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Roda Roda und die vierzig Schurken

Alexander Roda Roda: Roda Roda und die vierzig Schurken - Kapitel 8
Quellenangabe
typemisc
authorAlexander Roda Roda
titleRoda Roda und die vierzig Schurken
publisherPaul Zsolnay Verlag
year1932
firstpub1932
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160111
projectid6d74c599
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Die Sieger

Bebend standen die Schafe im Pferch und drängten sich aneinander. Ihren Sinnen, den furchtgeschärften, hatte sich die Nähe der Raubtiere eher verraten als den Hirten, ja, eher sogar als den grimmen Hunden, die den Pferch bewachten.

Der Hammel Kojun hauchte:

»Es sind Wölfe.«

»Zwei Wölfe,« lispelte Melehme, der durch die Balkenfuge ins Dunkel gespäht hatte.

»Drei Wölfe. Laßt uns die Hunde wecken!«

Sie erhoben ein wimmerndes Blöken, davon der achtsamste Hund erwachte. Er horchte auf – spürte die Wölfe, und ohne Zögern stürzte er mit wütendem Geläut an die Pforte des Einfangs, um Saryk, den Dieb, der sich einschleichen wollte, an der Kehle zu fassen.

Hui, waren scharf die Hunde zur Stelle – die Hirten sprangen von der Bettstatt mit Beil und Flinten – Schüsse knallten – Geschrei – das Gurgeln der Gewürgten – das Jammern der Gebissenen – ein klagender Sterberuf der Zerschmetterten heulte durch die Nacht.

Weit hinaus noch in den Schnee verfolgten Hirten und Hunde die flüchtenden Rudel Saryks.

– – – Im Graben am Zaun lag, dampfend in ihrem Blut, die Wolfsmutter und stöhnte:

»Mich wundern nicht die Schafe, die uns fürchten, denn sie fürchten für ihr Leben. – Mich wundern nicht die Menschen, die uns verfolgen – sie geizen um ihre Nahrung. – Doch mich wundern die Hunde. Was treibt sie, zorniger und strenger gegen uns zu sein, als es ihre Herren sind, die Hirten? Sind denn die Schafe der Hunde Eigentum? Dürfen die Hunde der Schafe Fleisch essen, ihre Milch trinken und ihre Wolle scheren? Warum bedrängen die Hunde uns, die wir ihr Geschlecht sind – hungrige, wilde Verwandte? Während sie, die satten, von altersher satten Verräter, ihren Bauch in üppiger Sklaverei mästen, streifen wir frei und elend durch Busch und Dorn – und haben keinen tollern Feind dabei als unsre feinen Brüder ... die Hunde ...«

Mit diesen Worten verendete die Wolfsmutter am Zaun im Graben.

– – – Da kehrten die Hirten, reich beladen mit den erbeuteten Decken, zurück. Rauflustig, mit Triumphgebell umsprangen die Hunde ihre Gebieter.

»Es war ein harter Strauß, Brüder –« rief der älteste der Hirten, »– wir wollen uns beim Wein stärken. – Junge, bring die Beutel her!« – Und sie setzten sich ans neuentfachte Feuer.

Die Schafe hatten die Köpfe zusammengesteckt und eifrig beraten. Nun zwängte sich der alte Hammel Kojun durch die Gitterpfähle, erschien vor den Hirten und sprach:

»Dank euch, ihr Herren, die ihr uns nährt und beschützt! Dank, heißen Dank euch und den Hunden allen, die ihr uns eben aus großer Gefahr befreit habt. Dank im Namen der Herde.«

Freundlich nickte der alte Hirt:

»Schön, daß ihr Schafee unsre Fürsorgee anerkennt. Unser Leben setzen wir oft genug für euch aufs Spiel – da ist es auch eine Pflicht, unsre Wohltaten durch Liebee zu vergelten. – Geh hin, Kojun, und versicheree die Herdee unsrer fernern Gnadee.«

Der Hammel ging.

Sie tranken Wein, da sagte einer:

»Seid ihr nicht hungrig, Brüder – nach der Jagd? Wie wär's, wenn wir Kojun, den alten Hammel, schlachteten?«

Und sie schlachteten ihn.

Er starb als Patriot.

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