Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Jakob Lorber >

Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 96
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
Schließen

Navigation:

Kapitel 95

Des Herrn Rede über den höchstwichtigen Unterschied zwischen bloßen Menschen-Geschöpfen, und den wahren freien Menschen. Hinweise auf die Wege und Schwierigkeiten, freie Menschen ihrer herrlichen Bestimmung zuzuführen. Helenas begeisterter Dank und Zustimmung

Am 26. Juni 1849

1 Rede Ich: »Nun, nun, du meine allerliebste Helena, sieh, du hast Mir nun ja einen allerbesten Rat gegeben, und es läßt sich alles recht sehr gut anwenden und bewerkstelligen; wahrlich, dein Geschlecht kann sich mit dir große Stücke zu gute halten.

2 Nur zwei Stücke waren etwas zu bunt, und das ist, daß du auf der Erde entweder Neunzehntel der Menschen weggenommen sehen willst oder die Erde vergrößert, und daß du alles Herrschtum auf der Erde weg haben möchtest; sieh' das ist etwas (zu) hart, und auf einem naturmäßigen Wege gar nicht auszuführen, sondern allein auf dem Wege des Gerichtes. Das Gericht aber ist der eigentliche Tod eines jeden Wesens, das es ergreift!

3 Denn sieh', Ich bin allmächtig, und alles was Ich Mir nur immer denke, das muß auch sogleich geschehen, so Ich es will; so Ich nun hier vor Mir eine Million Menschen haben wollte, so wären sie auch da; sie würden sogar weise reden und handeln, und so schön wie die schönsten Seraphim aussehen; ja sie würden dich sogar mit aller Liebe umfassen, und dir dienen nach Herzenslust; und dennoch wären sie in sich selbst vollkommen tot! Denn sieh', alles, was sie täten und redeten, das täte bloß Ich, und redete auch bloß Ich; denn in ihnen wäre da kein anderes Leben, als welches Ich für die nach Meinem Wollen gerichtete Dauer haben wollte; wollte Ich aber dann diese efemeren (scheinlebigen) Menschen nicht mehr, so würden sie aber auch in einem Nu vergehen, und nicht mehr da sein!

4 Wollte Ich aber solche Menschen erhalten, und sie in ein wirkliches, dir ähnliches freies, freitätiges, und von Meiner Allmacht durchaus unabhängiges wahres Leben versetzen, da müßte Ich Meinen in diesen efemeren Menschen wirkenden Geist durch ein geeignetes Trennungsmittel von Mir ablösen, und ihn dann in diesen Menschen binden, und durch eine äußere, taugliche, materielle Umfassung gefangen nehmen, ihn sogestaltig Mir gegenüber zu einem förmlichen Objekte machen, und solchem Verhaltungsgesetze geben und Gelegenheiten und Anreizungen zukommen lassen, durch die er, in die Notwendigkeit gesetzt würde, entweder aus seiner freien, von Mir gänzlich abgelösten, Erkenntniskraft und Willenskraft nach dem gegebenen Gesetze oder auch wider dasselbe zu handeln. Das Gesetz müßte natürlich zweckmäßig und weise eingerichtet und sanktioniert sein, und zufolge der Sanktion müßte ein solcher Mensch dann, im Falle er das Gesetz nicht beachtete, noch härter und länger gefangen gehalten werden, bis er notgedrungen das Gesetz tätig annähme, und danach handelte, wonach es dann erst rätlich wäre, solch einem Menschen die äußeren Bande wieder abzunehmen, und ihn gleich dir als ein wohlgebildetes Wesen in die vollste Freiheit übergehen zu lassen, wo er dann aus sich selbst heraus ein vollkommenes, nicht mehr gerichtetes Leben hätte!

5 Aus dieser kurzen Erörterung aber kannst du nun schon ganz leicht abnehmen, daß Ich Selbst die freie Handlungsweise der in der materiellen Freiheitsgewinnungsprobe auf der Erde stehenden Menschen im vollsten Maße respektieren muß, ob sie gesetzlich gut oder auch ungesetzlich böse ist; denn ergreife Ich sie da mit Meiner Allmacht so oder so, so sind sie im Augenblicke des Ergreifens schon tot, indem sie dann aus sich heraus durchaus nichts mehr zu tun imstande sind. Will Ich sie wieder frei machen, so muß Ich Mich dann wieder von ihnen vollends trennen, und sie in der Materie gefangen machen, wo sie dann einer neuen Freiheitsgewinnungsprobe ausgesetzt werden.

