Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Alexander Roda Roda >

Roda Roda und die vierzig Schurken

Alexander Roda Roda: Roda Roda und die vierzig Schurken - Kapitel 86
Quellenangabe
typemisc
authorAlexander Roda Roda
titleRoda Roda und die vierzig Schurken
publisherPaul Zsolnay Verlag
year1932
firstpub1932
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160111
projectid6d74c599
Schließen

Navigation:

Berlin und Paraguay

In Lugano saßen wir, eine unwahrscheinlich bunte Gesellschaft.

Der Herr aus Paraguay erzählte von den Peonen. – Peon – in Spanien bedeutet es einfach ›Bauer‹; im lateinischen Amerika versteht man darunter den Viehhirten. Jeder von ihnen hat zwei Pferde – fünf oder sechs Peone halten, fast ewig im Sattel, eine Riesenherde von zehn-, zwölftausend Rindern im Zaum. Die Peone sind die gebornen Reiter, von prachtvoller primitiver Ritterlichkeit. – Einmal galoppiert solch ein junger Peon vor seinen Herrn, schlägt mit edelm Anstand den Mantel über die Schulter und sagt: »Señor, ich brauche zweihundert Pesos Vorschuß.« – Vierhundert Mark also – es ist der Lohn von zehn Monaten, Donnerwetter. Aber man darf einem Peon keine Bitte abschlagen – er geht sonst, beleidigt, von der Stelle aus dem Dienst. – »Gut,« erzählt der Herr aus Paraguay, »ich gab ihm die zweihundert Pesos. Und was, meinen Sie, fing er damit an – dem Lohn von zehn Monaten? Zunächst verschwand er. Am dritten Morgen war er wieder da – aus der Stadt Concepción, auf todmüdem Gaul, achtzig Meilen hin, achtzig zurück – und das Handpferd war über und über bepackt mit Raketen – für zweihundert Pesos Raketen. Am Abend brannte der Peon all diese Raketen in einer Viertelstunde ab: er hatte sich verlobt; und das Feuerwerk hatte die Freudenkunde der Nachbarschaft bekanntzugeben. – Was sagen Sie zu diesem Menschen? Sein Vermögen buchstäblich verpulvern vor Jubel – ist das nicht Grandezza? Großmut? Stolz?«

Die Damen ergingen sich in Bewunderung des prachtvoll dreisten Bräutigams.

– – – Still hatte bisher Stobitzer dagesessen – Stobitzer, Kaufmann aus Berlin. Sog an seiner Zigarre – endlich brummte er:

»Ick hab 'n Laden am Kurfürstendamm, ziemlich bekannten jroßen Laden. Wenn ick in zehn Monaten zwoohundert Pesos rein verdienen könnte – ick würde ooch Raketen abbrennen.«

 << Kapitel 85  Kapitel 87 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.