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Roda Roda und die vierzig Schurken

Alexander Roda Roda: Roda Roda und die vierzig Schurken - Kapitel 60
Quellenangabe
typemisc
authorAlexander Roda Roda
titleRoda Roda und die vierzig Schurken
publisherPaul Zsolnay Verlag
year1932
firstpub1932
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160111
projectid6d74c599
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Besuch beim Verleger

Ich rasierte mich, wusch mir sauber den Hals – dann fuhr ich mit der Tram zu Glinkes Nachfolger.

Eine Lawine fiel mir vom Herzen: ich fand ihn freundlich und aufgeräumt. Er ist überhaupt ein famoser Mensch; raucht Zigaretten – schon das macht mir ihn sympathisch. – Glinke selbst hatte dicke Zigarren gemummelt, darin blieb immer gut die Hälfte seiner Versprechungen stecken. Und Glinkes Vorgänger erst – oh! – er priemte. Da konnt er absprechende Urteile über meine Werke furchtbar verstärken. – Ich würde nie mehr Bücher einem Verleger anbieten, der Tabak kaut.

»Tach!« rief Glinkes Nachfolger fröhlich, »Tach! Wat sagen Se zu meinem Erfolg mit Dürkheimers Lustspiel? Unerwartet – wie? Am 1. November hatten wa die Uraufführung hier im Thaliatheater – nich wa? Am 10. November feierten wa das fünfundzwanzigste Jubiläum – Ende November das hundertste. Dabei son Mist. Aber gerade das gefällt. Geben Se acht – der Mist läuft noch bis in den Frühling – im Mai sehen Se eine rotgedruckte, lorbeerumkränzte »1000« an de Litfaßsäulen prangen. Nu rechnen Se erst die Provinz dazu! Und der Stuß ist schon ins Lappländische übersetzt, ins Özbegische und Österreichische.«

»Darum eben,« begann ich bescheiden, »darum eben, Herr Glinke, komme ich zu Ihnen. Sie sollten auch für mich etwas tun; für meinen Roman.«

»Richtig, Ihr Roman!« schrie Glinke. – Ein Klingelzeichen gellte hinüber zur Sekretärin. – Schon erschien sie rotblond in der Tür.

»Schnucki-Gucki,« sagte Glinke, »gucki mal nach dem Akt Roda Roda und schnucki mir ihn mal rüber!«

Sie kam nach einer langen Weile und sagte:

»Ich kann nichts finden. In der Korrespondenz kommt Roda überhaupt nicht vor.«

Glinke – mehr für sich: »Sonderbar.« – Zu mir: »Wie steht denn die Sache überhaupt? Is der Roman schon erschienen?«

Ich: »Herr Glinke!! Erinnern Sie sich denn nicht? ›Die Mutter im Moor‹. Erstes bis vierzigstes Tausend.«

Glinke: »Natürlich, natürlich. Famose Sache. Geht doch ooch soweit janz jut – nich? Drei oder vierhundert Exemplare müssen schon abjesetzt sein, wenn ich mich recht besinne. Die Restauflage – ebenfalls son Stücker drei, vierhundert – na, die bringen wa schon noch an, verlassen Se sich drauf.«

»Aber dann, Herr Glinke! Aber dann?!«

»Jott, dann drucken wa gleich das 70. bis 210. Tausend – wieder achthundert Stück.«

»Heißen Dank, Herr Glinke!«

»Na also? Wenn et weiter nischt is? Auflagen könn Se bei mir in jeder Höhe haben.«

»Und ... Honorar?«

»Immer kommen mir die Herren mit dem Honorar! Sehen Se, ich als Verleger muß sagen: Mein Unternehmen is lange nich so bloß auf Erwerb jerichtet wie Ihrs. Da sollten Sie sich 'n Beispiel nehmen an die Autoren, die wo schon über dreißig Jahre tot sind. Wie die aber auch im Buchhandel jehen! Wie die warmen Semmeln. Na, lassen Sie nich den Kopf hängen!« Er drückte mir feucht die Hand zum Abschied. »So richtig volkstümlich wird 'n Autor erst nach dem Tode. Mut! Auch Ihre Zeit wird kommen, lieber Roda. Auch Ihre Zeit.«

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