6 Fällt diese nach der gestellten Ordnung (gut) aus, so können sie dann dir gleich hierher in diese Welt der Geister in ein vollkommen freiestes Leben übergehen, fällt sie aber wider die Ordnung aus, so muß die Gefangenschaft auch in der Geisterwelt so lange fortbestehen, bis solche Menschen dann mit der Weile zu jener praktischen Erkenntnis gelangen, durch die sie sich dann unbeschadet Mir ihrem Schöpfer nahen können; können sie Mich einmal lieben als einen Herrn und Bruder, so sind sie durch solche Liebe dann erst wahrhaft frei, gleich Mir, indem Ich in ihnen als ein vollkommenes zweites Ich lebendig denke, fühle, urteile und handle!

7 In solch einem für ewig dann bleibenden Zustande aber können sie dann von Mir aus unbeschadet ihrer individuellen Freiheit auch stets mehr und mehr freie Erkenntnisse und Kräfte aufnehmen, ja sogar in allem wie Ich Selbst vollkommen werden, welcher Zustand dann erst die vollendetste Seligkeit bei ihnen bedingt und ausmacht. –

8 Siehe, es ist daher bald und leicht gesagt: – Herr! tue dies und jenes! Richte die bösen Völker, richte die Könige, und richte den herrschsüchtigen Papst, vertilge alle, die eines hochmütigen und herrschgierigen Herzens sind; – tue Wunder, lasse durch eine allgemeine Pest das ganze arge Menschengesindel zugrunde richten! Denn sie sind alle zusammen böse! – Aber da muß man dann mit größerer Einsicht bedenken, daß Ich rein umsonst gearbeitet haben würde, so Ich wegen der nicht gesetzmäßigen Handlungsweise die auf die Erde gesetzten Menschen sogleich richten und töten möchte.

9 Siehe, obschon wir hauptsächlich darauf zu sehen haben, daß die werdenden Menschen auf der Erde so viel nur immer möglich die vorgezeichneten Wege wandeln, und nach den Gesetzen der ewigen Ordnung handeln, durch die natürlich am ehesten und leichtesten das freie Leben zu erreichen ist; so müssen wir aber anderseits doch auch uns der größten Geduld hingeben, und selbst die verkehrtesten Handlungen mit derselben Ruhe betrachten, als wären sie gut und gerecht! Denn die erste Hauptbedingung zur Gestaltung freier Menschen ist, daß sie in der vollen Trennung von Mir einmal ihrer selbstbewußt werden und aus sich selbst heraus zu handeln anfangen, ob gut oder schlecht, oder gesetztlich oder ungesetzlich, das muß für den Anfang eines jeden neuwerdenden Menschen völlig eins sein; wir müssen ihre aus sich selbst gemachten Einrichtungen und Erfindungen respektieren, und müssen unsern sie erhaltenden Einfluß ja so verborgen halten, als nur immer möglich; denn würden wir da laut und offenbar auftreten, so würden wir die junge und zarte Pflanzschule der Menschen mit einem Tritte zerstören, und hätten dann viel länger zu tun, das Zertretene wieder aufzurichten, und der großen Bestimmung zuzuführen, als so wir geduldig dieser ersten Entwicklung der Menschen auf der Erde nur ganz leise wirkend und helfend zusehen; denn nach dieser ersten Entwicklungsperiode haben wir dann ja noch immerhin zahllose Wege und Stege, die auf der Erde unentwickelten Menschen ihrer rechten Bestimmung zuzuführen.

10 Nur wann unter den werdenden Menschen solche entgegengesetzte Schroffheiten zu entstehen anfangen, daß dadurch die zu bezweckende und zu gewinnende absolute Lebensfreiheit in eine bedeutende Gefahr geraten könnte, da freilich müssen wir hie und da kleine, aber bloß nur äußere Schreckgerichte auftauchen lassen, als da sind Kriege, Teuerung, Hunger und Pest; aber jedes solches Strafgericht darf ja nie mehr, als (höchstens) ein Zehntel der Menschen ergreifen, weil es bei einer größeren Verschärfung nur zu leicht die Wirkung eines wirklichen tödlichen Gerichtes annähme!

