht und besitze es nach dem Völkerrechte, und sei sowohl im Sach- als im Besitzrechte. Er fürchte bei dieser Untersuchung weiter nichts, als daß ihm das Ehrgefühl der Römer nachtheilig werden möge, wenn sie den Schein fürchteten, einen verbündeten und befreundeten König gegen ihre und seine gemeinschaftlichen Feinde begünstigt zu haben.» Die Abgeordneten machten in dem Besitzstande keine Änderung, sondern verwiesen die Sache ohne zu entscheiden an den Senat. – In Ligurien geschah nachher nichts weiter. Zuerst zogen sich die Feinde in ihre unwegsamen Waldgebirge; dann verliefen sie sich mit Entlassung ihres Heeres in ihre Flecken und kleinen Festungen. Auch die Consuln wollten ihr Heer entlassen und fragten deshalb bei den Vätern an. Diese befahlen, der Eine von ihnen solle, nach EntlassungAlterum ex his, dimisso exercitu]. – Aus Cap. 19 und 25. ergiebt sich, daß dies der Umstände wegen abgeändert wurde; Ämilius blieb bei seinem Heere in Ligurien, und Bäbius mit seinem in Pisä. Crevier. seines Heers, zur Wahl der jährigen Obrigkeiten nach Rom kommen; der Andre mit seinen Legionen zu Pisä überwintern. Es hieß nämlich, die Gallier jenseit der Alpen bewaffneten ihre Mannschaft; und man wußte nicht, in welche Gegend Italiens dieser Schwarm hinüberströmen werde. Also verglichen sich die Consuln, daß Cneus Bäbius zur Haltung der Wahlen 114 nach Rom gehen solle, weil sich sein Bruder Marcus Bäbius um das Consulat bewarb.

18. Die Consulnwahl ging vor sich. Die gewählten waren Publius Cornelius Cethegus, Marcus Bäbius Tamphilus. Dann wurden Prätoren zwei Quintus Fabius, der Eine mit Zunamen Maximus, der Andre Buteo, Tiberius Claudius Nero, Quintus Petillius Spurinus, Marcus Pinarius Posca, Lucius Duronius. Ihnen bestimmte das Los nach dem Antritte ihres Amts folgende Standplätze. Ligurien den Consuln; den Prätoren Quintus Petillius die Rechtspflege über die Bürger, Quintus Fabius Maximus die über die Fremden, Quintus Fabius Buteo Gallien, Tiberius Claudius Nero Sicilien, Marcus Pinarius Sardinien, Lucius Duronius Apulien nebst dem zugegebenen Istrien. Denn die Tarentiner und Brundusiner berichteten, ihre Gegenden am Meere litten durch Seeräuberschiffe von der jenseitigen Küste. Dieselbe Klage führten die Massilier über die Schiffe der Ligurier. Nun wurde jedem sein Heer angewiesen; den Consuln vier Legionen – jede sollte fünftausend zweihundert Mann Römisches Fußvolk und dreihundert Ritter haben – und jedem funfzehntausend Mann Latinische Bundestruppen nebst achthundert Rittern. In beiden Spanien sollten die bisherigen Prätoren den Oberbefehl, nebst den Heeren, welche sie jetzt hatten, behalten; und man bestimmte ihnen als Ergänzungstruppen dreitausend Römer zu Fuß nebst zweihundert Rittern, und sechstausend verbündete Latiner zu Fuß nebst dreihundert Rittern. Auch die Seemacht ließ man nicht außer Acht. Die Consuln wurden befehligt, hierzu Zweimänner anzustellen, um durch diese zwanzig Schiffe in See gehen zu lassen und sie mit Seeleuten zu bemannen, welche jetzt Römische Bürger, vorher aber Sklaven gewesen wären: nur ihre Vorgesetzten sollten Freigeborne sein. Die Beschützung der Küste wurde jedem der Zweimänner mit zehn Schiffen so zugetheilt, daß sie das Vorgebirge der MinervaIn Campanien. Das rechts und links ist von dem zu verstehen, der in Rom gegen Abend sieht. zu ihrem 115 Wendepunkte in der Mitte hätten: der Eine sollte die Küste rechts bis nach Massilia, der Andre die zur Linken bis Barium zu decken haben.

