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Römische Geschichte

Livius: Römische Geschichte - Kapitel 133
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Geschichte Bd. I
authorTitus Livius
translatorKonrad Heusinger
firstpub1821
year1821
publisherFriedrich Vieweg Verlag
addressBraunschweig
titleRömische Geschichte
created20060416
sendergerd.bouillon
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49. Forderte gleich die dem Senate vorgestellten Ätolischen Gesandten ihre eigene Sache und ihr Schicksal auf, sich für ihre Schuld oder für ihren Fehltritt durch ein demüthiges Bekenntniß Verzeihung zu erbitten; so fingen sie doch von ihren Verdiensten um die Römer an, erwähnten ihrer im Kriege mit Philipp bewiesenen Tapferkeit beinahe in einem vorwerfenden Tone, beleidigten durch ihre übermüthige Sprache jedes Ohr, und brachten es dadurch, daß sie auf alte und vergessene Dinge zurückgingen, so weit, daß sich die Väter an weit mehrere Übelthaten, als Wohlthaten von ihrer Nation, erinnerten und 479 sie selbst, des Mitleids so sehr bedürftig, gegen sich Erbitterung und Haß erregten. Als sie nun auf die Frage eines von den Senatoren; «Ob sie sich ganz in des Römischen Volkes Gewalt gäben,» und auf die des zweiten: «Ob sie mit dem Römischen Volke einerlei Freunde und Feinde haben wollten,» keine Antwort gaben, so wurde ihnen angedeutet, das Rathhaus zu verlassen. Dann riefen beinahe Alle im Senate einstimmig: «Die Ätoler hingen noch ganz am Antiochus; er sei die eigentliche Hoffnung, auf welche ihr Trotz sich gründe. Also müsse man mit ihnen als unbezweifelten Feinden den Krieg fortsetzen und ihren übermüthigen Sinn bezähmen.» Auch das brachte die Senatoren auf, daß die Ätoler gerade in der Zeit, als sie bei den Römern Frieden suchten, Dolopien und Athamanien bekriegten. Der Senatsschluß wurde so abgefaßt, wie Manius Acilius, der Sieger des Antiochus und der Ätoler, gestimmet hatte: «Den Ätolern zu befehlen, daß sie noch heute die Stadt räumen, und in funfzehn Tagen Italien verlassen sollten.» Den Aulus Terentius Varro gab man ihnen zum Hüter auf die Reise mit, und deutete ihnen an: «Sollten abermals Gesandte aus Ätolien nach Rom kommen, ohne Erlaubniß von dem Feldherrn, der dort seinen Standort habe, und ohne einen Römischen Abgeordneten bei sich zu haben, so werde man sie alle als Feinde betrachten.» So wurden die Ätoler entlassen.

50. Nun brachten die Consuln die Amtsplätze zum Vortrage. Es wurde beliebt, sie um Ätolien und Asien losen zu lassen. Wen Asien träfe, dem bestimmte man das Heer, welches jetzt Lucius Scipio habe, und zur Ergänzung desselben viertausend Römer zu Fuß nebst zweihundert Rittern, und achttausend Bundsgenossen und Latiner zu Fuß mit vierhundert Rittern, um mit diesen Truppen den Krieg gegen den Antiochus fortzusetzen. Dem andern Consul wurde das Heer bestimmt, welches in Ätolien stand, und um es zu ergänzen, ihm bewilligt, eben so viele Bürger und Bundesgenossen zu werben, als sein Amtsgenoß. Dieser Consul bekam auch den Befehl, die 480 im vorigen Jahre fertig gewordenen Schiffe völlig in Stand zu setzen und mitzunehmen, auch nicht bloß den Krieg gegen die Ätoler zu führen, sondern gleichfalls nach der Insel Cephallenia überzugehen. Zugleich wurde ihm aufgetragen, wenn er es ohne Nachtheil des Stats thun könne, zu den Amtswahlen nach Rom zurückzukommen. Denn, außerdem daß die neuen jährigen Obrigkeiten ernannt werden müßten, wolle man auch Censorn wählen lassen. Sollte ihn irgend ein Hinderniß abhalten, so möge er den Senat wissen lassen, daß er gegen die Wahlzeit nicht eintreffen könne. Ätolien beschied das Los dem Marcus Fulvius, Asien dem Cneus Manlius.

Nun erhielten die Prätoren, durch das Los, Spurius Postumius Albinus die Gerichtspflege in der Stadt und über die Ausländer, Marcus Sempronius Tuditanus Sicilien; Quintus Fabius Pictor, der Eigenpriester des Quirinus, Sardinien; Quintus Fabius Labeo die Flotte, Lucius Plautius Hypsäus das diesseitige Spanien, das jenseitige Spanien Lucius Bäbius Dives. Für Sicilien bestimmte man die Eine Legion und die Flotte, die in jener Provinz standen; auch sollte der neue Prätor die Siculer den doppelten Getreidezehnten liefern lassen, und den einen nach Asien, den andern nach Ätolien schicken. Eben so viel sollte auch von den Sardiniern erhoben, und dies Getreide an dieselben Heere abgeliefert werden, die das Siculische bekämen. Dem Lucius Bäbius wurden zur Ergänzung für Spanien tausend Römer zu Fuß nebst funfzig Rittern, sechstausend Latiner zu Fuß mit zweihundert Rittern bewilligt. Dem Plautius Hypsäus für das diesseitige Spanien tausend Römer zu Fuß, zweitausend verbündete Latiner und zweihundert Ritter. Mit diesen Ergänzungen sollten beide Spanien jedes Eine Legion haben. Den Beamteten vom vorigen Jahre, dem Cajus Lälius wurde nebst seinem Heere der Oberbefehl mit Verlängerung auf Ein Jahr gelassen; auch dem Proprätor Publius Junius der Oberbefehl in Hetrurien, nebst dem in dieser Provinz stehenden Heere; ferner dem Proprätor Marcus Tuccius über das Bruttische Gebiet und Apulien.

