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Römische Geschichte

Livius: Römische Geschichte - Kapitel 119
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Geschichte Bd. I
authorTitus Livius
translatorKonrad Heusinger
firstpub1821
year1821
publisherFriedrich Vieweg Verlag
addressBraunschweig
titleRömische Geschichte
created20060416
sendergerd.bouillon
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33. Hier nun fing Aristänus an, den Nabis zu warnen und dann wieder zu bitten, so lange er es noch in seiner Gewalt habe, so lange es noch Zeit sei, sich selbst und sein Bestes zu bedenken. Dann nannte er ihm die Zwingherren der benachbarten Städte, namentlich, die ihre Regierung niedergelegt, dem Volke die Freiheit wiedergegeben und ihr Alter nicht bloß in Sicherheit, sondern sogar in Ehren unter ihren Mitbürgern verlebt hätten.

Über diese Vorträge von beiden Seiten wurde es beinahe Nacht und die Unterredung aufgehoben. Am folgenden Tage erklärte Nabis: «Er wolle Argi abtreten und seine Besatzung herausziehen, wenn es die Römer so haben wollten, auch die Gefangenen und Überläufer zurückgeben. Sollten sie sonst noch Forderungen machen wollen, so bat er, ihm diese schriftlich anzugeben, um sie mit seinen Freunden überlegen zu können.» Also wurde dem Zwingherrn Bedenkzeit gegeben, und auch Quinctius konnte noch einen Kriegsrath halten, zu welchem er auch die Häupter der Verbündeten zog. Die Meisten waren der Meinung: «Man müsse bei dem Kriege beharren und den Zwingherrn fortschaffen; sonst werde Griechenlands Freiheit nie sicher sein. Es wäre viel besser gewesen, den Krieg gegen ihn nicht anzufangen, als ihn nun nach der Eröffnung liegen zu lassen. Nabis selbst werde dann gleichsam unter der Genehmigung seiner Tyrannei so viel fester stehen, wenn er die Römer als Bestätiger seiner unrechtmäßigen Regierung aufstellen könne, und auch sein Beispiel werde in andern Staten Manche verführen, der Freiheit ihrer Mitbürger eine Falle zu legen.» Der Feldherr selbst war mehr zum Frieden geneigt: denn er sah, es sei nun, da sie den Feind in die Mauern getrieben hatten, nichts weiter übrig, als Einschließung. Diese aber werde langwierig sein. «Denn sie würden kein Gythium zu bestürmen haben – und selbst dieses hätten sie durch Übergabe, nicht durch Sturm 246 bekommen – sondern Lacedämon in der vollen Kraft der Gegenwehr. Man habe noch die einzige Hoffnung gehabt, daß vielleicht das Anrücken des Heeres unter den Bürgern selbst Uneinigkeit und Aufstand erregen sollte: allein es habe sich niemand gerührt, ob sie gleich die feindlichen Fahnen beinahe schon in den Thoren gesehen hätten.» Er fügte hinzu: «Villius, der von seiner Gesandschaft zum Antiochus zurückkomme, melde die Unzuverlässigkeit des Friedens mit ihm: der König sei mit einer weit stärkeren Land- und Seemacht, als zuvor, nach Europa übergegangen. Beschäftige nun das Heer die Belagerung Lacedämons, mit welchen andern Truppen man alsdann mit einem so rüstigen und mächtigen Könige den Krieg führen wolle?» – Dies waren seine angegebenen Gründe. Seine geheime Sorge aber war, das Los möchte dem neuen Consul Griechenland zum Schauplatze anweisen; dann würde er die Ehre des Sieges in diesem von ihm angefangenen Kriege seinem Nachfolger überlassen müssen.

34. Als er sah, daß seine Gegenvorstellungen bei den Bundesgenossen keinen Eingang fanden, so brachte er sie unter dem Scheine, als ginge er in ihre Meinung über, sämtlich dahin, daß sie beifallend zu seinem Plane übertraten. «In Gottes Namen,» sagte er, «wenn es so sein soll, so laßt uns Lacedämon einschließen. Nur dürft ihr hiebei nicht vergessen, da die Belagerung einer Stadt, wie ihr wisset, eine so langweilige Sache ist, und ihrer oft die Belagerer eher, als die Belagerten, müde werden, daß ihr euch schon jetzt darauf gefaßt machen müßt, an den Mauern Lacedämons zu überwintern. Wäre dieser Zeitaufwand bloß mit Beschwerde und Gefahr verbunden, so würde ich euch auffordern, mit Muth und Körperkraft euch dagegen anzuschicken. So aber macht er auch große Summen nöthig, zu Werken, zu Sturmzeug, zu Geschütz, womit eine solche Stadt angegriffen sein will; zur Herbeischaffung von Vorräthen auf den Winter für euch und für uns. Damit ihr also nicht unerwartet in Verlegenheit kommt, oder mit Schimpf von dem angefangenen Werke 247 abstehen müsset, so rathe ich euch, vorher an eure Staten zu schreiben und zuzuhören, wie es bei jedem um den Willen, wie es um die Kräfte stehe. An Hülfstruppen habe ich überflüssig genug: allein je mehr unsrer sind, je mehr Bedürfnisse werden wir haben. Jetzt hat das feindliche Gebiet nichts, als den nackten Boden. Der Winter mit seinen Schwierigkeiten für die Zufuhr aus der Ferne kommt dazu.» Diese Rede führte sie Alle dahin zurück, daß Jeder seine heimischen Übel in Betracht zog; die Saumseligkeit, den Neid und die feindselige Stimmung der zu Hause Bleibenden gegen die im Felde Dienenden, die jeden einmüthigen Beschluß erschwerende Freiheit, den Mangel der Schatzkammer und die Kargheit in Beiträgen aus eignem Vermögen. Auf Einmal also völlig umgestimmt überließen sie es dem Feldherrn, so zu handeln, wie er es dem Besten der Römer und ihrer Bundesgenossen gemäß erachte.

