Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Jakob Lorber >

Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 98
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
Schließen

Navigation:

Kapitel 97

»Entweder oder«, Heil oder Fluch den Argen! Roberts schwieriger Auftrag, den Pathetikus zum Herrn zu führen. Des Weltmenschen Philosophie, und Roberts Antwort, gewürzt mit Beispielen

1 Rede Ich: »Sehr gut – Meine geliebteste Helena – hast du Mich beraten! Das werden wir auch tun! Gelingt es uns, so sollen sie leben! Gelingt es aber nicht, da seien sie verflucht! Wir wollen uns aber auch sogleich an dieses Werk machen! Denn so lange diese scheußliche Art nicht umgestaltet oder vernichtet ist, werden wir von der Erde nie vollends reife und gute Früchte zu erwarten haben.

2 Den Hochmut kann man um vieles leichter bekämpfen als diese Seuche! Sind die Menschen stolz, hochmütig und herrschsüchtig geworden, so gebe man ihnen Krieg, Not, Armut und Krankheiten, und sie werden bald zum Kreuze kriechen, und werden sich die sie demütigenden Lektionen sicher auf eine lange Zeit hinter die Ohren schreiben! Aber einen rechten Gäulbock geniert nichts! Wenn er auch alle sogenannten argen Venuskrankheiten ausgestanden hat, und am Ende vor Schwäche kaum mehr gehen und stehen kann, und der Tod von allen Seiten her ihn angrinset, so macht er sich aber dennoch wenig oder nichts daraus, wenn er nur noch einer üppigen Dirne den Steiß befühlen kann! Wenn er schlafen gehet, so ist schier sein letzter Gedanke – Fleisch; und so er erwacht – sein erster Gedanke wieder Fleisch, und sodann den ganzen trägen und schläfrigen Tag über wieder nichts als Fleisch! Und so ist seine Rede Fleisch, sein Sinn Fleisch, seine Liebe Fleisch, seine Freundschaft Fleisch, und alles in allem Fleisch! –

3 Und der dem Fleische stets fest anklebende Hochmut, der sich nur zu bald kund gibt, so jemand solch einem dümmsten Fleischesel in die sein Leben allein beseligende Nähe störend tritt, und ihm etwa gar irgend eine freundliche Ermahnung zukommen läßt! Ihres Gleichen, d.h. ihres Geschlechtes dulden sie schon gar schwer, oft auch gar nicht um sich; ja so sie recht in der Brunst sind, da möchten sie wohl am liebsten aller andern Menschen ledig sein, um desto ungenierter mit ihrer geliebten Fleischinhaberin gäulen zu können nach ihrer echten Bockslust! Nur wenn sie zu Zeiten auf eine kurze Frist des Gäulens müde und überdrüssig geworden, da nähmen sie dann auch Besuche an, damit sie sich ein wenig zerstreuten; hat aber dann ihr Sinn wieder neue Nahrung bekommen, dann können sich die Freunde nur gleich wieder empfehlen; denn dann sind sie dem Gäuler schon zu einem Dorn im Auge! Siehe, so sind sie beschaffen auf der Welt, und so kommen sie auch hierher.

4 Da du nun das weißt, so wollen wir sogleich einen Versuch an dem Pathetikus ganz ernstlich vornehmen. Der Erfolg solle dich lehren, ob unsere Mühe an ihm den erwünschten Lohn finden wird oder nicht?! und so denn die Hände an die Arbeit!«

5 Darauf beheiße Ich den Robert hinzugehen zum Pathetikus, und ihn ganz artigst zu Mir her zu bescheiden. –

6 Der Robert verneigt sich voll der höchsten und freundlichsten Achtung, und sagt: »O Herr! wo Du Selbst Deine Hände an ein Werk legest, da muß es gelingen! Wenn er nur herzubringen sein wird?! Aber wie es mir so ganz leise vorkommt, da wird das ein hübsches Stück Arbeit abgeben! – Wie wäre es denn, o Herr, so wir zuvor die 24 Tänzerinnen aus seiner Nähe mehr auf die entgegengesetzte Seite, so mehr gegen Morgen hin, wo sich ohnehin ihre Tanztribühne befindet, bescheiden würden?! Denn – so viel ich – und auch sicher alle hier anwesenden hohen Gäste werden bemerket haben, da fängt sich unser Pathetikus miserabilis samt seiner Gesellschaft sehr beträchtlich den sehr reizenden Tänzerinnen zu nahen an! – Es wässert ihm schon der Mund zu einer erwünschten Ansprache; aber wie es mir scheint, so ist er um den Anredestoff verlegen!? Daher meine ich, daß es allenfalls nicht schlecht wäre, die Tänzerinnen zuvor auf den bestimmten Ort hin zu bescheiden?!«