19. In diesem Jahre ließen sich viele traurige Schreckzeichen in Rom sehen, und viele wurden von auswärts einberichtet. Auf dem dem Vulcan und der Eintracht geweiheten Platze regnete es Blut. Die Oberpriester meldeten, Spieße hätten sich gerührt und zu Lanuvium habe das Bild der Juno Sospita geweint. Auch wüthete auf dem Lande, in den Gerichtsorten und Marktflecken, und in Rom selbst eine so schlimme Pest, daß das Libitinenamt kaum alle Leichen bestatten konnte. Durch diese Schreckzeichen und Sterbefälle in Angst gesetzt gaben die Väter Befehl, die Consuln sollten denjenigen Gottheiten, denen sie es nöthig fänden, Opfer mit großen Thieren bringen, und die Zehnherren sollten die heiligen Bücher befragen. Auf einen Beschluß von ihnen wurde eine Betandacht an allen Altären zu Rom auf Einen Tag verordnet. Auf ihr Gutachten beschloß auch der Senat und die Consuln machten es bekannt, daß durch ganz Italien eine dreitägige Betandacht und Ferien sein sollten. Die Pest war so arg, daß die Consuln, als der Senat wegen einer Empörung der Corsen und eines auf Sardinien von den Iliern erregten Krieges, achttausend Mann Latinische Bundestruppen zu Fuß und dreihundert zu Pferde auszuheben befahl, um sie mit dem Prätor Marcus Pinarius nach Sardinien übersetzen zu lassen, die Anzeige machten, es wären so viele Menschen gestorben und lägen allenthalben so viele krank, daß man diese Anzahl von Soldaten nicht habe aufbringen können. Also erhielt der Prätor Befehl, sich die fehlenden Leute vom Proconsul Cneus Bäbius geben zu lassen, welcher zu Pisä überwinterte, und von hier nach Sardinien überzugehen. Dem Prätor Lucius Duronius, welchem Apulien als Standplatz zugefallen war, wurde auch die Untersuchung wegen der Bacchanalien aufgetragen, weil sich ein von diesem früheren Übel gleichsam nachgebliebener Samenstoff schon im vorigen Jahre gezeigt hatte; allein bei dem Prätor 116 Lucius Pupius waren die Untersuchungen mehr eingeleitet gewesen, als zu irgend einem Ausgange gediehen. Die Väter befahlen dem Prätor, diesen neuen Krebs völlig auszuschneiden, damit er nicht noch einmal weiter um sich greife. Auch brachten die Consuln nach einem Gutachten des Senats Gesetze wegen der Amtsbewerbungen an das Volk.

20. Dann stellten sie dem Senate die Gesandschaften vor. Zuerst die der Könige; des Eumenes; des Cappadocischen, Ariarathes; und des Pontischen, Pharnaces. Sie erhielten weiter keine Antwort, als die, die Väter würden zur Untersuchung und Entscheidung ihrer Streitigkeiten Abgeordnete schicken, Nun wurden die Gesandten der vertriebenen Lacedämonier und der Achäer eingeführt, und den Vertriebenen die Hoffnung gemacht, daß der Senat wegen ihrer Wiedereinsetzung den Achäern schreiben werde. Die Achäer setzten den Vätern nicht ohne Beifall ihre Wiedereroberung von Messene und die Beilegung der dortigen Angelegenheiten aus einander. Auch von Philipp, dem Könige der Macedonier, kamen zwei Gesandte, Philocles und Apelles, aber ohne etwas bei dem Senate zu suchen. Sie waren mehr als Späher abgeschickt, um den Unterredungen nachzuspüren, welche Perseus dem Demetrius Schuld gegeben hatte, als ob sie dieser mit Römischen Großen, besonders mit dem Titus Quinctius, seinem Bruder zum Nachtheile über die Thronfolge gehabt habe. Der König hatte sie, als wären sie die Unparteiischen, und ohne Vorliebe für einen von beiden, abgehen lassen. Aber auch sie waren Werkzeuge und Theilnehmer der Bosheit des Perseus gegen seinen Bruder. Demetrius, der von Allem nichts wußte, außer was ihmpraeterquam fraterno scelere]. – So lese ich mit Gron., Crev., Drak. und fast allen Msc. das neulich an den Tag gekommene Bubenstück seines Bruders verrathen hatte, hegte anfangs zwar keine große, aber doch einige Hoffnung, seinen Vater versöhnen zu können: nachher traute er der Stimmung seines Vaters, dessen Ohr 117 er von seinem Bruder besetzt sah, von Tage zu Tage weniger. Seine eignen Worte und Handlungen beachtend, um niemandes Verdacht gegen sich zu mehren, enthielt er sich besonders aller Erwähnung und Annäherung der Römer, so, daß er nicht einmal Briefe haben wollte, weil er sah, daß sein Vater hauptsächlich über Vorwürfe dieser Art erbittert wurde.

