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Roda Roda und die vierzig Schurken

Alexander Roda Roda: Roda Roda und die vierzig Schurken - Kapitel 116
Quellenangabe
typemisc
authorAlexander Roda Roda
titleRoda Roda und die vierzig Schurken
publisherPaul Zsolnay Verlag
year1932
firstpub1932
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160111
projectid6d74c599
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The Princess Girls

Deumig, der kühne Unternehmer, durchschreitet stolz seine Schöpfung, den Florianikeller.

Wirklich, wer den Keller in der alten Gestalt gekannt hat und heute wiedersieht, steht vor einem Wunder:

Der Riesensaal scheint doppelt groß. Die Wände, unter dem vorigen Pächter grau in Grau, sind nach Deumigs Angaben heiter bemalt, mit grünen Almen und Schneegebirge – der weite Blick dehnt die Dimensionen. Dann aber die Ausschmückung: die Lampen von weißblauen Fransen umsäumt; weißblaue Fahnen hangen in Scharen; die Geländer der Terrasse sind natürliche Birkenäste; oben auf der Treppe zur Terrasse zwei Gemsen von Papiermaché; in den Wiesen eine plastische Kuh (die klappt das Maul, wenn man am Schwanz zieht; zum Wälzen lustig); über die Schnapsbar ist eine Sennhütte gebaut. – Für die Kellnerinnen hat Herr Deumig Gebirgstrachten angeschafft.

Die Umgestaltung allein hat Herrn Deumig 2750 M. gekostet, mehr als die Hälfte vom Kredit der Florianibräuerei – aber die Sache wird sich lohnen – das ist sicher, sie wird sich lohnen. Solch ein Lokal hat Elberfeld noch nicht gehabt, das muß ziehen. Deumig spielt mit dem Gedanken, die Schöpfung auch durch einen neuen Namen zu betonen: »Kristallpalast Bayern« etwa; doch die Herren vom Florianibräu kommen ja nicht mit.

Überhaupt diese Herren vom Florianibräu: ganz verzopft; sie führen nur immer den § 17 des Vertrags im Mund: ihr Einspruchsrecht; unken stündlich: »Herr Deumig! Wenn es Ihnen bloß nich wieder jeht wie in Dortmund und Halle! Da ham Se abscheuliche Pleite jemacht.« – Mit solchen Leuten kann man doch kein modernes Geschäft aufziehen.

Der Florianikeller ist von jeher das Ballokal der bessern untern Stände gewesen – auch in diesem Jahr ist jeder, aber auch der letzte Karnevalstag von einem Verein belegt. Die besten Abende allerdings, Mittwoch und Samstag, hat Herr Deumig den eigenen Redouten vorbehalten, mit besondern Ideen – man hat doch Erfahrung. Die Ideen sind Geheimnis; nur einen Schimmer davon gibt Deumig im intimsten Zirkel preis, mit einem Wort: Schönheitskonkurrenz.

*

Deumigs Debüt, die Silvesterfeier, ist ein rauschender Erfolg. Man begreift nicht, wie der Verkehr in Elberfeld weitergehen kann; so viel Schofföre vergnügen sich hier, so viel Trambahnschaffner; man glaubt an einen Stillstand der Deutschen Reichspost angesichts dieser Masse von tanzenden Briefträgern. Bis zum Abteilungschef hinan sind die Warenhäuser versammelt, bis zum Regierungsrat die Ämter: ganz, ganz Elberfeld.

Und die Musik dröhnt. Welch eine Musik: die Altbayerische Blechmusik D'Werdensteiner, mit ihrem Dirigenten an der Spitze, dem Kluiferer Seppl. – Manchen der Bläser, den Ortsansässigen nämlich, frieren trotz aller Hitze die Kniee in der ungewohnten kurzen Wichs.

Doch der Clou des Abends:

Herr Deumig geht von der goldnen Regel aus: Leute, wo schwoofen, verzähren nischt. Darum hat er die Ericson International Princess Girls kommen lassen; aus Berlin; damit sie die Leute zum Sitzen bringen. Tanzen macht Durst; im Sitzen trinkt man.