35. Dann setzte Quinctius bloß mit Zuziehung seiner Unterfeldherren und Obersten folgende Bedingungen auf, unter welchen der Friede mit dem Zwingherrn zu Stande kommen sollte. «Es sollte zwischen Nabis und den Römern nebst dem Könige Eumenes und den Rhodiern ein sechsmonatlicher Waffenstillstand sein. Titus Quinctius und Nabis sollten sogleich, zur Bestätigung des Friedens durch ein Senatsgutachten, nach Rom Gesandte abgehen lassen. Mit dem Tage, an welchem die schriftlichen Friedensbedingungen dem Nabis eingehändigt wären, sollte der Waffenstillstand seinen Anfang nehmen; und innerhalb zehn Tagen, von diesem Tage an zu rechnen, sollten von Argi und den übrigen im Argivergebiete belegenen Städten alle Besatzungen abgeführt und diese Plätze geräumt und frei den Römern übergeben werden. Kein Leibeigner, möchte er dem Regenten, dem State, oder einem Privatmanne gehören, sollte aus diesen Orten abgeführt, und die etwa schon früher Abgeführten ihren Eigenthümern gehörig wieder ausgeliefert werden. Alle den Seestädten genommenen Schiffe sollte Nabis herausgeben, und weiter kein Schiff behalten, als zwei Jachten, 248 die aber nicht über sechzehn Ruder haben dürften. Allen Bundesstaten des Römischen Volks sollte er ihre Überläufer und Gefangenen herausgeben, und den Messeniern alles Ihrige, das sich anfände und von den Eigenthümern dafür erkannt würde. Den Lacedämonischen Vertriebenen, sollte erLacedaemoniis liberos et coniuges]. – Aus dem folgenden Cap. sieht man, daß ihnen auch ihre Güter, nicht bloß ihre Angehörigen wiedergegeben wurden. Darum will Crevier lesen: Lacedaemoniis bona, liberos et coniuge. Mir ist es wahrscheinlicher, daß hier sua gestanden habe. Wenn der Abschreiber das s zu dem voraufgehenden Lacedaemoni is rechnete, dann waren die beiden Buchstaben ua in seinen Augen unnütz. das Ihrige, ihre Kinder und Frauen, wenn sie ihren Männern folgen wollten, verabfolgen; gezwungen aber sollte keine werden, den Mann in der Verbannung zu begleiten. Denen von des Nabis Miethsoldaten, die entweder in ihre Heimat, oder zu den Römern übergegangen wären, sollte alles ihr Eigenthum gehörig zurückgegeben werden. Auf der Insel Creta sollte er keine Stadt inne haben; die er gehabt habe, den Römern übergeben. Er sollte mit Niemand, weder in Creta, noch sonst, ein Bündniß schließen oder Krieg führen. Aus allen Städten, die er selbst herausgäbe, so wie auch aus denen, die sich und ihr Eigenthum unter der Römer Schutz und Hoheit gegeben hätten, sollte er alle seine Besatzungen herausziehen, und er sowohl, als sein Anhang mit ihnen außer Berührung bleiben. Weder auf eignem, noch auf fremdem Gebiete sollte er irgend eine Stadt oder ein Schloß anlegen. Für die Sicherheit der Erfüllung dieser Punkte sollte er fünf Geisel stellen, die der Römische Feldherr annehmlich fände, und unter ihnen seinen Sohn; auch für jetzt hundert Talente SilbersNach Crevier etwa 187,500 Gulden Conv. M. und die funfzig etwa 93,750 Gulden. bezahlen, und acht Jahre lang jährlich funfzig.»

36. Quinctius rückte mit seinem Lager näher gegen die Stadt Lacedämon an, und schickte die aufgesetzten Bedingungen hinein. Auch nicht Eine darunter wollte dem Zwingherrn recht gefallen, außer daß, wider seine Erwartung, einer Wiederaufnahme der Vertriebenen gar nicht 249 gedacht war. Vor allen misfiel ihm der Punkt, daß ihm sowohl die Schiffe, als die Seestädte genommen wurden. Denn vom Meere hatte er große Vortheile gezogen, da er die ganze Rüste von Malea mit seinen Raubschiffen unsicher machte. Außerdem hatte er an der jungen Mannschaft aus diesen Städten bei weitem die besten Ergänzungstruppen. So geheim er nun mit seinen Vertrauten über diese Bedingungen zu Rathe ging, so trug man sich doch allgemein damit, weil die Zuverlässigkeit seiner Thronhüter, wie überhaupt bei Forderungen der Treue, so auch in der Verschweigung seiner Geheimnisse nicht Stich hielt. Und nun misbilligten nicht sowohl Alle die sämtlichen Punkte, als jeder Einzelne den, der ihn selbst betraf. Hatte einer die Gattinn eines Vertriebenen geheirathet, oder von dessen Gütern dies und jenes im Besitze, so war er so aufgebracht, als träfe ihn, nicht die Rückgabe, sondern der Verlust. Die durch den Zwingherrn freigewordenen Sklaven sahen nicht allein für die Zukunft ihre Freiheit verloren gehen, sondern einer weit schrecklicheren Sklaverei entgegen, als worin sie vorher gelebt hatten, weil sie nun in die Gewalt racheschnaubender Eigenthümer zurückkehrten. Die Miethsoldaten sahen mit Ärger den Preis ihrer Kriegsdienste im Frieden sinken, und sich selbst die Rückkehr in ihre Städte unmöglich gemacht, wo die Trabanten der Tyrannei noch gehaßter waren, als die Tyrannen selbst.

