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Roda Roda und die vierzig Schurken

Alexander Roda Roda: Roda Roda und die vierzig Schurken - Kapitel 119
Quellenangabe
typemisc
authorAlexander Roda Roda
titleRoda Roda und die vierzig Schurken
publisherPaul Zsolnay Verlag
year1932
firstpub1932
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160111
projectid6d74c599
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Die Nachkommen

Die Damen erzählten einander von der Plackerei, die man mit den Kindern hat:

»Mein kleiner Richard lutscht den Daumen. Was hab ich nicht versucht, es ihm abzugewöhnen! Ich schmälte, ich drohte ihm, ich prügelte ihn endlich. Es half nichts – sein Daumen sah aus wie eine Glühbirne. Da rieb ich ihm den Daumen mit übelriechendem Perubalsam ein – und siehe: er rührt ihn nicht mehr an.«

»Ach«, sprach Frau Zinn, die Mutter des Backfischchens – »ach, könnte man doch auch die Studenten mit Perubalsam einreiben!«

*

Mein Neffe Daniel war im Referendarexamen durchgefallen; man bekommt dann die Hälfte der eingezahlten Prüfungsgebühr zurück.

Er kam, glättete die 60 M. und sprach wehmütig:

»Mein erstes selbstverdientes Geld.«

*

Die Landsmannschaft Hercynia feiert ihr Stiftungsfest.

Der älteste Alte Herr hat den Vorsitz beim Kommers und gebietet Silentium.

Alles schweigt ehrfürchtig und gespannt.

Doch der Alte Herr rührt sich nicht.

Minuten vergehen in peinlicher Stille.

Endlich wagt einer der Festteilnehmer, dem Präsidenten zuzuraunen:

»Bitte, wenn Sie nichts zu sagen haben: heben Sie doch wenigstens das Silentium auf.«

»Ich möchte ja,« sagt der Alte Herr verzweifelt. »Aber ich habe vergessen, wie das Gegenteil von Silentium heißt.«

*

Wir fanden uns nach zehn Jahren zusammen, wir Abiturienten des Piaristengymnasiums. So will es ein alter Brauch.

Empfang, Festkommers; am nächsten Morgen Messe und Besuch der Schulräume.

Im Lehrzimmer legte uns der Direktor das Goldne Buch der Mutteranstalt vor. Wir sollten einen klassischen Spruch einschreiben und unsre Namen.

Man einigte sich auf:

»Wir lernen nicht für die Schule, sondern fürs Leben.«

Doch keiner konnt es ins Lateinische übersetzen.

*

Herr Erzinghian aus Brussa hatte seinen Sohn auf der Universität in Leipzig.

Doch der Sohn tat nicht gut. Eines Tages mußte ihn der Vater heimberufen.

»Schicket Reisegeld, dann komme ich«, drahtete der Sohn – und der Vater tat es.

Was aber geschah? Erzinghian, der jüngere, fuhr bis Wien, lebte da drei Tage in Herrlichkeit und depeschierte nach Brussa: sein Reisegeld wär ihm unterwegs gestohlen worden, er bitte um neues.

»Stiehl ebenfalls und komm«, antwortete der Vater.

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