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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 85
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 84

Anfangs sträubt sich Helena, danach verkündet sie ihre Ansicht über den Weg zum Heil der Erdenmenschheit. Keine Regel ohne Ausnahme. Wert und Grenze der Bitten

1 Spricht die Helena: »O Herr, Du schönste Lebensblume meines Herzens, Du mein Leben, Du mein Alles! Schaue in mein Dich allein über alles liebendes Herz, und Dein heiliges allsehendes Auge wird darin alles finden, was ich habe, und wie ich es meine! O Du mein süßester, angenehmster, bester, weisester, mächtigster und auch – ach! Du mein allerliebenswürdigster, und – h, – schönster Herr Jesus; schau, ich bin gar zu verliebt in Dich, und kann vor lauter Lieb' nichts reden! Aber da hinter uns sitzen und stehen ja noch eine Menge, wie der General Max Olaf, der gewisse Baron, sein Weib und seine Töchter, unter anderen die Emma, die auf der Welt ein armes Weib eines untreuen Mannes war, und mehrere ihrer Dienerschaft, auch der Stiefelputzer und die berühmte Anna-Mierl! Vielleicht könnten diese auch etwas zum besten geben? Mit mir aber tut es sich nun schon auf gar keinen Fall; denn schau Du mein Herzerl, Du mein liebster, schönster Herr Jesus, ich bin nun wirklich ordentlich schwach vor lauter Liebe zu Dir! Denke Dir's nur! ich ein armes Wiener Menschl, und sitze hier bei Dir! Der Du der alleinige ewige Herr Himmels und der Erde bist, und gleich neben mir der Adam, und die anderen Väter der Erde! Das wird etwa für eine arme Seel', wie ich eine bin, doch kein Spaß sein?! – Daher bitte ich Dich, lasse doch die andern eher reden! Vielleicht fällt mir nachher etwas so recht Gescheites ein?!«

2 Rede Ich: »Ja du Meine allerliebste Helena, das weiß Ich schon, daß du Mich nun gar überaus mächtig liebst, was Meine größte Freude ist; aber wegen diesen hinter uns sich befindenden Gäste sage Ich dir bloß das: Wer früher kommt, der mahlt auch eher! Siehe, diese werden nachher schon auch reden, o, sie sollen nicht umgangen werden! Aber eher mußt du reden, weil Du eher bei Mir warst, und weil du Mich gar so sehr liebst! Zudem hast du an dem Kampfe in Wien auch sehr teilgenommen, und bist dabei um dein irdisches Leben gekommen, was dir damals sehr unlieb war! Und so denn mußt du nun auch reden in der Sache, die dich selbst so hart mitgenommen hat! Fasse daher nur einen rechten Mut, und rede, wie dir die Zunge gewachsen ist; Ich werde daraus schon das Beste zu finden wissen.«

3 Spricht die Helena: »Auweh, auweh, o Du mein allersüßester Herr Jesus! Das ist bei Dir einmal richtig, so Du einmal etwas haben willst, so muß es geschehen, und wenn da auch Himmel und Erde dabei vergehen sollten, wie man so zu sagen pflegt! Aber schau, jetzt werd ich Dich aber doch noch erwischen; mir fällt es nun gerade ein, wie einst der Apostel Paulus, dem Du die Worte in den Mund legtest, gelehret hat, daß da kein Weib im Rate einer Gemeinde etwas reden dürfe, sondern allein die Männer! Ich bin aber ja auch ein Weib; wie solle ich hier in dieser allererhabensten Gesellschaft von lauter Männern es wagen können auch etwas zu reden!? Oh, Du hast mich nur prüfen wollen, weil Du meine Liebe zur Plauderhaftigkeit kennest; aber sieh, die Helena, die Dich gar so über alles liebt, ist nun schon ein bißchen gescheiter geworden, und sitzt nicht auf! Oh, sei Du mein Göscherl nur schön sauber still, und red' nicht viel, sonst kriegst heute, das ist hier in diesem Hause – vom Paulus Wichs!« –

