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Roda Roda und die vierzig Schurken

Alexander Roda Roda: Roda Roda und die vierzig Schurken - Kapitel 150
Quellenangabe
typemisc
authorAlexander Roda Roda
titleRoda Roda und die vierzig Schurken
publisherPaul Zsolnay Verlag
year1932
firstpub1932
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160111
projectid6d74c599
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Schwänke

»Gerda,« fragte ich sie teilnehmend, »Gnädigste! Sie blicken so trüb und bleich. Nach einjähriger Ehe? Mit einem so geliebten Gatten?«

»Ach,« antwortete sie, »ich hatte es mir anders vorgestellt. Früher, da freute ich mich immer schon: Heute abend bist du mit Otto Schlesinger. – Jetzt aber –? Schlesinger – jeden Abend Schlesinger – es wächst einem zum Hals heraus.«

*

Wir sprechen von einer englischen Autofabrik, die so herrliche Wagen baut; verkauft die Wagen nach Madrid – nach Bukarest – nach Sidney – – und überallhin schickt sie von Zeit zu Zeit ihre Mechaniker, die nach den Wagen sehen.

»Das ist noch gar nichts,« meinte ein versonnener Herr. »Meine Schwiegermutter hat sechs Töchter nach sechs Staaten verheiratet – und bei jeder bringt sie jährlich zwei Monate zu, um sie nachzuerziehen.«

*

Mein Freund Fekete, der Ungar, sagt mir:

»Ich war erschtemal in Berlin vor dem Krieg – seh mir Stadt an – eine von scheensten Straßen hajßt: Tauentzien. Gut. Jetz komm ich nach soviel Jahre wieder – Straße haißt noch immer: Tauentzien.«

»Und was wundert Sie daran, Fekete?«

»Daß Deutsche immernoch hängen an ihre verlorene chinesische Kolonie.«

*

»Ich grüble vergebens, was ich meiner Tante zu Weihnachten schenken könnte.«

»Rauchtischlampe –?«

»Nein, das tut sie nicht.«

*

Tiefe Nacht in Neapel. Furchtbares Erdbeben.

Herr Schulze im Hotel Londres schreit:

»Laura, um des Himmelswillen! Zieh dich an!«

Sie:

»Det Jrüne?«

*

Der Chef: »Ich habe die einzige Sekretärin, auf deren Verschwiegenheit ich absolut bauen kann: erstens versteht sie nicht, was ich diktiere; und zweitens vergißt sie, was sie geschrieben hat.«

*

Jour fix. Das Gespräch stockt – alles langweilt sich – man weiß nichts Rechtes anzufangen.

Für solche Stunden weiß ich ein bezwingend lustiges Gesellschaftsspiel:

Die Hausfrau verteilt javanische Dolche. Jedem in der Runde wird aufgegeben, die zwei ekligsten Menschen zu töten.

Wer die Unrechten tötet, gibt ein Pfand.

*

Ich gehe ins Variété mit einer gewissen Sofie Schleiminger – muß mir, dieses Pech!, Oberregierungsrat Hoff begegnen.

Ich, schnell gefaßt, stelle vor:

»Herr Oberregierungsrat Hoff – – meine Frau.«

»Tach, Sofiechen!« antwortet er.

*

»Sie werden so dick, Herr Mayer! Machen Sie sich denn wenigstens hie und da Bewegung?«

»Nur, wenn ich gegen säumige Schuldner den Klageweg beschreite.«

*

Der müde Herr zum andern müden Herrn:

»... Damals eben war es, wo ich mir überlegte, ob ich mich töten sollte oder nicht. – Doch das scheint Sie garnicht zu interessieren?«

»Dochdoch. Ich brenne darauf, zu erfahren, wofür Sie sich entschieden haben.«

*

Das alte Fräulein Miesecke fürchtet sich sehr, die Straße zu überschreiten – es könnte ein Auto kommen ...