7 Sage Ich: »Lieber Bruder! was dir als gut deucht, das ist auch gut vor Mir; denn so jemand etwas als gut erkennt, und unterläßt es zu tun, der begeht eine Sünde gegen sein eigenes Herz; daher tue du alles, was du als gut und gerecht zweckdienlich erkennest.«

8 Robert gehet nun schnell zu den Tänzerinnen hin, und bescheidet sie, an den vorbestimmten Ort hinzugehen; die erfüllen sogleich liebfreundlichst des Roberts Willen.

9 Aber dafür wird der Pathetikus samt seiner Gesellschaft ganz, wie die Menschen zu sagen pflegen, fuchsteufelswild, geht dem Robert entgegen, und spricht: »Noooo....- Musje! diese Holden sind nun lange genug in meiner Nähe gestanden, und ist ihrer bei eurem dummen Geplapper nicht gedacht worden; gerade jetzt, wo ich mit ihnen gerne in eine nähere Bekanntschaft getreten wäre, hat dich müssen der Teufel hierher reiten, um sie mir gerade vor der Nase wegzuschnappen! Ich glaube, unter uns g'red't, du hättest ja wohl an denen genug, die dort an eurem Adamstisch, Abrahamstisch, Isaakstisch und Jakobstisch, Mosestisch und Gott weiß was noch für Tische, wie die schönsten Schafe versammelt stehen?! Meine Emma-Gundl ist auch dabei, und meine Mariandl, und die schönste Aurora von einer Lerchenfelderin! Freilich blüht bei der, wie's mir vorkommt, für dich verdammt wenig Weizen heraus, weil der Pseudo- Heiland Jesus bei ihr bei weitem mehr zu gelten scheint, als du; aber anschauen darfst sie doch, und dabei als ein über deine hübsch langen Ohren – in sie Verliebter nach und nach ein wenig zu verzweifeln anfangen!

10 O du blitzdummer Kerl von einem Robert Blum! Auf der Welt warst ein Esel, und hier bist ein Ochse! Also in einer Person die viehische Gesellschaft, die bei der Geburt Christi anwesend war. No, no, schön so, schön! Wahrlich, du wirst es in diesem deinem Himmel noch weit bringen! – Glaubst denn du königlich sächsischer Bücherjude, daß ich nicht jed's Wört'l vernommen habe, was ihr dort über die ganze Unendlichkeit Gottes für einen Rat gehalten habt, und wahrlich, Ehre, dem Ehre gebühret, oder was?! Die schöne Lerchenfelder Aurora, wahrscheinlich eine neu apokalyptische Plage aus diesem echten 7-ten Zwetschgenhimmel, hatte ein sehr bedeutendes Vorrecht zu urteilen, und ihr weisen Gottesochsen und -esel habt das Vergnügen gehabt, euch an ihrer Weisheit zu sonnen gleich wie die Blattmilben an den herrlichen Strahlen aus dem Steiße eines Johanneskäferleins. Ach, das war wirklich himmlisch schön, erhaben und des großen Gottes würdig! – Oder was?! –

11 Und nun möchtest du mich auch hin an jenen saubern Ratstisch ziehen, an dem so Erhabenes von einer mit einer ätherischen Phosphoreszenz übertünchten Lerchenfelder Trudel beschlossen wird, sogar ein Gericht über uns Männer, darum wir auf der Welt oft tierisch dumm genug waren, uns so weit zu vergessen, daß wir uns mit solchen Kloaken-Kreaturen abgeben mochten! – Freund! da kannst du hübsch lange warten! Glaubst du denn, daß ich dir nun wie ein Gimpel gleich auf dein dreckiges Leimspindelchen aufsitzen werde? Oh, da hat es Zeit, und seine sehr geweisten Wege! Brüderl, kehre halb rechts nur wieder um, und sage deiner phosphorstrahlenden Gesellschaft: Nur die Gimpel fängt man so, – andere Vögel sitzen nicht so leicht auf, besonders – wenn eine Lerchenfelder Glorifizens Esel auf den Vogelfang mit Einverständnis ihres Pseudo-Jesus aussendet! Wenn's zurückkommst, so richte ihr von mir einen schönen Gruß aus!«

