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Roda Roda und die vierzig Schurken

Alexander Roda Roda: Roda Roda und die vierzig Schurken - Kapitel 152
Quellenangabe
typemisc
authorAlexander Roda Roda
titleRoda Roda und die vierzig Schurken
publisherPaul Zsolnay Verlag
year1932
firstpub1932
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160111
projectid6d74c599
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Der Osten

Bei Baron Thanhausen, in Kurland, seligen Angedenkens, hatten sie vierzehn Kinder.

Jeden Morgen pflegte die Baronin vierzehn Kuckelchen zum Frühstück bereitzulegen.

Einmal blieb ein Kuckelchen ungegessen.

»Weih!« rief die Baronin – »Erbaarmung! Wieso ist ein Kuckelchen nachjeblieben?«

Man zählte – zählte noch einmal – und forschte – – richtig fand man ein Kind tot unter dem Sofa.

*

Unsre Tante, Frau Bark in Riga, hatte eine Näherin im Haus, und die Näherin war traurig.

»Erbaarmung,« rief unsre Tante, »warum sind Sie so traurig, Freilein Ohsoling?«

»Weih, mein Mamming is jestorben.«

»Aber, Freileinchen, wo sie doch schon so ne alte Frau war und krank ...«

»Nu, man hat doch Kosten, Zematting ...«

»Freileinchen, haben Sie denn in keine Begräbniskasse jezahlt?«

»Hab schon jezahlt. Hab auch zwanzig Rubelchen bekommen. Aber was kann man mit zwanzig Rubel mit ner Leich fir große Springe machen?«

*

Als ich das Hotel in Wilna verließ, hielt mich an der Tür der Portier auf und wünschte Trinkgeld.

»Aber, Mensch,« rief ich, »ich habe Ihnen ausgiebiges Trinkgeld doch schon gegeben?«

»Gewiß, Herr – ich danke Ihnen auch bestens. Doch Sie haben während Ihrer Anwesenheit Ihre Koffer versperrt gehalten, so daß ich ihnen nicht die üblichen zehn Prozent der Leibwäsche entnehmen konnte.«

*

Frau Mender reiste jüngst von Petersburg nach Moskau.

Dicht vor dem Ziel geriet das Holz auf dem Tender in Brand – es qualmte so, daß Frau Mender fürchten mußte, zu ersticken.

Sie zog die Notleine.

Der Schaffner erschien und fragte übellaunig nach dem Grund.

Frau Mender wies auf den Brandherd.

Darauf kopfschüttelnd der Schaffner, überaus verwundert:

»Du scheinst, Genossin, dein Leben merkwürdig hoch zu schätzen.«

*

Der Gouverneur von Moskau sollte eine Fahrt auf der Wolga machen.

Große Verlegenheit: wo einen zuverlässigen Kapitän hernehmen?

Man mietete einen Engländer.

Der Engländer ließ die Kessel heizen – die Siederohre platzten, der Dampfer geriet in Brand.

Man wollte löschen – die Feuerspritze funktionierte nicht.

Man setzte das Rettungsboot aus – es lief voll Wasser.

Man packte den Gouverneur in einen Rettungsring – der Ring versank.

Man warf ihm ein Tau vom Ufer zu – das Tau riß.

Der Gouverneur ging unter.

Zum Glück war er kein echter Gouverneur gewesen, sondern ein Hochstapler.

*

Ich bin seit ein paar Tagen in Berlin.

Als ich gestern nacht, gegen zwei, in mein Hotel zurückkehre, steht auf dem Podest des ersten Stockwerks ein Mann, mangelhaft bekleidet, und seine Siebensachen trägt er unterm Arm; Angstschweiß perlt ihm auf der Stirn; und er schreit:

»Källner! Källner! Aber Kääällner!«

Endlich meldet sich wer.

»Was wollen Sie denn?«

»Aber Käällner! Meine Räächnung! Ihh ljasse miir njicht gefaallen. Ihh gehhe auf Kabinet – steht: ›Biitte ziiehen!‹ Ihh ziehhe – koomt mit großem Gepoolter Waasser durch eine Rohrr. Was siind das für Witze, einen Kavalier so erschreecken?«

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