Die Ericson Girls sind sozusagen abendfüllend. Es sind ihrer neun: eine Quadrille – die Neunte steht in Reserve für Fälle von Unwohlsein; ist auch erst Lehrmädchen.

Die Ericson Princess Girls marschieren bei Trompetengeschmetter auf, nach der Größe geordnet, in rotgoldnen Mänteln. Auf der Bühne legen sie die Mäntel ab und stehen nun graziös-nachlässig da: mit Diademen im Haar, rosa Büstenhaltern und rosa Atlasdrusen. Bei Trommelwirbel erscheint ihr Patron, Mister Ericson, ganz in rosa Trikot und überreicht ihnen acht bogenartige Girlanden. Hierauf: »Blumenreigen der Völker.«

Um 9 Uhr 50, in der zweiten Tanzpause, kommen sie schwarz-weiß mit fridericianischen Helmen; Herr Ericson als Tambourmajor. Sie exerzieren und defilieren. Apotheose: Schulterstand in Front und taktmäßiges Strampeln mit den Beinen.

Eine Stunde darauf ist Boxkampf; Gott sei Dank mit weichen Handschuhen. Am Match beteiligen sich aber nur die beiden Zwickauerinnen, Schwestern Zwetsche (»Schweiz gegen Norwegen«) – als zweites Paar Hilde aus Lehrte, hier genannt »Princess of Irland«, mit der Breslauerin (»Australia«). – Wenn die Zwickauer Schwestern, wie gewöhnlich, verkracht miteinander sind, gibt es zwar regellose, doch saftige Hiebe. Irland gegen Australien wieder sind parodistisch: Irland hat eine überaus possierliche Art, zum Schwinger doppelt auszuholen; in der zweiten Runde fallen beide Kämpferinnen über den Schiedsrichter, Mr. Ericson, her; in der dritten schlagen sie einander gleichzeitig knock out. Die Zuschauer sterben vor Lachen.

Um zwölf das Glanzstück der Princess Girls: Wettradeln. Die Räder stehen auf Rollen – eine mannshohe Uhr mit bunten Zeigern gibt die Strecken an. Mr. Ericson hält eine Anrede an die Zuschauer und fordert sie auf, Preise zu stiften. Angeblich hat ein Mäzen schon zwanzig Mark geschwitzt (– immer dieselben zwanzig Mark, die Ericson dann mit Tusch und Beifall der Siegerin überreicht und in der Garderobe wieder abverlangt). Durch dies Anreißen läßt sich hie und da jemand bewegen, eine Mark zu opfern; an guten Tagen drei Mark; in Kiel einmal sind 87 Mark an Preisen zusammengekommen; Witzige verheißen ein Wannenbad zweiter Klasse.

Mr. Ericson ist Berliner, heißt eigentlich Kunze. Er ist ehedem Parterreakrobat gewesen – nun ist er schon zu alt, zu arbeiten. Ein vorbildlicher Truppenchef. Nie läßt er sich mit einem Mädel ein, guckt nicht einmal in ihre Garderobe. Er ist gütig, aber streng. Wenn eins seiner Mädel krank wird, läßt er sie nicht einfach laufen, sondern er sorgt für sie, wirklich wie ein Vater; gibt es Differenzen mit dem Saalinhaber: nach Möglichkeit nimmt Kunze für sein Mädel Partei. Wenn ein Mädel aber frech wird oder nachlässig, behandelt er alle neun als Luft – und das wird dann zur unerträglichen Strafe für sie; zuletzt patzen sie absichtlich in der Vorführung – nur, um ihn wieder zum Reden zu zwingen.

Das sind Ericsons Princess Girls, das ist ihr Programm, ihr Patron.

