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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 97
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 96

Des Herrn Schöpfungsgeheimnis, daß es zweierlei Menschen gibt, Gotteskinder und Weltkinder; das Erlösungswerk gilt hauptsächlich den letzteren. Gleichnis vom Obstgarten, und vom unfruchtbaren Baum. Beispiele sehr verkommener Menschen. Helenas Worte barmherzigen Mitleides

Am 30. Juni 1849

1 Rede Ich: » Meine herzensallerliebste Helena, Ich bin mit allen deinen Worten überaus zufrieden, und dein Lob für die Enthüllung der wahren Führung und Bestimmung der Menschen läßt sogar in Meinem Herzen keinen ferneren Wunsch mehr übrig; denn der Wahrheit dient nur die Wahrheit zum allein größten Lobe, so wie auch Mich als Gott niemand erkennen und lieben kann, der nicht aus Mir ist!

2 Denn es gibt Menschen, die unmittelbar aus Mir hervorgegangen sind, aber daneben auch solche anderen Menschen, die mittelbar von Mir geschaffen worden sind. Die unmittelbar aus Mir hervorgegangenen sind die eigentlichen Gotteskinder, in deren Herzen denn auch die reine Gottesliebe wohnt, und aus ihr heraus die wahre Erkenntnis Gottes; die mittelbar Geschaffenen aber sind Kinder der Welt, gezeugt vom Satan aus der Hölle! Diese letzteren sind von Mir aber auch berufen zur wahren Erkenntnis, und zur wahren reinen Liebe; denn ihretwegen habe Ich hauptsächlich das Werk der großen Erlösung vollbracht. Eben dieser Menschen willen aber geschieht nun auch solches in der Welt, und wird hier in Meinen Himmeln beraten; und da meine denn Ich, daß in deinem Lobe denn doch noch etwas hätte angeführt werden können, das gewisserart einen Ausnahmezustand vorstellete, bei dem Meine früher von Mir Selbst im Allgemeinen gezeigte Erschaffungsweise und Führungsweise der Menschen einige nicht unbedeutende Veränderungen notwendig nach sich ziehen muß.

3 Ich werde dir nun so einige Fälle vorstellen, und du wirst dann darüber urteilen. Und so höre:

4 Der Besitzer eines Gartens hat im selben eine Menge große und kleine, edle und unedle Fruchtbäume gesetzt; alle bekamen ein gleich gutes Erdreich, und womöglich die unedlen nahe noch ein besseres als die edlen. Alle wurden mit großem Fleiße gepflegt, und es zeigte sich, daß manche unedlen viel üppiger wuchsen als die edlen. Ein solcher Wildling fiel wegen seiner Üppigkeit besonders auf, so daß der Gärtner ihm seine volle Hauptaufmerksamkeit zu schenken anfing; er pflegte und pflegte ihn, und erwies ihm alle Liebe; aber es verstrich ein Jahr ums andere; während alle anderen Bäume Früchte brachten nach ihrer Art, blieb dieser stumm, und brachte nichts als Blätter zum Vorscheine. Da ward der Gärtner als Herr des Gartens denn endlich doch mit vollstem Rechte unwillig über diesen schalen Baum, und sprach zu seinen Knechten: Ihr wisset es, wie sehr ich diesen Wildling gepflegt habe, viele Jahre (hindurch), und er hat mir keine Früchte noch gezeigt, noch gebracht, daher grabet ihn von der Wurzel aus, zerhauet ihn in Stücke, und werfet ihn in's Feuer! Denn mich ärgert nun gewaltigst dieser schale Baum! An seine Stelle aber setzet mir eine Weide, zum Zeugnis, daß an dieser Stelle ein unfruchtbarer Baum jahrelang meine Liebe und Geduld gemißbrauchet hat! Da sagen die Knechte: Herr! lasse ihn noch ein Jahr; wir werden ihm einen Hauptast nehmen, und werden ihm eine andere Erde geben; wird er aber auch dann keine Früchte bringen, so solle ihm geschehen nach deinen Worten! Der Herr des Gartens belobt darob die Geduld der Gärtnerknechte, und läßt sie tun nach ihrer guten Meinung. Es geschieht nun alles, wie es die Knechte sagten; aber nach einem Jahre, und nach zwei Jahren, und endlich sogar nach drei Jahren bringt der Baum noch immer keine Frucht, er setzt wohl Blüten an, daß man im Frühjahre meinen solle, der Baum werde endlich denn doch einmal mit seiner Frucht des Gärtners Mühe lohnen! Aber siehe, er bringt dennoch keine Frucht zum Vorschein!

5 Was meist du, Meine allergeliebteste Helena, was solle nun mit diesem schalen Baum geschehen? Solle Meine Androhung an ihm vollzogen werden oder nicht?! Denn ganz ernstlich gesagt, der Baum ist dem Gärtner schon längst zuwider und über die Maßen ärgerlich geworden!