21. Philipp, um seine Soldaten nicht durch Unthätigkeit schlechter werden zu lassen, zugleich um allen Verdacht von sich abzuwenden, als denke er auf einen Römischen Krieg, beschied sein Heer nach Stobi in Päonien und rückte dann mit ihm weiter in das Gebiet Mädica. Es war ihm die Lust angekommen, den Gipfel des Hämusgebirgs zu besteigen, weil er der allgemeinen Meinung Glauben beimaß, man könne dort zugleich das Pontische und Hadriatische Meer, die Donau und die Alpen sehen; und er versprach sich von dieser Übersicht für seinen Plan zu einem Römischen Kriege Winke von Entscheidung. Als er die der Gegend Kundigen über das Hinansteigen zum Hämus befragt hatte und Alle darin übereinstimmten, für ein Heer gebe es gar keinen Weg und nur für Einzelne, Leichtbeladene einen äußerst beschwerlichen Aufgang, so legte er seinem jüngeren Sohne, den er nicht mitnehmen wollte, um ihm mit ein par vertrauten Worten zu liebkosen, zuerst die Frage vor: «Ob man bei einer so groß angegebenen Schwierigkeit des Weges bei dem Unternehmen beharren, oder davon abstehen müsse. Falls er aber dennoch weiter ginge, so könne er unter diesen Umständen nicht umhin, sich an den Antigonus zu erinnern, von dem man erzähle, er habe einst in einem schweren Seesturme, als er die Seinigen alle auf demselben Schiffe bei sich hatte, es seinen Söhnen zur Vorschrift gemacht, sowohl für ihre Person es nie zu vergessen, als auch ihren Nachkommen die Lehre aufzubehalten, daß sich keiner von ihnen bei mißlichen Umständen zugleich mit allen den Seinigen wagen solle. Und so wolle er, dieser Lehre eingedenk, nicht seine beiden Söhne zugleich auf das Spiel dieser angedeuteten 118 Möglichkeit setzen; und weil er den älteren Sohn mitnehme, wolle er zur Stütze seiner Hoffnung und zur Hut seines Throns den jüngeren nach Macedonien zurücksenden.» Es entging dem Demetrius nicht, daß man ihn wegschicke, damit er nicht bei der Berathschlagung zugegen sei, wenn der Väter bei dem Überblicke der Gegenden in Erwägung zöge, welchen Weg er zunächst an das Hadriatische Meer und nach Italien zu nehmen habe, und wie der Gang des Krieges sein müsse. Allein jetzt war es Zeit, dem Vater nicht bloß zu gehorchen, sondern sogar beifällig zu sein, um nicht in den Verdacht zu kommen, als gehorche er ungern. Damit er aber auf dem Wege nach Macedonien Sicherheit hätte, wurde Didas, einer von den königlichen Befehlshabern und Statthalter in Päonien, befehligt, ihn mit einer mäßigen Bedeckung zu begleiten. Aber auch dieser stand mit dem Perseus, so wie die meisten von seines Vaters Vertrauten, seitdem niemand mehr darüber ungewiß war, an wen bei dieser Stimmung des Vaters die Erbschaft des Thrones fallen werde, zum Verderben seines Bruders im Bunde. Für jetzt trug dieser ihm auf, sich durch alle Arten von Gefälligkeit bei dem Demetrius auf den Fuß der innigsten Vertraulichkeit zu setzen, um ihm alle seine Geheimnisse abzulocken und seine verstecktesten Gedanken zu erspähen. So schied Demetrius; bei dieser Bedeckung viel unsicherer, als wenn er allein gereiset wäre.

