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Roda Roda und die vierzig Schurken

Alexander Roda Roda: Roda Roda und die vierzig Schurken - Kapitel 43
Quellenangabe
typemisc
authorAlexander Roda Roda
titleRoda Roda und die vierzig Schurken
publisherPaul Zsolnay Verlag
year1932
firstpub1932
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160111
projectid6d74c599
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›Scientia‹, G. m. b. H.,
Berlin, SW 48, Friedrichstraße 218.

»Herr Professor,« sprach der Fremde, »mein Besuch betrifft Ihre vielumstrittene Kometenhypothese. Unser Haus verfolgt die Fortschritte der Wissenschaften mit gespannter Aufmerksamkeit und hat schon, als Sie Ihre ersten Schriften über die Kometen veröffentlichten, sein Augenmerk auf Sie gerichtet. Wir erlauben uns, Ihnen unsre Dienste anzubieten. – – – Worin die Dienste bestehen, wird davon abhängen, wie Sie Ihre Hypothese ausgestalten. Sie haben in Ihren ›Beiträgen zur Frage der physikalischen Natur der Kometen‹ – wenn ich nicht irre – die Alternative offen lassen: ob jene Kometen, die Sie als Gruppe A bezeichnen, im Weg einer trockenen Destillation ferner Sonnensysteme ... – – – Verzeihung, vielleicht habe ich mich nicht korrekt ausgedrückt – tut nichts zur Sache; ich bin nur kaufmännisches Mitglied unsrer Gesellschaft, von Astronomie verstehe ich nicht viel. – Kurz, Herr Professor, Sie wissen wohl, wie stürmisch die Wissenschaft in unsern Tagen fortschreitet. Lehren, die gestern noch für felsenfest gegolten ... – – – Nur zwei Minuten, Herr Professor! – Ich wollte sagen: die Wissenschaft von heute schreitet so hastig vor, daß jede Theorie schon auf ihrem halben Weg nach den Mittelschulen von einer Widerlegung ereilt wird. Dieser Zustand hat einen ungeheuern Nervenverbrauch der Forscher zur Folge. Unsre Gesellschaft hat das eingesehen – sie arbeitet dem Nervenverbrauch entgegen, sie verringert ihn auf die Hälfte. Sie bringt Frieden und Wohlstand – ja, Wohlstand in die Familien der Forscher ... – – – Wie? Das will ich Ihnen sagen: Nehmen Sie an, Herr Professor, Sie stellen eines Tages die Lehre auf ... die Lehre ... – nun, sagen wir, um in Ihrem Fach zu bleiben: die Sonne bestehe aus glühendem Gips. – – – Bitte, das soll nur ein groteskes Beispiel sein – ein besseres fällt mir im Augenblick nicht ein. – Was geschieht nun? Sie werden Ihre Lehre beweisen wollen. Stellen Versuche an, Observationen – oder wie Sie es sonst nennen – Sie studieren die einschlägige Literatur. – Da stoßen Sie auf zweierlei Erscheinungen: erstens solche, die für – und zweitens andre, die gegen Ihre Ansicht sprechen – nicht wahr? Was zu Ihrer Lehre stimmt, veröffentlichen Sie. Der Rest ist für Sie wertlos – Abfall. – Na, sehen Sie, Herr Professor! – Und diesen Abfall kaufen wir, die ›Scientia, Gesellschaft zur Verwertung wissenschaftlicher Nebenprodukte‹. – – – Was wir damit anfangen? Überaus einfach: Ein andrer Gelehrter behauptet, die Sonne bestehe aus Alkohol, und sucht diese Meinung zu begründen. Ein Teil Ihrer Nebenprodukte stützt die Alkoholhypothese – und diesen Teil verkaufen wir ihm. Hingegen bringen wir Ihnen Behelfe zur Gipstheorie – Behelfe, die Ihrem Herrn Gegner untergekommen und doch nur lästig geworden sind. – – – Ich lade Sie zu einem Probeabonnement ein. Wir bearbeiten und vertreten jede Theorie. Wir geben Wochenberichte heraus über den Lagerbestand – unsre Kunden können, auch wenn sie über keine eigne Theorie verfügen, etwas Passendes aus unserm Vorrat wählen. – Oh, wenn Sie doch Mediziner wären – wir verschleißen Hunderte von Krebsursachen. Schade, daß Sie nicht Rassenlehre treiben – grade auf dem Gebiet der Rassen könnten wir Sie musterhaft und spottbillig bedienen. Darf ich Sie vormerken ...?«

Also der Fremde.

Der Gelehrte darauf:

»... Gut. Aber: nur auf ein Vierteljahr und ohne Vorauszahlung. Denn, wissen Sie: ich glaube nicht, daß Ihre Gesellschaft lange bestehen wird. Es ist eine allzugroße Überproduktion von Abfällen. Eine kolossale Überproduktion, Herr – glauben Sie mir, es geht ins Gigantische ...«

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