4 Paulus lächelt über diese etwas humoristische Entschuldigung der Helena!

5 Ich aber sage: »Höre du, Meine liebste Helena, du meinst freilich, daß Ich dich nun nicht erwischen könnte; aber Ich habe dich eigentlich schon erwischt, und du kannst Mir nun nicht mehr auskommen, und wirst am Ende sogar nach Paulus' ausdrücklichem Gebote reden müssen; und nach Meinem Gebote, das noch über's Paulinische geht, aber schon ganz unausweichlich! Siehe, in einem Briefe an die Römer, und zwar im 16.Kapitel empfahl der Paulus die Phöbe, die der Gemeinde zu Kenchreä in allem Meinem Dienste vorgestanden ist; ebendaselbst empfiehlt er aus gleichen Gründen die Prinszilla, grüßet eine gewisse Maria, die ebenfalls viel Arbeit in Meinem Namen hatte, und ebenso die Tryphäna, die Tryphosa und seine liebe Persida, die viel mit Wort und Tat in Meinem Namen gearbeitet hatte!

6 Siehe nun du, Meine liebe Helena, solchen Weibern, hat Paulus keine Mundsperre in der Gemeinde angelegt; sondern nur solchen, die da aus einer Art Hochmut auch in der Gemeinde Sitz und Stimme haben wollten, und ohne Meinen Geist zu haben und zu begreifen, dennoch reden wollten, als wüßten sie auch, was die aus Meinem Geiste Wiedergeborenen wissen! Siehe, so aber auch ein Weib voll Meines Geistes ward, der im Manne wie im Weibe stets der eine und gleiche ist, da kann und muß sie sogar reden, was und wie es der Geist von ihr verlangt!

7 Meine Apostel waren die erste und somit vorzüglichste christliche Gemeinde in der Welt, weil sie unmittelbar von Mir Selbst gestiftet war! Als Ich am dritten Tage wieder aus dem Grabe erstand, wen wohl sandte Ich Selbst zuerst hin zu den Brüdern, ihnen zu verkünden Meine Auferstehung? Siehe, ein Weib ungefähr von deiner irdisch moralischen Beschaffenheit! Nun, wenn das nachträgliche Gebot Pauli für plauderhaftige noch ganz weltliche Weiber überall sollte in die Anwendung kommen, wie hätte sich dann eine Magdalena je unterstehen können, an Meine ersten Apostel selbst einen Apostel zu machen?!

8 Zudem habe Ich auch einmal den Sadduzäern bewiesen und gezeigt, daß im Himmelreiche alle die irdischen Unterschiede aufhören, d.h. die irdischen Geschlechtsrechte; alle sind den Engeln Gottes gleich, und genießen das eine Recht, nämlich: zu sein Gottes Kinder! – –

9 Und siehe, so steht es nun auch mit dir, du Meine allerliebste Helena! – Obschon Mir deine Bescheidenheit eine sehr große Freude macht, so wirst du aber dennoch reden müssen, und das darum, weil du mit dem Adam, der neben dir sitzt, vor Mir das ganz vollkommen gleiche Recht zu reden hast! und so mache dich nur darüber (an’s Reden)!«

10 Spricht die Helena: »Ei, ei, ei! nein! das seh' ich nun schon ganz klar ein, daß Du gar nicht zu erwischen bist, hm, hm, ja, ganz merkwürdig ja, – Deine Weisheit und die unsereins, das sind wohl ganz kurios zweierlei Weisheiten! O je, o je, das ist ein Unterschied! Nein, mit dem Entschuldigen kommt man bei Dir schon ewig nicht auf; aber mit einer recht herzlichen Bitte? Könnte die Dich denn auch nicht von Deinem einmal ausgesprochenen Verlangen ein wenig nachlässig machen?«

11 Rede Ich: »Ja Meine allerliebste Helena! Mit einer rechten Bitte kann man bei Mir wohl sehr viel ausrichten, aber nicht alles; siehe, so jemanden auf Erden das Leben sehr schmeckte, so daß er dort ewig leben möchte, und er bäte Mich darum – aus allen seinen Kräften! – So könnte Ich aber solch' einer Bitte doch kein Gehör geben, weil das wider Meine Ordnung wäre! Und ebenso könnte Ich auch hier deine Bitte um Nachlaß der Rede nicht erhören; daher öffne nur deinen schönen Mund, und rede, wie es dir in den Mund kommen wird!«