22. Philipp, der zuerst durch Mädica, dann durch die zwischen Mädica und dem Hämus liegenden Einöden zog, gelangte erst in sieben Tagemärschen an den Fuß des Gebirges. Hier verweilte er Einen Tag, um die auszuwählen, die er mitnehmen wollte. Am dritten Tage unternahm er den Gang. Anfangs war auf den untersten Hügeln die Beschwerlichkeit nur mittelmäßig: je mehr sie aber in die Höhe stiegen, trafen sie immer mehr und mehr auf Waldungen und unwegsame Stellen. Dann kamen sie auf einen so dunkeln Weg, daß sie vor dichtstehenden Bäumen und durch einander strebenden Ästen kaum den Himmel sehen konnten. Als sie aber den Bergrücken 119 naheten, da war – was anderwärts nur selten geschieht – Alles in einen so starken Nebel gehüllet, daß ihnen der Weg so beschwerlich wurde, als machten sie ihn bei Nacht. Erst am dritten Tage gelangten sie auf den Gipfel. Nach ihrer Herabkunft ließen sie den gemeinen Glauben ohne allen Widerspruch; vermuthlich mehr, um einem Spotte über ihre vergebliche Reise zu entgehen, als daß sie wirklich die Meere, Gebirge und Ströme auf so entgegengesetzten Punkten zugleich von diesem einzigen Standorte hätten sehen können. Alle waren von der Beschwerlichkeit der Reise sehr angegriffen, und der König, bei seinen Jahren schon mehr der Schwerfällige, mehr als Alle. Nachdem er an zwei Altären, die er hier dem Jupiter und Sol weihete, geopfert hatte, machte er den Weg, den er in drei Tagen hinangestiegen war, bergab in zwei Tagen, weil er vorzüglich die Nachtfröste fürchtete, welche hier in den Hundstagen den Winterfrösten glichen. Hatte er in diesen Tagen mit vielen Beschwerlichkeiten zu kämpfen gehabt, so fand er auch in seinem Lager keine frohere Stimmung; weil es in einer Gegend, welche auf allen Seiten von Einöden umschlossen war, den höchsten Mangel litt. Um denen, die er bei sich gehabt hatte, einige Ruhe zu gönnen, verweilte er einen einzigen Tag, und rannte dann, wie auf der Flucht, in das Land der Dentheleter hinüber. Diese waren Bundsgenossen: allein aus Mangel plünderten ihnen die Macedonier das Land, als ob es Feinden gehöre. Raubend verheerten sie anfangs die Landhöfe hin und wieder, dann auch mehrere Flecken, nicht ohne große Beschämung des Königs, der das Klaggeschrei seiner Bundsgenossen anhören mußte, wenn sie vergeblich die Bundesgötter und ihn namentlich um Hülfe anfleheten. Als er hier das Getreide weggenommen hatte und in Mädica zurückgekehrt war, unternahm er die Belagerung einer Stadt, Namens Petra. Er selbst lagerte sich da, wo er ihr von der Ebene aus beikommen konnte; seinen Sohn Perseus ließ er mit einem mäßigen Kohre einen Umweg nehmen, um die Stadt aus höheren Gegenden anzugreifen. Die Bürger, von allen 120 Seiten bedroht, verstanden sich für diesen Augenblick zur Stellung von Geiseln und zur Übergabe. Sobald aber das Heer abzog, entwichen sie, mit Aufopferung ihrer Geisel und Hinterlassung ihrer Stadt, in feste Plätze und auf das Gebirge. Als Philipp wieder in Macedonien ankam, hatte er ohne den mindesten Erfolg seine Soldaten durch Beschwerden aller Art ermüdet, und fand den Verdacht gegen seinen Sohn durch die Bosheit des Statthalters Didas noch vergrößert.