Herr Deumig ist sehr zufrieden mit den Girls. Sie verkaufen, während sie rasten und das Publikum tanzt, im Saal Karten mit Lichtbildern der Truppe. Was dabei für die Mädel abfällt, ist nicht in erster Reihe der Erlös für die Karten (20 Pf.) – sondern: man macht Bekanntschaften mit Gästen; man wird zum Hinsetzen aufgefordert, zum Nachtessen eingeladen, zu einem Glas Wein. Herr Deumig, der Saalpächter, achtet schon darauf, daß jedes Mädel sein Nachtessen kriege und ein gutes Glas Flaschenwein. Bier »dürfen sie nicht trinken wegen dem Training«; die Zeche bliebe sonst zu gering.

Herr Deumig, der Wirt, sieht auch nicht gern, daß die Mädel vor Schluß des Balles abschwinden. Das ist eine Schutzmaßregel im Interesse der Mädchen: damit sie nicht von jedem hergelaufenen Bengel verschleppt werden; ferner dient es dem Konsum.

Herr Deumig, der Wirt, sieht so jüdisch aus, wie kein reinblütiger Sachse jemals ausgesehen hat. Es ist nicht anders zu erklären: In vorgeschichtlicher Zeit müssen Makkabäer in Sachsen eingefallen sein, und Deumig ist das Residuum einer Kriegstat gegen das weibliche Zivil von damals.

Herr Deumig hat einen lieben Gast, den Schlächter Brust aus Barmen. Brust hat die großen Lieferungen für die Kohlenzechen. Ein saftiger Bursche, Vierziger, in der Vollkraft des Lebens. Die Woche über arbeitet er wie 'n Roß, und Samstags, oft auch Mittwochs, kommt er nach Herrn Deumig, Elberfeld (wo man ihn nicht so kennt), »um mal auszuspannen«. Was Brust ausspannen nennt: er säuft eine Nacht wie ein Kamel, tanzt wie ein Faun und jagt Weiber. Eins bringt er zur Strecke: jede Woche ein neues. Besonders aber schätzt Herr Deumig an seinem Freunde Brust: daß der Schlächter nie allein kommt; er bringt immer einen Schwanz mit von Landwirten, Viehhändlern, Häutehändlern, Geschäftsfreunden aller Sorten.

Dann ist seit einiger Zeit allabendlich ein stiller hübscher Junge da, wohl Oberprimaner. Ist das erstemal in Gesellschaft seines Vetters aufgetaucht – seitdem kehrt er immer wieder.

Er hat sich in Erna vergafft, das Lehrmädchen der Princess Girls. Sie tritt noch nicht richtig auf – sie sekundiert nur beim Boxen, beim Wettfahren wechselt sie die Kilometertafeln aus, und beim Exerzieren markiert sie den Hornisten. – Otto, der Primaner, hat sie beim Kartenverkauf kennengelernt – der Vetter rief sie damals an den Tisch.

Diese Erna ist ein gottverlassenes Wesen. Die Mutter ist früh gestorben, Vater hat sie wahrscheinlich gar keinen gehabt. Sie ist mit dem Großvater im Wohnwagen umhergezogen, der Großvater hatte ein Karussell. Wo sie umhergezogen ist, weiß sie nicht zu sagen; ihr galt eine Stadt wie die andre; vielleicht ist sie auch nicht sehr gut bei Verstand. Als sie sechzehn wurde, setzte sich der Großvater zur Ruhe – und die Erna tat er als Lehrmädchen zu Ericson, den kannte er von früher. Damit sie was Tüchtiges wird: Boxerin, Radlerin, Tänzerin, Artistin.

Nun reist das kleine Ding mit der Truppe und ist kreuzunglücklich. Die acht Genossinnen kennen einander lange, halten zusammen; haben ihre Techtel-Mechtel, in jedem Engagement von neuem, ihre gegenseitigen warmen Freundschaften, ihre alten Späße – ihre Kniffe, wie man Geld aus Gästen zieht ... Erna weiß noch von nichts. Tags muß sie Trikots und Drusen waschen, die Räder putzen, die Rollen ölen, in der Vorstellung hat sie die Requisiten auf die Bühne hinauszubringen und wieder zurück in die Garderobe.

