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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 86
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 85

Des Herrn Einwände gegen Helenas Vorschläge zur Verbesserung der Verhältnisse auf der Erde. Gleichnis von den Kolonisten in einem neuen unbekannten Land. Einblicke ins Innere der Völker

Am 1. Juni 1849

1 Rede Ich: »Meine liebste Helena! du hast nach deinen Anschauungen und Erfahrungen und daraus abgezogenen Erkenntnissen die Sache wahrlich recht gut und folgerichtig vorgetragen, und dein Wunsch kann an und für sich selbst nur als ein sehr lobenswerter bezeichnet werden, und es wird so manches geschehen hie und da, wie Du es wünschest; aber im Ganzen gingst du denn doch offenbar ein wenig zu weit. Ich sehe es wohl, und das leider nur zu genau, wie so manche Regenten, von denen einige schon gegangen sind, wohl zu allem eher taugeten, als zu Regenten der Völker. Aber was läßt sich da tun?

2 Ich will dir ein Gleichnis geben, nach diesem wirst du urteilen, ob Ich das alles in den Vollzug bringen kann, wie du es wünschest?! Und so höre:

3 Einige Kolonisten haben nach langem Wandern sich endlich irgendwo auf der Erde ein Plätzchen ausgesucht, eine schöne und fruchtbare Gegend, in der Mitte einer großen Wüste; ihr erstes ist, sich eine für diese Gegend zweckmäßige Wohnung zu errichten. Es ist Holz da in Menge, wie auch eine gute Art Bausteine; schnell wird ein Plan gemacht, und die Hände sogleich an's Werk gelegt, und in kurzer Zeit steht hier eine Hütte, ganz geeignet, unsern neuen Ansiedlern vor Hitze und Kälte, wie auch vor den vielen reißenden in dieser Gegend reichlich zu Hause seienden Bestien zu schützen, so gut es nur gehen kann.

4 Einer aus der Gesellschaft aber sagt: »Liebe Freunde, die Hütte ist wohl recht gut und zweckmäßig erbauet; vor Hitze, Kälte und wilden Tieren wird sie uns wohl eine Zeitlänge schützen; aber so hier in dieser Gegend, die wir noch nicht ganz kennen, sich etwa noch ein größerer und mächtigerer Feind vorfände, frage: Wird unsere Hütte auch ihm Trotz bieten können? Wenn z.B. hier irgendwo ein wilder Volksstamm hausete, in der Nacht über unsere Hütte käme, und sie zerstörete mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln, und uns dann ergriffe und tötete?! Bedenket also wohl, ob uns die Hütte für alle Fälle Schutz geben könnte?« – Dies bedenken nun alle Ansiedler wohl, und sagen: »Du hast recht, für derlei Fälle möchte diese trotz ihrer zwei Klafter hohen steinernen Unterlage wohl zu schwach sein; daher wollen wir um die Hütte einen recht tiefen Graben, und außer (außerhalb) dem Graben noch einen wenigstens zwei Klafter hohen Wall ziehen, und die wenigen Fenster der Hütte mit den mit uns genommenen Eisenstäben vergittern, und so dürften wir, also verwahrt, von allen äußeren Feinden wohl bei weitem weniger zu fürchten haben! Auch solle die Eingangstüre so viel als möglich fest und stark hergestellt sein, damit sie ja jedem Feinde den weidlichsten Trotz bieten kann!« Dieser Vorschlag wird angenommen, und auch sogleich in's Werk gesetzt.

