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Roda Roda und die vierzig Schurken

Alexander Roda Roda: Roda Roda und die vierzig Schurken - Kapitel 180
Quellenangabe
typemisc
authorAlexander Roda Roda
titleRoda Roda und die vierzig Schurken
publisherPaul Zsolnay Verlag
year1932
firstpub1932
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160111
projectid6d74c599
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Auf dem Friedhof zu Graz

Auf dem Friedhof zu Graz hinter eisernem Gitter,
da ruhen die alten Theresienritter,
Major, Oberstleutnant, General,
bunt durcheinander mit Subaltern –
wie sie der Tod zu sich befahl,
die grauen pensionierten Herrn:
Haudegen, Radetzkys Schlachtkumpane,
armeeberühmte Grobiane,
gelehrte Köpfe, Gamaschenknöpfe,
Strategen, Raufhänse, Kriegssoldaten;
in einer Reihe die tapfern Kroaten
Maroicic, Lukic, Grivisic.

Über den Grüften vergoldete Schriften,
Gewaffen und Kronen,
gekräuselte Löwen und Marmorkanonen.
Der Epheu wächst aus den steinernen Nischen.
Geranien, Rosen, Anemonen
und Unkraut dazwischen.

Wenn eines Tags bei den Kapuzinern
Franz Joseph zu erwachen geruhte
und käme hierher zu seinen Dienern
auf der braunseidigen irischen Stute
und ruft in gellem Kommandogrimme
zum Frontappell seine morschen Scharen:
Herrgott, wie wird die gefürchtete Stimme
den Schläfern in die Knochen fahren!
So gemessen er war in Ton und Gebärden:
im Dienst – im Dienste könnt er ungemütlich werden.

Wird das ein Schnaufen, Durcheinanderlaufen,
Ellbogenstoßen und Richtungnehmen,
eh sich die wirrgewürfelten Haufen
zur vorgeschriebenen Reihe bequemen!
Denn sterben darf der Soldat, wann er will;
doch zum Empfang
des Allerhöchsten Herrn gebietet der Drill:
Genau nach dem Rang.

Am rechten Flügel die Feldmarschälle
in Ordnung nach dem Datum der Listen.
Alsdann die Generalobristen.
Die Feldzeugmeister an dritter Stelle.
Der Kaiser wird sie gehörig zwacken:
»Herr Feldmarschall!! Sie schlafen da, statt Dienst zu placken??«

Der Marschall aber schlottert und stottert:
»Majestät! Geruhen nicht zu grollen!
Ich weiß nicht, wem wir dienen sollen.
Altösterreich mit allem Ruhm und Glanz
ist verweht und verschollen.«

Das wird der alte Kaiser Franz
garnicht glauben wollen.

Auch meine Mutter ruht in Graz,
zur Rechten ein Hauptmann Bonifaz
v. Lüben;
zur Linken Schreiner, der Husar,
Major, der immer so lustig war;
genüber ein Oberst der Infanterie.
Da hat nun Mutter drüben
ihre gemütliche Whistpartie.

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