12 Spricht die Helena: »Nun, in Deinem Namen, weil Du mein himmlischester Herzensliebling es schon durchaus willst, so will ich ja gleichwohl reden; aber weißt Du, wenn mir manches gar zu damisches herausrutschen sollte, da zupf mich ein wenig, damit ich vor Dir, und vor diesen allererhabensten Großmenschen der Erde doch nicht gar zu allmächtig zu Schanden werden möchte! Und so will ich denn sogleich meine Meinung aufzutischen anfangen.

13 Siehe, o Herr, das ist denn so meine Meinung: Auf der Erde sind ein kleiner Teil Menschen zu hoch oben, und haben auch viel zu viel, – und der größte Teil aber ist dafür zu tief drunten, und hat entweder gar nichts oder doch wenigstens viel zu wenig gegenüber denjenigen, die da viel zu viel haben! Die Folge davon ist aber, wie ich's verstehe, doch notwendig diese: Die Hohen, die da viel zu viel haben, dabei aber doch die beiweitem geringste Zahl ausmachen, sehen notgedrungen mit Verachtung auf die unteren, wenig oder nichts habenden Klassen, weil sie stets die starke und überzeugende Möglichkeit wie ein Gespenst vor sich haben, danach die geringen vielen armen Menschenbestien – sich denn doch etwa einmal vereinen könnten, und einen Griff nach dem starken Überflusse der Hohen, Großen und Reichen machen!? Um aber das nach Möglichkeit zu verhüten, scheuen die ersteren kein Mittel; der Geist muß unterdrückt werden, wie und wodurch es nur immer möglich ist; als – durch Pfaffentrug, durch eine gänzliche Beschränkung der Druckpresse, durch Verbot besserer Bücher, sogar der Bibel! Die dawider Handelnden werden gestraft, und das nicht selten auf eine Art, daß ihnen dabei Hören und Sehen vergeht; wer solle bei solchen Umständen dann noch zu einer Erweckung des Geistes gelangen!?

14 Also wird auf der anderen Seite aber auch alles gestattet, was da nur immer zur Tötung des Geistes beitragen kann; dergleichen Gestattetes ist: Geduldete Hurerei in allen Gestalten; wenn auch manchmal per forma öffentlich dagegen polizeiliche Schritte getan werden, so tut das der schnöden Sache aber dennoch nicht den geringsten Eintrag; denn so auch auf eine allfällige dummscheinheilige Anzeige irgend eines am Gehirne ganz eingeschrumpften Bürgers, dem seine Miet-Parteien mit dem Auszuge drohen, so die Hurenbagage wißawi (vis à vi) nicht entfernt wird, die Huren von der Polizei abgeholt werden, und etwa über die Nacht ein freies Quartier bekommen, ja manchmal pro forma sogar über 14 Tage in's Arbeitshaus kommen oder gar auf den Schub, so macht aber das der Sache im Ganzen dennoch keinen Eintrag; denn bei einem Tore werden sie mit einem Gerichtsboten hinaus befördert, beim andern aber dürfen sie dennoch wieder ganz frei und lustig hinein spazieren, besonders, so sie sich noch in einem brauchbaren Alter befinden; sind sie aber etwa mit der Zeit auch älter geworden, da werden sie dann auch freilich bei weitem nicht mehr so zuvorkommend behandelt! Weiters wird gestattet zu lumpen und zu schwelgen, was die arme blinde und erziehungsbare Menschheit nur kann und mag, weil die Schwelgerei auch sehr nachteilig auf den Geist einwirkt; ebenso werden gestattet zotige Komödien; da kann die Sauglocke geläutet werden, so stark es nur immer tunlich, wenn darin nur keine politischen Anspielungen vorkommen oder andere Weckfünkleins, so kann die Komödie ohne allen Anstand vom Stapel gelassen werden, weil sie auf die Erdrückung des Geistes einen entschiedenen Einfluß hat!

