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Detlev Freiherr von Liliencron: Roggen und Weizen - Kapitel 6
Quellenangabe
typenovelette
booktitleSämtliche Werke Band IV
authorDetlev von Liliencron
yearca. 1904
publisherSchuster & Loeffler
addressBerlin und Leipzig
titleRoggen und Weizen
pages1-244
created20030306
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1900
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Ick hev di lev

Mein Freund Eggert und ich, Regimentskameraden, waren bald innig verbunden. Aber schon nach zwei Jahren wurden wir durch Versetzung weit getrennt. Während ich am Rhein und in Westfalen Dienst tat, exerzierte Eggert Rekruten in Pommern; stand er in Posen und Schlesien, war ich an die dänische Grenze befohlen. Im französischen Kriege hatten wir uns nach zehn Jahren ganz kurz vor Metz gesehen, während unsere Regimenter einander vorbeimarschierten. Und nun waren es wieder mehrere Jahre des Weitauseinanderseins gewesen, bis mir vor einigen Tagen die freudige Nachricht wurde, daß Eggert mich besuchen wolle.

Bald saß er vor mir und erzählte.

»Als wir damals versetzt wurden, Du nach Berlin, ich in das kleine Nest bei Stettin, war es mein erstes, mir in der Nähe des Städtchens eine Jagd zu pachten. Du kennst meine Leidenschaft. Du weißt, wie es für mich Lebensbedingung ist, Gesellschaft und Menschen zu Zeiten zu entfliehn und allein mit Hund und Gewehr durch die Heide zu ziehn und unterm Busch mein Frühstück zu verzehren.

Mitten in meinem Reviere stand ein kleiner Krug. Eine sandige Straße führte vorbei; er lag einsam und abseits. Gleich beim ersten Durchschreiten meiner Jagdgründe kehrte ich dort ein. Ich fand eine Gesellschaft, wie man sie oft in solchen Kneipen findet: Hausierer, Viehhändler, Holzknechte. Alles schrie durcheinander; Betrunkne lagen mit den Köpfen auf dem Tisch. Der Jäger im Jagdrock, und wenn er auch der Vornehmste ist, nimmt ruhig darin Platz. Und dann auch freute es mich, einmal einen Blick in solches Treiben zu werfen. Während mein Hund gierig in einem Wassereimer schlappte, und ich meinen Hut an den Nagel hing, musterte ich rasch das Innere. Als ich mich gesetzt hatte, bemerkte ich am Schenktisch ein junges Weib, das, ohne auf mich zu achten, mit niedergeschlagnen Wimpern an einem wollnen Jäckchen mit zwei hellbraunen hölzernen Stöcken strickte. Erst als ich ein Glas Bier bestellte, öffneten sich die Lider; sie sah mich von der Seite an und brachte mir dann das Gewünschte.

In der Kneipe war es bei meinem Eintreten stiller geworden. Die Leute tuschelten, wer ich sei. Aber bald wurde es wieder lebhafter. Das Weib hinter dem Schenktisch ging stumm und ohne zu lächeln zwischen den Gästen umher, wenn sie nach Getränk gerufen wurde. Alle, selbst der Roheste, begegneten ihr höflich. Kein plumper Scherz gegen sie wurde lautbar. Ja, eine gewisse väterliche Zärtlichkeit, die allerdings oft ungeschickt herauskam, war mir auffallend.

Ich bestellte mir ein Jägeressen und folgte, als es bereit war, ihrem Wunsche, in die Nebenstube einzutreten. Hier war alles sauber und reinlich.

Es war die Kammer des ältlichen Wirts, der heute in die Stadt gegangen war.

Das stille Wesen, das ich gebeten hatte, sich einen Augenblick neben mich zu setzen, erzählte mir nun auf mein Befragen, daß sie Witwe sei, einen Knaben von drei Jahren habe und hier beim Wirte, der ein Verwandter von ihr sei, die Haushaltung führe; sie habe es gut bei ihm.