37. Anfangs murreten sie hierüber nur unter einander in den Gesprächen ihrer Zirkel, dann aber lief Alles plötzlich zu den Waffen. Da der Zwingherr bei diesem Aufstande das Volk schon aus eigner Bewegung so erbittert sah, so ließ er eine Versammlung berufen. Als er ihm hier die Forderungen der Römer bekannt gemacht, noch einige härtere und empörendere fälschlich hinzugedichtet hatte, und die Versammlung bei jedem Punkte, bald insgesamt, bald theilweise ihm zuschrie, so legte er ihnen die Frage vor, Was er hierauf nach ihrem Willen antworten oder wie er handeln solle? Fast einstimmig riefen Alle: «Gar keine Anwort! Krieg!» Jeder nach seiner Weise hieß ihn, wie es der große Haufe macht, guten 250 Muth haben; hieß ihn unter der Versicherung, daß das Glück es mit der Tapferkeit halte, das Beste hoffen. Der Zwingherr, durch ihren Zuruf ermuntert, sagte laut, Antiochus und die Ätoler würden ihnen zu Hülfe kommen, und er selbst habe Truppen genug, eine Belagerung auszuhalten. Verschwunden war der Gedanke an Frieden aus Aller Herzen, und mit der längeren Unthätigkeit unverträglich eilte Jeder auf seinen Posten. Der Ausfall einiger Wenigen zu einem Angriffe und ihre hergeschossenen Wurfspieße ließen die Römer nicht länger an der Unvermeidlichkeit des Krieges zweifeln. Dann fielen leichte Gefechte vor, die in den ersten vier Tagen ohne bestimmte Entscheidung blieben. Am fünften wurden die Lacedämonier nach einem beinahe ordentlichen Treffen in so völliger Flucht in die Stadt getrieben, daß einige Römische Soldaten, die den Fliehenden nachsetzten, durch die offengelassenen Stellen der Mauer, die sich damals noch nicht schloß, in die Stadt eindrangen.

38. Quinctius, dem jetzt, da die Feinde hiedurch von allen weiteren Ausfällen zurückgeschreckt waren, nichts als die Bestürmung der Stadt übrig blieb, schickte nach Gythium, um von dort die sämtlichen Seetruppen kommen zu lassen, und machte unterdeß mit seinen Obersten zu Pferde, um sich über die Lage der Stadt zu unterrichten, seine Rundgänge um die Mauern. Ehemals war Sparta ohne Mauer gewesen: erst neulich hatten die Zwingherren vor die offenen und flachen Stellen eine Mauer gezogen; die höheren und nicht so leicht zu ersteigenden Plätze schützten sie statt aller Werke durch vorgeschobene Posten von Bewaffneten. Nachdem Quinctius Alles hinlänglich in Augenschein genommen und sich zum Ringsturme entschlossen hatte, so umstellte er die Stadt mit allen seinen Truppen: und er hatte an Römern und Bundesgenossen, Fußvolk und Reuterei, Land- und Seetruppen zusammengenommen, gegen funfzigtausend Mann. Die Einen trugen Leitern herbei, die Andern Fackeln, Andere noch andere Dinge, nicht bloß zum Sturme, sondern auch den Feind zu schrecken. Sie bekamen Befehl, mit erhobenem 251 Kriegsgeschreie Alle auf einmal zu stürmen, so daß die Lacedämonier, auf allen Seiten geschreckt, nicht wüßten, wo zuerst sie sich entgegenstellen, oder helfen sollten. Die Kerntruppen des Heers hatte er in drei Theile getheilt. Der eine sollte bei dem Tempel des Phöbus, der andre bei dem Tempel der Dictynna, der dritte bei den sogenannten Sieben Ecken den Angriff thun, lauter offenen Gegenden ohne Mauer. Bei diesem ringsum auf die Stadt hereinbrechenden Schrecken stellte sich der Zwingherr, bald durch ein plötzliches Geschrei, bald durch herbeistürzende Boten hingerufen, je nachdem ein Posten vorzüglich Noth litt, entweder in Person ein, oder sandte Unterstützung. Als ihn aber das Schreckgetöse von allen Seiten umgab, wurde er so betäubt, daß er zweckdienliche Maßregeln so wenig selbst angeben, als anhören konnte, und nicht nur völlig ohne Überlegung, sondern fast ohne Besinnung war.

39. In den engen Zwischenräumen hielten die Lacedämonier anfänglich den Angriff der Römer aus; und drei verschiedene Linien fochten zu gleicher Zeit an drei verschiedenen Stellen. Als aber die Hitze des Kampfes stieg, blieb das Gefecht durchaus nicht mehr auf beiden Seiten gleich. Vor dem Wurfgeschosse, dessen sich die Lacedämonier bedienten, konnte sich der Römische Soldat nicht nur sehr leicht durch die Größe seines Schildes decken, sondern mancher Schuß traf auch entweder gar nicht, oder nur leicht. Denn bei dem Mangel an Raum und im Gedränge des Gewühls fehlte es ihnen nicht nur an Platz, die Wurfspieße mit dem Zulaufe abzuschleudern, der ihnen den meisten Schwung giebt, sondern auch an einer freien und festen Stellung zum Ausholen. Also bohrten sich ihre geradezu herübergeschossenen Spieße nie in die Körper, nur selten in die Schilde. Durch die auf den Seiten Stehenden wurden einige Römer von den Höhen herab verwundet, und bald darauf, als sie vorrückten, trafen schon von den Dächern nicht bloß Geschosse, sondern auch Ziegel, vor denen sie sich nicht hüteten. Da nahmen sie ihre Schilde über die Köpfe, reiheten sie so dicht auf einander, 252 daß sie nicht allein keinem unvorhergesehenen Schusse, sondern auch keinem Stoße aus der Nähe zum Eindringen Platz ließen, und rückten so im geschlossenen Sturmdache heran. Der erste Engweg, gestopft von ihrem und der Feinde Gewühle, hielt sie ein Weilchen auf; sobald sie aber, den Feind allmählig wegdrängend, auf eine breitere Straße der Stadt vorgerückt waren, war die Gewalt ihres Ansturzes unwiderstehlich. Als die Lacedämonier dem Feinde den Rücken zukehrten und in voller Flucht auf die Höhen eilten, sah sich Nabis, seines Orts so in Bestürzung, als sei die Stadt schon erobert, nach einem Wege um, auf dem er entkommen könnte. Pythagoras aber, der schon in allen übrigen Stücken dem Muthe und dem Amte eines Feldherrn Genüge that, war es auch diesmal ganz allein, der die Eroberung der Stadt verhinderte. Er ließ die nächsten Häuser an der Mauer anzünden. Da diese sogleich in Flammen standen, weil die, die sonst zum Löschen hülfreiche Hände bieten, das Feuer beförderten, so stürzten die Dächer auf die Römer ein, und nicht bloß Ziegel in Bruchstücken, sondern auch brennende Balken erreichten die Bewaffneten; die Flamme schlug weit um sich; und selbst der Rauch vergrößerte den Schrecken, wenn auch nicht die Gefahr. Also kehrten nicht nur diejenigen Römer, die noch außerhalb der Stadt waren und eben hineinbrechen wollten, an der Mauer um, sondern auch die schon Eingedrungenen zogen sich zurück, um nicht durch die ihnen im Rücken ausbrechende Feuersbrunst von den Ihrigen abgeschnitten zu werden. Auch ließ Quinctius, sobald er sah, wie die Sache stand, zum Rückzuge blasen. So gingen sie, von der beinahe schon eroberten Stadt zurückgerufen, wieder in ihr Lager.

