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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 94
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 93

Robert gibt erklärende Hinweise über die Bedeutung des vorher geschauten Kampfbildes der sechs Tiere, und über das erste Bild vom Hochmut und der Eigenliebe dem Haß, und vom Wesen der reinen Liebe. Die Eigenliebe, der Hochmut und die Herrschsucht erzeugen den Krieg. Die älteste Prophezeihung über die drei Frauen: Eva, Maria und Helena. Des Herrn Wort dazu

Am 21. Juni 1849

1 Auf diese Meine Aufforderung erhebt sich Robert, und spricht: »O Herr, Du Liebe der Liebe, Du Freund der Elenden, Du Weisester unter den Weisesten aus Dir! Es ist die ganze Sache in ihrer Erscheinlichkeit zwar schon ohnehin so klar dargestellt, daß nun daran wenig mehr zu erläutern sein wird; aber indem die allerliebste Helena im Fache der Entsprechungen sich noch nicht jenen notwendigen Grad hat aneignen können, durch den ihr solche Erscheinungen in dem was sie vorstellen, beschaulich verständlich sein möchten, so ist es freilich wohl nötig, ihr diese Sache etwas klarer zu machen!

2 Und so sehe denn, du allerliebste Schwester Helena: – das alles, was du nun gesehen hast, stellt im allgemeinen den Hochmut dar, welcher ist ein Geist aus dem Geiste der durch sich selbst bedungenen Verworfenheit. Vor dem Fenster dort siehst du kämpfen, und den harten Kampf durchwehte gegenseitiger Verrat; siehe, das ist alles ein Werk des Hochmutes, dessen Geburtsstätte die Selbstliebe ist; wie aber die reine Gottesliebe und Nächstenliebe der Grund alles Heils und aller Glückseligkeit ist, und aller Eintracht und Einigkeit; ebenso ist die Eigenliebe ein Haß alles dessen, was ihr naht, und somit der Grund aller Verfolgung, Verachtung dessen, das sich irgend dieser bösen Eigenschaft eines verworfenen Lebens entgegenstellen will.

3 Die reine Liebe gibt alles, was sie hat, und dennoch kann sie ewig nicht ärmer werden, sondern nur reicher und mächtiger; denn so sie gibt, da empfängt sie tausendfach wieder von Tausenden, was sie gegeben hat; die Eigenliebe aber verliert stets im tausendfachen Maße, was sie nimmt, stiehlt und raubt; denn da sie in sich keine Kraft und Macht hat, so muß sie, wenn heimlich darauf auch fluchend, andere Kräfte durch allerlei sich selbst verarmende Mittel zu Hilfe nehmen, durch die sie auf der Welt wohl eine Zeitlang sich in einem gewissen Scheinglanze in einer gleichen Scheingröße erhält; weil aber solch eine Glanzerhaltung und Größenerhaltung mit der Zeit stets mehr und mehr kostet, so verarmt sie endlich ganz und gar, wo sie sich dann wie ein hungriger Wurm eine Zeitlang krümmt, bäumt und windet; aber es nützt ihr das wenig mehr, außer zur Beförderung ihres vollen Unterganges!

4 Wer führt sonach Krieg? Siehe! die Eigenliebe, als die Mutter des Hochmutes und der Herrschsucht; und wer setzt sich ihr entgegen und bekämpfet und besiegt sie? Siehe, die rechte Macht der reinen Liebe, die da ist eine Gerechtigkeit, und ein rechtes Gericht aus Gott! – Wohl bietet die Eigenliebe des Feindes alle erdenklichen Mittel auf, um sich zu erhalten und Rache zu nehmen an der Gerechtigkeit Gottes; aber das nützet ihr nichts, weil sie sich dadurch gewaltigst schwächt an allen Enden und Punkten; während in gleichem Kampfe die reine Liebe nur mächtiger und mächtiger wird nach jedem Schlage! –

5 Die Erscheinung mit der umgestürzten Tiara, die aus einer Sumpfpflanze entsteht, zeigte klar, wessen Grundes alle irdische Herrlichkeit ist; und daß du sie verkehrt am Ende auf einem Dreifuße rasten sahst, stellte das klare Verhältnis dar, in welchem sich alle irdische Macht, Pracht, Glanzgröße und Herrschgröße gegen das Rein-Himmlische befindet; der Dreifuß aber stellt die schwachen Stützen dar, auf denen alles das beruhet, nämlich auf der Eigenliebe, welche ist der Reif des Dreifußes; die Füße aber sind Falschheit, List und Trug. In der Tiara sahst du Blut und schändliches Gewürm; das Blut und das kleinere Gewürm ist dir erklärt worden; nur das siebenköpfige Tier, das dir der Herr durch die weitere Erscheinlichkeit näher enthüllet hat, ist dir noch etwas dunkel geblieben; du darfst aber nur nach dem dir bereits gezeigten Maße kalkulierend vorgehen, das heißt: nach dem Maße der Entsprechungen, so wirst du gar leicht zur vollwahrsten beschaulichen Erkenntnis dessen gelangen, was dies Bild besaget!? – Versuche es nur, wir alle werden dir darin helfen.