481 51. Ehe die Prätoren auf ihre Plätze abgingen, entstand zwischen dem Hohenpriester Publius Licinius und dem Quirinalischen Eigenpriester Quintus Fabius Pictor ein Streit von eben der Art, wie es ihn zu ihrer Väter Zeiten zwischen dem Lucius Metellus und dem Postumius Albinus gegeben hatte. Diesem, der als Consul mit seinem Amtsgenossen Cajus Lutatius nach Sicilien zur Flotte abgehen wollte, hatte damals der Hohepriester Metellus die Entfernung von seinen priesterlichen Verrichtungen nicht gestattet; und jetzt untersagte Publius Licinius dem Prätor die Abreise nach Sardinien. Im Senate und vor dem Volke boten sie in ihrem Streite Alles auf; auf beiden Seiten gebot der Eine dem Andern von Amtswegen, ließ ihn pfänden, verurtheilte ihn zur Geldstrafe; es kam zum Aufrufe der Volkstribunen, zur Ansprache bei dem Gesamtvolke. Zuletzt behielt die Rücksicht auf die Götter die Oberhand, so daß der Eigenpriester dem Hohenpriester Folge leisten mußte: die Geldstrafen wurden durch einen Ausspruch des Gesamtvolkes erlassen. Der Prätor, der aus Unwillen über die ihm entrissene Befehlshaberstelle sein Statsamt niederlegen wollte, ließ sich durch die Misbilligung der Väter davon abhalten, und sie erkannten ihm die Rechtspflege über die Fremden zu. Als darauf innerhalb weniger Tage die Werbungen beendigt waren, – denn die Aushebung forderte nicht viele Truppen – so gingen die Consuln und Prätoren auf ihre Posten ab. Nun verbreitete sich ohne geltende Veranlassung von dem Siege in Asien zuerst ein unverbürgtes Gerücht, und wenig Tage nachher liefen auch sichere Nachrichten und ein Schreiben des Feldherrn ein. Dies erregte nicht sowohl darum Freude, weil man bis jetzt in Furcht geschwebt hatte, – denn man fürchtete den in Ätolien besiegten König nicht mehr – sondern wegen des ehemaligenquam averterunt famam]. – Drakenborchs Geständniß: Rubenii coniectura, quam a vetere fama, et mihi admodim probabilis videtur; Gronovs Valde placet: neque aliter scripsit Livius, und Creviers Lege sine ulla dubitatione, quam a vetere fama, verstärkt durch den Beitritt dreier Msc. welche fama (nicht famam) lesen, lassen mich keinen Anstand nehmen, dem Rubenius zu folgen; da mir ohnehin avertere famam in der Verbindung mit nuncii und literae sehr fremd vorkommt, und fama hier ohne den Beisatz vetere, der. sich durch den Gegensatz recenti metu erklärt, immer unbestimmt und unverständlich bliebe. Rufs, weil die Römer 482 den König, als sie diesen Krieg anfingen, theils wegen seiner eignen Macht, theils weil er die Unternehmungen vom Hannibal leiten lassen würde, für einen gefährlichen Feind gehalten hatten. Dennoch fanden sie für gut, die Absendung eines Consuls nach Asien nicht abzuändern, noch seine Truppenzahl zu vermindern; denn sie besorgten, mit den Galatern kriegen zu müssen.

52. Nicht lange nachher kam Marcus Aurelius Cotta, Legat des Lucius Scipio mit des Königs Antiochus Gesandten in Rom an, auch König Eumenes und die Rhodier. Cotta setzte zuerst im Senate, dann auch auf Befehl der Väter in einer Volksversammlung aus einander, was man in Asien gethan habe. Dann wurde eine dreitägige Dankfeier angesetzt und ein Opfer von vierzig großen Thieren verordnet. Nun gab der Senat vor allen Andern dem Eumenes Gehör.

In aller Kürze sagte er den Vätern seinen Dank, «daß sie ihn und seinen Bruder von der Belagerung befreiet und sein Reich gegen die Eingriffe des Antiochus geschützt hätten; bezeigte ihnen seine Freude über ihre Siege zu Wasser und zu Lande, auch darüber, daß sie den König Antiochus geschlagen und als einen Flüchtling mit Verlust seines Lagers, zuerst aus Europa, dann auch aus Kleinasien, so weit es sich diesseit des Gebirges Taurus erstreckt, vertrieben hätten, und zuletzt äußerte er den Wunsch, daß sie das, was er für sie gethan habe, lieber von ihren Feldherren und Legaten, als aus seinem Munde, erfahren möchten.» Da ihm Alle ihren Beifall bezeigten und ihn aufforderten, «für diesmal ohne Zurückhaltung selbst zu bestimmen, was ihm Roms Senat und Volk seiner Meinung nach zu gewähren habe: bei seinen großen Verdiensten werde ihm der Senat, wenn es irgend möglich sei, mit noch so viel größerer Bereitwilligkeit, mit noch so viel vollerem Maße messen:» so 483 sagte der König: «Wenn ihm Andere die Wahl seiner Belohnungen überließen, so würde er, sobald er die Erlaubniß habe, den Römischen Senat zu befragen, den Rath eines so erlauchten Ordens benutzt haben, um sich nicht den Schein eines zu unbescheidenen Wunsches oder einer zu dreisten Bitte zuzuziehen: allein da sie selbst die Geber sein wollten, so müsse er ihre Freigebigkeit gegen ihn und seine Brüder um so mehr ihrem Gutbefinden überlassen.» Die Väter ließen sich durch diese Erklärung nicht abhalten, bei dem Könige auf eigene Angabe zu dringen. Als beide Theile dadurch, daß sie wechselseitig Alles dem Andern überließen, hier in der Bereitwilligkeit, dort in der Bescheidenheit, mit einer nicht sowohl gegenseitigen, als gegenseitig sich verwickelnden Gefälligkeit lange gewetteifert hatten, verließ Eumenes das Rathhaus. Der Senat beharrete auf seiner Meinung und sagte: «Es lasse sich nicht denken, daß der König nicht wissen sollte, mit was für Hoffnungen, was für Wünschen, er gekommen sei. Was seinem Reiche zuträglich sei, wisse er selbst am besten: Asien kenne er weit besser, als der Senat. Man müsse ihn also wieder hereinrufen und ihn nöthigen, seine Wünsche und Gedanken von sich zu sagen.»

