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Detlev Freiherr von Liliencron: Roggen und Weizen - Kapitel 21
Quellenangabe
typenovelette
booktitleSämtliche Werke Band IV
authorDetlev von Liliencron
yearca. 1904
publisherSchuster & Loeffler
addressBerlin und Leipzig
titleRoggen und Weizen
pages1-244
created20030306
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1900
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Der Siegesbote von Marathon

Heute, am heißen Septembertage, auf der Jagd, legte ich mich in der Nähe eines kleinen raschfließenden Flusses unter den Schatten eines Knicks. Ich wollte mich abkühlen, um dann ein Bad zu nehmen. Aber ich schlief ein.

Plötzlich erwache ich durch Gelächter, Rufen, Geplätscher. Vor mir sehe ich fünf, sechs junge Männer, fast Knaben noch, in die Welle gehn. Wie sie sich herumtummeln im Wasser, sich tauchen, sich zu haschen suchen, schwimmen, sich bespritzen, Kunststücke machen. Es ist ein Vergnügen, sie zu beobachten. Nun steigt einer von ihnen ans Ufer und läuft am Rande des Stromes, verfolgt von den jubelndsten Neckereien seiner Kameraden. Er läuft und läuft. Will er sich in der Sonne, in der Luft trocknen? Gleichviel, er läuft. Nun macht er kehrt; immer derselbe gleichmäßige Lauf. Die Unterarme stehn im rechten Winkel zu den Oberarmen, sein Kopf ist leicht vorgebeugt, er trinkt die Luft; seine Fersen schlagen ihm fast den Rücken.

Jetzt hält er die rechte Hand hoch, wie der Merkur von Giovanni da Bologna. Bin ich im alten Griechenland? Ist es der Siegesbote von Marathon auf dem Wege nach Athen?

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