40. Quinctius, dem nicht sowohl der Erfolg selbst, als die Feinde durch ihre Furcht Muth machten, ließ in den drei folgenden Tagen nicht nach, ihnen zuzusetzen, so daß er sie bald durch Gefechte beunruhigte, bald durch seine Werke einige Stellen sperrte, um ihnen den Ausweg zur Flucht zu nehmen. Durch diese drohenden Vorkehrungen in die Enge getrieben, schickte der Zwingherr den 253 Pythagoras abermals als seinen Gesandten, welchen Quinctius anfangs mit dem Befehle, das Lager zu verlassen, abwies, weil er aber so demüthig bat und ihm zu Füßen fiel, endlich vorließ. Pythagoras fing damit an, daß er Alles dem Ermessen der Römer anheimstellen wolle, und da er hiermit, als nichtigen, ohne Erfüllung bleibenden Worten nichts ausrichtete, so kam es dahin, daß auf eben die Bedingungen, die wenig Tage zuvor schriftlich angegeben waren, ein Waffenstillstand geschlossen, und das Geld nebst den Geiseln angenommen wurde.

Während ihr Zwingherr belagert wurde, machten auch den Argivern die sich fast überholenden Nachrichten, daß Lacedämon schon so gut als erobert sei, und zugleich der Umstand Muth, daß Pythagoras mit dem stärksten Theile der Besatzung abgezogen war; und da die Wenigen auf der Burg ihnen nicht furchtbar sein konnten, trieben sie die Besatzung aus der Stadt. Dem Timocrates von Pellene, weil er sie schonend behandelt hatte, schenkten sie das Leben und hielten ihm ihr Wort, ihn zu entlassen. Mitten in ihrer Freude kam Quinctius dazu, der jetzt dem Zwingherrn den Frieden bewilligt, von Lacedämon den Eumenes und die Rhodier entlassen, und seinen Bruder Lucius Quinctius auf die Flotte zurückgeschickt hatte.

41. In ihrer frohen Stimmung setzte die Bürgerschaft ihren größten Festtag und die berühmte Feier der Nemeischen Spiele, die an dem verordneten Tage bei dem Drucke des Krieges unterblieben war, auf den Einzug des Römischen Feldherrn und seines Heeres an, und bei den Spielen gab sie dem Feldherrn selbst den Vorsitz. Hier häufte sich Freude auf Freude, aus mehrern Rücksichten. Aus Lacedämon waren ihnen ihre Mitbürger wieder zugeführt, welche neulich Pythagoras, und die, welche vormals Nabis weggeführt hatten. Auch die waren zurückgekehrt, die nach der von Pythagoras entdeckten Verschwörung und unter den schon angegangenen Hinrichtungen entflohen waren. Nach langer Zwischenzeit sahen sie die Freiheit wieder, und in den Römern die 254 Wiederbringer der Freiheit, die sogar ihnen zu Liebe den Krieg mit dem Zwingherrn angefangen hatten: und am Tage der Nemeischen Spiele selbst wurde den Argivern ihre Freiheit durch die Stimme des Herolds bestätigt. So froh es hingegen die Achäer machte, Argi dem gemeinschaftlichen Bunde Achajens wiedergegeben zu sehen, so ließ sie doch der Gedanke, daß man Lacedämon in der Dienstbarkeit gelassen habe, daß eine Zwingherrschaftlateri adhaerens tyranni]. – Ich folge der von Crevier gebilligten Lesart des Jak. Gronov: lateri adhaerens tyrannis. Denn lateri adhaerens kann ja nur in Beziehung auf die Achäer gesagt werden. ihnen zur Seite festsitze, keine reine Freude genießen. Die Ätoler aber verunglimpften dies in allen ihren Versammlungen ohne Schonung. «Mit Philipp habe man nicht eher aufgehört zu kriegen, als bis er Griechenlands sämtliche Städte geräumt habe; aber einem Tyrannen werde Lacedämon gelassen; und der rechtmäßige König, der sich im Römischen Lager befunden habe, und die übrigen angesehensten Bürger möchten in der Verbannung leben. Zu des Herrscherlings Nabis Thronhütern hätten sich die Römer hergegeben.»