12 Robert, ganz erstaunt über solch einen ultraantisozialen Empfang, schaut den Pathetikus ein Weile ganz erregt bis zur Zehenspitze an, und ist ganz geladen ihm noch zehn Male gröber zu begegnen; er ermannt sich aber dennoch, und sagt dann in einem gemäßigten Tone: »Freund! du hast mich noch gar nicht vernommen, und also auch gar nicht entnehmen können, warum ich so ganz eigentlich hierhergekommen bin, und was ich dir zu hinterbringen habe! und verdammst mich, ohne einen Grund dazu zu haben!? Lasse mich erst reden mit dir, alsdann richte, so ich etwas Ungebührliches von dir verlangt haben werde!« –

13 Fällt ihm der Pathetikus in die Rede, und spricht: »Freund; ohne gerade dir gleich ein Esel zu sein, reichen meine Ohren aber dennoch bis an euren sauberen Ratstisch hin, und haben das unliebsame Vergnügen alles zu vernehmen, was dort geredet und beschlossen wird! Und so haben meine Ohren denn auch die Keckheit gehabt, das zu vernehmen, was in eurem hohen Rat über jene Menschen beschlossen wurde, die leider auf der Welt das sich zu genießen erlaubten, wozu sie durch das Gesetz der Natur bei den Haaren hingezogen worden sind!

14 O ihr dummen Kerle von himmlischen Weisen! Wer hat denn die Natur geschaffen, und wer mit allmächtiger Hand eherne Gesetze in sie gelegt?! Siehe, die echte, allein ewig wahre Gottheit! Wie kann aber ein Wurm sündigen, so er das tut, wozu ihn die Gesetze der Natur instinktmäßig antreiben?! Siehe, der ist bei mir weise, der die Gesetze in der großen Natur ihm zu Gunsten benützet, und danach lebt; ein Esel und Ochse aber ist derjenige, der sich über die Gesetze der Natur hinaussetzend, nur nach einer übersinnlichen Wonne strebet, die sonst nirgends als in seinem dümmsten Gehirne zu Hause ist! So ich aber solchen Gesetzen gemäß gelebet habe, sage, wo ist der Gott, der mich deshalb richten könnte!?« – –

15 Spricht Robert, noch immer in einem sehr gemäßigten Tone sagend: »Höre Freund! du bist aufgeregt wegen der nötigen Translozierung der 24 Tänzerinnen, die deine noch unreinen Sinne sehr in Anspruch nahmen; aber mäßige dich nun, und nehme an einen rechten Verstand, auf daß du einsehen magst, ob meine Sendung an dich her einen guten, schlechten oder eselhaft dummen Grund habe!?

16 Du pochest nun gar so mächtig auf die Gesetze der Natur, und willst mir begreiflich machen, daß man ein bornierter Esel sein müsse, so man sich dieselben nicht allzeitig zu einem wollustseligen Zwecke dienstbar zu machen verstehe, oder einer gewissen bigottdummen Schwärmerei wegen nicht zu machen getraue! Ich aber frage dich, und sage: Freund! wieso raisonnierst denn du dann darüber, wenn sehr viele der steten Erfüllung der stummen Naturgesetze Beflissene nach kurzer Wollustseligkeit in allerlei körperlich und geistig unheilbares Elend versinken, aus dem sie so zu sagen kein Gott mehr herausziehen kann?! ° Siehe, z.B. ein der Naturgesetze sehr beflissener junger Mann auf der Welt ersieht eine seine Sinne über alle Maßen bezaubernde Dirne; wie ein Besessener rennt er ihr nach, und setzt alles daran, mit ihr die starke Anforderung der Naturgesetze ins Werk zu setzen. Es gelingt ihm, sich bei der Dirne Gehör zu verschaffen; aber (finis coronat opus) bald nach der an der Dirne vollbrachten Erfüllung des Naturgesetzes meldet sich ein anderes ganz verteufelt schlechtes, widriges und sehr grauslich elend schmerzliches Naturgesetz, nämlich, das verteufelte Nach-Gesetz der Lustseuche, mit allen seinen unheilbaren Verordnungen! Ein Heer von fürchterlichsten Leiden und unaushaltbaren Schmerzen stürzen mit einer satanischen Wut der Erfüllung des ersten Wollustgestzes nach, und quälen den getreuen Erfüller des wollustseligen Naturgesetzes auf eine Weise, die wahrlich für einen ärgsten Teufel zu arg wäre! Jahrelang muß nun ein solcher Mensch die zu bereitwillige Erfüllung des ersten seligen Gesetzes, durch ein nachfolgendes höchst unseliges büßen; seine ganze Natur wird verstümmelt, sein Geist nach und nach getötet, und die eigene Seele verfinstert und zu einem Selbstpeiniger umgestaltet! –