23. Da dieser dem Prinzen, wie ich oben gesagt habe, zugegebene Begleiter, die Offenheit des unvorsichtigen und mit Recht auf die Seinigen zürnenden Jünglings, unter Beistimmungen und theilnehmendem Unwillen über sein Schicksal, belauschte, so entlockte er ihm durch das zuvorkommende Anerbieten, ihm in allen Stücken zu dienen, nach zugesicherter Verschwiegenheit seine Geheimnisse. Demetrius dachte auf Flucht in das Römische: und für diesen Plan schien ihm durch göttliche Fügung der Statthalter von Päonien als Beförderer geboten zu werden, durch dessen Provinz er sicher entkommen zu können hoffte. Sogleich wurde dieser Plan seinem Bruder verrathen und auf dessen Betrieb dem Vater mitgetheilt. Zuerst bekam dieser einen Brief, als er Petra belagerte. Nun wurde Herodorus – er war der Vornehmste von des Demetrius Freunden – gefänglich eingezogen, und Befehl gegeben, den Demetrius, ohne daß er es merkte, in Obacht zu halten. Dem Könige gab außer den übrigen Veranlassungen auch diese in Macedonien eine traurige Ankunft. Auch jetzt angebrachte Beschuldigungen beunruhigten ihn; doch glaubte er, die Rückkunft derer abwarten zu müssen, die er, um sich nach allen Umständen zu erkundigen, nach Rom geschickt hatte. Von diesen Sorgen gemartert, hatte er mehrere Monate zugebracht; da kamen endlich die Gesandten, denen schon längst in Macedonien angegeben war, was sie von Rom aus berichten mußten; und ohne ihrer übrigen Schändlichkeiten zu erwähnen, brachten sie sogar dem Könige einen untergeschobenen Brief vom Titus Quinctius, mit dessen 121 nachgemachtem Petschafte versiegelt. Der Brief bat um Entschuldigung, «daß der Jüngling, durch die Lust zum Throne verliebt, sich deshalb an ihn gewandt habe; ob er gleich nie das Mindeste gegen Einen der Seinigen unternehmen werde. Und er selbst sei nicht der Mann, den man für den Angeber irgend einer lieblosen Maßregel ansehen dürfe.» Auf diesen Brief fanden des Perseus Verläumdungen Glauben. Sogleich erging über den Herodorus eine lange Folter; er starb aber unter den Martern, ohne irgend etwas ausgesagt zu haben.

24. Perseus klagte den Demetrius abermals bei dem Vater an. Er legte viel Gewicht auf die eingeleitete Flucht durch Päonien; auch darauf, daß einige bestochen waren, die Reise mitzumachen: am kräftigsten wirkte der dem Titus Quinctius untergeschobene Brief. Doch wurde das harte Urtheil über den Demetrius nicht öffentlich ausgesprochen, um ihn lieber heimlich morden zu können; und auch dies nicht aus Rücksicht auf ihn selbst, sondern um nicht durch seine Hinrichtung den Plan gegen die Römer aufzudecken. Da Philipp selbst von Thessalonich nach Demetrias reisen wollte, so schickte er den Demetrius, von eben dem Didas begleitet, nach Asträum in Päonien, und den Perseus, die Thracischen Geisel in Empfang zu nehmen, nach Amphipolis. Beim Scheiden soll er dem Didas den Auftrag gegeben haben, den Sohn zu tödten. Didas schickte sich entweder zu einem wirklichen Opfer an, oder traf anscheinende Vorkehrungen. Zu dieser Feier eingeladen kam Demetrius von Asträum nach Heraclea. Bei dem Opfermahle soll ihm Gift gegeben sein. Er hatte kaum den Becher ausgetrunken, als er es merkte. Bald stellten sich die Schmerzen ein, er verließ das Mahl, begab sich in sein Schlafzimmer, und unter lauten Klagen über seines Vaters Grausamkeit, über den vom Bruder am Bruder verübten Mord und über die Verrätherei des Didas, wand er sich in seinen Qualen. Da schickte man einen gewissen Thyrsis von Stubera und den Alexander von Beröa zu ihm hinein, die ihn mit über den Kopf und Mund geworfenen Teppichen 122 erstickten. So wurde der unschuldige Jüngling hingerichtet, da seine Feinde sich an ihm nicht einmal mit Einer Todesart begnügten.