53. Der König, von dem Prätor abermals in den Versammlungssal eingeführt und zu einer Erklärung aufgefordert, sprach: «Ich würde bei meinem Schweigen geblieben sein, versammelte Väter, wenn ich nicht wüßte, daß ihr nun bald die Rhodische Gesandschaft vortreten lassen werdet, und daß ich dann, wenn ihr sie gehört habt, nothwendig werde reden müssen. Und dieser Vortrag wird so viel schwieriger sein, weil ihre Forderungen von der Art sein werden, daß man sieht, ihre Bitte ist nicht allein nicht gegen mich gerichtet, sondern betrifft eigentlich nicht einmal sie selbst. Sie werden nämlich die Sache der Griechischen Städte führen und es euch zur Pflicht machen, diese für frei zu erklären. Wer könnte, wenn sie dies erreichen, noch daran zweifeln, daß sie dann auch, nicht bloß diejenigen Städte unserm 484 Reiche abwendig machen werden, welche für frei erklärt werden, sondern auch die, welche uns ehemals dienstpflichtig waren; für ihren Theil aber an diesen, durch eine so hohe Wohlthat ihnen Verpflichteten, dem Namen nach Verbündete, in der That aber wirkliche Unterthanen und ihrer Oberherrschaft preisgegebene Vasallen haben werden? Und bei allem diesem Aussehen nach einer so ausgebreiteten Macht werden sie sich, wenn es Gottes Wille ist, den Schein geben, als ständen sie damit auf keiner Seite in Berührung; werden bloß sagen, so sei es eurer würdig und eurem bisherigen Benehmen angemessen. Ihr habt euch also vorzusehen, daß euch diese Sprache nicht täusche; um nicht, auf einen zu ungleichen Fuß, einige von euren Bundesgenossen zu sehr niederzudrücken und andre über die Maße zu erheben; ja, um nicht diejenigen, welche gegen euch in den Waffen gestanden haben, in eine bessere Lage zu setzen, als eure Bundesgenossen und Freunde. Was mich betrifft, so will ich in allen übrigen Verhältnissen lieber den Schein haben, mich gegen Jedermann auf die diesseitige Gränze meiner Gerechtsame zurückzuziehen, als in ihrer Behauptung mich gar zu hartnäckig zu sperren; nur in dem einzigen Wettstreite der Freundschaft zwischen uns, des Wohlwollens gegen euch, und in der Ehre, die ihr mir erweisen wollet, kann ich mich nicht ohne Wehmuth besiegen lassen. Dies ist das schätzbarste Erbtheil, das mir mein Vater hinterließ, der unter allen Einwohnern Asiens und Griechenlands zuerst in eure Freundschaft zugelassen ward, und sie bis an den letzten Augenblick seines Lebens mit ununterbrochener und standhafter Treue sich erhielt; der gegen euch nicht bloß in seiner Gesinnung Redlichkeit und Ergebenheit blicken ließ, sondern der allen euren Kriegen, die ihr in Griechenland führtet, zu Lande und zu Wasser, persönlich beiwohnte, und euch so mit aller Art von Zufuhr unterstützte, daß es ihm von allen euren Bundesgenossen niemand in irgend einem Stücke gleichthun konnte. Noch zuletzt, als er den Böotiern die Verbindung mit euch empfahl, sank 485 er mitten in seiner Rede entathmet nieder und starb bald nachher. Seinen Fußstapfen nachschreitend konnte ich freilich an Zuneigung und Eifer, euch als Freunde zu behandeln, nichts hinzuthun; denn hierin war er nicht zu übertreffen: allein ihn öfters durch die That selbst, durch Dienstleistungen, durch Aufwand in meinen Pflichterfüllungen übertreffen zu können, dazu ließen es das Verhängniß, die Zeitumstände, Antiochus und Asien als Kriegesschauplatz, mir an Stoff nicht fehlen. Als König Asiens und eines Theils von Europa wollte mir Antiochus seine Tochter zur Gemahlinn geben; wollte mir sogleich die Städte zurückgeben, welche von mir abgefallen waren; machte mir große Hoffnung auch zur künftigen Erweiterung meines Reichs, wenn ich in dem Kriege gegen euch auf seiner Seite sein wollte. Ich will mich nicht damit rühmen, daß ich mich gegen euch nicht verging; lieber will ich anführen, was die uralte Freundschaft meines Hauses mit euch von mir fordern mußte. Mit Truppen zu Lande und zur See habe ich eure Feldherren unterstützt, so daß von euren Bundesgenossen keiner mir es gleich thun konnte; habe Zufuhren zu Lande und zu Wasser geliefert; habe den Seeschlachten, die an mehrern Orten gefochten wurden, sämtlich beigewohnt, mich nirgendwo der Beschwerde, der Gefahr für meine Person entzogen. Eins der traurigsten Schicksale im Kriege, eine Belagerung, habe ich ausgehalten, auf Pergamus eingeschlossen, nicht ohne die äußerste Gefahr für mein Leben und mein Reich. Kaum war ich von der Belagerung befreiet, so ließ ich, obgleich auf der einen Seite Antiochus, auf der andern Seleucus, in der Nähe meiner Hauptstadt ihr Lager hatten, Alles hinter mir, und stellte mich mit meiner ganzen Flotte am Hellesponte bei eurem Consul Lucius Scipio ein, ihn beim Übersetzen seines Heeres zu unterstützen. Nach dem Übergange eures Heeres auf Asien, bin ich dem Consul nie von der Seite gewichen: kein Römischer Soldat hielt mit mehr Treue in eurem Lager aus, als ich und meine Brüder. Keine Unternehmung, kein Gefecht der Reuterei ging vor sich 486 ohne mich. In der Hauptschlacht stand ich da, und befehligte den Theil, auf dem ich nach des Consuls Willen stehen sollte. Ich will, versammelte Väter, damit nicht etwa nur so viel sagen: Wer kann an Dienstleistungen, die ich euch in diesem Kriege erwies, mit mir verglichen werden? sondern ich hätte wohl den Muth, allen jenen Völkern, allen Königen, die ihr in so hohen Ehren haltet, mich an die Seite zu stellen. Masinissa ist früher euer Feind, als euer Verbündeter, gewesen. Er führte euch nicht etwa aus der Fülle seiner Statskräfte seine Hülfsvölker zu, sondern landflüchtig, vertrieben, nach dem Verluste aller seiner Truppen fand er selbst mit einem Reutergeschwader Zuflucht in eurem Lager. Und doch habt ihr ihn, weil er in Africa so treu und unverdrossen gegen den Syphax und die Carthager euch zur Seite stand, nicht nur in sein Erbreich wieder eingesetzt, sondern ihm durch die Zugabe des blühendsten Theils von Syphax Reiche ein Übergewicht über Africa's Könige gegeben. Welcher Belohnung, welcher Ehre werden wir also würdig sein, die wir nie eure Feinde, immer eure Bundesgenossen waren? Mein Vater, ich und meine Brüder, haben nicht bloß in Asien, sondern auch fern von unsrer Heimat, in Peloponnes, in Böotien, in Ätolien, im Kriege mit Philipp, mit Antiochus, mit den Ätolern, zu Lande und zur See für euch die Waffen geführt. Was verlangst du also? könnte jemand sagen. Weil ich denn eurem ausdrücklichen Willen, zu reden, Folge leisten muß, so erkläre ich, versammelte Väter, ich werde, wenn ihr den Antiochus in der Absicht über die Höhen des Taurus hinausgewiesen habt, um diese Länder selbst zu besitzen, in euch die liebsten Anwohner, die liebsten Nachbaren sehen, und verspreche mir davon für mein Reich auf die Zukunft größere Sicherheit und Festigkeit, als von jedem andern Mittel. Seid ihr aber gesonnen, sie zu räumen und eure Heere abzuführen, so erkühne ich mich auch, zu behaupten: Die von euch in diesem Kriege gemachten Eroberungen zu besitzen, ist unter allen euren Bundesgenossen keiner würdiger, als ich. Aber – 487 es ist doch ruhmvoll, dienstbare Städte frei zu machen. Das ist auch meine Meinung, wenn sie nicht als Feinde gegen euch gehandelt haben. Sind sie aber auf des Antiochus Seite gewesen, wie viel werdet ihr dann eurer Klugheit und eurer Billigkeit würdiger handeln, wenn ihr lieber für die um euch wohl verdienten Bundesgenossen, als für eure Feinde, sorgt?»