17 Sage mir, wäre es für diesen Menschen nicht besser gewesen, physisch und geistig, so er dem ersten wollustigen Gesetze nicht gar so treulich nachgekommen wäre? Indem er dadurch ein zweites aus der Hölle über ihn herauf beschwor!? Das zweite ist ebenso wie das erste ein Naturgesetz; bist du für die Erfüllung des ersten gar so sehr eingenommen, warum darauf nicht auch für die Waltung des zweiten?!

18 Du sagtest: Wo ist der Gott, der mich für die Erfüllung der in die Natur gelegten Gesetze richten könnte? – Ich aber frage und sage: Welcher Gott hat denn dann das zweite scheußliche Gesetz als eine Folge des ersten gesetzt, so dieses zu gewissenhaft eifrig befolget wird?! Bist du nicht aufgelegt, diesem Gotte ein Loblieb zu singen? –

19 O sieh', du Blinder! wohl hat Gott alle Gesetze in die Natur gelegt; aber dem freien Menschen gab Er Verstand und Vernunft, daß er die ersten Gesetze seines Fleisches nur sehr mäßig, und das nur im Zustande einer Ehe ordentlich erfüllen solle; für jeden Tritt über die moralische Grenze hinaus hat Er aber auch schreckliche Hinkboten gestellet, die solche Überschreitungen stets auf das Empfindlichste durch ein zweites Gegengesetz zu ahnden pflegen!?

20 Wenn wir das aber aus der Erfahrung wissen, wie auch, daß wir nur in der gesetzlichen Mittelstraße wahrhaft glücklich sein können, wie kannst du demnach jene Menschen Esel nennen, die nach der rechten Ordnung Gottes leben; die sich nicht auf die Extreme blind hinstürzen, sondern in allem ganz bescheiden auf der Mittelstraße einherwandeln?!

21 Sage mir, was Gutes im eigentlichen Sinne hast du wohl genossen durch dein ganzes irdisches und nun diesseitiges geistiges Leben?! Auf der Welt lebtest du im steten Zanke und Hader mit deinem rechtmäßigen Weibe; deine Huren säckelten dich oft bis auf den letzten Heller aus, so daß du oft lästige Schulden machen mußtest, von denen einige noch bis zur Stunde nicht bezahlt sind!? Ein paar Jahre vor deinem Austritte aus der Naturwelt in diese geistige hat dich noch eine falsche Italienerin dergestalt angesteckt, daß in wenigen Tagen darauf dir das Hören und Sehen zu vergehen hat angefangen. Fünf Ärzte voll guten Muts, einmal einen reichen Kampel in ihre Obsorge bekommen zu haben, patzten, stachen und schnitten 2 Jahre an deinem durch und durch venerischen Leibe; sie halfen dir aber, wie dich deine Erfahrung lehrt, nicht nur nicht, sondern machten dich geflissentlich noch elender als du ohnehin warst; denn wenn's dich so recht juckte, da bewarfst du sie mit Gold, auf das sie dir eine Linderung gäben! Ja sie hätten dich noch Jahre lang herumgezogen, wenn die Wiener Geschichte dir nicht den elendsten Lebensfaden abgeschnitten hätte! – Sage mir nun, wie warst denn du mit diesem zweiten Naturgesetze zufrieden, und welche Seligkeit genießest du nun hier?!« –

 << Kapitel 97  Kapitel 99 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.