Von Argi führte Quinctius seine Truppen nach Elatea zurück, von wo er zu dem Kriege gegen Sparta aufgebrochen war. Einige geben an, der Zwingherr habe den Krieg nichtnon ex oppido proficiscentem bellum gessisse ]. – Statt proficiscentem lese ich profligantem, und erkläre dies so: tyrannum bellum non ita gessisse, ut illud, ex oppido pugnans, profligaret. Denn 1) frage ich, wenn Nabis selbst ausgerückt sein soll, lieferte er dann die Gefechte proficiscens ex oppido? Müßte das nicht profectus heißen? 2) Wenn Livius selbst Cap. 28 am Ende sagt: Intra munitiones copias continebat, – – urbem relinquere, tam suspensis et incertis omnium animis, metuens, kann er hier das Alles vergessen, und die von den Lacedämoniern ohne den Tyrannen gethanen Ausfälle durch tyrannus proficiscens andeuten wollen? , ihn von der Stadt aus abwehrend, geführt, sondern dem Römischen Lager gegenüber sich gelagert. Nach langem Zaudern, weil er auf Ätolische Hülfstruppen gewartet habe, sei er endlich zu einer Schlacht in Linie gezwungen, weil die Römer seine Truppen auf einer Getreideholung angegriffen hätten. Hier sei er geschlagen, habe sein Lager verloren und um Frieden gebeten, 255 nachdem funfzehntausend Mann von den Seinigen gefallen und über viertausend gefangen genommen waren.

42. Fast zu gleicher Zeit lief ein Brief vom Titus Quinctius über seine Verrichtungen bei Lacedämon, und einer vom Consul Marcus Porcius aus Spanien ein. Beiden zu Ehren wurde für jeden ein dreitägiges Dankfest vom Senate angesetzt. Der Consul Lucius Valerius, der nach seinem Siege am Walde Litana über die Bojer einen ruhigen Stand gehabt hatte, kam zur Haltung der Wahlen nach Rom zurück und hatte den Vorsitz, als Publius Cornelius Scipio Africanus zum zweitenmale und Tiberius Sempronius Longus zu Consuln gewählt wurden. Ihre Väter waren im ersten Jahre des zweiten Punischen Krieges Consuln gewesen. Nun folgte die Prätorenwahl. Die gewählten waren Publius Cornelius Scipio, und zwei Cornelier, mit Vornamen Cneus; mit Zunamen, der eine Merenda, der andre Blasio; ferner Cneus Domitius Ahenobarbus und Sextus Digitius und Titus Juventius Thalna. Nach beendigter Wahl ging der Consul in die Provinz zurück. In diesem Jahre wurde vonNovum ius eo anno a Ferentinatibus]. – Dies ist eine der schwierigsten Stellen im Livius, und Duker sagt ganz recht: non una obscuritate laborat. Ich mag ihn hier nicht abschreiben: meine Note wird doch lang genug. Livius erzählt in zwei Perioden: in der ersten: die Ferentinaten – Ferentinum war eine Latinische Stadt im Gebiete der Herniker – hätten das neue Recht aufbringen wollen, daß die colonis adscripti für Römische Bürger gelten sollten. Und in der zweiten Periode: Als die für Puteoli, Salernum und Buxentum (drei Campanische Städte) angenommenen colonis adscripti aus diesem Grunde, weil sie adscripti colonis Romanis waren, für Römische Bürger hätten gelten wollen, habe der Senat erklärt, sie wären keine Römische Bürger. Hier fragt es sich, ob beide Perioden ohne Beziehung auf einander sind, so daß die Ferentinaten für sich allein stehen, und nicht mit den nach Puteoli, Salernum und Buxentum abzuführenden adscriptis einerlei sind, oder ob sie dieselben sind, die für Put., Sal. und Bux. sich gemeldet haben. Stehen sie für sich allein, ohne Bezug auf diese, so hat Duker Recht, wenn er sagt: Ex hoc loco apparet, Perentinum iam tum coloniam Romanam fuisse; denn sie haben ja alsdann ihre Latinos adscriptos, sind also selbst coloni Romani. Wenn aber beide Perioden sich so auf einander beziehen, daß die Ferentinaten als bloße Latiner, nicht als Römische Colonisten, dieselben sind, die nach Put., Sal. und Bux. als adscripti abgeführt sein wollen; so ist Dukers Folgeschluß, daß Ferentinum an dieser Stelle für eine Römische Colonie erklärt werde, falsch. Dann sagt Livius bloß, Ferentinaten hätten verlangt, als adscripti Latini zu den abzuführenden drei Campanischen Colonien, für Römische Bürger zu gelten, und dies habe der Senat nicht gestattet. Hieraus ergiebt sich so wenig, daß sie schon wirkliche Römische Colonisten waren, daß man im Gegentheile sich wundern müßte, wenn sie Römische Colonisten gewesen wären, wie sie sich hätten aus Römischen Bürgern zu bloßen adscriptis latinis erniedrigen lassen wollen. Nur als Latiner konnten sie sich zur Abführung als adscripti nach den drei Campanischen Städten gemeldet haben. – Nehmen wir nun den ersten Fall, daß hier von den Ferentinaten, als für sich allein dastehend, geredet werde, und sie also, nach Dukers Meinung, Römische Colonisten sind; so ist doch die Art der Erzählung äußerst sonderbar: die Römische Colonie Ferentinum verlangt dies und das, und der Senat verweigert dies den adscriptis für drei Campanische Städte. Warum wird bloß diesen abgeschlagen, was doch auch jene forderten? Ferner, wie sonderbar, daß jene für sich von Ferentinum im Hernikerlande diese Forderung thun, und zu gleicher Zeit, auch so ganz für sich, die adscripti zu den drei neuen Colonien? Ferner, wie kann Livius sagen: a Ferentinatibus? von den Ferentinaten? Dies that ja nicht die Römercolonie zu Ferentinum, sondern nur ihre adscripti. Er mußte ja so sagen: Novum ius eo anno tentatum est ab iis, qui in coloniam Romanam Ferentinum adscripti fuerant. Hier ist die Übersetzung von beiden für sich bestehenden Perioden: «In diesem Jahre versuchten es die Ferentinaten [diese Römische Bürgercolonie], ein neues Recht aufzubringen, daß nämlich Latiner, wenn sie sich für eine Römische Pflanzstadt hatten einzeichnen lassen, Römische Bürger sein sollten. Da die als zugegebenen Pflanzer für Puteoli, Salernum und Buxentum eingezeichneten [Latiner] Pflanzbürger, aus diesem Grunde [weil sie eingezeichnete Pflanzer waren], für Römische Bürger gelten wollten, so erklärte ihnen der Senat, sie wären keine Römische Bürger.» Ich finde hier nichts als Sonderbarkeiten, und Mangel an Zusammenhang. – Nimmt man hingegen an, und dies hat Sigonius mit Recht gethan (er lässet nämlich in seinem Indice coloniarum ante bellum Italicum, deductarum Ferentinum aus), daß Ferentinum keine Colonie war, und daß, vermöge eines Zusammenhangs beider Perioden, die Ferentinaten, als bloße Latiner, dieselben sind, die sich als adscripti für Put., Sal. u. Bux. melden, dann fallen zwar die oben gerügten Ungereimtheiten weg und die Übersetzung lieset sich, so wie ich sie im Texte gegeben habe, des bessern Zusammenhanges wegen, etwas besser. Allein die Ferentinaten sind uns immer noch im Wege. Denn die adscripti wurden gewöhnlich aus den Städten selbst genommen, wohin die Colonie geführt wurde. Warum werden also hier zu den adscriptis nicht Puteolaner, Salerniner und Buxentiner genommen, sondern Latiner gerade aus Ferentinum? Und schloß man etwa aus altem Hasse gegen die Campaner diese absichtlich aus, oder nahm man vielleicht auch darum Latiner mit auf, weil die Anzahl der Puteolaner, Salerniner und Buxentiner nicht zureichte, warum werden denn alle andern Latiner ausgeschlossen? warum müssen es gerade Ferentinaten sein? Es hat ja nicht etwa Eine Latinische Stadt das Vorrecht, sich zu Bürgercolonien zu melden. Alle Städte, Flecken und Dörfer Latiums konnten ja eben so gut ihre dürftigeren Mitbewohner als adscribendos hergeben: warum hier gerade Ferentinum allein? Diejenigen, qui nomina dabant, ut adscriberentur, meldeten sich ja Alle freiwillig: warum hier bloß aus Ferentinum? – Alle diese Schwierigkeiten machen mir das Wort Ferentinatibus verdächtig, und ich glaube, die Stelle läßt sich heilen, wenn wir dieses Wort abändern. Hier der Versuch: Hundert Jahre später, im bello sociali oder Italico, J. Roms 661. 62. 63. versuchten die sämtlichen Colonien dasselbe, was die für Puteoli, Salernum und Buxentum im J. 557. Eingezeichneten verlangten, mit besserem Glücke. Zwar wurden sie besiegt, allein der Senat sah doch ein, daß ihnen das Bürgerrecht eingeräumt werden müsse, wenn man nicht beständig bella socialia führen wollte. Nur jetzt, schon Anno 557. kam dieser Versuch noch zu früh. Wie, wenn Livius, mit Rücksicht auf die Geschichte Roms überhaupt, an unsrer Stelle gesagt hätte: Novum ius eo anno a præfestinantibus tentatum. Dann hieße die Übersetzung so: «In diesem Jahre wurde der Versuch gemacht, mit dem man aber jetzt noch zu früh kam, das neue Recht aufzubringen, daß auch Latiner, wenn sie sich für eine Römische Pflanzstadt hatten einzeichnen lassen, Römische Bürger sein sollten. Da die als zugegebenen Pflanzer für Puteoli, Salernum und Buxentum Eingezeichneten aus diesem Grunde für Römische Bürger gelten wollten, so erklärte der Senat, sie wären keine Römischen Bürger.» Wenn in dem Worte prefestinātibus der Strich über dem a erloschen war, so setzte der Abschreiber dem Schlusse tinatibus, weil er hier einen Namen vermuthete, die Buchstaben feren vor, die dem noch übrigen refe am nächsten kamen. Ferentinaten der 256 Versuch gemacht, ein neues Recht aufzubringen, daß nämlich Latiner, wenn sie sich für eine Römische Pflanzstadt 257 hatten einziehen lassen, Römische Bürger sein sollten. Daß sie als zugegebene Pflanzer für Puteoli, Salernum und Buxentum eingezeichnet, aus diesem Grunde für Römische Bürger gelten wollten, so entschied der Senat, sie wären keine Römischen Bürger.