15 Sollte sich aber etwa ein Geist, trotz allen diesen sanfteren Verdummungsmitteln, dennoch erheben wollen, und etwa hie und da zeigen, daß er göttlicher Abkunft sei, so werden dann auch schärfere Mittel angewendet, durch die jedem Geiste seine göttliche Abkunft irdisch sicher sehr teuer zu stehen kommen wird! – Der Becher und seine Freunde sind hier lebendige Zeugen, wie die Großen der Erde jede evidente Erhebung eines Geistes zu würdigen verstehen! Sie sagen: O, das ist ja schon wieder ein himmlischer Menschenfreund! Also, nur geschwind in's Himmelreich mittelst der Strickschnellpost oder Pulverschnellpost mit ihm! Wer es wagete, ihnen die Wahrheit zu sagen, dem erteilen sie sogleich den schönen Titel – Auswurf der Menschheit, und setzen auf seinen wertvollen Kopf sogleich einen Preis von vielen Goldstücken! Und bekommen sie ihn, o weh! Da wäre es für ihn und seinen freien Geist viel besser, so er nie wäre geboren worden!

16 Siehe, Herr! so, so stehen die Aktien um die arme Menschheit nun auf Erden! Was Wunder nun, so sie sich denn doch einmal erhebt und Rache nimmt an denen, die schon so viele Jahrhunderte ihre Peiniger und Vampire waren! Ich, ein schwaches weiblich Wesen, da ich schon reden muß, bekenne es hier offen, daß die arme Menschheit nun zu solch einer Erhebung ein vollkommenes Recht hat, und es auch allerhöchst an der Zeit ist, den Großen, die keinen Funken Liebe zu den Menschen haben, ihr arges Geistesmordungshandwerk aus den Händen zu reißen, und es für immer von dem Boden der Erde zu verbannen! Die Großen sollen herabsteigen, und was sie zu viel haben, mit den armen Brüdern teilen, und aus ihren viel zu weitläufigen Burgen sollen Armenhäuser werden und sie selbst Menschen! – Die Armen aber sollen Schulen bekommen, und wahrhaft gebildete Lehrer nach Deinem Geist, o Herr! Sonst wird's nimmer besser auf der Erde, sondern nur schlechter von Tage zu Tage, und von Stunde zu Stunde; denn die Großen werden stets härter und tyrannischer, und der Haß der Kleinen wird wachsen wie eine Zeder, und wie eine vom Hochgebirge herabrollende Lawine! – und so Du, o Herr, auf der Erde nicht bald etwas Entschiedenes ausführst, so ist es wenigstens irdisch in den mir bekannten Landen um alle Menschheit ganz vollkommen geschehen, was doch sicher nicht Dein Wille sein kann?!

17 Oder kannst Du, o Herr, wohl eine Freude haben, so sich nun die Menschen als die allerwildesten und reißendsten Bestien zu tausenden zerreißen und zerfleischen, und das nur darum, weil die Großen um keinen Preis, auch nicht um den Preis von Millionen Menschenleben von ihrer Höhe, und von ihrem Reichtumsglanze und Herrscherglanze (auch nicht) ein Haar vergeben wollen, weil sie meinen: So sie ein Haar vergäben, da würde man nachher auch ihren ganzen Kopf haben wollen, was aber eine ganz grundfalsche Meinung ist; denn ich bin überzeugt, daß, so sie den armen Völkern freundlich entgegen kämen, diese sie dafür auf den Händen herumtrügen! – Aber wann sie den Völkern erst dann maskierte Zugeständnisse machen, wo diese sich aus Verzweiflung gegen sie in großen Massen wildbewegt erheben und gröblichst bedräuen, und diese abgedrungenen Zugeständnisse auch nur so lange zum Scheine halten, bis sie durch ihre gesammelten Militärmächte wieder in ihrer alteigentümlichen Weise diese Zugeständnisse über den Haufen werfen können, da ist es dann ja sehr leicht begreiflich, wie sie nun alles Vertrauens bar werden mußten; da aber nun ein rechtes Vertrauen zwischen Völkern und Regenten nimmer herzustellen ist, und die zu kostbaren Regenten den armen Völkern zu teuer sind, so daß sie dieselben nicht mehr erhalten können, und bezahlen alle die von den Regenten gemachten ungeheuren Schulden, so bleibt denn meines Erachtens doch nichts anderes übrig, als die Völker von ihren alten Regenten frei zu machen, und an ihre Stelle wahrhaft gotterleuchtete Führer zu stellen, welche als selbst vollkommene Menschen den Menschenwert in ihren Brüdern achten werden, und alles aufbieten, um den Geist in eines jeden Menschen Brust wahrhaft zu beleben! Das muß geschehen! und geschieht das nicht, so wirst Du, o Herr, mit den Menschen der Erde ewig die gleiche Fretterei haben, wie mit uns nun, die wir trotz aller Deiner großen Mühe und Gnade noch so dumm da stehen, als wie junge Ochsen vor einem neuen Tore. Es muß Dir ja doch auch am Ende zu einem bedeutenden Überdrusse werden, wenn zu jeder Minute tausende von den allerblitzdummsten Wesen hier anlangen, die von Dir gerade so viel wissen und halten, wie das nächste beste Vieh auf der Welt! –

