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Roda Roda und die vierzig Schurken

Alexander Roda Roda: Roda Roda und die vierzig Schurken - Kapitel 52
Quellenangabe
typemisc
authorAlexander Roda Roda
titleRoda Roda und die vierzig Schurken
publisherPaul Zsolnay Verlag
year1932
firstpub1932
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160111
projectid6d74c599
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Schwänke

Unser Onkel Theobald hat seine Fabrik den Söhnen abgegeben – und seitdem widmet er sich einem sehr interessanten Fach: der Beobachtung seines Gesundheitszustandes. Am meisten ärgert ihn, was er »die Geheimnistuerei der Ärzte« nennt: sie wollen und wollen ihm nicht aufrichtig sagen, wie es um ihn bestellt ist; um das Herz; die Nieren; die Leber; und das Ganze.

Gestern rät der Hausarzt dem Onkel an, zur Kur nach Nauheim zu gehen; und um den Nauheimer Arzt zu informieren, gibt der Hausarzt unserm Onkel einen verschlossenen Brief mit.

Ha, dieser Brief! Onkel Theobald wägt ihn in der Hand. In diesem Brief steht die Wahrheit.

Mag die Wahrheit noch so bitter sein – Onkel Theobald ist entschlossen, sie zu verkosten.

Öffnet den Brief und liest:

»Saudumm, enorm reich. Visite 20 bis 30 Mark.«

*

»Hier in den linken Eckzahn muß der alte Herr eine Goldplombe bekommen.«

»Glauben Sie, Doktor, daß man in Großpapa noch so viel investieren soll?«

*

Drei Insassinnen der Troppauer Irrenanstalt hatten beschlossen, auszurücken. Sie schnürten ihre Bündelchen, legten sie gegen Abend an die Gartenmauer – und wenn es dunkel wird, geht es los.

Eh es aber losging, flüsterte die gute alte Heubauerin:

»Warts noch ein bißl!«

Lief hinauf in die Direktion und sagte:

»Entschuldigen schon, Herr Primararzt – ich küss die Hand. Un ich dank auch scheen für alles Gute, was Sie mir erwiesen haben. Nämlich: mir fliehen jetzt.«

*

Wir sind auf dem besten Wege zur Bekämpfung des Krebses – eine Freudenkunde, die nur nicht überrascht, weil wir von unsern Ärzten nichts Geringeres erwartet haben.

Professor Tilow-Berlin hat hundert Patienten den Krebs künstlich eingeimpft, und es ist ihm nach jahrelangen Bemühungen gelungen, mit dem aus den hundert Patienten gewonnenen Serum ein Kaninchen zu heilen.

*

Unlängst erhielt ich die Erlaubnis, die Landesirrenanstalt zu besichtigen. Ich durfte durch alle Säle gehen und mit allen Kranken sprechen.

Im siebenten Saal begegnet mir ein Mann in langem, grauem Kittel, mit entsetzlich stierem Blick.

»Sie Armer,« frage ich ihn erschüttert, »wie lang sind Sie denn schon hier interniert?«

»Herr,« sagt er, »ich bin überhaupt nicht interniert – ich bin der Anstaltsarzt.«

Ich war bodenlos verlegen und erschöpfte mich in Entschuldigungen.

»Oh, bitte, bitte,« sagte der Arzt, »eine solche Verwechslung kann einem Fremden bei uns schon passieren. Die Ärzte in den Irrenanstalten unterscheiden sich ja von den Patienten nur durch die Vorbildung.«

*

Ob Sanzeno war ein Tourist abgestürzt und wurde, arg zerschlagen, von barmherzigen Leuten nach Amblar gebracht. Nun hieß es, rasch einen Arzt beischaffen.

Aber woher?

Zum Glück war gestern abend im Hotel ein Arzt aus Dresden abgestiegen. Und den holte man.

Er besichtigte den Verunglückten und sprach:

»Tja ...,« sagte er, »... wissen Se, ein Gutachten über Ihren Unfall kann ich Ihnen gern erstatten. Aber helfen gann ich Ihnen nich. Ich bin nämlich Gerichtsarzt.«

*

Als ich nach Karlsbad kam, befragte ich Doktor Turner wegen meines Darmleidens.

Er verordnete mir sieben Mühlbrunnen.

Ich klagte ihm auch über meine Nieren.

»Sieben Mühlbrunnen«, sagte er.

Ich wollte gehen und fand meinen Schirm nicht.

»Fehlt Ihnen noch etwas?« fragte Dr. Turner ungeduldig.

»Der Schi ...«

»Trinken Sie noch sieben Mühlbrunnen!«

*

In Salonik wirkte eine Ärztin – ein wahrer Segen für die islamitischen Frauen, die sich ja von männlichen Ärzten nicht mögen untersuchen lassen.

Wenn die Ärztin ein Rezept geschrieben hatte, trugen die Hanüms es – gleichwie einen Kor'anvers – als Amulett am Hals – gingen aber nicht etwa in die Apotheke, um das Medikament anfertigen zu lassen.

Dadurch wurden viele vom sichern Tod errettet.

*

Eines Tages im Krieg hatte ich mir einen langen Span in die Hand gezogen – ging zum Herrn Oberstabsarzt und bat ihn, er möchte mir doch den Span entfernen.

Der Herr Oberstabsarzt zückte sofort sein Messer und wollte schon zusäbeln.

Da sagte ich:

»Verzeihung, Herr Oberstabsarzt – darf ich mir gehorsamst erlauben, den Herrn Oberstabsarzt aufmerksam zu machen, daß der Herr Oberstabsarzt Ihr Messer noch nicht sterilisiert haben?«

»Mein lieber Freund,« erwiderte er, »da kämen wir weit beim Militär, wann wir wollten eine jede medizinische Modetorheit mitmachen.«

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