5 Als alles fertig da steht, da haben alle eine rechte Freude daran; aber einer, so ein Skrupelheld, macht die Bemerkung, und sagt: »Aber liebe Freunde! das Leben auf der Erde ist denn doch wohl allenthalben nahe gleich; dort in den kultivierten Ländern Europas, wo stolze Könige herrschen, und starke Armeen halten, braucht man eigentlich hauptsächlich die Zunge in den Zaum zu legen, und hat dann weiter keinen Feind mehr zu fürchten; und hat man sich einmal willig in die Gesetze gefunden, und sie zum eigenen Willen gemacht, so kann man allenthalben unter dem Schutze der Machthaber frei herum wandeln! Nur dem der Magen zu groß, und die Zunge etwas zu lang gewachsen ist, und dessen Verstand und Wille sich eigentlich gar kein Gesetz will gefallen lassen, der wird dort festgenommen, und eingekastelt, und somit seiner früheren bürgerlichen Freiheit beraubt, weil ihm (er sich) die allgemeine verfaßte Ordnung nicht will gefallen lassen; wir aber sind hier aller Machthaber und aller Gesetze ledig, und können Gottlob reden, wie uns die Zunge gewachsen ist, und können nun allen Herren der Erde den nackten Steuß zeigen; aber was nützt uns das alles nun ganz absonderlich? Wir haben nun wohl keine Steuern an jemanden mehr zu entrichten, aber dafür müssen wir den ganzen Tag hindurch fleißig arbeiten, und die Früchte, die diese Gegend wohl sehr reichlich trägt, fleißig einsammeln, und uns an ihre Natur erst angewöhnen, und wissen bei vielen noch nicht, ob und wie sie uns dienen werden. Also müssen wir uns hier im Lande der vollsten Freiheit am Ende selbst förmlich einkasteln, um vor den möglich vorkommenden Feinden gesichert zu sein. Ja zur Nachtzeit müssen wir uns ärger verbarrikadieren, als die ärgsten Staatsaufwiegler von Paris! Saget es treuherzig selbst, ob wir nun bei dieser unserer doch sicher absolutesten Freiheit auch nur um ein Haar besser daran sind, als wie der geringste Tagewerker unter der allerabsolutesten Regierung in Europa? Wir sind hier vollkommene Kommunisten; aber die heulenden wilden Bestien draußen scheinen auch von einem höchst kommunistischen Geiste beseelt zu sein! Wir haben kein Staatsgesetz mehr, außer das Gesetz unserer gegenseitigen Freundschaft; aber dafür müssen wir desto unausgesetzter arbeiten, um das Begehren unseres Magens zu befriedigen, und unsere Hände sehen nun schon aus, als wären sie mit einer Eichenrinde überzogen. Wir haben hier auch keine lästigen Beamten zu erhalten; aber dafür brauchen wir selbst desto mehr; also ist hier auch kein Pfaffe, der uns die Hölle heiß machte; aber dafür befinden wir uns hier in einem Zustande, vor dem die Hölle eben nicht gar zu viel voraus haben dürfte! Was wollen wir sonach tun, um unser diesfälliges irdisches Plageleben ein wenig zu würzen, und für die Folge erträglicher zu machen?«

6 Da zucken alle mit den Achseln, und sagen: »Wer aber hätte sich das eher gedacht! – Aber ein Übel gibt es überall; ist man des einen los, so kommt man in ein anderes! Nun aber sind wir einmal hier, und können die Sache nicht mehr ändern; daher heißt es hier tätig sein über alle maßen, und so kann es mit der Zeit denn doch auch vielleicht besser werden!« – –

7 Siehe nun du Meine liebe Helena, aus diesem Bilde kannst du nun sehr leicht urteilen, was man auf der Erde, die ein dorniger Prüfungsweg für den Geist des Menschen bleiben muß, unternehmen solle, um ihren Boden zu einem Paradiese zu gestalten!

8 Entsetze Ich alle Regenten sogleich aller ihrer Ämter, und lege Ich ihre bisherige Macht in die Hände der Völker, so werden diese dann in aller Kürze selbst herrschen; aber über wen? Ja, da wird dann ein jeder herrschen wollen, aber niemand gehorchen, außer es freuete jemanden, seinen eigenen Gesetzen zu gehorchen! So aber das Volk herrschen möchte, und gäbe sich selbst Gesetze; wer wird es denn im Falle der Not und Gefahr nötigen können, seine eigenen Gesetze zu befolgen?! –

9 Ja Ich sage es dir: Es wird am Ende wohl eine Demokratie errichtet werden, aber von einem ganz anderen Kaliber, als sich's nun die Völker der Erde vorstellen, und es wird sich dann fragen, ob sie nicht nur zu bald also au weh schreien weren, wie einst die Israeliten in der Wüste, wo sie keine Fleischtöpfe mehr an's Feurer stellen konnten!?

10 Denke sich aber aus euch allen nur ein jeder das, daß die Erde unmöglich ein Paradies sein kann, indem sie ein Prüfungsboden für jeden in das schwere Schandfleisch des Menschen gelegten Geist für alle Zeiten verbleiben muß, ohne dem kein Geist ein vollkommenes ewiges Leben erreichen könnte, so werdet ihr dann gleich um sehr vieles richtiger zu urteilen anfangen. –

11 Daß aber die Könige nun schwach, und die Völker blind geworden sind, daran ist ganz wer anders Schuld, als ihr es meinet; diesen alleinigen Hauptschuldigen werden wir aber bald kennen lernen, und werden ihn binden, und dadurch die Menschen auf der Erde von seinen Fesseln frei machen, und es wird dann schon wieder besser werden, ohne unsere Rache.

12 Ja, Meine liebste Helena, Ich sage es dir: du wirst mit Mir schon noch ganz vollkommen zufrieden sein können; denn es wird am Ende alles einen sehr rühmlichen Ausgang finden; aber nun müssen wir zuvor auf der Erde alle Geister erst so recht sich finden und zur Einsicht kommen lassen, was ihnen hauptsächlich vor allem fehlt?!

13 Sodann aber wird es ein Augenblick sein, und alles wird sich auf der Erde in einer neuen Ordnung befinden! –

14 Und nun aber trete du Mein lieber Max Olaf näher her zu Mir, und künde uns allen deine Meinung und deine Wünsche!«

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