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Roda Roda und die vierzig Schurken

Alexander Roda Roda: Roda Roda und die vierzig Schurken - Kapitel 167
Quellenangabe
typemisc
authorAlexander Roda Roda
titleRoda Roda und die vierzig Schurken
publisherPaul Zsolnay Verlag
year1932
firstpub1932
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160111
projectid6d74c599
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Treue eines Zigeuners

Eine – beinahe rührende – Geschichte von der Treue eines Zigeuners findet sich in den Papieren des gräflichen Hauses Malnay.

Des gegenwärtigen Majoratsherrn fünfter Vorfahr, Desiderius Malnay (gestorben 1753), war einem seiner leibeignen Zigeuner besonders wohl gesinnt. Eines Tages starb dieser Zigeuner und hinterließ einen halbwüchsigen Jungen, Daniel geheißen, den der Graf aufs Schloß nahm und zum Kutscher ausbilden ließ. Daniel erlernte seine Kunst denn auch aufs beste und war viele Jahre hindurch des Grafen Leib- und Paradekutscher.

Da geschah einst, daß Desiderius Malnay, damals schon hochbetagt, nach Preßburg gefahren war und dort die Nachricht empfing von einer schweren Erkrankung der gräflichen Gemahlin. Alsogleich ließ er anspannen, um in höchster Eile nach Malna zurückzukehren.

Um jene Zeit war die Strecke zwischen Preßburg und Malna noch ein einziger Hochwald. Der gräfliche Viererzug, von Daniel geschickt geführt, ging über Stock und Stein dahin – als plötzlich die Felge des Vorderrades an eine Baumwurzel stieß und in Stücke brach.

Der Graf war verzweifelt. Eine Ansiedlung gab es auf Stunden im Umkreis nicht, Hilfe von fremden Fuhrwerken war nicht zu erwarten, und zum Reiten war der greise Graf seit Jahren zu gebrechlich.

In dieser schwierigen Lage war es die Dankbarkeit des Zigeuneruntertans, die dem Grafen ermöglichte, an das Krankenlager der hohen Gemahlin zu gelangen.

Als nämlich der treue Daniel den Schmerz seines Herrn wahrnahm, kniete er nieder und sprach mit tränenden Augen:

»Dieweil mich Ew. Gnaden, der Herr Graf, aus niederm Stande zu dero Leib- und Paradekutscher erhoben und so vor gar vielen ausgezeichnet haben, die des Dienstes um die hochgräfliche Person würdiger gewesen wären: also will ich, der arme Zigeuner, in dieser Stunde einen Teil meiner übergroßen Dankesschuld an das hochgeborne Haus Malnay de Malna et Felschö-Gasany abtragen und bitte:

Ew. Gnaden möchten persönlich und mit dero eignen Händen die Zügel des Gespanns zu führen geruhen, während ich das fehlende Rad ersetzen will, indem ich mir den linken Achsstengel in mein Abdomen einführe und bis zur Erreichung unsres Zieles, des Schlosses Malna, Zigeunerräder schlagend, den Wagen tragen helfe.«

Und so geschah es: der Graf nahm die Zügel – Daniel aber stieß sich selbst die Wagenachse in den Mastdarm und ersetzte das zerbrochene Rad so geschickt, daß die gräfliche Kutsche in schlanker Fahrt dahinrollen konnte.

Nur mußte der Graf von Zeit zu Zeit auf Daniels inständiges Bitten ein wenig anhalten, damit die Achse neu geschmiert wurde.

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