54. Die Rede hatte den Beifall der Väter, und es zeigte sich deutlich, daß sie ganz nach den Eingebungen der Freigebigkeit und des Wohlwollens handeln würden. Die vortretende Gesandschaft von Smyrna – denn die Rhodier waren noch nicht alle beisammen – machte einen kurzen Zwischenact. Nach einer äußerst ehrenvollen Erwähnung dessen, daß die Smyrnäer – lieber alles Äußerste hätten dulden, als sich dem Könige hingeben wollen, wurden die Rhodier eingeführt. Der Wortführer an der Spitze ihrer Gesandschaft ließ sich anfangs über die Entstehung ihrer Freundschaft mit Rom aus, über die Verdienste der Rhodier, zuerst im Kriege mit Philipp und nachher mit Antiochus und sprach dann folgendermaßen:

«Nichts ist uns in dieser ganzen Auseinandersetzung, versammelte Väter, schwieriger und unangenehmer, als eine Erörterung zwischen uns und dem Eumenes, mit dem gerade unter allen Königen am innigsten, nicht nur Einzelne unter uns in besonderer, sondern, was uns die Sache noch empfindlicher macht, von Seiten des States wir Alle in gastfreundlicher Verbindung stehen. Doch was uns scheidet, versammelte Väter, liegt nicht in unsern Gesinnungen gegen ihn, sondern in der allgewaltigen Natur der Verhältnisse selbst; insofern wir als freie Bürger auch der Freiheit Anderer uns annehmen, Könige hingegen allenthalben Unterthänigkeit und Abhängigkeit von ihrem Zepter haben wollen. Gleichwohl ist uns, wie sich auch die Sache verhalten mag, mehr unsre Achtung für den König hinderlich, als daß die Erörterung selbst entweder für uns mit großer Mühe, oder für euch mit einer sehr verwickelten Prüfung verbunden sein sollte. Denn wenn es euch nicht möglich wäre, einem Könige, 488 der euer Verbündeter und Freund ist, der sich gerade in diesem Kriege um euch so verdient machte, und dessen Belohnung in Rede steht, den Ehrendank auf andre Art zu reichen, als daß ihr ihm freie Städte in die Dienstbarkeit hingäbt; dann hättet ihr bei dieser Prüfung zweierlei zu fürchten; entweder den König, euren Freund, ohne Ehrenbelohnung entlassen zu müssen, oder von eurem Grundsatze abzugehen und den im Kriege mit Philipp erworbenen Ruhm jetzt durch die Hingebung so vieler Städte in die Dienstbarkeit zu verunglimpfen. Allein von dieser Nothwendigkeit, entweder der Erkenntlichkeit gegen euren Freund, oder eurem Ruhme Eintrag zu thun, befreiet euch das Glück auf eine sehr ausgezeichnete Art. Denn die Gnade der Götter gab euch nicht bloß einen rühmlichen, sondern auch einen so reichen Sieg, daß er sehr leicht diese eure – Schuld will ich es einmal nennen – abtragen kann. Lycaonien, beide Phrygien, ganz Pisidien, der Chersones und die daneben liegenden Länder Europa's sind in eurer Gewalt. Durch jedes von diesen, einzeln dem Könige zugegeben, läßt sich das Reich des Eumenes vervielfachen; und die Zugabe aller macht ihn den größten Königen gleich. Folglich steht es euch frei, eure Bundesgenossen vom Ertrage des Sieges reich zu machen, ohne von eurem Grundsatze abzugehen; ohne zu vergessen, wie ruhmvoll die Angabe klang, die ihr vorhin bei dem Kriege mit Philipp, jetzt bei diesem gegen Antiochus, vorschütztet; und wie ihr nach Philipps Besiegung handeltet; was man endlich, nicht sowohl, weil ihr es einmal gethan habt, als weil so zu handeln eurer würdig ist, von euch sich ersehnt und erwartet. Denn von andern Völkern hat das Eine diese, das Andre jene ehrenvolle und gültige Veranlassung zum Kriege. Jene wollen Land, diese wollen Dörfer haben, wieder Andere Städte, Seehäfen oder eine Strecke an der Seeküste. Ihr habt nach allem dergleichen nie vor dem wirklichen Besitze euch gesehnt; und jetzt könnt ihr euch, da der Erdkreis eure Hoheit anerkennt, nicht mehr darnach sehnen. Für eure Würde habt ihr gefochten und für euren 489 Ruhm bei dem ganzen menschlichen Geschlechte, das schon längst nächst den unsterblichen Göttern auf Roms Namen, auf Roms Befehle sieht. Dies so mühsam erworbene Eigenthum zu behaupten, ist, wie mich dünkt, noch schwerer. Ihr habt es übernommen, die Freiheit eines uralten sowohl durch den Ruhm seiner Thaten, als durch jegliche Empfehlung von Seiten der Bildung und Gelehrsamkeit weltbekannten Volks vor der Dienstbarkeit unter Königen zu schützen. Diese eure Vorwaltung dem einmal in euren Schutz, in eure Vormundschaft aufgenommenen ganzen Stamme auf immer angedeihen zu lassen, fordert eure Ehre. Allein die Städte sind bloß darumQuae in solo modo antiquo sunt]. – Wenn Crevier dieses modo entweder durch etiamnum erklären oder ganz wegstreichen will, so irrt er nach meiner Ansicht. Es hat hier, meine ich, die Bedeutung von tantum, und drückt diesen Sinn aus, den ich aber in der Übersetzung, ohne weitläufig zu werden, nicht deutlicher anzugeben wußte: quae nulla alia re a nobis differunt, nisi quod in antiquo solo iacent. Oder quae in solo tantum antiquo Graecae sunt, ideo non magis Graecae sunt., weil sie auf dem alten Boden stehen, nicht ächter Griechisch, als ihre Pflanzstädte, welche einst von ihnen nach Asien ausgingen. Auch hat in diesen die Veränderung des Wohnlandes weder ihren Stamm, noch ihre Sitten geändert. Jeder von uns Staten hat den Muth gehabt, in jeder edlen Wissenschaft und Geschicklichkeit mit seinen Vätern und Stiftern sich auf einen kindlichen Wettstreit einzulassen. Die Meisten unter euch haben Griechenlands, haben Asiens Städte besucht. Wir stehen jenen in keinem Stücke nach, außer daß wir von euch entfernter sind. Könnte die angeborne Natur von dem – ich möchte sagen Geiste – des Landes überwältigt werden, so wären die Massilier von so vielen sie umschwärmenden rohen Völkern längst zu Wilden gemacht, da sie doch bei euch, wie wir hören, mit Recht in eben so hoher Ehre und Achtung stehen, als ob sie im Mittelpunkte von Griechenland wohnten. Denn sie haben nicht bloß den Klang der Sprache, die Kleidung und das Äußere, sondern vorzüglich die Sitten, die Gesetze, den Geist, von 490 aller Ansteckung durch die Nachbarschaft, rein und ungefälscht erhalten.»

