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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 88
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 87

Das große Mahl im Himmel zum Wohle der Erdmenschen. Himmlische Szene zwischen dem Herrn und Helena, und zwischen dieser und Adam. Helena erhält ein himmlisches Brautgewand und eine Krone

1 Alle Gäste erheben sich auf diese Meine Rede ehrerbietigst, und sprechen: »O heilig, heilig, heilig bist Du, unser alleiniger Gott, Herr und Vater! Allerhöchst gepriesen sei ewig Dein allerheiligster Name!«

2 Die Helena fängt vor lauter Rührung zu weinen und zu schluchzen an, und sagt: »O Du Mein Jesus! wie bin denn ich wert hier neben Dir zu sitzen!? Du bist der Lebendige, Ewige, Wahreste, Allmächtige, Gott und Schöpfer Himmels und der Erde, und ich bin ein allernichtigstes und schmutzigstes Küchenmensch voll Unflat und Sünden! – O, o, ohhh! nein, nein! das kann ja doch nicht gehen! O Herr! nun erkenne ich es erst so recht in der tiefsten Tiefe Meines Lebens, daß ich eine ganz abscheuliche Sünderin bin, und bin gar zu unwürdig, so ganz fest bei Dir zu sitzen; daher lasse mich zu jenen Tänzerinnen hingehen, mit denen ich doch etwas mehr Ähnlichkeit habe, als hier mit Deiner zu unendlichen Heiligkeit!«

3 Rede Ich: »Oh, oh, schau, schau, was du nicht alles möchtest! Wenn du Mir zuwider wärst, da hätte Ich schon lange irgendwo ein passendes Plätzchen für dich gefunden; aber da du Mir nicht zuwider, sondern nun nur gar überaus lieb bist, so habe Ich dich denn auch viel lieber recht fest bei Mir, als irgend wo anders. Meinst du denn, Ich bilde Mir auf Meine Herrgottschaft etwas ein?! O, wenn du das meintest, da wärest du in einer großen Irre; schau, so Ich Mir auf Meine ewig notwendige Herrgottschaft 'was eingebildet hätte, da hätte Ich Mich doch sicher nicht kreuzigen lassen, und wäre auch nie ein Mensch geworden! Aber weil Ich Mir darauf gar nichts einbilde, und von ganzem Herzen sanftmütig und demütig bin, und nun mit euch allen gleichweg ein Mensch bin, so kannst du es schon wagen, bei Mir zu verbleiben! Du wirst dich überzeugen, daß Ich dich durchaus nicht beißen werde; und so bleibe Du nur schön bei Mir da, und esse und trinke nach deiner Herzenslust, Ich sage es dir, wir werden uns schon recht gut vertragen.«

4 Nach diesen Worten ist es bei der Helena völlig aus vor lauter Lieb', und sie wird eben durch solche ihre große Liebe zu Mir aber schon ganz unbeschreiblich schön, so daß sogar der Adam neben ihr die Bemerkung macht, und sagt: »Wahrlich eine wahre Eva vor dem Falle! Nach dem Falle aber lebten auf meiner Höhe nur zwei, eine Gemelah, und eine Priesterin Purista; diesen beiden sieht diese unsere jüngste Tochter wahrlich sehr ähnlich! O die hat einen herrlichen Geist! Helena, du mußt dich schon mit mir auch ein wenig abgeben; denn sieh, der Gestalt und der Seele nach bin ich gewisserart ja auch dein Vater, und du darfst dich daher nicht im geringsten scheuen vor mir; denn auch ich liebe alle meine Kinder gar überaus sehr, und somit auch dich! Also darum, daß ich der Urmensch Adam, und ein Vater aller sterblichen Menschen bin, hast du dich gar nicht zu scheuen vor mir; dem Geiste nach aber vor dem Herrn – da sind wir beide gleich und haben uns gegenseitig vor einander noch weniger zu scheuen! Sei daher nur recht mutig, meine allerliebste Tochter, und habe gar keine Scheue vor jemanden, und wäre er noch um 10 Male mehr Adam als ich; denn Mensch bleibt Mensch, ob er nun 10.000 Jahre früher oder später seine Wanderung durch's Fleisch gemacht hat! Siehst du, so, so ist es!«

5 Spricht die Helena: »Na, na, ach das freut mich aber jetzt schon ganz besonders, daß mir der Vater Adam auch einmal die unverdiente Ehre angetan hat, mit mir ein paar Wörtlein zu sprechen! Na, für so gut und sanftmütig habe ich den Herr Vater Adam nicht gehalten. Aber wann der Herr Vater Adam einmal eine Zeit haben, da erzählen's mir etwas von den alten Zeiten, wie es etwa da zugegangen ist?! – Denn von solchen Geschichten bin ich eine große Liebhaberin!«