43. Im Anfang des Jahrs, in welchem Publius Scipio Africanus zum zweitenmale und Tiberius Sempronius Longus Consuln waren, kamen die Gesandten des Zwingherrn Nabis nach Rom. Im Apollotempel außerhalb der Stadt wurden sie vom Senate vorgelassen. Sie baten um Bestätigung des mit Titus Quinctius verabredeten Friedens, und erhielten sie. Als auf die Bestimmung der Geschäftsplätze angetragen wurde, traten viele Senatoren der Meinung bei, daß beiden Consuln, weil in Spanien und Macedonien der Krieg zu Ende sei, Italien als Standort angewiesen werden müsse. Scipio hingegen meinte, «Für Italien sei Ein Consul hinreichend: dem andern müsse man Macedonien geben. Man sehe einem schweren Kriege mit dem Antiochus entgegen. Er sei schon auf eignen Antrieb nach Europa übergegangen. Was sie glaubten, von ihm erwarten zu müssen, wenn auf der einen Seite die Ätoler, diese offenbaren Feinde Roms, ihn zur Theilnahme am Kriege aufforderten, und auf der andern Hannibal, als Feldherr durch Roms Niederlagen ausgezeichnet, ihm Muth mache.» Während dieser 258 Erörterungen über die Standplätze der Consuln loseten die Prätoren um die ihrigen. Die Rechtspflege der Stadt zog Cneus Domitius, die über die Fremden Titus Juventius; Publius Cornelius das jenseitige Spanien, Sextus Digitius das diesseitige; die beiden Cneus Cornelius, der eine, Blasio, Sicilien, der andre, Merenda, Sardinien. Nach Macedonien wollte man kein neues Heer hinüberschicken, das dort stehende solle Quinctius nach Italien zurückbringen und entlassen. So solle auch das Heer entlassen werden, das unter dem Marcus Porcius Cato in Spanien stehe. Beide Consuln sollten ihren Stand in Italien haben und zwei Stadtlegionen errichten, so daß nach Entlassung der vom Senate dazu bestimmten Heere, überhaupt acht Römische Legionen wären.