Da trägt sie immer ein Zettelchen bei sich:

»Bitte die Leiche abzugeben Petersenstr. 15.«

*

Der Chef höchst erregt:

»Sie bummeln die Nächte – Sie kommen zu spät ins Büro – statt zu arbeiten, dösen Sie vor sich – was Sie schreiben, ist dumm – was Sie rechnen, ist falsch – um jeden Pfennig ist schade, den ich Ihnen zahle ... Überhaupt, Herr: Was schweigen Sie so verbissen – warum reden Sie nicht, wenn ich Ihnen Ihre Fehler vorhalte??«

Der Buchhalter – bescheiden:

»Glauben Sie, Herr Schwarz, wenn ich schweige, red' ich nicht?«

*

Ich klingele an der Wohnungstür von Krips.

Ein Bürschchen von fünf Jahren kommt öffnen.

»Ich möchte Herrn Krips sprechen,« sage ich.

Das Bürschchen darauf:

»Herr Krips? Der bin ich selbst.«

*

Willem Reibetanz hatte eine Farm bei Windhuk und wollte gern auch eine Frau. Er gab ein Inserat auf im »Hamburger Echo«.

Es kam zu einem Briefwechsel mit Lina und Käthe Tiedemann. Zuerst zum Spaß und dann im Ernst. Eines Tages reiste Lina zu ihrem Bräutigam nach Windhuk ab.

Lange warteten die Eltern auf eine Hochzeitskunde.

Endlich kam ein Kabel:

»lina ankam gestorbenem zustande verweigere annahme zusendet kaethe.«

*

So sparsam können nur Frauen sein:

Autobus. Ich im Blickgeplänkel mit einer netten Blondine.

Da kommt meine Haltestelle, Zonengrenze des gelösten Fahrscheins. Ich will aber nicht aussteigen – will weiterfahren, das Gefecht mit der Blondine fortsetzen.

»Schaffner! Eine neue Fahrkarte!«

– »Wie weit?«

(Ja, wie weit?) »Endstation,« sage ich.

Der Schaffner: »Endstation – 50 Pf.«

Mischt sich die Blondine ein mit schöner Festigkeit:

»Der Herr fährt nur bis Kasparstraße – 30 Pf.«

*

Angermeyers haben eine sonderbare Köchin, die Leni. Sie ist links zwölf Jahre jünger als rechts und hinten größer als vorn.

Eines Sonntags bittet sie um Urlaub – sie wolle, sagt sie, tanzen gehen.

»Sie ...? ... tanzen?« fragt Frau Angermeyer verblüfft.

»Oh, gnä Frau, in der Stadt trifft sich auf a jeds Madel,« ruft Leni mit glühenden Wangen.

*

Ich verstehe nicht, wie Menschen über Zwist in ihrer Ehe klagen können.

Wir, meine Frau und ich, haben eine immerwährende Vereinbarung:

Wenn wir gleicher Ansicht sind, gilt meine Ansicht.

Wenn wir verschiedener Meinung sind, gilt ihre Meinung.

So kommen wir seit Jahren prächtig miteinander aus.

*

Ein Sonntagsschiff durchfurcht die Fluten.

Die kleine Edith betrachtet das Kielwasser der Schraube.

»Sieh nur, Mama!« ruft sie freudig erschreckt. »Dem Ssiffi kommt Selterswasser aus dem Popole.«

*

Als ich zu Ernemanns kam, umkreiste mich der kleine Maxi, musterte mich von allen Seiten, zuckte die Achseln und sagte:

»Ich weiß nicht – ich finde ihn ganz nett.«

*

Seit Tantchen Martha Witwe ist, fürchtet sie sich entsetzlich. Kein Wunder: so allein im dritten Stockwerk – unten die Bureaus, da ist bei Nacht kein Mensch – oben die Magazine, wo die Mäuse tollen.

Als ich unlängst zu Tantchen kam, sah ich eine Papptafel auf dem Nachtkasten. Die Tafel hing an einem langen, langen Bindfaden.

»Dies,« sagte Tantchen, »hab ich mir ausgedacht: wenn die bösen Menschen mich überfallen sollten, lasse ich das Täfelchen zum Fenster hinaushängen.«

Auf dem Täfelchen stand:

»Leider haben wir Diebe im Hause.«

*

Ritschel sah zum Erschrecken aus.