Am glühendsten aber beneidet sie die andern Mädel um ihre Briefe. Täglich im Auslagekasten des Florianisaals liegen Briefe: von Agenten für Mr. Ericson; von Eltern, Tanten, Freunden, Bewunderern für die Princess Girls.

Erna hat noch nie, nie im Leben einen Brief bekommen. Sie schreibt so gern, spielerisch. So gern, so gern möchte sie mal einen Brief bekommen und dann Antwort schreiben.

Einmal hat ihr ein Herr ein Schächtelchen Zigaretten geschenkt. Sie raucht ja nicht; aber im Schächtelchen lag ein gedruckter Zettel:

»Bei Beanstandung wolle man diesen Garantieschein senden an unser Stammhaus Mustapha & Co., Ltd. 123 Avon str., London, W. 1.«

Erna schickte den Garantieschein ab – mit ihrem ungelenken Namenszug – und sieh: sie bekam gleich zwei Postsendungen: eine feierliche lithographierte Entschuldigung der Firma – und zehn Zigaretten von der Hamburger Filiale.

Seitdem verwendet Erna jede freie Minute auf das Verfassen sinnloser Briefe: sie richtet sie an alle Leute, die in der Zeitung Preislisten anbieten, Probenummern, Muster; und sie erwartet den Bescheid mit ungeheurer, mit fieberhafter Spannung: als gelte es lebenswichtigste Nachrichten. Sie empfängt zitternd vor Freude ihre Post und verbirgt sie vor den Ericson Girls wie Mordgeheimnisse. Denn, wenn die andern Mädel dahinterkämen, was diese schönen, fremden Umschläge bedeuten: oh, Erna wäre um ihre einzige Wonne betrogen.

Die Bekanntschaft mit Otto ließ sich sehr langsam an: er und sie hatten einander nichts zu sagen. Allmählich erst begann er sie auszuholen; leider gleich nach ihrem wundesten Punkt, ihrer Vergangenheit. Sie wollte doch nicht gestehen, daß sie keine Eltern hat und – außer dem Großvater – keine Verwandten. Da mußte sie schon zu Beginn der Bekanntschaft lügen; lügen mit der denkbar unbeholfensten Phantasie:

Sie hatte einmal – irgendwo, auf einem Markt in einem unbekannten Städtchen – mit einem Jungen gesprochen, dessen Vater war Gemüsehändler, fuhr Kohl und Kartoffeln auf einem Handwagen durch die Straßen. – So erzählte sie nun Otto: ihr Vater sei Gemüsehändler ... Doch mit dem einen Handwagen des Jungen von damals begnügte sie sich nicht – sie wollte doch glänzen, aufschneiden – da fabelte sie: Vater fahre zwei Handwagen durch die Straßen. – »Wo?« fragte der Primaner teilnehmend. – Ihr fiel nur ein Name ein: Zwickau. – »Ha!« rief Otto erfreut, gerade Zwickau kenne er sehr gut. – Erna geriet in scheußliche Verwirrung, erhob sich rasch vom Tisch und ging. – »Sehe ich Sie wieder?« rief ihr Otto noch, rasch besonnen, nach. – »Ich werde schreiben«, murmelte sie. – Sie schrieb aber nicht. Diesmal nicht.

Und Otto hatte die nächsten Abende alle, aber alle Mühe, ihrer wieder habhaft zu werden.

Denn er hatte sich sie in den Kopf gesetzt.

Er liebte sie. Er konnte keine Minute im Tag sein ohne Gedanken an sie – abends mußte er in den Florianisaal, ob es ihn das Sein gekostet hätte. Er borgte sämtliche Mitschüler an. Er verkaufte seine Bücher – zuerst die entbehrlichsten, dann auch die andern; er mauste seiner Mutter Geld; er mußte zu Floriani, zu Erna.

Am dritten Sonntag – er war fahl und mager geworden vom allnächtlichen Wachen im Rauch – am dritten Sonntag hatten sie ein Stelldichein im Café »Germania«, Otto und Erna. Auf dem Heimweg tauschten sie den ersten Kuß.

