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Roda Roda und die vierzig Schurken

Alexander Roda Roda: Roda Roda und die vierzig Schurken - Kapitel 131
Quellenangabe
typemisc
authorAlexander Roda Roda
titleRoda Roda und die vierzig Schurken
publisherPaul Zsolnay Verlag
year1932
firstpub1932
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160111
projectid6d74c599
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Die Pottbäuerin

In Indija zum kalvinischen Pfarrer Doktor Kando kam ein vergrämtes Weiblein. Sie mochte vierzig zählen – in diesem Alter sind Bäuerinnen schon vergrämt. – Er musterte sie und kannte sie nicht; sie war also nicht aus seinem Sprengel; oder katholisch.

Ja, bestätigte sie, katholisch ist sie; die Pottbäuerin von Batajnitza.

Und was sie wünsche?

Sie kauderte lange um – denn einem Weiblein aus dem Dorf fällt reden mit Städtischen so schwer wie dem Gymnasiasten das Aufsatzschreiben. – Endlich würgte sie hervor:

Ob Hochwürden ...

Der Pfarrer lehnte den Titel ab.

Ob der Herr Pfarrer der Pottbäuerin ihren Mann nicht könnte lutherisch machen?

»Kalvinisch, meinen Sie?«

»Lutherisch oder galvinisch – i versteh des nit aso.«

Gewiß, antwortete befremdet der Pfarrer – gewiß, der Pottbauer könne zum kalvinischen Glauben übertreten; falls er nämlich dazu die rechte Berufung in sich fühlt.

Gut, sagte das Weiblein, dann möchte der Herr Pfarrer den Pottbauern kalvinisch machen, noch heute. Und wieviel es wohl kosten wird?

»Nicht so, liebe Frau! Der Bauer muß erst selber herkommen; muß selber seinen Willen kundtun; und nachweisen, daß er die Lehren des kalvinischen Bekenntnisses wohl innehat; muß den Austritt aus der katholischen Kirche anmelden und feierlich unser Bekenntnis ablegen. – Wo ist denn der Bauer?«

Sie blickte zu Boden und sprach langsam:

»Der is net hier.«

»Dann lassen Sie ihn holen.«

»Des is es ja: ma kann net«

»Warum nicht?«

»Er is dot; dot seit a fufzehn Jahr.«

Der Pfarrer war ganz verdutzt. – »Tot ist der Bauer? Seit fünfzehn Jahren? Und möchte kalvinisch werden? Was soll das Ganze überhaupt?«

Das Weiblein atmete tief auf und sprach mutig:

»Hochwürden, i sag's wie's is – es is aso: Mein Seliger war a sehr a frommer Grist ...«

»Katholischer Christ – nicht wahr? Sagten Sie doch?«

»Ja. A sehr a guder Grist. Aber an eigener Mensch – alls hod müssen nach seim Kopf gehn. Un so is er aa blieben – im Himmel. Bei sein Lebzeiten ham mir immer, wann im Haus etwas is überzwerch gangen, beim Viech oder so ... – da ham mir immer dem Heilingen Andonius a Kirzen anzunden un ham bet – un weil mei Seliger is aso a guder Grist gwesen, hod der Heilinge uns aa erhört. Dann is 'r gsturben, der Bauer – no ja – och – un für sei Frömmigkeit sitzt 'r drüben gwiß zur Seiden von unserm lieben Heilingen Andonius. Ja – och. – Wie hab i können alleinich d' Wirtschaft weiderführen? I hab müssen heiroden – 'n Gnecht, 'n Loisl. Un sehgen S', Hochwürden: darüber gift sich der Selige; sitzt zur Seiden vom lieben Heilingen Andonius und gift sich. Un jetz können mir, mei Loisl un i, die scheensten Kirzen anzünden un können beden, bis mir grien wern: der Heilinge Andonius erhört uns nit. Unsre Sau is verreckt – unsre Hühner saan grepiert – 's Heu is sauer: weil sich mei Seliger dut giften über mi un mein Loisl – un dut unsern lieben Heilingen Andonius geng uns aufstacheln. Ja – och. Da hab i gmaant: ob Sö net könnten mein Seligen galvinisch machen – daß 'r hald von der Seiden des Heilingen Andonius wegkummt – in d' Höll für sein Bosheid – daß uns der liebe Heilinge Andonius wieder erhört.«

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