6 Spricht Adam: »O, mein Kind, nicht nur erzählen, sondern auch zeigen werde ich dir tausend und tausend Dinge!« – –

Am 5. Juni 1849

7 Rede Ich: »Helena! aber du vergißt ja ganz das Essen und Trinken! Sieh, alle essen und trinken auf ein rechtes Wohl ihrer leidenden Brüder auf der Erde, und du hast noch nicht einmal mit einem Finger weder das Brot noch den Wein berührt; liegt dir denn das Wohl unserer Freunde und Brüder nicht auch eben so am Herzen, als wie den anderen hier?!«

8 Spricht die Helena: »O Du mein allersüßester, allerliebevollster Gott und Heiland Jesus! Du weißt es ja, wer – wie ich – Dich über alles liebt, und in Dich, wie ich, bis in seine innerste Lebensfiber verliebt ist, der hat weder Hunger noch Durst; denn Du Selbst bist ihm das allernährendste Brot des Lebens, und der allerstärkendste Trank zur reinigendsten Erquickung der Seele und des Geistes! O sieh, so ich auch dies Brot äße, und diesen Wein tränke in Ewigkeit, hätte aber dabei dennoch Deine Liebe nicht vollkommen, in der allein alle Kraft des Lebens verborgen ist, so würde ich dadurch weder mir, und noch weniger jemand andern helfen können; denn weder dies Brot, noch dieser Wein, wenn in sich auch noch so geistig, kann helfen, sondern allein Du, o mein liebster Herr Jesus! und so meine ich, daß Du, mein allergeliebtester Herr Jesus, mir das nun ja doch nicht als einen Fehler anrechnen wirst, weil ich bis jetzt noch nicht gegessen noch getrunken habe?! Aber ich will jetzt schon sogleich das Versäumte einholen, und will, aber nur aus der pursten Liebe zu Dir, sogleich essen und trinken! Aber nur sei Du mir darob ja nicht gram!«

9 Rede Ich: »O du Meine liebste Helena! sorge du dich um etwas anderes! Ich werde je dir gram sein!? was fällt dir da ein? Siehe, Ich wußte es wohl, daß du aus purster Liebe zu Mir weder essen noch trinken konntest; daher stellte Ich auch nicht darum die vorigen Frageworte an dich; sondern bloß darum, damit du vor dieser Gesellschaft also reden sollest, wie du nun geredet hast. – Da du aber nun also vollkommen nach Meinem Sinne geredet hast, so sollest du dafür denn auch sogleich mit einem hellpurpurnen Kleide, und mit einer Krone angetan werden! Denn nun bist du Mir eine allerlieblichste Braut geworden, die mit dem Kleide der reinen und wahren Liebe bekleidet sein solle für ewig! – Bruder Robert, gehe nun nur wieder hin, öffne den goldenen Schrank, dort wirst du schon das rechte Kleid für diese Meine Herzensbraut finden! Bringe es her, auf daß Ich Selbst es ihr antun werde!«

10 Robert eilt voll Freuden schnell zum besagten Schranke, öffnet ihn, und nimmt ein so über alle Maßen strahlend herrlichstes Kleid heraus, daß es ihn selbst auf das weidlichste frappiert; denn so was überhimmlisch strahlend Herrliches haben seine Augen auch noch nie gesehen! – Als die Tänzerinnen dies Kleid ersehen, machen sie einen Schrei der höchsten Verwunderung, und können sich kaum satt sehen an dem wie die schönste Morgenröte strahlenden Kleide!

11 Ja sogar den Pathetikus, der sich mit seiner zahlreichen Gesellschaft in einem entferntesten Winkel dieses Gemaches befindet, lockt der wunderherrliche Glanz des Kleides herbei, und nötigt ihn, den Robert zu fragen: »Für wen denn dies Kaiserkleid bestimmt sei?« – Robert erwidert ihm ganz gelassen: »Für jene Lerchenfelderin dort.« Worauf sich der Pathetikus ganz ärgerlich verwundert, und darauf die Bemerkung macht: »No, die versteht es aus der Kunst auch den weisesten Helden des Himmels die Köpfe zu verdrehen! No, no, es ist recht, wenn sie das kann; es wird das ihr allein sicher am besten zu statten kommen! Aber sag' mir, Freund Blum, wie kann sich denn jener Weiseste der Weisesten mit jener maulschwertschneidigen Lerchenfelderin gar so damisch abgeben, und sie nun sogar zu einer wahren Himmelskönigin machen?«