6 Unter dem »Baume« aber verstehe du jene Menschen, die da sind der Welt Kinder, und von Mir alle Pflege und Wartung bekommen, aber dennoch außer den Blättern und betrügerischen Blüten keine Früchte der Liebe, der Demut und des Gehorsams bringen, indem ihr Herz und Sinn in aller Welt, im Fleische der Weiber, in der Geilheit, und im Wohlleben des Leibes vergraben ist! Also sage Mir, was du da meinest; was solle mit solchen Menschenbäumen geschehen, die da weder gute noch irgend arge Früchte zum Vorscheine bringen, sondern zwischen den guten und schlechten Fruchtbäumen eine eigene verächtliche Art Schmarotzerbäume bilden, die bloß genießen, aber nie etwas Ersprießliches tun wollen; wenn sie es auch scheinen, so ist aber doch aller Schein ein Trug, denn ihr Sinn ist, wie ihre Liebe, geile Genußsucht.« –

Am 1. Juli 1849

7 Spricht die Helena: »O Du, mein Herr und mein Gott Jesus! Das ist schon wieder eine äußerst kitzlige Frage! Es hängt auch da freilich wohl alles von dem ab, was Du mir über die Erschaffung, Führung, Bildung, und geistige Gestaltung, Ordnung und endliche Bestimmung der Menschen veroffenbaret hast; aber einen Unterschied bilden solche gar zu saumäßig dumme Menschen dennoch in sich selbst vor anderen, die nicht wegen eines ungehorsamen und eigensinnigen Willens Deine Gesetze nicht halten, sondern aus Unkenntnis nur, und aus Mangel an der erforderlichen Bildung. Wenn also aber gewisse sehr undankbare und in ihrem Herzen höchst eigenwillig zerlumpte Menschen allen Deinen Mahnungen nimmer ein williges und tätiges Gehör schenken wollen, und mit ihren saumäßigen dümmsten Handlungen Deinen heiligsten Worten nur den barsten und scheußlichsten Hohn sprechen; ja, denen das Fleisch der Weiber mehr schmecket als Dein heiliges Vaterwort, denen ein dicker und gespannter Weiberhintern lieber ist, als Dein heilig Angesicht, o Herr! ja, die einer jungen Dirne, so sie ihnen zu ihrem buhlerisch sinnlichsten Gesichte steht, eher 100 Herzen als Dir eines zukommen lassen würden, so sie hundert Herzen besäßen, die sich auch aus Deinen so manchen Züchtigungen und Mahnungen nichts daraus machen, die Du doch jedermann in Hülle und Fülle zukommen läßt! So meine ich, daß solche dümmste Sauesel, solche Kloaken-Polypenseelen wahrlich nicht mehr wert sind als (das man) eine gut geschliffene Hacke, an die Wurzel ihres wahrhaft grauslichen Saulebens (ansetzt).

8 O, solche allerannujanteste Saukerls, sehr ähnlich jenem Pathetikus dort, habe ich in Wien auf der Erde in die schwerste Menge nur zu gut kennen gelernt! Väter von äußerlicher Ehre und Ansehen, gäulen gleich jungen Böcken mit oft untern Hund herabgesunkenen gemeinsten Huren, obschon sie zu Hause ein liebes und tugendsames Weib hatten, und eine Butte voll schon oft erwachsener Kinder, denen sie doch mit einem besten Beispiele vorleuchten sollten; die dann nur zu bald in alle die schönen Schliche ihres Herrn Vaters die reinste Einsicht bekommen, um endlich, besonders die männlichen, auch nur zu bald in die würdigen Fußstapfen ihres Herrn Papa zu treten! Siehe, o Herr! solche Menschen sind zur Bringung auch der schlechtesten Frucht nicht mehr fähig, und ist auch nichts zu bessern an ihnen; denn was einmal Dreck ist, das bleibt auch Dreck, aus dem kein Gold wird; daher sollen sie abgehauen, und in's Feuer geworfen werden! Vielleicht macht das Feuer noch etwas Brauchbares aus ihnen?!«

9 Rede Ich: »Du hast vollkommen recht; also sei es auch! Denn, so Ich Selbst jemandem alle mögliche Bildung habe zukommen lassen, und habe ihm erwiesen alle Geduld, Nachsicht und Milde, und trug ihn nahe auf den Händen, er aber dann noch über einen dickgespannten Weiberhintern Meiner vergessen kann, und sein Herz und alle seine Sinne trotz allen sanften und schärferen Mahnungen in den schmutzigsten und stinkendsten Sumpf wie ein vor dir recht treffend bezeichneter Pfuhlpolyp seine Freßarme in die Kloake versenket, der ist wahrlich wohl keines bessern Loses wert. Aber siehe, wir haben eben hier mehrere solcher Möbels von Menschen, dort, jener Pathetikus ist einer, und da in dem uns gerade gegenüber stehenden Gemache stehen noch einige Dutzende. Darunter sogar einige Blutschänder, und einer, Ich sage es dir, einer, der zwei zehnjährige, eigene Zwilligstöchter in einem Jahre bei Hundert Male genotgezüchtigt hat, was den beiden sehr lieben Kindern endlich das Leben, und mit diesem ihre auf der Erde bestimmte Geistesbildung kostete; und siehe, diese argen Gäulböcke sind dennoch hier in einem freien ungerichteten Zustande. Ich frage dich nun, was denn nun für die Folge gerechnet mit diesen und solchen geschehen solle?!«

10 Spricht die Helena: »Wenn sie schon einmal hier sind, so können wir denn etwa doch noch einen Versuch machen, ob an ihnen denn doch durchaus nichts mehr zu verbessern sein solle?! Ist bei ihnen noch irgend eine Besserung möglich, so solle nichts gespart werden, sie zu bekehren; solle aber jeder Versuch für ihre Besserung an ihrem hochmütigen Stumpfsinne scheitern, da verfahre Du mit ihnen, wie mit jenem schalen Feigenbaume, der keine Frucht hatte, daß sie Dich sätttigte, als Du eines Abends müde und hungersschwach unter seine Äste tratest, die Dir nicht geben konnten, was Du gerechtester Weise von ihnen haben wolltest!« –

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