Sie sahen einander Montag wieder, Dienstag, Mittwoch. Es brannten Opfer auf schmutzigen Altären: auf Kellertreppen, in Waschküchenwinkeln. Zwei junge Seelen brannten lichterloh.

Der Engagementmonat der Princess Girls in Elberfeld ging zu Ende.

Herr Brust, der Schlächter, hatte den Blumenreigen der Princess Girls achtlos gepflückt – sein Interesse am Florianibräu begann abzuflauen.

Da lenkte Herr Deumig, der Wirt, die Aufmerksamkeit seines besten, liebsten Gastes auf das Lehrmädchen. – Als sich Otto des Abends in seine gewohnte Ecke setzte, glaubte er sichs einfach nicht: Erna saß, und hatte Augen und Hände in den Schoß gesenkt, am Honoratiorentisch der Viehhändler.

Noch wartete Otto eine Stunde. Doch als er sie am Sekt nippen sah, und immer senkte sie Augen und Hände wieder in den Schoß, zum schütternden Gelächter der Gäste – da erhob sich Otto wankend, biß die Zähne in die Unterlippe und ging – ging – bleich, mit Augen, die weit aufgerissen waren, um nicht weinen zu müssen.

Im Flur blieb er stehen; bis drei; vier Uhr früh. Der Karneval umbrauste ihn mit Wahngebilden.

Er erlebte – als ferner, doch leidenschaftlicher Zeuge – eine furchtbare Szene mit:

Erna wollte nicht mit Herrn Brust; sie wehrte sich wie ein Kalb, das zur Schlachtbank soll: passiv.

Herr Deumig redete anfangs lächelnd zu, gütig.

Dann aber, als er so viel Trotz sah und Mangel an Sinn für das Geschäft – dann zog er andre Saiten auf: er rief einfach nach Mister Ericson.

»Sie, Gunze,« sprach er, »sähn Se sich diesen Zustand an!« – Es schwebten seit gestern Unterhandlungen über Reengagement der Princess Truppe für die nächste Saison.

Ericson-Kunze ist ein wahrhaft anständiger Mensch; immer tritt er für seine Mädel ein.

Doch dieser Fall von Widersetzlichkeit war wirklich zu arg; der ging selbst dem gutmütigen Ericson über die Hutschnur.

»Willst de nu vernünftich werden, Kleene, oda willst de nich?'

Sie wollte nicht.

»So ne fiese Schickse,« knurrte Herr Brust, »die is ja jeck«; warf Herrn Deumig, dem Wirt, einen vernichtenden Blick zu, zog eine höhnische Grimasse und stürmte davon. – Der kehrt nie wieder; der ist ernstlich beleidigt; der kommt nicht.

»Ihr Engaschmah fürs gommende Jahr, Gunze, gönn Se sich in 'n Schornstein schreiben«, rief Deumig, der Wirt.

Da sagte Ericson zu Erna:

»Jeh, du Biest! Mir aus de Oojen! Vom Fleck!«

Fristlos entlassen.

Da erst geriet Erna ins Heulen, da erst.

Mit halboffenen Armen, mit verzerrtem Gesicht auf Otto zu – und in ihrer Dummheit schrie sie:

»Ick brauch doch nu noch zwee Mark fufzig for Miete, un forn Schusta eene Mark – un nachhaus zu Jroßvatern sieben sechzich – du bist schuld, nu jib mir Zaster.«

Otto konnte nicht erbleichen, denn er war blutleer seit abend. Er konnt ihr auch nicht empört den Mammon hinwerfen, denn er war schwarz.

So preßte er nur aus wehem Herzen, unsäglicher Enttäuschung und Verachtung:

»Geld! Du Dirne! Für Geld hast du mir gehört. Geld verlangst du. Pfui!«

Und wankte davon – um alle Illusionen seiner Jahre betrogen, aus allen Himmeln gerissen, in Höllen gestürzt, sterbenselend, getroffen im Mark.

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