25. Während dieser Vorgänge in Macedonien führte Lucius Ämilius Paullus, welchem nach seinem Consulate der Oberbefehl verlängert war, sein Heer gegen die Ingaunischen Ligurier. Sobald er sich auf dem Gebiete der Feinde lagerte, kamen Gesandte bei ihm an, die sich unter dem Scheine einer Bitte um Frieden, bei ihm umsehen wollten. Als Paullus sagte, er schließe nur mit denen Frieden, die sich ergäben, so weigerten sie sich dessen nicht sowohl, als daß sie sagten, hierzu hätten sie Zeit nöthig, um ihre rohen Landsleute dazu zu bereden. Da ihnen deshalb auf zehn Tage Waffenstillstand bewilligt wurde, baten sie hinterher, «die Truppen möchten doch nicht, auf ihren Zügen aus dem Lager zum Futter- oder Holzholen, über die nächsten Berge gehen: die bestellten Äcker dort gehörten zu ihrem Gebiete.» Als ihnen dies zugesagt war, zogen sie gerade hinter diesen Bergen, von denen sie den Feind entfernt gehalten hatten, ihr ganzes Heer zusammen, und plötzlich unternahmen sie mit einer außerordentlichen Menge die Bestürmung des Römischen Lagers an allen Thoren zugleich. Den ganzen Tag stürmten sie mit höchster Anstrengung, so daß die Römer nicht einmal dazu kommen konnten, unter den Fahnen auszurücken, auch den Platz nicht hatten, sich in eine Linie auszubreiten. In den Thoren zusammengedrängt schützten sie ihr Lager mehr durch diese Sperrung des Weges, als durch Gefecht. Als sich die Feinde um Sonnenuntergang zurückgezogen hatten, schickte Paullus zwei Ritter zum Proconsul Cneus Bäbius nach Pisä mit der schriftlichen Bitte, ihm je eher je lieber zu Hülfe zu kommen. da man ihn während eines Waffenstillstandes eingeschlossen habe. Bäbius hatte sein Heer an den Prätor Marcus Pinarius abgegeben, als dieser nach Sardinien ging. Doch benachrichtigte er durch einen Brief den Senat, daß Lucius Ämilius von den Liguriern eingeschlossen sei, und schrieb auch dem Marcus Claudius Marcellus, der von hier den 123 nächsten Standort hatte, wenn es ihm recht sei, so möge er mit seinem Heere aus Gallien nach Ligurien übergehen und den Lucius Ämilius von der Einschließung befreien. Alle diese Hülfe sollte zu spät kommen. Am folgenden Tage kamen die Ligurier wieder an das Lager. Ämilius, ob er gleich wußte, daß sie kommen würden, und er in Linie hätte ausrücken können, behielt seine Leute in der Verschanzung, um den Kampf bis zu dem Zeitpunkte zu verlängern, wo Bäbius mit seinem Heere von Pisä eintreffen konnte.