Und während sie so neben mir auf der Kante eines Stuhles saß, mit gesenkten Augen, knappe Antworten gab in leisem Tone ohne Erhebung der Silben, kam mir plötzlich ein reges Mitleid; ich betrachtete sie genauer: welch ein feines, blasses Gesichtchen, welch schlanker, biegsamer Wuchs; und über dem allen lag eine Ruhe, in ihrem Wesen eine geheimnisvolle Stille.

»Wie heißen Sie, schöne Frau?«

Sie schlug die Augen groß zu mir auf: »Maria«.

Wie das klang! In der Sprachweise der Gegend um so seltsamer, anziehender: Sie hatte sich dann gleich wieder auf ihre Arbeit geneigt. Drinnen wurde sie mehrfach verlangt; aber sie kehrte wieder zu mir zurück, den alten Platz einnehmend. Einmal sah ich, wie sie von der Seite meine Hände beobachtete. Sie fragte mich, ob ich Offizier sei. »Weshalb meinen Sie das, Maria?« »Weil Sie so weiße Hände haben.« Ich lachte.

Als ich mit dem Essen fertig war, nahm ich Hut, Tasche und Gewehr und, durch die Schankstube schreitend, sagte ich den dort Sitzenden Lebewohl. Ein allgemeines: »Addis, Herr Leitnant,« war die Antwort.

Ich bat die junge Frau, mich an die Haustür zu begleiten und mich über die Umgegend zu unterrichten. Sie tat es. Nicht schnell, nicht zögernd; aber gleichmäßig ruhig. Es lag in ihren Bewegungen, wenn sie gerufen wurde, etwas unbeschreiblich Anziehendes: wie eine Sklavin, die gehorchen muß, folgte sie; und dennoch lag in ihrer Ruhe etwas Gebietendes.

Sie nannte mir die Namen der Dörfer und Wälder, die vor uns in der Nachmittagsonne lagen. Die Richtung gab sie mit dem Kopfe an, unaufhörlich an ihrer Arbeit strickend.

Leichte, lose, verzeihliche Leutnantswünsche wurden in mir rege: Ich dachte mir, wie hübsch es sei, hier nach der Jagd auszuruhn.

Um ihre Hüften schlug ich den Arm. Sie ließ es geschehen; aber dennoch stand sie gleich wieder frei neben mir.

Und dann geschah etwas, was ich mir noch heute nicht erklären kann: ich fühlte, wie weiland Herr Oluf, plötzlich einen Schlag, der mein Herz getroffen hatte; ich fühlte ihn körperlich, denn ich knickte in demselben Augenblick ein wenig mit dem Oberkörper nach vorn. Die Witwe konnte mich nicht mit der Hand berührt haben. Sie stand, strickend, neben mir. Aber ihre Augen waren auf mich gerichtet mit einem so traurigen, rettungsuchenden, liebesvollen, liebesleeren Blick.

Und von Stund an liebte ich sie.

* * *

Die Station Granzow, wohin ich von meiner Garnison aus fuhr, wenn ich in meinem Revier jagen wollte, lag zwanzig Minuten von dieser entfernt. Von Granzow aus brauchte ich, immer auf meinem eignen Gebiet gehend, eine halbe Stunde, um den einsamen Heidkrug zu erreichen.

Wenn es irgend meine freie Zeit zuließ, war ich auf meiner Jagd. Das fiel nicht auf. Jeder kannte meine Leidenschaft, mit Hund und Gewehr allein umherzuschweifen.

Ich war jedesmal in der kleinen Schenke; auch das konnte nicht befremden. Mit der jungen Frau kam ich nicht weiter. Ich hatte kaum Gelegenheit, mit ihr allein zu sein.