»Mensch,« rief ich, »bist du unter die Stachelwalze geraten?«

»Nein – weißt: gestern komm ich spät nach Haus – mein Hund erkennt mich nicht und springt mir ins Gesicht ...«

»Hör mal, Freunderl – von dem Hund tät ich mich scheiden lassen.«

*

Die alte Baronin Mohrenfeld ist verrückt eifersüchtig.

Sie schläft, da der Baron endgültig auf ihre Gesellschaft verzichtet hat, im Vorzimmer seines Schlafgemachs – natürlich mit ihrem geliebten Pudel Bruno.

Da hört sie eines Nachts leise Schritte.

»Bruno, bist du dä?« fragt sie schlaftrunken.

»Jä, Mämä,« antwortet eine Stimme.

Und die Baronin legt sich beruhigt aufs andre Ohr.

*

›LERNE ZU LEIDEN OHNE ZU KLAGEN‹

– lautet die goldne Inschrift an der Gedächtniskirche.

Eines Tages löste sich einer der goldnen Buchstaben ab. Der Pastor ließ einen Maurer holen und gab ihm den Auftrag: die Inschrift in Ordnung zu bringen.

Am nächsten Tag las man:

›LERNE ZU KLEIDEN OHNE ZULAGEN‹.

*

Die Hochzeit meines Freundes Piering war die weitaus lustigste, seit Menschen denken.

Der Polterabend hatte zwei Tage vorher begonnen und ging unmittelbar über in das eigentliche Fest.

Die Braut, Soferl Henke, war durchaus nicht abstinent gewesen. O, sie hatte ziemlich tiefe Gläser gestülpt; und hing auf der Fahrt nach dem Standesamt, vom Schleier zart verhüllt, seekrank halb über Bord der Hochzeitskutsche.

Als der lange Piering aber, von den Erlebnissen immernoch betäubt, am ersten Morgen der jungen Ehe erwachte – was war denn nur mit ihm geschehen? Er traute seinen Augen nicht:

»Henke Soferl!« rief er, höchlich erstaunt. »Wie kommst denn du daher??«

*

Ich hatte eine Tante vom Land zu Besuch bei mir und schob sie in die Schackgalerie ab.

Fragte sie, wie es ihr gefallen hätte.

»Großartig. In ganz Ingolstadt weiß ich keine drei Familien, die solche Bilder haben.«

*

Ich saß mit Ruhmann im Volkskeller.

Die Damenkapelle spielte.

Wir brüteten.

»Freunderl,« sagte Ruhmann plötzlich, »ob du mich für narrisch haltst oder net – es is ein historischer Augenblick in meinem Leben. Nie hab ichs glaubt, wann die Leut von einer Liebe aufn erschten Blick reden – aber ich bitt dich, schau dir die Cellistin an! Hast du schon so was von Anmut gesehn? So eine schlanke Fülle? So ein volles Schlankerl? Meiner Six, ich wer die Person heiraten un wer ihr Schklave sein fürderhin. Du verstehst? Fürderhin. Pikkolo! Pikkolo! Obst hergehst, Lausbua?! Siegst das Fräuln oben, die was Cello spielt? Augenblicklich sagst ihr: ›Fräuln‹, sagst ihr, ›unten is a Herr‹, sagst ihr, ›in geordnete Verhältnisse, der bietet Ihna Herz und Hand fürs Leben.‹ Oder weißt was, Pikkolo? Sags lieber der Trommlerin.«

*

Unser Harro hat Besuch bekommen: den kleinen Uli Plötz aus der dritten Klasse.

»Heute morgen,« erzählt Uli, »war ich in einer furchtbaren Gefahr. Ich hatte einen großen Jungen angespuckt – der ist mir nachgelaufen und wollte mich verprügeln. Da bin ich rasch in ein Haustor und hab mich versteckt.«

Harro großartig:

»Pfui – verstecken! Das ist ja feig. Da läuft man doch davon.«

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