26. Zu Rom erregte der Brief des Bäbius große Bestürzung, um so viel größer, weil wenig Tage nachher Marcellus, als er nach Abgabe seines Heers an den Fabius, zu Rom eintraf, alle Hoffnung niederschlug, das in Gallien stehende Heer nach Ligurien gehen lassen zu können, weil es selbst gegen die Istrier Krieg führe, welche die Anlegung einer Pflanzstadt zu Aquileja nicht gestatten wollten. Fabius sei dorthin vorgerückt und könne, da der Krieg im Gange sei, von dort nicht zurückkommen. Die einzige, aber für die dringenden Zeitumstände ebenfalls zu sehr zögernde Hoffnung der Hülfe war die, wenn die Consuln sich beeilten, auf ihren Standort abzugehen. Die Väter alle, jeder auf seine Art, erklärten sich laut dafür, daß sie dies thun möchten. Die Consuln sagten, vor beendigter Werbung würden sie nicht abgehen; und daß diese so viel später beendigt werde, sei nicht die Schuld ihrer Saumseligkeit, sondern der wüthenden Seuche. Doch bei der einstimmigen Zumuthung des Senats konnten sie nicht umhin, im Feldherrnschmucke auszurücken, und den Soldaten, so viele sie schon geworben hatten, den Tag zu bestimmen, auf den sie sich in Pisä zu stellen hätten. Es wurde ihnen gestattet, wo sie durchkämen, auf dem Marsche Truppen für diesen Nothfall auszuheben und mitgehen zu lassen. Auch die Prätoren Quintus Petillius und Quintus Fabius wurden befehligt, Petillius, zwei Legionen eilig geworbener Römer aufzurichten und alle unter funfzig Jahren zur Fahne schwören zu lassen; Fabius, sich von den verbündeten Latinern funfzehntausend Mann zu 124 Fuß und achthundert Ritter stellen zu lassen. Zu Zweiherren beim Seewesen wurden Cajus Matienus und Cajus Lucretius ernannt und ihnen die Schiffe in Stand gesetzt, auch dem Matienus, dessen Standort in dem Gallischen Meerbusen war, Befehl gegeben, je eher je lieber mit seiner Flotte an die Ligurische Küste zu gehen, wenn er etwa dem Lucius Ämilius und dessen Heere irgend wozu nützlich sein könnte.

27. Weil Ämilius, der bei dem Ausbleiben aller Hülfe, seine Ritter für aufgefangen hielt, mit einem Versuche aus eigner Kraft nicht länger warten zu müssen glaubte, so stellte er, ehe die Feinde wiederkamen, die aber schon saumseliger und sorgloser bei ihrem Angriffe waren, seine Truppen an den vier Lagerthoren auf, um sie zugleich auf allen Seiten ausbrechen zu lassen. An die vier Cohorten verbündeter Auserlesenen ließ er zwei andre Cohorten Bundestruppen sich anschließen, gab ihnen den Unterfeldherrn Marcus Valerius zum Anführer, und hieß sie zum Vorderthore ausfallen. An das rechte Seitenthor stellte er das erste Treffen der ersten Legion und gab ihm das zweite Treffen zum Rückhalte: über diese setzte er die Obersten Marcus Servilius und Lucius Sulpicius. Die dritte Legion wurde dem linken Seitenthore gegenüber aufgestellt; nur mit der Abänderung, daß das zweite Treffen voran, das erste in den Rückhalt zu stehen kam. Über diese Legion wurden die Obersten Sextus Julius Cäsar und Lucius Aurelius Cotta gesetzt. Der Unterfeldherr Quintus Fulvius Flaccus mit der rechten Abtheilung der Bundsgenossen bekam seinen Platz am Hinterthore. Zwei Cohorten und von beiden Legionen das dritte Treffen mußten zur Bedeckung des Lagers bleiben. Der Feldherr selbst zeigte sich unter Anreden an die Seinigen an allen Thoren und schärfte die Erbitterung der Soldaten durch alle ihm möglichen Reizmittel; bald durch laute Anklage der Arglist, mit welcher die Feinde nach ihrer Bitte um Frieden, nach bewilligtem Waffenstillstande, selbst während dieser Zeit des Waffenstillstandes, gegen alles Völkerrecht sich aufgemacht hätten, das Römische