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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 93
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 92

Fortsetzung der sinnbildlichen Erscheinungen, welche die Helena erschaut. Kampf der sechs Tiere, die nach und nach auftreten, wie da sind: der Ochse, der Löwe, die Riesenschlange, der Riesenaar, dann das Krokodil, und das Ichneimon. Dessen Wirkung auf die Wolfs-Menschen und den König

Am 18. Juni 1849

1 Spricht die Helena nach einer kurzen Pause weiter: »Hm, hm, s' ist aber doch sonderbar! Diese sonderbaren Wesen mehren sich wie der Sand des Meeres um den Thron, und kaum können des Königs erste Diener sich durch die starken Massen hindurch arbeiten! Ich sehe, daß sie von den Wolfsmenschen zuvor unterwiesen und sogar bestochen werden, um ihnen nur den König gehörig bearbeiten zu helfen! Es wird nun auch sehr finster um den Thron, so daß man nur noch mit Mühe etwas ausnehmen kann! und diese starke Dunkelheit scheint ganz allein von diesen Wolfsmenschen auszugehen; aber ihre Augen leuchten dennoch stark, und wohin sie ihre Blicke wenden, da werden die Gegenstände erleuchtet, in soweit aber nur, als es diese sonderbaren Wesen wahrscheinlich zu ihrer eigenen Instruktion (Unterrichtung) benötigen! 2 Aber nun sehe ich im Hintergrunde ein gar sonderbares Wesen, es sieht einem »Ochsen« gleich, und ein anderes, einem »Löwen« ähnlich, taucht soeben hinter dem Ochsen auf und will den Ochsen verschlingen; aber hinter dem Löwen taucht soeben wieder ein anderes Wesen auf, das da einem »Rhinozeros« ähnlich sieht, und da es ganz gewaltig gepanzert ist, so bemüht es sich nun, den Löwen samt dem starken Ochsen zu erdrücken; der Löwe, der früher den Ochsen zu verschlingen drohte, macht nun freundliche Gemeindschaft mit demselben, und bemüht sich, des Nashorns sich zu entledigen! Ach, ach, das sind doch sonderbare Erscheinungen; und siehe, siehe nun kommt schon ein viertes Wesen hinzu, und o weh, o weh! das ist ja eine ungeheure »Riesenschlange!« Diese umschlingt nun die drei kämpfenden Wesen, und fängt nun an sie ganz erbärmlich zusammenzudrücken! Ochse, Löwe und Rhinozeros strengen alle ihre Kräfte an, um sich der mächtigen Schlange zu entledigen; aber ihre Mühe scheint eine vergebliche zu sein; trotz ihrer großen Mühe und Anstrengung zieht die Schlange ihre Ringe immer enger zusammen, und aus dem Gebrülle entnehme ich, wie eng es nun den dreien gehen mag! – Aber merkwürdig ist es, daß diese Wolfsmenschen darüber ganz freundliche Miene machen, und an diesem Kampfe ein großes Wohlgefallen zu haben scheinen!?

3 Aber, ach, ach, ach! nun kommt schon wieder ein neues Tier hinzu! Es ist ein ungeheurer »Riesenaar!« Dieser stürzet sich nun auf diesen vierer Tierknäuel herab, packt ihn mit seinen übermächtigen Krallen, breitet nun seine großen Flügel aus, und hebt den ganzen Knäuel in die Höhe. Die Schlange, deren geringelter Leib zum größten Teile von den Machtkrallen des Riesenaars durchstochen ist, will sich nun los machen; aber die Ringe sind durch des Aars Krallen so fest aneinander geheftet, daß da all ihr Mühen rein fruchtlos erscheint! Die drei früheren Tiere unterstützen nun nach Möglichkeit die Schlange; aber des Aars Krallen sind zu mächtig, und geben nicht um ein Haar breit nach, und höher und höher erhebt sich der mächtige Aar mit seiner Beute! Mehr im Hintergrunde ersehe ich nun eine Art Wüste an einem Strome, und gerade auf diese Wüste steuert der Aar mit seiner Beute zu; nun setzt er sich, seine Beute noch stets mit gleicher Kraft fest haltend, auf diese Wüste nieder, und macht nun Miene, seine Mahlzeit zu beginnen!