Unter den Gästen fiel mir oft ein junger Mensch auf, der meistens eine halbe Stunde nach meiner Ankunft im Heidkrug eintraf. Ich hörte bald, daß Paulsen ein Eisenbahnarbeiter von Granzow sei. Er saß fast immer allein, still vor sich hinsehend; wenn er lachte, so schienen in dem dunklen Gesicht prächtige Zähne. Ich merkte bald, daß er, wenn er sich unbeobachtet glaubte, die junge Frau mit seinen Augen verfolgte, und auch, daß Maria ihn mehr als andre mit ihren braunen Augen festhielt. In der Umgegend, im Dorfe, wurde mir erzählt, daß sie und Paulsen als Verlobte galten. Über den guten Ruf der Witwe gab es nur eine Stimme. Sie lebte nur für ihr Kind.

* * *

Einige Wochen waren vergangen. Die Junisonne segnete das Feld. Mit der Witwe stand ich auf dem alten Fuß. Ich liebte sie, aber niemals gelang es mir, die Entdeckung zu machen, daß ich von ihr wieder geliebt werde. Sie sah mich still an, wie sie die andern Menschen ansah. Kleine Geschenke von mir nahm sie, fast verdrossen, ohne Dank; aber sie wäre kein Weib gewesen, wenn sie diese verweigert hätte.

Es war ein glühend heißer Sommertag. Ich kam ermattet im Kruge an. Maria saß wie immer bei der Arbeit. Die Stube war leer. Ich bat um ein kühles Getränk. Dann setzte sie sich auf ihren Stuhl, ich ins Sofa. Ich wurde unruhig; ging auf und nieder. Wir sprachen kein Wort. Endlich trat ich vor sie hin, beugte mich zu ihr und küßte sie. Sie ließ es geschehen, wie eine demütige Sklavin.

Ich ging wieder auf und ab, um schließlich mitten im Zimmer stehn zu bleiben: ich bat sie, zu mir zu kommen, um mir über ein Gehöft, das von hier aus zu sehn war, Auskunft zu geben. Sie legte die Arbeit neben sich und trat an meine Seite.

Ich legte meinen Arm um ihr Gürtelband. Wir schauten in die Landschaft, schweigend. Wie war es dann gekommen, daß ich ihre zarten Ärmchen, zwei weiße, heiße Schlangen, um meinen Nacken gelegt fühlte. Sie preßte mich an sich; sie küßte mich. Und dann, in überhastender Weise, flüsterte ich ihr tausend Liebesworte. Sie erwiderte nichts.

Niemals kann ich die kurze Stunde vergessen: wie sie, von mir gehalten, träumend, schauernd, durch die Scheiben, ohne zu sprechen, ins Land sah, ein kindliches, stilles, oft wie ein ungläubiges Lächeln auf den Lippen.

Plötzlich wurde sie unruhig; sie horchte. Und ehe sie sich noch meinen Armen entzogen hatte, sagte sie im pommerschen Platt: »He kummt; he hett't sehn.«

Und der junge Eisenbahnarbeiter, der in diesem Augenblick an den niedrig gelegnen Fenstern vorbeiging, konnte uns in der Tat entdeckt haben. Er erschien gleich darauf in der Schenkstube. Ich behielt meine Geistesgegenwart. Maria machte sich an der Schenkbank zu schaffen.

Aber kein Blick von ihm verriet, was wir argwöhnten. Ich sprach mit ihm von der heutigen Jagd, von der Hitze draußen, und was man sonst redet. Dann bezahlte ich meine Zeche und ging aus dem Kruge meiner Station zu.

* * *

Am vierundzwanzigsten August war in diesem Jahr die Hühnerjagd eröffnet. Als ich mich am ersten Tage satt geschossen hatte, ging ich abends müde auf das kleine Wirtshaus zu.

In die Haustür tretend, kam mir Paulsen entgegen. Er zeigte mir einen Paß, auf ein Jahr nach den Vereinigten Staaten geltend, und fragte mich in bescheidener Weise in betreff seiner Militärverhältnisse. Ich gab ihm Auskunft und fragte dann meinerseits verwundert, ob er an eine Reise nach Amerika schon lange gedacht habe. Er hätte sie erst vor acht Tagen geplant und morgen schon wolle er nach Hamburg; übermorgen schwimme er auf der Elbe.