«Die Gränze eurer Herrschaft ist jetzt das Gebirge Taurus. Was diesseit dieses Schlagbaumes liegt, dürft ihr gar nicht als abgelegen betrachten. Wohin eure Waffen reichten, dahin reiche auch das von euch ausgehende Recht. Die Barbaren, denen immer die Befehle ihrer Gebieter als Gesetze galten, mögen, weil es ihnen so recht ist, Könige haben: die Griechen schalten mit ihren Angelegenheiten selbst, und in eurem Sinne. Ehemals umfaßten sie aus eigner Kraft auch eine Oberherrschaft: jetzt wünschen sie der Regierung in den Händen, in welchen sie ist, ununterbrochene Dauer. Es genügt ihnen, ihre Freiheit durch eure Waffen zu schützen, weil sie das durch eigene nicht können. Aber, sagt ihr, einige von diesen Städten haben es doch mit Antiochus gehalten. – Hielten es doch vormals auch andre mit Philipp; die Tarentiner mit Pyrrhus. Ohne andre Völker aufzuzählen: sogar Carthago ist frei bei eigenen Gesetzen. Achtet darauf, versammelte Väter, wie viel ihr diesem eurem Beispiele schuldig seid. Verstehet euch dazu, den Wünschen des Eumenes etwas zu versagen, was ihr eurer gerechtesten Rache versagt habt. Wie tapfer und wie treu wir Rhodier sowohl in diesem, als in allen Kriegen, die ihr in jener Gegend geführt habt, euch unterstützt haben mögen, überlassen wir eurer Würdigung. Selbst jetzt im Frieden ist die Maßregel, die wir euch vorschlagen, von der Art, daß die Welt, wenn ihr sie genehmigen solltet, eingestehen muß, der Gebrauch, den ihr von eurem Siege gemacht hättet, sei noch herrlicher, als der Sieg.» Man fand den Ton dieser Rede der Römischen Größe angemessen.

55. Nach den Rhodiern wurden die Gesandten des Antiochus vorgerufen. Nach der gewöhnlichen Weise der um Verzeihung Bittenden gestanden sie den Fehler des Königs ein und baten die versammelten Väter flehentlich, «bei ihren Beschlüssen lieber ihrer eignen Großmuth eingedenk zu sein, als der Verschuldung des Königs, der 491 schon mehr als zu viel gestraft sei;» und zuletzt: «sie «möchten den vom Feldherrn Lucius Scipio ihm bewilligten Frieden unter den zugestandenen Bedingungen durch ihre Genehmigung bestätigen.» Der Senat stimmte für die Beibehaltung dieses Friedens und wenige Tage nachher erklärte ihn auch das Volk für gültig. Der Vertrag selbst wurde mit dem Antipater, dem Haupte der Gesandschaft, der zugleich des Königs Antiochus Brudersohn war, auf dem Capitole abgeschlossen. Darauf wurden auch die übrigen Gesandschaften aus Asien abgehört. Sie alle erhielten den Bescheid: «Der Senat werde dem Herkommen gemäß zehn Abgeordnete senden, welche die Angelegenheiten Asiens untersuchen und schlichten sollten. Im Ganzen werde man darauf sehen, daß Alles, was diesseit des Gebirges Taurus zum Reiche des Antiochus gehört habe, dem Eumenes angewiesen werde, mit Ausnahme Lyciens und Cariens bis an den Mäander. Diese sollten zum State der Rhodier gehören. Die übrigen Städte Asiens, welche dem Attalus steuerpflichtig gewesen wären, sollten auch dem Eumenes die Abgaben entrichten; die aber, welche dem Antiochus gezahlt hätten, sollten als Freistädte an niemand zu zahlen haben.» Zu den zehn Abgeordneten ernannten sie den Quintus Minucius Rufus, den Lucius Furius Purpureo, den Quintus Minucius Thermus, Appius Claudius Nero, Cneus Cornelius MerendaMerulam]. – Zur Rechtfertigung der Lesart Merenda setze ich die von Drakenb. angegebene Folgereihe der vom Livius genannten Abgeordneten in ihren Ämtern her, Q. Minucius Rufus war Consul im J. 556. L. Furius Purpureo 557. Q. Minucius Thermus 560, Ap. Claudius Nero war Prätor 558. Cn. Cornelius Merenda 559. Marcus Junius Brutus 562. L. Aurunculejus 563. L. Ämilius Paullus auch 563. Die beiden jüngsten hatten, nach Drakenborchs wahrscheinlicher Vermuthung, entweder nur unbedeutende oder noch gar keine Stellen bekleidet. Wie sollte sich ein Cn. Cornelius Merula, den Niemand kennt, mitten unter die Prätoren verirren? , Marcus Junius Brutus, Lucius Aurunculejus, Lucius Ämilius Paullus, Publius Cornelius Lentulus, Publius Älius Tubero.

