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Roman eines jungen Mannes

Klabund: Roman eines jungen Mannes - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
authorKlabund
titleRoman eines jungen Mannes
publisherElfenbein Verlag, Heidelberg
seriesWerke in acht Bänden
volume2
pages117-262
printrunErste Auflage
editorChristian v. Zimmermann
year1999
isbn3-932245-12-1
firstpub1924
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060221
projectid177bfec2
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III

Es ist nicht so, daß man sagen kann: »Ich lebe ...«, sondern: »Ich werde gelebt!«

Josua ging am dritten Tage nach seiner Ankunft bei Triebolick von Hause weg, geraden Weges nach dem Spielwarengeschäft am Markt, nahm eines der kleinen Holzpferde, die dort sich in der Frühsonne vor der Türe gefielen, und zog es am Bindfaden hinter sich drein, über die hölzerne Brücke des Stromes und die Villenstraße rechts entlang, dann auf der Crossener Chaussee immer weiter, immer weiter ... Als er an einen Tannenwald hinter dem Judenkirchhof kam, bog er in den ersten besten Fußpfad ein, immer das Pferd hinter sich, welches zuweilen stolperte, so daß er es wieder bedächtig auf die Beine bringen mußte. Er gelangte an eine grüne Lichtung, über die eine braune Schneise führte. Da er müde war, setzte er sich nieder. Das Pferd aber ließ er stehen, denn er wußte, daß Pferde im Stehen schlafen können.

Er schlief ein.

Plötzlich stand jemand vor ihm.

Er fühlte das und wachte auf.

Der Mann sagte:

»Wer bist du?«

Er wußte aber seinen Namen nicht und sagte:

»Wie du.«

Der Mann fragte: »Wieso?«

Er sagte: »Ich bin auch ein Mensch, und das ist mein Pferd!« Damit zeigte er auf den hölzernen Rappen, der in der Abendsonne rosa blinkte.

Der Mann meinte: »Ich habe auch ein Pferd, aber ein viel größeres. Willst du es sehen?« Josua nickte. Dann ging er hinter ihm drein, den Rappen am Zügel leitend.

Bald sah er einen Planwagen, ein großes, starkes, braunes Pferd davor und eine Frau auf dem Bock. Das Pferd wieherte und die Frau lachte.

»Was hast du da?« rief sie dem Mann hell entgegen.

»Wir nehmen den Kerl mit! Er kann die Nacht doch nicht im Walde kampieren! Vielleicht fressen ihn die Bären!« schrie er.

Josua sagte, daß er keine Furcht vor Bären hätte, indem er auf seinem flinken Rappen flink entfliehen könne. Er duldete aber, daß man ihn in den Wagen hob. Unter der Plandecke roch es nach totem Fleisch und Blut und halbverfaultem Gemüse. Es war ein Geflügelhändler aus der Stadt, der von einer Marktreise nach Hause zurückkehrte. Dieser Umstand mag es erklären, daß seine (nunmehr so genannten) Eltern ihn am nächsten Tage auf dem Marktplatz in der Bude des Wildhändlers Matterhorn unter toten Schnepfen und Rebhühnern vor- und wiederfanden, was Josua sehr bedauerte.

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