Ich sagte ihm Lebewohl und wünschte ihm eine glückliche Reise.

Dann schieden wir. Auffälliges entdeckte ich in seinem Wesen nicht.

Als ich in die Gaststube trat, spielte darin der kleine Sohn der Witwe mit Sand und Bausteinen. Sie war sonst leer. Niemals hatte ich ein so schönes Kind gesehn; wie ein in Fleisch und Blut übergegangener Raphaelscher Engelbengel.

In dieser Minute trat die Mutter ein und blieb in der Tür stehn. Sie hatte mich nicht kommen sehn. »Gib mir so einen kleinen Leutnant, Maria,« sagte ich harmlos zu ihr. Sie aber, die sonst wohl, was sie als Witwe durfte, in ihrer stillen Weise darauf erwiderte, blieb diesmal stumm, errötete tief und machte sich an den Gläsern zu schaffen. Als ich sie fragte, Paulsen wäre wohl hier gewesen, um Abschied zu nehmen, hörte ich ein leises »Ja«. Dann verließ sie das Zimmer.

Es war kein Mensch im Hause. Der Alte und das Dienstmädchen machten Einkäufe in der Stadt. Sie sollten erst am andern Morgen wiederkommen.

Die Abendsonne lag in den Scheiben. Maria hatte den Kleinen zu Bette gebracht; sie saß, arbeitend, neben mir.

»War Paulsen heute lange hier?« fragte ich etwas ungeschickt. Sie legte das Strickzeug nieder und sah mich an, ohne zu antworten. Still stand sie auf, ging ans Fenster und biß sich auf den Knöchel des rechten Daumens. Dann sich wendend, kam sie auf mich zu, langsam, schwebend, und tief errötend fiel sie mir um den Hals und sagte leise: »Ick hev di lev«. Am andern Morgen, früh vier Uhr, war ich auf dem Wege zur Station vom Wirtshaus aus. Um mir den Gang zu kürzen, ging ich meistens durch einen kleinen Tannenbusch, durch den ein schmaler, fußbreiter Steig führte. Gleich nachdem ich ihn betreten hatte, stand Paulsen vor mir. Er hatte die Hände in den Hosentaschen und starrte mich an. »Herr Leutnant wollen wohl zum Bahnhof?« sagte er höflich. »Ja, aber woher kommen Sie denn so früh, Paulsen?« Statt der Antwort sprang er wie ein Tier auf mich zu und riß mich zu Boden. Ich fiel hart auf den Hinterkopf und stieß mir am Hahn meines Lefaucheux schmerzlich den Wirbelknochen. Er setzte ein Knie auf meine Brust, und mir mit seinen Händen meine Arme rechts und links (sie lagen, als wäre ich gekreuzigt) festschraubend, fühlte ich seinen heißen Atem, sah ich in seine weitaufgerissenen Augen.

Ruckweise stöhnte er: »Wo – wärst Du – düsse Nacht? Sprick oder ick slag Di dod. Wärst Du in de Krog? . . . Wärst Du in de Krog?« wiederholte er mit heiserer, ächzender Stimme und würgte mich. »Ick – ick – ick wär – den ganzen – Dag – bi ehr« glühte er.

In diesem Augenblick gab mir eine wahnsinnige Eifersucht die Kraft einer Welt. Ich riß mich los und kniete im Umsehen auf Paulsen. Mit der rechten Hand griff ich in seinen Hemdkragen und umkrallte seinen Hals: »Hund . . . ich . . . ich . . . ich . . .« (und das »ch« stieß ich in Gutturaltönen aus, es wie die Schweizer aussprechend). Aber Paulsen zerrte aus seiner Hosentasche ein breites Brotmesser und grub es mir bis ans Heft in die linke Schulter, daß ich wie von einem heimtückischen Blei getroffen zur Erde fiel.