Lager 125 anzugreifen; bald durch die Vorstellung, wie schimpflich es sei, daß von Liguriern, mehr Straßenräubern, als ordentlichen Feinden, ein Römisches Heer eingeschlossen werde. «Mit welcher Miene will irgend einer von euch, falls euch hier fremde Hülfe, nicht eigne Tapferkeit, losmachte, ich will nicht sagen, jenen Kriegern unter die Augen treten, welche den Hannibal, oder welche den Philipp, den Antiochus, die größten Könige und Feldherren unsres Zeitalters, besiegten; sondern denen, von welchen eben diese Ligurier zu mehreren Malen als flüchtige Heerden Vieh in unwegsamen Waldungen eingeholt und zusammengehauen wurden? Was keine Spanier, keine Gallier, Macedonier oder Punier sich unterstehen würden, das wagt der Ligurier als Feind, vor einen Römischen Lagerwall zu kommen, von seiner Seite der Belagerer, der Stürmende zu sein! ein Feind, den wir, wenn wir ihm ehemals in unwegsamen Waldgebirgen nachspürten, kaum in seinen Löchern und Schlupfwinkeln auffinden konnten!» Hierauf erwiederten die Truppen durch einstimmiges Geschrei: «Dies sei nicht die Schuld der Soldaten, denen niemand ein Zeichen zum Ausfalle gegeben habe. Er möge ihnen das Zeichen geben; dann solle er erfahren, daß sowohl Römer als Ligurier, noch dieselben wären, die sie sonst gewesen.»

28. Die Ligurier hatten diesseit der Gebirge zwei Lager. Aus diesen schritten sie in den ersten Tagen mit Sonnenaufgang alle zugleich geordnet und schlachtfertig heran: jetzt aber griffen sie schon nicht eher zu den Waffen, als bis sie sich völlig in Speise und Wein gesättigt hatten. Zerstreut und ohne Ordnung rückten sie aus, weil sie, ihrer Hoffnung gemäß, gewiß waren, die Feinde würden sich mit ihren Fahnen nicht aus der Verschanzung wagen. Mit einem Geschreie, das alle im Lager befindlichen Römer, samt den Troßknechten und Marketendern; auf einmal erhoben, thaten sie an allen Thoren zugleich auf die in dieser Unordnung Herankommenden einen Ausfall. Dies war den Liguriern so unerwartet, daß sie eben so bestürzt wurden, als wären sie von einem 126 Hinterhalte belistet. Ein kleines Weilchen dauerte nur der Anschein eines Gefechts, dann wurde unaufhaltbare Flucht und das Gemetzel unter den Flüchtigen allgemein. Kaum hatte die Reuterei den Wink zum Aufsitzen bekommen und niemand entrinnen zu lassen, so wurden die Feinde sämtlich in wilder Flucht zu ihrem Lager hineingetrieben und dann des Lagers selbst verlustig. Man machte an diesem Tage über funfzehntausend Ligurier nieder, und zweitausend fünfhundert Gefangene. Drei Tage nachher ergab sich in Ligurien Alles, was Ingauner hieß und stellte Geisel. Die Steuerleute und Schiffer, welche mit ihren Fahrzeugen Räuberei getrieben hatten, wurden eingezogen und sämtlich gefangen gelegt. Auch eroberte der Zweiherr Cajus Matienus an der Ligustischen Küste zweiunddreißig Schiffe dieser Art. Zur Überbringung dieser Nachricht und eines Schreibens an den Senat wurden Lucius Aurelius Cotta und Cajus Sulpicius Gallus nach Rom geschickt, zugleich um zu bitten, daß man dem Lucius Ämilius erlauben möge, nach vollendeter Eroberung von seinem Posten abzugehen, auch die Truppen abzuführen und zu entlassen. Beides bewilligte der Senat und verordnete zugleich ein dreitägiges Dankfest an allen Altären. Die Prätoren erhielten Befehl, Petillius, die Stadtlegionen zu verabschieden, Fabius, den verbündeten Latinern die Werbung zu erlassen: auch mußte der Stadtprätor den Consuln schreiben, der Senat finde für gut, die in der Eile für diesen Nothfall ausgehobenen Truppen je eher je lieber zu entlassen.

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