56. Zu Entscheidungen an Ort und Stelle bekamen sie freie Vollmacht. Die Hauptpunkte setzte der Senat 492 fest. Ganz Lycaonien, beide Phrygien, Mysien, die königlichen Waldungen, die Städte Lydiens und Ioniens, (mit Ausnahme derer, welche am Tage der Schlacht mit dem Könige Antiochus schon frei gewesen waren) und zwar namentlich Magnesia am Sipylus, und Caria mit dem Zunamen Hydrela, das an Phrygien stoßende Gebiet von Hydrela, die kleinen Festungen und Fleckenad Maeandrum]. – Ich folge aus den Gründen, die Drak. angiebt, der Lesart trans Maeandrum. jenseit des Mäander, auch die Städte, die nicht schon vor dem Kriege frei gewesen waren; ferner Telmissus namentlich und Castra Telmissium, mit Ausnahme der Länderei, die dem Telmissier Ptolemäus gehört habe, Alles dieses, was ich oben angegeben habe, sollten sie an den König Eumenesiussa dari]. – Um nicht mit Duker hier ein ανακόλουθον anzunehmen, welchem auszuweichen, auch Drakenb. die Lesart iuss i dar e in Vorschlag bringt, halte ich mich an die Lesart zweier Msc.: iuss ere dari. Es ist mir nämlich wahrscheinlicher, daß die Abschreiber das Wort iussere – diesen zum Collectivum senatus constituit gehörigen Plural anstößig fanden, und daraus ein zu haec omnia ihrer Meinung nach besser passendes iussa gemacht haben, als daß sie, wenn das, dem Anscheine nach, leichtere haec omnia iussa dari wirklich dagestanden hätte, dies in das schwerere: senatus – – haec omnia iussere dari verwandelt haben sollten. geben. Den Rhodiern wurde Lycien gegeben, mit Ausschluß des genannten Telmissus und Castra Telmissium und des dem Telmissier Ptolemäus gehörigen Ackershaec et ab Eumene et ab Rhodiis excepta]. – Daß Eumenes Telmissus haben sollte, hatte Livius nicht nur kurz vorher gesagt, sondern sagt es auch B. 38. C. 39. Folglich kann es, wenn er sich hier nicht widersprechen soll, durchaus nicht heißen: haec et ab Eumene – excepta. Es freut mich, daß Herr Ruperti mit mir einerlei Meinung ist. daß statt haec hier hic zu lesen sei. In den Msc. kann hic sehr leicht in hec übergehen, und hier verwandelten es vielleicht die Abschreiber mit Fleiß in hec, weil sie das Neutrum excepta folgen sahen, und nicht ahneten, daß man aus diesem excepta zu hic (ager) ein exceptus suppliren müsse. Doch kann ich Hrn.  R. darin nicht beistimmen, wenn er except a in except us umändern will; denn die Msc. sämtlich lesen except a. Ich muß aber noch auf eine andre Kleinigkeit aufmerksam machen, die mir zur Wiederauffindung der richtigen Lesart mitzuwirken scheint. Zehn Handschriften lesen ab Eumene et Rhodiis, lassen also das ab vor Rhodiis aus. Wie, wenn wir annähmen, Livius habe so geschrieben: hic et ab Eumene et Rhodiis, illa ab Rhodiis excepta. Nämlich der ager Ptolemaei wurde beiden (sowohl dem Eumenes, als den Rhodiern) abgesprochen; jene vorhergenannten Stücke aber (Telmissus und Castra Telmissiorum), welche schon dem Eumenes zuerkannt waren, mußten allein von dem ausgenommen werden, was die Rhodier haben sollten. Wie oft die Abschreiber Worte, die zwischen zwei gleichen standen, nebst dem einen von beiden sich gleichenden, ausfallen ließen, davon giebt es unzählige Beispiele. Und hier sieht man aus ihrem Fehllesen die doppelte Lesart et Rhodiis und ab Rhodiis entstehen. Einige nämlich hatten die Worte hic ab Eumene et geschrieben, übersprangen nun die beiden Worte Rhodiis, illa und fuhren mit ab Rhodiis excepta fort; daher die Lesart: haec ab Eumene et ab Rhodiis excepta. Andre hatten die Worte ab Eumene et Rhodiis geschrieben, und lasen sich nun aus diesem ersten Rhodiis in das zweite hinüber; daher die andre Lesart: ab Eumene et Rhodiis excepta. Ich übersetze also auch diese Stelle, um den Livius sich nicht widersprechen zu lassen, so, wie ich im Texte lesen zu können wünschte: hic ab Eumene et Rhodiis, illa ab Rhodiis excepta; «diesen nahm man von den dem Eumenes und den Rhodiern, jene Stücke von den den Rhodiern einzuräumenden Ländern aus.» – – – Bei einer späteren Prüfung dieses Vorschlages sah ich, daß ich auf das et in den Worten haec et ab Eumene nicht gehörig Rücksicht genommen hatte; und lassen gleich drei Msc. bei Drakenb. dies et aus, so behalten doch alle anderen es bei. Jetzt ist es mir wahrscheinlicher, daß Drakenborch, Duker und wir Alle nur deswegen die Stelle, wie sie im Texte steht, anstößig finden konnten, weil wir dies et – et für collectiv ansahen. Nur dann widerspricht sich Livius, wenn hier der Sinn dieser sein soll: «diese Stücke wurden sowohl von dem ausgenommen, was Eumenes, als auch von dem, was die Rhodier haben sollten»: – denn Telmissus und Castra Telmissium sollte ja Eumenes haben, also können sie nicht von dem, was er haben soll, als ausgenommen aufgeführt werden. Wie aber, wenn wir dies et – et distributiv nähmen? Dann fiele der Anstoß weg. Ich lasse also die Stelle haec et ab Eumene et ab Rhodiis excepta unverändert, und übersetze so: «Dies waren die Stücke, welche theils von dem, was Eumenes, theils von dem, was die Rhodier haben sollten, ausgenommen worden.» Dann trifft die Ausnahme des Ptolemäischen Grundstücks den Eumenes, und die übrigen Stücke die Rhodier.: dies waren die Stücke, 493 welche theils von dem, was Eumenes, theils von dem, was die Rhodier haben sollten, ausgenommen wurden. Auch wurde diesen der Theil von Carien gegeben, welcher jenseit des Mäanderstroms näher an der Insel Rhodus liegt, ferner die Städte, Flecken, Schanzen und Dörfer, welche gegen Pisidien zuliegen, mit Ausnahme derjenigen Städte, welche schon den Tag vorher in Freiheit waren, ehe dem Könige Antiochus die Schlacht in Asien geliefert wurde. Als die Rhodier für dieses Alles ihre Danksagung abgestattet hatten, thaten sie wegen der Stadt Soli, die in Cilicien liegt, eine Vorstellung. Die Solier stammten eben so, wie sie, von Argi her; und diese Verbrüderung habe zwischen ihnen eine Bruderliebe gestiftet. Sie bäten sichs also zu einer außerordentlichen Vergünstigung aus, diese Stadt von der Dienstbarkeit des Königs frei zu sprechen.»494 Man rief die Gesandten des Königs Antiochus herein, nahm mit ihnen Rücksprache, konnte aber nichts auswirken, weil sich Antipater auf die Friedenspunkte berief, mit denen es sich nicht vertrage, daß die Rhodier – den Worten nach es auf Soli, in der That – auf Cilicien anlegten und die Höhen des Taurus überschritten. Als die Väter den wieder in den Senat gerufenen Rhodiern eröffnet hatten, wie ernstlich der königliche Gesandte dagegen sei, fügten sie hinzu: «Wenn die Rhodier glaubten, die Sache stehe durchaus mit der Ehre ihres States in Verbindung, so wolle der Senat den Starrsinn der Gesandten auf alle Weise zu bekämpfen suchen.» Da aber bezeigten die Rhodier ihre dankbaren Gesinnungen noch angelegentlicher, als zuvor und erklärten, sie wollten lieber gegen Antipaters Anmaßung zurückstehen, als Anlaß zur Störung des Friedens geben. Also traf man mit Soli keine Abänderung.

