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Roda Roda und die vierzig Schurken

Alexander Roda Roda: Roda Roda und die vierzig Schurken - Kapitel 160
Quellenangabe
typemisc
authorAlexander Roda Roda
titleRoda Roda und die vierzig Schurken
publisherPaul Zsolnay Verlag
year1932
firstpub1932
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160111
projectid6d74c599
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Schwänke

Zu Radautz in der Bukowina lebte ein Mann namens Maucksch, seines Zeichens Agent für Schrotmühlen, ein überaus geriebener Kerl. Der verkaufte an einem Tag zehn und zwanzig Mühlen an die Bauern.

Doch es nutzte nichts – er richtete immer neue Gaunereien an – und schließlich mußte man ihn entlassen.

Von Stund an wie abgeschnitten: keiner seiner Nachfolger konnte auch nur Eine Mühle loswerden.

Bis sich der Fabriksdirektor entschloß, nach Radautz zu fahren und Maucksch ins Gebet zu nehmen:

»Maucksch, wie haben Sie es immer gemacht? Und warum geht es jetzt nicht mehr?«

Für zweihundert Lei gab Maucksch sein Geheimnis preis:

»Man muß wieder die Jelena engagieren.«

»Jelena? Wer ist das?«

»Das wissen Sie nicht, Herr Direktor? Jelena, die Zigeunerin. Sie geht von Dorf zu Dorf und prophezeit den Leuten.«

»Was prophezeit sie denn?«

»Nun, sie sagt den Bauern: »Es wird ein fremder Mann zu euch kommen, der bringt euch Glück und Segen mit Schrotmühlen.« – Und der Zigeunerin nach reist dann der Agent.«

*

Ein interessanter Fall. Was nämlich die Ärzte einen interessanten Fall nennen ...

Dem Präsidenten der Königlichen Tafel fielen seit einiger Zeit die Urteile des Pernauer Oberstuhlrichters auf. Sie zeigten ... hm ... eine gewisse Naivität in der Begründung. Auch häuften sich aus der Umgebung von Pernau Beschwerden der Bürgerschaft.

Richter sind unabsetzbar. Oberstuhlrichter erst recht. Nur auf amtsärztlichen Befund kann der Präsident der Königlichen Tafel ...

Kurz, der Präsident schickte den Sanitätsrat Dr. Figdor nach Pernau.

Und überflog ein paar Tage später folgenden

Befund:

»... Oberstuhlrichter ... Pernau ... Schwachsinn ... der ihn jedoch an der Ausübung seines Amtes nicht hindert.«

»Mensch!« rief der Präsident, »Sanitätsrat! Was haben Sie dem Oberstuhlrichter von Pernau bescheinigt? Einen Schwachsinn, der an der Amtsführung nicht hindert?? Wie stellen Sie sich das vor?«

»Herr Präsident,« erwiderte der Sanitätsrat, »ich habe bei dem Untersuchten angebornen Schwachsinn festgestellt.«

*

Vázsonyi war damals noch nicht Justizminister in Ungarn, sondern vorerst noch der kostspieligste Rechtsanwalt von Budapest.

Eines Tages kommt kreuzunglücklich ein Mann namens Eisner zu ihm ins Büro. »Herr Doktor,« ruft er, »helfen Sie mir; um des Himmels willen – ich habe schon wieder eine Vorladung zur Polizei.«

»Ja, was betrifft sie denn?«

»Ich habe keine Ahnung. Mittwoch war ich dort – man hat mir nichts nachgewiesen, aber die Herren waren furchtbar grob ... wegen Kettenhandel: sie haben mich eindringlich verwarnt. – Da kommt heut wieder dieser Zettel ... Ich flehe Sie an, Herr Doktor: gehen Sie für mich hin!«

»Herr ... Wie heißen Sie doch rasch?«

»Eisner.«

»Herr Eisner, es ist unnötig und erfolglos, mich in Bewegung zu setzen, ehe Sie wissen, wessen Sie beschuldigt werden.«

»Gleichgültig, Herr Doktor ... kosts, was 's kost – fahren Sie nur hin!«

Auf der Polizei übergab man dem Herrn Rechtsanwalt Eisners Regenschirm. Den hatte Eisner letzthin davergessen. »Und wir werden doch,« sagten die Herren, »ihm mit seinem Schirm nicht nachlaufen?«

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