—   —   —   —   —   —   —   —   —   —   —   —   —

Gigliaglio, Gigliaio, Giglio, Gigliaglio . . . aber der Pirol nistet doch nicht im Nadelwald . . . Der Pirol? Der Pirol? . . . der muß ja schon weg sein . . . Gigliaglio, Giglio, Gigliaio . . . wie das milde regnet . . . ein sanfter, leiser, ruhiger Frühlingsregen . . . Augen auf . . . rot? . . . Augen zu . . . Es regnet noch immer leise fort . . . mein Hemd ist durchnaß . . . Ja so . . . so? . . . Gigliaio, Giglio . . . nun schwimme ich . . . ein warmes Bad . . . köstlich . . . Maria? Maria küßt mir die Stirn: Ick hev di lev . . . Gigliaglio, Gigliaio, Giglio . . . Gig . . . li . . . o . . .

* * *

Die alte, gute Brotfrau Anna Schweims hatte mich nach zwei Stunden in einer Blutlache gefunden und sofort Anzeige auf dem Bahnhofe gemacht.

Es vergingen drei Wochen, ehe ich zur Besinnung kam, ehe ich vernommen werden konnte. Ich erhorchte aus den Gesprächen meiner Umgebung, daß allgemein die Meinung vertreten wäre, ich sei von einem Wilddieb angefallen. Ich machte es mir zu Nutze.

Noch während meiner Rekonvalescenz wurde ich, veranlaßt durch andere Umstände, nach Trier versetzt.

Auf meiner Jagd bin ich nicht wieder gewesen.

Erst im nächsten Sommer erkundigte ich mich unter der Hand nach der Witwe. Ich hörte, daß sie im Frühling einem Knaben das Leben gegeben, bei der Entbindung aber gestorben sei. Und von Stund an kam eine Unrast über mich.

Endlich nun, nach elf Jahren, hielt es mich nicht länger. War der Junge noch am Leben, so war er so alt, daß aus seinem Gesicht die Ähnlichkeit erkennbar sein mußte.

Ich reiste an Ort und Stelle und erfuhr, daß der Knabe im Dienste eines reichen Bauern sei. Ihm war der Name nach dem Dorfe gegeben, wo er geboren war. Die Mutter hatte sich bis zum Tode geweigert, den Vater zu nennen. Gnutz hieß das Dorf.

Vor einem großen Hofe an einer Scheune stand ein mit Torf beladner Wagen. Ein halberwachsener Junge strängte die Pferde an. Ich konnte nur seinen Rücken sehn. Eine helle Knabenstimme sang dabei.

Eine Schwalbe macht kein' Sommer,
Wenn sie auch die erste ist . . .

Er mochte das Lied von den Knechten, die Soldaten gewesen, gehört haben.

»He, Du! Bist Du Hans Gnutz?« rief ich; und als er sich umsah, stand mein Herz still.

»Ja, Herr, der bin ich.«

Ich ging rasch auf ihn zu, nahm seinen Kopf zwischen die Hände und sah ihm tief, tief in die Augen. Ich forschte in seinen Zügen nach dem, was mein Herz bewegte, was mich hierher getrieben . . . In diesem Augenblick stand Paulsen vor meinem inneren Auge . . . Aber nichts von ihm fand ich im Gesicht des Knaben. Nur sie sah ich, nur ihre Gestalt, nur der Mutter große, braune, wunderbare Augen, nur ihren stummen Blick . . .

* * *

Ich hatte noch am Nachmittag desselben Tages eine Summe auf dem Amtsgericht der kleinen Stadt für den Knaben Hans Gnutz niedergelegt. Die Unruhe verließ mich nicht; ich schlief schlecht.

Als ich im Hôtel am andern Morgen das Lokalblättchen las, fiel mir bald unter »Gnutz« die kurze Notiz auf:

»Gestern Mittag fiel der Dienstjunge Hans Gnutz von einem mit Torf beladnen Wagen und blieb auf der Stelle tot. Er war mit den vorn liegenden Soden, auf denen er saß, auf die Deichsel geglitten. Ein Rad hatte ihm den Hals zerdrückt.«

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