44. Im vorigen Jahre unter den Consuln Marcus Porcius und Lucius Valerius war die heilige Frühlingsweihe begangen. Da nun der Oberpriester Publius Licinius zuerst dem Gesamtamte der Oberpriester und dann nach einem Gutachten des Gesamtamts den Vätern anzeigte, daß sie nicht gehörig begangen sei, so erklärten diese, «sie solle nach einer von den Oberpriestern zu treffenden Einrichtung noch einmal begangen werden: auch solle man die zugleich mit jener Weihe verheißenen großen Spiele anstellen, und zwar mit dem gewöhnlichen Kostenaufwande. Zur heiligen Frühlingsweihe sei aber das sämtliche Heerdenvieh zu rechnen, das unter den Consuln Publius Cornelius Scipio und Tiberius Sempronius Longus zwischen dem ersten März und letzten April zur Welt komme.» Darauf ging die Censornwahl vor sich. Sextus Älius Pätus und Cajus Cornelius Cethegus, die erwählten Censoren, nannten, bei der Ablesung ihres Verzeichnisses von den Senatoren, den Consul Publius Scipio zuerst, den auch die vorigen Censoren obenan gesetzt hatten. Nur drei Senatoren in Allem ließen sie ungenannt, von denen aber keiner ein Thronamt bekleidet hatte. Sie machten sich diesen Stand auch dadurch sehr verbindlich, daß sie bei der Feier der Römischen Spiele den Curulädilen befahlen, die Senatoren mit 259 ihren Sitzen vom Volke abzusondern; denn vorher saßen sie als Zuschauer zwischen allen Andern. Auch nur wenigen Rittern nahmen sie das Pferd, und bewiesen überhaupt gegen keinen Stand eine Härte. Sie ließen auch die Halle der Freiheit und den Bürgerhof ausbessern und erweitern. Die Frühlingsweihe und die gelobten Spiele, welche Publius Sulpicius Galba als Consul verheißen hatte, wurden begangen. Während Jeder seine Aufmerksamkeit auf dies Schauspiel richtete, hatte Quintus Pleminius, der wegen seiner vielen zu Locri gegen Götter und Menschen verübten Frevel im Gefängnisse saß, Leute bestellt, welche bei Nacht an mehrern Orten der Stadt zugleich Feuer anlegen sollten, um sein Gefängniß, während die Bürger über den nächtlichen Lärmen in Bestürzung wären, erbrechen zu können. Durch die Aussage einiger Mitverschwornen wurde die Sache entdeckt und dem Senate gemeldet. Pleminius wurde in den tiefern Kerker gebracht und hingerichtet.

45. In diesem Jahre wurden nach Puteoli, Vulturnum, Liternum Römische Pflanzbürger ausgeführt, nach. jedem Orte dreihundert Hausväter. So wurden auch nach Salernum und Buxentum Römische Bürger als Pflanzer abgeführt. Die Dreimänner, von denen sie hingeführt wurden, waren Tiberius Sempronius Longus, der damalige Consul; Marcus Servilius, Quintus Minucius Thermus. Das unter sie vertheilte Land hatte ehemals Campanern gehört. Noch andre Dreimänner, Decimus Junius Brutus, Marcus Bäbius Tamphilus, Marcus Helvius, führten Römische Pflanzbürger nach Sipontum auf Ländereien von Arpi. Ferner wurden nach Tempsa und Croton Römische Bürgerpflanzungen ausgeführt. Das Tempsaner Gebiet war den Bruttiern abgenommen; von den Bruttiern waren die Griechen vertrieben. Croton hatten noch Griechen inne. Die nach Croton ausführenden Dreimänner waren Cneus Octavius, Lucius Ämilius Paullus, Cajus Plätorius; die nach Tempsa, Lucius Cornelius Merula, – – – – – und Cajus Salonius. Auch Schreckzeichen wurden in diesem Jahre theils in Rom selbst gesehen, theils 260 gemeldet. Auf dem Markte, auf dem Versammlungsplatze, auf dem Capitole hatte man Blutstropfen gesehen: es hatte mehrmals Erde geregnet, und einem Standbilde Vulcans hatte der Kopf gebrannt. Gemeldet wurden folgende: Im Flusse Nar habe Milch geflossen; zu Ariminum seien Kinder von freien Ältern ohne Augen und Nase, im Picenischen eins ohne Hände und Füße zur Welt gekommen. Die Abwendung dieser Schreckzeichen wurde nach Anordnung der Oberpriester besorgt. Auch wurde das neuntägige Opfer angestellt, weil die Einwohner von Hadris meldeten, es habe auf ihrem Gebiete Steine geregnet.