6 Und hast du das entziffert, so wird auch der Herr das Seinige tun! Ja, ich sage es dir, wie ich es sehe, es hängt nun von dem ab, wie du in deiner großen Liebe die Sache erfassen wirst; denn wie du, und wie wir – mit dir übereinstimmend – die Sache erkennen werden, also will, und wird der Herr handeln! Daher mache nun deine Sache nur recht gut; denn es hängt nun das Heil der Welt an deiner Erkenntnis, und an deiner Zunge!« – –

7 Die Helena erstaunt sehr darüber, als ihr Robert das kund gibt, daß nun das Heil der Welt von ihrem Erkenntnisvermögen über das siebenköpfige Tier abhänge!? Sie wendet sich daher sogleich wieder an Mich, und fragt sagend: »O Herr, Du meine alleinige himmlischsüßeste Liebe! Sollte denn das wohl wahr sein, was der weise Robert mir soeben eröffnet hat?!«

8 Sage Ich: »Allerdings! Siehe, in irgend einer ältesten Prophezeihung, die sich in den Händen der Inder als den ältesten Völkern der Erde befindet, heißt es ja »Siehe, du sündiges Menschengeschlecht! Ein Weib war es, das die Welt ins Verderben stürzte! Und wieder wird es dereinst geben ein Weib, aus dem der Welt eine große Gnade wird gegeben werden; und am Ende wird es wieder geben ein Weib, durch das die Welt solle gerichtet werden; aber es wird bei dem Weibe stehen, und abhängen von seinem Erkenntnisvermögen – ob zum Leben, oder ob zum Tode!« – Und sieh! du bist wie zufällig gerade dasjenige Weib, von dem diese nun angeführte urälteste Offenbarung spricht! Daher mache deine Sachen nun gut, sonst wird es der Erde schlecht ergehen.« –

9 Spricht die Helena: »Ach, ach! o Jemine, jemine! Jetzt wär ich so ein merkwürdiges Weib!? Ach nein, ach nein, das kann ja doch unmöglich sein! – Das wär' für mich auch keine Seligkeit, wohl aber eine große Pein! Daher erlasse mir o Herr dieses Erkenntnisurteil, für das ich wahrlich nicht bürgen könnte, ob es gut oder schlecht ausfiele!« –

10 Rede Ich: »Meine allerliebste Helena! Meine große Liebe zu dir kennst du bereits; aber auch das weißt du, daß bei Mir – namentlich hier im Reiche des Lebens, des Lichtes und der ewigen unverrückbaren Wahrheit – durchaus nichts mehr von dem herab gehandelt werden kann, was Ich einmal ausgesprochen habe; und daher wirst du schon das tun müssen, was Ich nun von dir verlanget habe! – Denn sieh', so Ich in Meinen Aussprüchen und Bestimmungen nachlässig wäre, welch' eine Ordnung, und welch' ein Gesicht würde ehestens die ganze Schöpfung bekommen?! – Siehe, so Ich nur einen Augenblick nachließe, alles Geschaffene in Meiner endlos großen Idee unverrückt fest zu halten, so ginge alles aus den Fugen, und alle Gestaltung und Formen würden zu wolkenähnlichen höchst veränderlichen und nur zu bald vergänglichen Zerrbildern werden! Aber, weil Ich eben über alle deine jetzt noch zarten Begriffe im höchsten Grade unwandelbar bin, so bleiben alle geschaffenen Dinge und Wesen durch die ganze ewige Unendlichkeit auch stets das, als für was und wie sie einmal geformt worden sind. ° Wäre es dir recht, so ich in Mir deine nun so schöne Form änderte, und Mir an Stelle deiner herrlichen Form z.B. eine Kuh dächte, wodurch du aber auch sogleich in eine Kuhgestalt verwandelt würdest? – Wie es aber dir erginge, so auch erginge es der ganzen Unendlichkeit, so Ich in Meiner alles gestaltenden und erhaltenden Idee und alles bestimmenden und leitenden Ordnung nur einen Augenblick nachlässig würde!

11 Ich habe es aber nun, wie auch schon vor gar langen Zeiten also für diese Zeit bestimmt, und habe dich auserwählet; daher mußt du aus purster Liebe zu Mir denn auch das tun, was Ich von dir verlange; dadurch wirst du dann erst vollends selbstständig frei in aller deiner Lebenssphäre dich gestalten, und in der Folge wie aus dir selbst hervorgehend von aller fremder Einwirkung ledig und unabhängig dastehen können!

12 Denn das alles, was Ich hier von euch verlange, geschieht nicht so sehr der materiellen Welt, die ohnehin im Gerichte steht, als vielmehr euretwegen, damit ihr alle wahrhaftig frei werdet, und fähig zum Genusse der höchsten Wonne und Seligkeit. Wohl auch hängt in allem alles Weltgetriebe von hier ab, indem hier der Kern und die Wurzel alles Werdens und Seins sich befindet; aber darum arbeiten wir hier dennoch nicht für die Welt, sondern für die Himmel!

13 Und so denn fange du Meine liebste Helena nun nur an, mit dem, was dir der Bruder Robert gesagt hat!« –

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