11 Siehe, da habe Ich dir nun Meine Einsicht und Meinung gesagt; wie gefällt sie dir? und hast du sie vollends verstanden? Sage Mir daher du nun auch wieder die deinige über die Meinige, ob du sie für gut, echt und vollends gerecht findest? oder könnte es vielleicht auch noch anders sein?!«

12 Spricht die Helena: »O Liebe der Liebe, o Güte der Güte, o Weisheit aller Weisheit! O Gott, o Vater, o Jesus! Wer, wer und woher, und wie könnte man da noch etwas einzuwenden haben?! Oder was solle ich in meiner noch viel zu großen Weisheitsschwäche einzuwenden haben?! Denn so endlos weise, wie Du nun das Entstehen der Menschheit, und deren Entwicklung bis zur höchst freiesten Lebensstufe hinauf der vollsten und hellsten Wahrheit gemäß vor unser aller Augen gestellet hast, ist das wohl noch nie vor menschlichen Augen und Ohren geschehen!

13 Nun sehe ich es erst so recht nagelfest klar ein, was ein Mensch ist, wie er beschaffen sein muß, und wie handeln, und wie geleitet und geführet, damit er zu seiner ewigen Bestimmung gelangen möge! und da solle ich Dir, o Herr, etwa noch eine Gegenmeinung aufstellen!? Nein, das wäre denn doch zu kraßest unsinnig von mir!! Bei solcher Deiner Weisheit, Macht und Güte solle ich als ein Lerchenfelder Mistmensch auch noch eine Meinung haben?! Nein, nein, nimmermehr! Wäre zufolge Deiner unendlichen Güte so eine affronte (herausfordernde) Dummheit meines Mundes vor Dir schon gerade auch kein Verbrechen, so wäre es aber dennoch, wie gesagt, eine so horrible (schauderhafte) Dummheit, wie kaum ein aller- weiberfleischsüchtigster Menschengeilbock über seine echt allerdreckigste Zunge brächte, so ihm seine zu sehr gemißbrauchte Natur vor einer enthüllten reizendsten Dirne den gewissen Saudienst versagte! Nein, Du mein allerhöchsliebster, weisester, sanftester, geduldigster und überhimmlisch schönster und erhabenst liebenswürdigster Herr Jesus! Nun bringst Du mich sogar mit aller Allmacht zu keiner weiteren Meinungsäußerung mehr! Denn wessen Sinn für das hellste Licht dieser von Dir vor uns allen nun enthüllten Wahrheit entweder stumpf ist oder noch irgend etwas zu bemängeln hat oder haben solle, der ist nicht des Anpissens, von Seite eines allerschmutzigsten, dümmsten und schäbigsten Esels wert! Ein elendster Schuft sei der, welcher es wagete darüber noch irgend eine dümmste Bemerkung zu machen! Na, Du mein allerheißest und innigst über alles geliebtester Herr und Gott Jesus! Wenn es selbst der Petrus oder der Paulus wäre, so müßte ich in mein allergröbstes Lerchenfelder Temperament zurücksinken, und ihm zum wohlverdienten Lohne die Augen unter den schönsten Lerchenfelder Liederchen auskratzen! Aber sie sind nun alle stumm, und sehen die große Wahrheit Deiner Worte sicher noch heller ein als ich, und das ist auch sehr schön und löblich von ihnen.

14 Siehe, Du mein Herr und mein Gott, ich bin von der Heiligkeit Deiner nun ausgesprochenen Wahrheit so mächtig durchdrungen, daß ich nahe behaupten möchte: Nicht einmal Du Selbst könntest Dir hier irgend etwas auch nur zum Scheine einwenden oder irgend eine Gegenmeinung aufstellen!? Und das ist aber auch eine klarste und hellste, und von mir nie widerrufbare Meinung, in der ich ewig leben und verharren werde, Dich ganz allein über alles aus allen meinen Kräften liebend!«

 << Kapitel 95  Kapitel 97 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.