4 Aber da sehe ich nun einen »Aligator« rasch dem Strome entsteigen und dem fetten Knäuel zueilen; jetzt ist er schon dabei; die Schlange streckt ihm ihren Kopf mit weit geöffnetem Rachen entgegen, und der Aligator begrüßt auf gleiche Weise die Schlange, und verbeißt sich nun in ihren Unterkiefer. Der Aar will mit seiner Beute weiter fliegen; aber der Aligator hindert ihn; nun läßt der Aar alle seine Beute los, und setzt sich auf den Rücken des Aligators, und haut mit seinem Schnabel in die Augen desselben, denen er aber dennoch, wie ich's merke, keinen Schaden zufügen kann; dabei aber werden die drei ersten Tiere ihrer engen Haft los, und rennen nun auseinander, und weit von dannen.

5 Aber nun sehe ich ein Ichneimon hastig dem großen Aligator zutrippeln, der noch immer die Schlange festhält, der Aligator ersieht und verspürt nur zu geschwinde seinen ärgsten und unbesiegbarsten Feind, läßt sogleich die Schlange los, die vor Schmerz sich windend den Staub der Erde aufwühlt, und sich endlich in selben verkriecht. An der Kampfesstelle bleibt bloß der Aar, wie es scheint, mit einem sehr hungrigen Magen, das Ichneimon aber verfolgt den Aligator bis zum Wasser, und starrt da in die Wogen hinein, die der Aligator mit seinem Hineinsturz bewirkt hatte.

6 Der Aar ersieht nun das Ichneimon, erhebt sich, und will es als eine kleine Freßbeute fangen; dieses aber entwischt des Aars Appetite in eine Bodenöffnung, und der mächtige Aar fliegt nun ohne alle Beute davon, gleich wie früher die anderen Tiere ganz unverrichteter Dinge bloß mit einigen Quetschungen entflohen sind, nur die Schlange scheint am meisten gelitten zu haben, ob sie der Sand wieder heilen wird, ist eine große Frage?! Ob aber das Ichneimon irgend seine Rechnung finden wird, darum es diese feindliche Gruppe auseinander brachte, das wirst Du, o Herr, sicher am allerbesten wissen!

7 Nun sehe ich aber auch, daß die sehr zahlreichen Wolfsmenschen anfangen sehr lange, und sehr verlegene Gesichter zu bekommen! Ja, man kann es aus ihren Bewegungen leicht entnehmen, daß Kampfknotens durchaus nicht zufrieden sind! O das ist schon recht und gut; denn diese selbst überbestialischen Menschen sind mir noch viel zuwiderer als die früheren reinen Tiere in ihrem Naturkampfe, denn dieser ist begreiflich; aber diese Bestialmenschen sind mir unbegreiflich, und zugleich auch nahe vollkommen unerträglich. –

8 Der König auf seinem Throne bekommt nun auch Zuckungen, als ob er an einer Nervenschwäche litte! – Die Sache scheint ihm auch nicht zusammenzugehen!? Ja, ja! es wird nun wohl manchem Könige auf der Erde (manches) nicht zusammengehen; aber was will, was kann er machen? Hat er noch irgend eine Macht, so wird er mit ihr sicher das Äußerste wagen, um sich durch sie auf seinem Throne zu erhalten; hat er aber keine, so wird er sicher auch eher gehen, als er sich mit seinem Volke einen wird, durch Sanftmut, Liebe und Geduld! Der sich aber behaupten wird, dem wird es wahrscheinlich so gehen wie dem Aar, daß er nämlich eine sehr bedeutende Erleichterung in seinem Magen wahrzunehmen wird anfangen! – Denn das Geld werden seine Soldaten verbrauchen, und seine Untertanen werden am Ende nur mit ihrem Leben ihre Steuern ihm entrichten können!

9 O Herr! siehe, die ganze Erscheinung fängt nun an zu schwinden, und ich muß es Dir offenherzig bekennen, daß mir durch sie jenes rätselhafte Tier mit den sieben Köpfen noch nicht klar werden will; so es denn doch Dein heiligster Wille wäre, da könntest mir Du davon wohl eine kleine Enthüllung machen!«

10 Rede Ich: »Höre du Meine Geliebteste, nicht Ich sondern – da alle diese, unsere Tischgäste und Ratsgäste, die die Erscheinung von Zug zu Zug mit angesehen haben, so werden wir darob gerade den Robert ansprechen, und ihn vernehmen; warum sollen denn gerade wir beide allein alles besprechen? Die anderen haben ja auch einen Mund und eine gute Zunge! Also sollen sie auch etwas von sich geben!

11 Und so denn erläutere du Robert der lieben Helena das, was sie noch nicht begriffen zu haben vorgibt! Und so denn rede du, Mein Robert!« –

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