57. In den Tagen, in welchen dieses vorging, brachten Gesandte aus Massilia die Nachricht: «Der Prätor Lucius Bäbius sei auf dem Zuge nach Spanien, seinem Standorte, von den Liguriern umzingelt. Nicht ohne großen Verlust an seinem Gefolge, habe er, selbst verwundet, nur mit Wenigen, und ohne Beilträger, sich nach Massilia gerettet, und den dritten Tag nicht überlebt.» Auf diese Nachricht beschloß der Senat: «Publius Junius Brutus, der als Proprätor in Hetrurien stehe, solle nach Abgabe dieser Provinz und des Heeres an einen von ihm selbst zu bestimmenden Unterfeldherren nach dem jenseitigen Spanien aufbrechen und hier seinen Standort haben.» Dieser Senatsschluß ging mit einem Schreiben vom Prätor Spurius Postumius nach Hetrurien ab, und der Proprätor Publius Junius brach nach Spanien auf. In dieser Provinz hatte Lucius Ämilius Paullus, welcher in der Folge den König Perseus mit so vielem Ruhme besiegte, ob er gleich im vorigen Jahre im Felde gar nicht glücklich gewesen war, schon lange vor der Ankunft seines Nachfolgers, in der Eile ein Heer zusammengebracht und den Lusitaniern eine förmliche Schlacht 495 geliefert. Die Feinde wurden völlig geschlagen; achtzehn tausend Mann getödtet, dreitausend dreihundert gefangen und ihr Lager erobert. Der Ruf von diesem Siege machte auch Spanien wieder ruhiger. Am dreißigsten December dieses Jahrs führten zufolge eines Senatsschlusses Lucius Valerius Flaccus, Marcus Atilius Serranus, Lucius Valerius Tappus als Dreiherren Latinische Anbauer nach Bononien. Dreitausend Männer wurden ausgeführt: jeder Ritter bekam siebzig Morgen, die übrigen Pflanzbürger jeder funfzig. Das Land hatte man den Bojischen Galliern abgenommen, und die Gallier hatten vorher die Tusker daraus vertrieben.

In diesem Jahre suchten auch viele und angesehene Männer das Censoramt; und dies erregte, als wäre der dadurch ohnehin veranlaßte Wettstreit nicht groß genug, einen andern weit hitzigern Kampf. Die Bewerber waren Titus Quinctius Flamininus; Publius Cornelius Scipio, des Cneus Sohn; Lucius Valerius Flaccus, Marcus Porcius Cato, Marcus Claudius Marcellus, Manius Acilius Glabrio, der Sieger des Antiochus bei Thermopylä und der Ätoler. Diesem war die Stimmung des Volks vorzüglich günstig, wegen der vielen Spendenquod multa congiaria habuerat]. – Ich habe diese Stelle, zu deren Berichtigung die von Drak. angegebenen Varianten zu arm waren, übersetzt, ob ich gleich gestehe, daß der Sinn, den ich hineinzufinden suchen mußte, in den Worten nicht liegt. Duker sagt sehr richtig: eum, qui congiaria dat, illa habere dici posse non puto. Überdem waren, wie Duker ebenfalls bemerkt, zu den Zeiten des Glabrio derer, welche dergleichen congiaria gaben oder geben konnten, nur sehr Wenige; um so weniger konnte es von einem Einzelnen heißen: multa congiaria dedit; und aus diesem Grunde mochte ich auch in unsrer Stelle statt habuerat kein multa congiaria dederat oder distribuerat als richtig anerkennen. Ich weiß der Stelle nicht zu helfen. Also mögen meine Vorschläge zu ihrer Berichtigung bloß als Beweise dastehen, daß ich darüber nachgedacht habe, und sie veranlassen vielleicht einmal eine gründliche Berichtigung. Gesner führt in Convivalis eine Stelle aus Livius an, die ich jetzt nicht finden kann. Sie heißt: multaque convivalia ex auro et argento vasa. Sollte es hier, da Cato gleich nachher dem Glabrio Schuld giebt: se vasa aurea atque argentea, quae captis castris in regia praeda viderit, in triumpho non vidisse, vielleicht so geheissen haben; multa convivalia aera (od. vasa) habuerat, quibus magnam partem hominum obligaverat, und also die Lesart im Texte congiaria aus convivalia aera entstanden sein? In dem habuerat läge dann, daß er sie weggeschenkt habe. Oder da elf Msc. statt congiaria theils consilia, theils concilia lesen, sollte vielleicht, zur größern Ehre für den Glabrio, hier ungefähr so gestanden haben: multa consilia domi, ipsi honestiora, salubriora egentibus, quam congiaria, habuerat, und die Zeile zwischen consilia und congiaria, wegen der ähnlichen ersten Silben, überschlagen sein? Doch ich fürchte, wie Cicero sagt: ne hariolari videar, ut Cassandra, cui nemo credidit., wodurch er 496 sich einen großen Theil der Bürger verbindlich gemacht hatte. Da es nun so viele vom alten Adel verdroß, daß ihnen ein Neuadlicher so sehr vorgezogen wurde, so beschieden ihn die Bürgertribunen Publius Sempronius Gracchus und Cajus Sempronius Rutilus auf einen Gerichtstag, mit der Anklage, er habe von den königlichen Geldern und der übrigen im Lager des Antiochus gemachten Beute einen ansehnlichen Theil weder im Triumphe mit aufgeführt, noch in die Schatzkammer geliefert. Die Aussagen seiner Unterfeldherren und Obersten fielen verschieden aus. Vor den übrigen Zeugen zeichnete sich Marcus Cato aus: allein in der Toga des Bewerbers verlor er viel von dem Gewichte, das ihm ein sich ununterbrochen gleicher Lebenswandel erworben hatte. Dieser versicherte als Zeuge, viele goldene und silberne Gefäße, die er nach Eroberung des Lagers unter der übrigen königlichen Beute bemerkt habe, habe er im Triumphe nicht gesehen. Zuletzt erklärte Glabrio, er stehe, zum Vorwurfe für den Cato, von seiner Bewerbung ab, weil jener ihn bei diesem Gesuche, worüber sich doch die Adlichen nur in der Stille ärgerten, als Mitbewerber, und an Ahnen nicht reicher, wie er selbst, durch einen Meineid bekämpfe, der über alle zu bestimmende Strafe sei.