46. In Gallien lieferte der Proconsul Lucius Valerius Flaccus bei Mediolanum den Insubrischen Galliern und den Bojern, welche, um die Insubren aufzuwiegeln, unter ihrem Heerführer Dorulacus über den Po gegangen waren, eine förmliche Schlacht, mit Entscheidung. Zehntausend Feinde wurden erlegt. Sein Amtsgenoß Marcus Porcius Cato triumphirte in diesen Tagen wegen Spanien. Sein Triumph lieferte an unverarbeitetem SilberUngefähr 581,248 Gulden Conv. M. (nach Crevier). fünfundzwanzig tausend Pfund, an Silberdenaren37,434 Gulden. (nach Crev.) hundert dreiundzwanzig tausend, aus Oscer Silber135,000 Gulden. (nach Eckhel und Drakenb.) fünfhundert vierzigtausend; und tausend vierhundert Pfund438,200 Gulden. (nach Crevier). Gold. Als Antheil an der Beute gab er jedem Soldaten zweihundert siebzig5 Thlr. 15 Ggr. Daß die Worte duplex centurioni ausgefallen sind, haben schon Mehrere angemerkt. Kupferass, [einem Hauptmanne das Doppelte,] dem Ritter das Dreifache. Der Consul Tiberius Sempronius führte nach seiner Ankunft auf seinem Standorte die Legionen zuerst in das Gebiet der Bojer. Bojorix, damals ihr König, hatte mit seinen zwei Brüdern das ganze Volk zum neuen Kriege aufgewiegelt, und lagerte sich in einer offenen Gegend, um zu zeigen, daß sie schlagen wollten, falls der Feind ihr Gebiet beträte. Als der Consul die Stärke des Feindes und dieses große 261 Selbstvertrauen bemerkte, ließ er seinem Amtsgenossen sagen, wenn es ihm nicht ungelegen sei, so möge er eilig zu ihm stoßen. Durch Zögern wolle er bis zu seiner Ankunft den Krieg hinhalten. Was den Consul bewog, zu zaudern, gerade dies war für die Gallier, außerdem, daß ihnen das Zögern der Feinde Muth machte, ein Sporn, die Sache zu beschleunigen, um sie abzuthun, ehe die Heere beider Consuln sich vereinigten. Doch ließen sie es zwei Tage lang dabei bewenden, in Schlachtordnung bereit zu stehen, wenn jemand gegen sie ausrücken wolle: am dritten endlich zogen sie vor den Wall und griffen das Lager zugleich auf allen Seiten an. Der Consul ließ die Soldaten sogleich zu den Waffen greifen, behielt sie aber dann noch eine Weile unter den Waffen im Lager, theils, um bei dem Feinde dies thörichte Selbstvertrauen noch weiter zu treiben, theils um seine eignen Truppenabtheilungen anzuweisen, aus welchem Thore jede ihren Ausfall zu thun habe. Beide Legionen sollten zu den beiden Seitenthoren ausrücken: allein gerade am Ausgange stellten sich ihnen die Gallier so gedrängt entgegen, daß sie den Weg sperreten. Lange stand die Schlacht so eingeengt; und sie fochten mit Faust und Schwert nicht ernstlicher, als sie mit Schild und Körper sich in den Feind hineinstämmten, die Römer, um mit ihren Fahnen hinauszukommen, die Gallier, um entweder in das Lager selbst einzudringen, oder doch die Römer nicht ausrücken zu lassen. Und eine rückgängige Bewegung ließ sich weder auf der einen, noch auf der andern Linie bewirken, bis Quintus Victorius, Hauptmann der ersten Pike, und der Oberste Cajus Atinius, dieser bei der vierten, jener bei der zweiten Legion – schon mehrmals war in schweren Gefechten dies Mittel versucht – die ihrem Fahnenträger genommene Fahne unter die Feinde warfen. Über die Anstrengung, die Fahne wieder zu gewinnen, wurden die von der zweiten Legion die ersten, die zum Thore hinausbrachen.

47. Schon fochten diese draußen vor dem Walle, während die vierte Legion noch im Thore festsaß, als auf der Rückseite des Lagers sich ein andrer Lärmen erhob. Die 262 Gallier waren am Hinterthore hereingebrochen und hatten den Schatzmeister Lucius Postumius mit dem Zunamen Tympanus, die Bundsgenossenobersten Marcus Atinius und Publius Sempronius und gegen zweihundert Mann nach hartnäckigem Widerstande getödtet. Das Lager blieb auf dieser Seite so lange erobert, bis die Cohorte auserlesener Bundestruppen, die der Consul zur Behauptung des Hinterthors herschickte, nicht nur die Feinde innerhalb des Walles theils niederhieb, theils aus dem Lager drängte, sondern auch den Eindringenden wehrte. Fast zu gleicher Zeit brach auch die vierte Legion mit zwei Cohorten auserlesener Bundestruppen aus dem Thore. So umstanden das Lager auf verschiedenen Punkten drei Treffen zugleich, deren mistönendes Geschrei die Aufmerksamkeit der Fechtenden von dem Kampfe vor ihrem Angesichte auf den ihnen unbekannten Erfolg der Ihrigen hinüberzog. Bis zum Mittage focht man mit gleichen Kräften und mit fast gleicher Hoffnung. Als aber Arbeit und Hitze die Gallier bei ihren fleischigen, leicht schwitzenden und mit allem Durste durchaus unverträglichen Körpern, das Gefecht aufzugeben zwang, da hieben die Römer auf die wenigen sich noch Wehrenden ein und trieben sie in voller Flucht in ihr Lager. Jetzt gab der Consul das Zeichen zum Rückzuge, welchem auch der größere Theil folgte; die Übrigen blieben in der Hitze des Kampfs und in Hoffnung, sich des feindlichen Lagers zu bemächtigen, im Angriffe auf dasselbe stehen. Voll Verachtung gegen so Wenige brachen die Gallier sämtlich aus ihrem Lager. Die Römer wurden geschlagen und eilten, was sie vorhin auf Befehl des Consuls nicht thun wollten, jetzt von selbst voll Bestürzung und Schrecken in ihr Lager. So wechselte diesmal auf beiden Seiten bald Flucht, bald Sieg. Doch waren der Gallier an elftausend, der Römer fünftausend gefallen; und die Gallier zogen sich tief in ihr Gebiet zurück.

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