18 Daher sei doch einmal auch für die arme Erde so gut, wie für uns dahier; und lasse Deine Bekenner nicht mehr kreuzigen, von denen, die Dich heute d.h. nun wie einst ohne alles Bedenken kreuzigen würden, so Du als ein Mensch zur Erde kämest, und eifern möchtest wider sie, wie einst wider die schnöden Pharisäer! Tue Dich einmal auf, o Herr, und bearbeite die Erde, und dünge sie mit Deiner vollen Gnade ernstlich, sonst wird sie ehestens zum fürchterlichsten Greuel aller Verwüstung werden! Siehe, Herr! Du mein süßester Jesus, Du selbst sagst es, daß ich nun Deine geliebteste Helena bin! So ich aber schon dieses allen Sternen unfaßbaren aller unendlich höchsten Namens von Dir aus als würdig bekannt bin, so tue aber auch als mein alleralleinigster Geliebter meines Herzens mir das zur Liebe!

19 Ich will Dir aber dadurch freilich gleich allen anderen Vorrednern ja ewig nie eine Vorschrift erteilen, sondern bloß nur meine Meinung, der nach denn nun doch etwas Entschiedenes geschehen sollte! Du bist allein endlos weise, und siehst es am besten, was da nun zu geschehen habe! Diese Weisheit habe ich ewig nicht, und kann Dir daher auch ewig keinen wirklichen Rat geben; aber nach menschlicher Weise stehen die Sachen einmal also, und meine menschliche Einsicht erkennt nur den ausgesprochenen Rettungsweg, Dir aber werden zahllose bekannt sein!? Tue aber daher nun was da ist des Rechtens! –

20 Habe ich aber nun durchaus unsinnig geredet, so ist das wirklich nicht meine Schuld; denn da hättest Du mich ja zupfen sollen! Weil Du mich aber nicht gezupft, wohl aber dafür öfter angelächelt hast, so meine ich, daß ich denn doch nicht gar so unsinnig geredet habe? Übrigens wäre es für mich wahrlich kein Wunder, so ich ein wenig geganselt hätte! Denn bei solch einer Geistesbildung, wie sie mir auf der Erde zu Teile ward, kann man wahrlich keine Sappho und keine Katharina von Siena werden! Mein Hiersein aber reicht ja noch kaum hin, um so viel Weisheit sich eigen gemacht zu haben durch Deine Gnade, daß ich nun ungefähr weiß, welchem Geschlechte ich auf der Welt angehört habe, und daß ich Dich, aber freilich höchst seicht nur, erkannt habe!

21 Ich habe nun, o Herr, Deinen Willen getan, und bin mit meiner Antragsrede fertig; Dir, o Herr, sei alles aufgeopfert; was ich dumm machte, das wirst Du schon korrigieren; nur das bitte ich Dich, daß Du mich nach dieser meiner Plauderei nicht weniger lieb haben mögest, als ehedem! Dir allein sei ewig alle meine Liebe, mein Leben, und all mein Sein zu den Füßen gelegt, für ewig, Amen.«

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