58. Es war gegen ihn auf eine Geldstrafe von hundert tausend KupferassEtwa 3124 Gulden. angetragen; und zweimal wurde die Sache vor Gericht verfochten. Am dritten Gerichtstage wollte das Volk, weil der Beklagte von seiner Bewerbung zurückgetreten war, über die Geldstrafe nicht stimmen, und die Tribunen ließen die Klage fallen. Zu Censorn wurden Titus Quinctius Flamininus und Marcus Claudius Marcellus gewählt. In diesen Tagen wurde auch dem Lucius Ämilius Regillus, der mit seiner Flotte den 497 Admiral des Königs Antiochus besiegt hatte, außerhalb der Stadt im Tempel des Apollo Zutritt vor dem Senate ertheilt, und als er den Vätern auseinandergesetzt hatte, was er geleistet, mit was für großen feindlichen Flotten er zu kämpfen gehabt, und wie viele von ihren Schiffen er in Grund gebohrt oder genommen habe, bewilligten sie ihm mit großer Übereinstimmung einen Seetriumph. Er hielt ihn am ersten Februar. In diesem Triumphe wurden neunundvierzig goldene Kränze vorübergetragen. Die Summe des Geldes war für den Glanz eines Triumphs über einen Könignequaquam tanta]. – Ich weiß nicht, warum Gronov, Crevier und Drakenb. das Wort tanta, als den Sinn entstellend, verdrängen wollen. Mit etwas andern Worten würde es hier so heißen: Summa pecuniae, praesertim si ad splendorem victoriae de tanto rege referretur, nequaquam tanta erat, quanta pro numero tot coronarum a sociis cellatarum exspectari potuisset. so groß bei weitem nicht, und betrug vierunddreißig tausend siebenhundert Attische VierdrachmenstückeSchon Cap. 46 habe ich den Werth der Vierdrachmenstücke zu Einem Gulden, so wie den der Kistegulden oder Cistophoren ungefähr auf einen halben Gulden angegeben. und hundert einunddreißig tausend dreihundert Cistophoren. Darauf wurde nach einem Senatsschlusse ein Dankfest gefeiert, dem Siege zu Ehren, welchen Lucius Ämilius in Spanien erfochten hatte. Bald nachher kam Lucius Scipio zur Stadt. Um seinem Bruder im Zunamen nicht nachzustehen, ließ er sich Asiaticus nennen. Es fehlte nicht an solchen, welche diesem Kriege das Ansehen zu geben suchten, als habe er mehr einen großen Ruf, als wirkliche Schwierigkeiten gehabt; mit einem einzigen erheblichen Treffen sei er beendet gewesen, und am Ruhme dieses Sieges sei die erste Blüte schon bei Thermopylä gebrochen. Allein genau erwogen, führten den Krieg bei Thermopylä mehr die Ätoler, als der König. Denn mit dem wie vielsten Theile seiner Macht lieferte dort Antiochus das Treffen? In Asien hingegen standen die Kräfte des gesamten Asiens in der Schlacht, weil er Truppen von allen seinen Völkern aus den Gegenden des äußersten Morgenlandes zusammengezogen hatte.

498 59. Mit vollem Rechte also wurde nicht allein den unsterblichen Göttern, dafür, daß sie einen so großen Sieg auch so leicht gemacht hatten, der Dank so feierlich als möglich dargebracht, sondern auch dem Feldherrn der Triumph zuerkannt. Er hielt ihn am letzten TageDies war nicht der letzte Februar, oder, wie man denken könnte, diesmal der 29ste Februar; sondern der letzte Tag des nach dem 23sten Februar alle zwei Jahre eingeschalteten Monats, welcher bloß den Namen intercalarius, und abwechselnd einmal 22, das andre Mal 23 Tage hatte. Cäsar änderte dies ab. des Schaltmonates. Eine weit größere Augenweide gewährte dieser sein Triumph, als ehemals der seines Bruders Africanus: erinnerte man sich aber an die Thaten, erwog man die Gefahr und den Kampf, so war dieser jenem ebenso wenig zu vergleichen, als wenn man Heerführer gegen Heerführer, oder den Antiochus als Feldherrn mit dem Hannibal zusammengestellt hätte. Er führte in diesem Triumphe zweihundert vierunddreißig Fahnen auf, hundert vierunddreißig ins Kleine nachgeformte Städte, tausend zweihundert einunddreißig Elephantenzähne, zweihundert vierunddreißig goldene Kränze, hundert siebenunddreißig tausend vierhundert und zwanzig Pfund SilberEtwa 4,294,372 Gulden., zweihundert vierundzwanzig tausend Attische Vierdrachmen, dreihundert einunddreißig tausend und siebzig Kistegulden, hundert und vierzig tausend1,050.000 Gulden. Goldphilippe; an Silbergefäßen – sie waren alle von getriebener Arbeit –44,500 Gulden. tausend vierhundert vierundzwanzig Pfund, an goldenen320,000 Gulden. tausend und vierundzwanzig Pfund. Vor dem Wagen gingen als Gefangene zweiunddreißig königliche Feldherren, Statthalter und andre von hohem Range. Den Soldaten gab er jedem fünfundzwanzig4 Thlr. 4 Ggr. Denare, einem Hauptmanne das Doppelte, jedem Ritter das Dreifache. Auch erhielten die Soldaten nach dem Triumphe eine doppelte Löhnung 499 an Sold und Getreide. SchonPraelio in Asia facto]. – Nach Creviers Vermuthung ist hier ein iam ausgefallen. Ich glaube, es hat vor dem Worte praelio gestanden, und wurde von der unmittelbar vorhergehenden Silbe tum des Wortes datum verschlungen. nach der Schlacht in Asien hatte er sie ihnen doppelt gegeben. Die Zeit seines Triumphs war etwa ein Jahr nach Niederlegung seines Consulats.

60. Ungefähr um dieselbe Zeit kam sowohl der Consul Cneus Manlius in Asien, als der Prätor Quintus Fabius Labeo auf der Flotte an. Der Consul freilich fand in dem Kriege gegen die Galater genug zu thun: allein auf dem Meere war nach Besiegung des Antiochus Friede. Da also Quintus Fabius in Überlegung nahm, auf was für eine Unternehmung er sich eigentlich einlassen sollte, um sich nicht etwa einem Scheine von Unthätigkeit auf seinem Posten auszusetzen; so glaubte er, am besten zu thun, wenn er auf die Insel Creta hinüberginge. Dort führte der Stat von Cydonia Krieg mit denen von Gortyna und Gnossus; auch hieß es, eine große Anzahl gefangener Römer und Italier lebe, auf der ganzen Insel zerstreuet, in der Sklaverei. Sobald er nach seiner Abfahrt von Ephesus mit der Flotte das Ufer von Creta erreicht hatte, ließ er den sämtlichen Staten kund thun, sie sollten die Waffen niederlegen, jeder die in seinen Städten und Dörfern aufgesuchten Gefangenen ihm wieder zuführen und Gesandte schicken, mit denen er sich über Gegenstände, welche die Cretenser eben so wie die Römer angingen, auseinandersetzen könne. Auf die Cretenser machte dies wenig Eindruck, und außer den Gortyniern gab niemand Gefangene zurück. Valerius von Antium hat angegeben, die ausgelieferten Gefangenen, die man aus Furcht vor dem angedroheten Kriege von der ganzen Insel zusammengebracht habe, hätten sich auf viertausend belaufen, und eben aus diesem Grunde habe Fabius, ohne alle weitere Verrichtung, vom Senate einen Seetriumph bewilligt erhalten. Von Creta kehrte Fabius nach Ephesus zurück, und sandte 500 von hier drei Schiffe nach der Küste von Thracien, mit dem Befehle, von Änus und Maronea, weil diese Städte frei werden sollten, die Besatzungen des Antiochus abzuführen.

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