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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 95
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 94

Erklärende Rede der Helena über das siebenköpfige Ungeheuer, als ein Wesen des Antichrist; ferner worin das Übel der Menschheit steckt, und Vorschläge, wie es etwa geheilt werden kann

Am 23. Juni 1849

1 Spricht die Helena: »Ja, wenn die Sachen hier, wie auch in der ganzen Unendlichkeit also stehen, und sich verhalten, da freilich muß ich zu einem Erkenntnisergebnis schreiten, auf daß ja etwa nicht die ganze Schöpfung zu Grunde gehe!? Aber Du, mein allergeliebtester Herr Jesus! ich werde wohl alles tun, was Du nur immer von mir verlangest; denn das gebietet mir nur mein allein Dich liebendes Herz; aber ich meine, gar so enorm wird etwa das Wohl oder Wehe, oder gar das Sein und Nichtsein der Erde von meiner Dummheit nicht abhängen!? Gelt, Du mein alleinigster Liebling, ein paar Sekunden lang könntest Du etwa dennoch wohl ohne meine Erkenntnis des abscheulichen Siebenköpflers die Erde und die ganze Unendlichkeit erhalten? Gar so streng wird hier die Geschichte ja doch etwa nicht sein?!« –

2 Sage Ich: »Ja, Meine allergeliebteste Helena, bei Mir ist alles mit der genauesten Haarwaage abgewogen; da leidet es in manchem wohl gar keinen Aufschub oder was immer für einen Stillstand! Freilich wohl kann Ich die ganze Schöpfung ohne deine Erkenntnis erhalten, dafür hast du keine Sorge zu tragen; aber, wie Ich dir's schon eher bemerkt habe, es handelt sich hier nicht so sehr um eine definitive (entscheidende) Erhaltung des Alls, als vielmehr um die baldigste himmlisch vollendete Freiheit aller derer, die hier in der jüngsten Zeit von der Welt her angekommen sind; das mußt du dabei so ganz eigentlich in eine rechte Berücksichtigung ziehen, und es wird dir dann ein leichtes sein, dem nachzukommen, was Ich von dir verlange! Hast du das nun wohl verstanden?«

3 Spricht die Helena: »Ja Herr! nun bin ich im klaren, und so will ich's denn mit Deiner Hilfe denn auch versuchen, wie ich mit dem abscheulichen Siebenköpfler werde zurechte kommen können.

4 Wie ich es nun einsehe, so stellt dieses siebenköpfige Unwesen den eigentlichen Geist des Antichristen dar, und beurkundet desselben Walten innerlich in seinem eigenen Unflate! Der Wurm stellt schon einmal für sich die große Schändlichkeit vor, die aus der Herrschsucht, Habsucht, Lug- und Trugsucht hervorgeht; die sieben Köpfe sind gleich den sieben Hauptleidenschaften, aus denen die sieben Hauptsünden ihren Ursprung haben werden? Hochmut, Herrschgier, eifersüchtigster Neid, ein tödlicher Geiz, unversöhnlicher Haß, Verrat und endlich Mord! Aus diesen gehen hervor Genußsucht, Fraß, Völlerei, Unzucht, Hurerei, gänzliche Nichtachtung des Nächsten, härteste Verfolgung dessen, was frei zu atmen sich getrauen sollte, vollste Schamlosigkeit und Ehrlosigkeit, gänzliche Gewissenlosigkeit, und endlich die vollste Mißachtung und gänzliche Vergessenheit Gottes! Diese notwendigen Vorkommnisse aus den ersten sieben Hauptleidenschaften sind dann aber auch bei jedem Kopfe ganz dieselben, wie solches auch aus den zehn gleichen Spitzen zu ersehen ist, dieüber jedem Kopfe als stets die gleichen zu ersehen waren. Auf den Spitzen waren auch noch glühende Kronen ersichtlich, mit denen es (das Tier) das Blut verdampfen machte, so es zu gewaltig das Gefäß zu füllen anfing; diese glühenden Kronen scheinen mir entweder die 70 römisch-katholischen Könige zu sein nach der Sage, die mir einmal auf der Welt zu Ohren kam, daß nämlich der Papst über 70 gekrönte Herrscher gebiete!? Aber dies kommt mir zu wenig haltbar vor, weil die Zahl der Regenten nicht stets dieselbe war, und geblieben ist! Aber für mich einleuchtender scheinen mir die Glühkronen die Reife der Herrschgier, die vor Dir o Herr ein Greuel der Greuel ist, anzuzeigen, die sich nun sogar in die Herzen der Völker eingenistet hat; aber noch klarer als das alles, scheinen mir diese Kronen die sogenannte Politik anzudeuten, die da als ein artig aussehender und viel verheißender Deckmantel erscheint, auf daß da ja niemand merken solle, daß sich innerhalb desselben eine scharfe und Tod bringende Spitze verbirgt; will aber jemand den Deckmantel anrühren, so ist dieser glühend durch die Esse des Zornes im Herzen der Beherrscher der blinden Völker, daß sich gar leicht ein jeder weidlichst verbrennen muß, der es waget sich an dem Deckmantel zu vergreifen!