12 Spricht Robert: »Freund! darüber frage du Ihn, Er wird es dir schon sagen! Ich bin noch in die Geheimnisse aller Himmel zu wenig eingeweiht! Er ist allein der Herr und kann tun, was Er will; Er will es nun also, und so muß es auch also geschehen! Nun weißt du genug. Ich aber muß gehen; denn Er ruft mich schon mit den Augen!«

13 Robert eilt nun schnell zum großen Ratstische mit dem Strahlenkleide hin, und übergibt es Mir; Ich aber gebe es der Helena, die es vor lauter Dank, Liebe und Ehrfurcht zu und vor Mir kaum anzurühren getraut, und sich auch weigert es anzuziehen, weil sie sich solch' einer zu himmlisch schönen Bekleidung viel zu unwert fühle!«

14 Ich aber sage zu ihr: »Meine allerliebste Helena, das weißt du nun ja schon recht gut, daß bei Mir kein Weigern etwas hilft und nützt!? Denn was Ich einmal will, das muß ja geschehen, und wenn schon darob die ganze Schöpfung zu Grunde ginge! Was hier freilich noch nicht der Fall sein wird; und dann ist Mir, als dem Schöpfer aller der endlosesten Pracht und Herrlichkeit aller Himmel und Welten, eine schöne und wohlgeschmückte Braut ja auch lieber, als eine häßliche; denn sieh, bei Mir muß alles in ein übereinstimmendes Verhältnis gebracht werden; bei dem das Inwendige vollends geläutert ist, bei dem muß auch das Äußere also gestaltet sein, daß es mit dem Inwendigen in der schönsten Korrespondenz stehet; und dies Kleid entspricht nun vollkommen deinem Inwendigen; daher mußt du es nun auch unverzüglich anziehen!«

15 Als die Helena solches vernimmt, spricht sie: »O Du mein allerliebster Herr und Gott Jesus! Du siehst es, daß mein Herz nur an Dir, nie aber an einem Kleide, und wäre es noch tausend Male strahlender wie dieses dahier, hängt; denn so ich nur Dich habe, frage ich nicht um alle Himmel und um alle ihre Pracht, die mir ohne Dich nur zu einem Ekel würden! Aber weil Du es also willst, und es Dir eine Freude macht, so will ich dies Kleid ja gleichwohl anziehen, und mein Herz soll Dir mit der allerheißesten Liebe dafür ewig danken! Dein heiliger Wille geschehe! – O Du mein heiligster, liebster, und süßestbester und schönster Jesus Du! Du allein bist ganz mein Herz, mein Leben, meine Seligkeit und mein alles!«

16 Nach solchen schönsten Worten aus ihrem Herzen ergreift Helena das Kleid; und wie sie es nur anrührt, da ist sie damit aber auch schon angetan, worüber sie schon wieder über die Maßen zu erstaunen anfängt, und dabei sagt: »Aber um Deines heiligsten Namens willen! wie ist denn das zugegangen?! Ich habe ja das Kleid erst kaum angerührt, und siehe, es liegt schon an meinem Leibe, und so herrlich, als so es mir noch so genau abgemessen worden wäre! Oh, oh, wie herrlich steht es mir doch; o Jesus, o Jesus, o Du mein honigsüßester Jesus! Na, Du könntest einen aber g'rad närrisch machen vor lauter Seligkeit. Na, na, aber wie ich aber jetzt wirklich schön aussehe, das ist ja doch aller Welt ungleich! Es war wohl 's frühere Faltenkleid auch sehr schön; aber gegen diesem war es doch gleich fast wie nichts!

17 Aber was werde ich denn nun tun müssen, um Dir mein honigsüßester, liebster, bester und schönster Herr Jesus mich doch mehr als bis jetzt dankbarst zu erweisen?! – O, ich bitte Dich, gebe mir doch eine Aufgabe!«

18 Rede Ich: »Meine liebste Helena! Du hast deine Aufgabe schon gelöst; denn Größeres, als Mich gleich dir über alle Maßen zu lieben, kann Mir gegenüber wohl selbst der höchste Erzengel nicht! Daher bleibe du nur stets bei diesem Mir allein allerliebsten Geschäfte, und frage nach keinem andern; denn da ist jedes geringer um sehr vieles denn das! – Das aber sage Ich dir, du mein wahres Herzensliebchen: wer Mich liebt, wie du, der trägt Größeres in sich, als was da alle Himmel fassen; denn da bin Ich in seinem Herzen ganz! In Mir aber glühen und keimen schon zahlose neue Himmel, die einst auch hinaustreten werden in eine neue Unendlichkeit! –

19 Aber nun nichts mehr weiter davon, sondern, du Meine liebste Helena, gebe Mir nun einen rechten Kuß, und wir werden dann bei verschiedenen Erscheinungen unsere Beratungen fortsetzen.« –

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