5 Daher meine ich, man solle die Kronen weg, dann die Spieße weg, die sieben Köpfe weg, das ganze Tier weg, seine Helfer weg, und die Tiara auch weg tun, und die Erde wird meines Erachtens dann nicht mehr durchs Blut waten müssen, um zu dem goldenen und wahren Frieden zu gelangen; auch die Menschentiergefechte dürften sogestaltig zu den nicht mehr vorkommenden Dingen zu gehören anfangen!?

6 Ich bin nun durchgehends der Meinung, und von der Erkenntnis durchdrungen, daß da auf der Erde zwei Dinge geschehen müssen, so es auf ihrem Boden je friedlich aussehen solle; entweder mußt Du, o Herr, neun Zehntel der Menschen nahe plötzlich durch Deine Würgeengel von der Erde nehmen, und den Überbliebenen bessere Leiter geben oder Du mußt die Erde ums wenigstens 9-fache vergrößern, und in einem jeden Lande einen großen Berg von gediegenem Golde erstehen lassen. Denn nur durch die ungeheure überall gleich verteilte Menge dieses Metalls, das sich aus der Hölle seinen Ursprung nimmt, wird der Wert desselben zu dem der gemeinsten Kalksteine herabsinken, dafür aber der Wert der Menschheit steigen, was denn doch endlich einmal bewerkstelliget werden solle! Denn was heißt denn das, so der Mensch, wie es jetzt stehet, durchaus keinen Wert hat, für sich und aus sich allein, sondern lediglich nur nach der Menge des Metalls, dessen er sich habhaft gemacht hat durch alle Arten, Weisen und Wege, durch die es nur immer möglich ist, sich in den möglich reichsten Besitz dieses gelben Mittels alles irdischen Lasters zu setzen!? Also entweder Verminderung der Menschen oder bedeutendste Vergrößerung des Erdbodens, nebst der ungeheuren Vermehrung des Goldes und Silbers, sonst wird es ewig nicht besser auf der Erde! – Denn die Besitzsucht und die Habsucht der Menschen muß zu einer gewaltigsten Übersättigung kommen in aller Allgemeinheit, sonst wird sie ihren Hochmut, und ihre Eigenliebe, als die Quelle des Hochmutes und der Herrschgier – nimmer fahren lassen!

7 Was nützet der Ochse (die Volkskraft) mit seiner Stärke? Was des Löwen (der Dynastie) gewaltige Tatze? Wozu dient des Panzertiers (absoluter tyrannischdespotischer Fürstendruck) rücksichtslose und unbeugsamste Schwere!? Welche Effekte zum Wohle der Menschheit werden aus der Gewalt der Schlange (geheime alles umschlingende Inquisitionspolitik)? Was vermag der mächtige freie Aar (sozialistisches Freistaatentum)? Was die im Hinterhalte lauernde Großrache der krokodilartigen Reaktion!? Am Ende treibt die notwendig hinzukommende Armut der Allgemeinheit, das armselige und schwache Ichneimon, dennoch alles auseinander, und zwar mit vollends leerem Magen; wozu war denn da ein solcher Kampf gut? Ist das Ichneimon am Ende gut, so sei es auch im Anfange?! Muß denn die Erde durchs Blut arm werden!?

8 O Herr! Du allweisester und liebevollster Schöpfer, Lenker und Erhalter des Alls! Wir geschaffenen Wesen beten und bitten wohl, und raten hier vor Dir! aber, wie ich es nun stets gleich inne werde, in einer gewissen Hinsicht vergeblich! Denn wir können da raten und beten und bitten, wie wir es nur immer wollen, so tust Du aber dennoch, was Du willst, und wie es Deine allein höchste Weisheit für gut und recht ersieht. Das ist aber eigentlich auch das vollkommen Beste bei der Sache; denn ließest Du unsere Urteile in den äußeren Naturangelegenheiten effektiv (wirksam) werden, da wohl wäre die gesamte Schöpfung im nächsten Augenblicke ihres Daseins ledig! Aber Du, o Herr, bist überall des Grundes Grund, und Deine gesamte heilige Ordnung ist bei Dir ein leichter, wenn schon für uns Geschöpfe ein gehaltschwerster Gedanke; daher meine ich nun, daß es nahe überflüssig sein dürfte, Dir noch mehr vorzuplaudern.

9 Daß jene in der letzten Erscheinung vorkommenden Wolfsmenschen jenen höchst gleisnerischen Orden darstellten, den alle Welt bereits ganz einhellig gerichtet hat, und daß eben dieser, wie auch seine ihm verwandten Orden, auf der Erde die nahe allzeitig alleinigen Stifter alles Übels waren, und nach nichts anderem so emsig trachteten, als nach der vollsten Alleinherrschaft über die ganze Erde, und aus diesem Grunde auch alle Könige nach ihrer Pfeife tanzen machen wollten, das ist wohl so klar, daß darüber jede weitere Beleuchtung ganz rein überflüssig wäre.

10 Der König, der von dem höchsten Gefühle des Herrschrechtes durchdrungen am Throne mit einer höchst gebieterischen Miene saß, scheint bloß ein sprechendes Symbol der Herrschmanie dieser gegenwärtig schlimmsten Zeit auf der Erde zu sein, wo nun ein jeder herrschen, aber niemand mehr gehorchen will, außer der Gehorsam trägt ihm große Interessen; ist dies nicht der Fall, da wird aus dem sonst gehorsamsten und untertänigsten Diener sogleich ein alle Regierungen hassender Demokrat oder ein sogenannter roter Republikaner, der die Menschheit allein durch die Vernichtung der Regenten glücklich machen will; hauptsächlich aber dabei seinen eigenen leeren Sack recht weit auftut, und die Goldfischlein in sein feines Netz zu ziehen festesten Willens ist! – Diese Herrschmanie scheint jetzt das Ärgste zu sein, und nahe der alleinige letzte Grund, der nun wie ein zweischneidiges Racheschwert alle Menschen bis zum glühendsten Hasse entzweiet!

11 Ich sehe nun durchaus keine wahre Liebe mehr unter den Menschen; keiner liebt den andern als Mensch und Bruder in Dir, o Herr, sondern pur nur als ein leidiger Interessent, kann der A vom B irgend einen Nutzen ziehen, sei es in was immer, so wird A dem B auch mit aller Freundlichkeit begegnen, und ihn sogar lieben, so B dem A wirklich zu irgend einem Vorteile verholfen hat; war aber der Herr B dazu nicht imstande, so wird er für den A nur zu bald ein Mensch von der größten, ja oft sogar verächtlichen Gleichgültigkeit werden, und ich möchte es dem B ja nicht raten, in einem möglichen Notfalle Hilfe zu suchen beim A, so dieser mit der Weile vermögend geworden wäre, dem verunglückten B zu helfen; denn der B ist sein Freund nicht, weil er ihn nicht unterstützet hat, auch dann nicht, so es auch erweislich wäre, daß der B ihn damals unmöglichst hatte unterstützen können! Hätte aber auch der B den A im Ernste unterstützt, so daß A nachher zu großen Vorteilen gelanget wäre; käme aber dann B in eine Verlegenheit, und suchete beim A ein Hilfe, so wird der vorteilsüchtige A sicher unter höflichen Entschuldigungen sich nach Möglichkeit zurückziehen, und sorglichst trachen des lästigen B los zu werden! Siehe, Herr, so kenne ich die Menschen, und so sind sie zum größten Teile.

12 Wie aber sind sie besser zu machen? Das ist eine Frage, die nur Du allein, und sonst ewig kein geschaffener Engel effektiv beantworten kann; da können wir raten, bis alle Sonnen möchten ausgebrannt sein, und der Erde und ihren blinden Menschen wäre dabei doch nichts geholfen; so aber Du nach Deiner geheimen endlos mächtigen, gütigsten und liebevollsten Weisheit nur ein Wörtlein sprichst, so wird gesund die ganze Erde, wie einst des römischen Hauptmanns Knecht, für den sein Gebieter bei Dir um die Heilung bat! O Du mein süßester, gütigster, allerliebenswürdigster Herr und Gott Jesus, sei, sei doch so barmherzig, und reinige die arme Erde von allem was Teufel heißt, und teuflisch ist für ewig! Dein Wille geschehe!«

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