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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 84
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 83

Die radikale Ansicht des Dr. Becher, die Belehrung des Herrn darüber. Über den Zusammenhang des Menschen mit seiner Welt und allen Wesen. Die Wichtigkeit des unscheinbaren Erdwesens im Organismus des Universums. Messenhausers Meinung »a bisl Kalifornien«

1 Spricht Becher, den Kopf ein wenig schüttelnd, und mit den Achseln zuckend: »O Herr! wenn bei diesen Wirren auf der Erde schon Dir, wie Du nun zuvor gesagt hast, Der Du doch allmächtig und allerhöchst weise bist, gewisserart, wie man zu sagen pflegt, der Faden ausgeht; was solle da unsereiner noch auffinden können, womit es den Völkern der Erde zu helfen wäre?! O Herr! das wäre so ein Stückchen Arbeit für unsereinen!? So da, wie ich es nun ganz klar einsehe, sich's mit einem inneren Gewaltmittel nicht tut, so wende man denn äußere Gewaltmittel an, als z.B. Hunger, Pest und dergleichen, dazu einige frappante Erscheinungen am Firmamente, und die Menschen groß und klein werden dann schon zum Kreuze zu kriechen anfangen; und kann oder darf etwa wegen der Freiheit des menschlichen Geistes auch das nicht angewendet werden, no, so lassen wir sie sich untereinander so lange balgen und würgen, bis sie daran genug haben werden. Ich glaube nun, daß wir uns überhaupt viel zu viel um das arge Menschengesindel auf der Erde kümmern! Es ist von A bis Z keinen Schuß Pulver wert! Am besten wäre es – so nach meiner Meinung, das ganze Lumpenvolk von der Erde ganz zu vertilgen, und dafür ein besseres und edleres Volk hinzustellen! Denn das Volk, was nun die Erde bewohnt, wird sich nimmer bessern; es müßte nur, wie schon eben bemerkt, dem größten natürlichen Elende preisgegeben werden! Denn es sind nun alle Könige samt ihren Völkern schon einmal wie des Teufels! Womit aber kann man die große Bosheit des Teufels erfolgreich bändigen? Ich meine, da wird es so oder so eine vergebliche Mühe sein?! Also weg mit dem Lumpenpack, und ein anderes Geschlecht hingesetzt, so wird's mit einem Hiebe allen nun argen Menschen, und in gewisser Hinsicht auch allen Teufeln geholfen sein! Das ist nun meine unmaßgebliche Meinung, aber bloß nur, wie gesagt, meine Meinung!«

2 Rede Ich: »Mein lieber Freund Becher! – Sieh', wenn Ich so den Völkern der Erde helfen wollte, und wenn es ihnen auf diese Art zu helfen wäre, so wäre das freilich wohl etwas ganz Bequemes! Aber siehe, das tut sich wohl auf keinen Fall mehr, und für's Allgemeine schon gar nicht! Das kann wohl örtlich, und da nie zu heftig stattfinden, aber allgemein und total, wie du es meinst, das wäre nicht nur das größte Unheil für die Erde, sondern auch für das ganze Universum!

3 Das Menschengeschlecht der Erde ist nicht aus sich selbst so, wie es ist, sondern es ist aus der Erde, und hat in allem ihre Natur und Eigenschaft! Es wäre demnach mit der gänzlichen Vertilgung aller nun auf der Erde lebenden Menschen der einmal eingerissenen Unordnung sehr wenig abgeholfen! Denn dann müßten wir doch wieder andere Menschen aus der Materie der Erde hervorgehen lassen, die den gegenwärtigen nach einer kurzen Weile doch wieder also gleichen würden, gleich wie etwa auf der Erde die Früchte eines und desselben Baumes von einem vergangenen Jahre den Früchten, die derselbe Baum erst in einem Jahre oder noch später tragen würde!

4 Man müßte sonach auch die ganze Erde aus dem Dasein schaffen, und an ihre Stelle eine andere stellen, was aber ein noch viel größerer Streich wider alle Meine Ordnung wäre! Man kann einem Baume, so er schlechte und faule Früchte trägt, wohl die (äußere) Rinde, und so manche Äste und Zweige nehmen, worauf er dann gleich wieder recht gute und frische Früchte tragen wird; aber das Mark und die Wurzeln darf man ja nicht zerstören; denn so man das täte, da würde sobald verdorren der ganze Baum, und würde ewig weder gute noch schlechte Früchte zum Vorscheine bringen. Die Erde aber ist eben der Kern des Lebens für den gesamten Lebensbaum, und wie eine Hauptwurzel der ganzen Schöpfung; würden wir an ihr ein Zerstörungswerk ausüben, so würden wir dadurch nicht nur die Erde, sondern die ganze sichtbare Schöpfung der endlichen Auflösung Preis geben, was denn doch noch um einige Dezillionen von Erdenjahren zu früh wäre!

5 Deinen Rat, Mein lieber Freund Becher, kann Ich sonach schon gar nicht brauchen; wir wollen aber sehen, vielleicht hat sich unterdessen unser Freund Messsenhauser etwas so recht Brauchbares herausgedacht, und (so) solle er es sonach von sich geben! Nun Freund Messenhauser gebe es von dir, wenn du so was recht Brauchbares in dir gefunden hast!«

6 Sprich Messenhauser: »O Herr! Du setzest mich nun in eine sehr große Verlegenheit! Was solle ich da sagen und raten können, wo nun schon die ersten Geister der Erde ihre Stimmen erhoben haben, und sind damit mehr oder weniger durchgefallen?! O Herr, o Herr! – no, da käme doch sicher eine noch größere Dummheit heraus, als die des Hauses Österreich da ist, da dieses Haus die ihm angestammte deutsche Kaiserkrone bloß darum nicht annahm, weil einige blinde Slaven darinnen eine Entwürdigung der großen Dynastie ersahen, wahrscheinlich in einem Traume? Wo sie etwa Tags vorher zu viel Wein und Schweinenes genossen haben! Aber jetzt wird es etwa doch noch für diese Dynastie entwürdigender sein, wo sie sich entweder förmlich der russischen Gewalt wird unterstellen müssen, um nur halbwegs zu reüssieren (erfolgreich zu sein); oder sie wird sich von dem Krebse, der in ihren eigenen Eingeweiden sein verheerend Unwesen treibt, und nicht mehr zu heilen ist, müssen aufzehren lassen!

7 Und sieh' o Herr! Gerade so dumm wäre es von mir nun Deiner endlosesten Weisheit einen Rat erteilen zu wollen, was Du nun tun sollest, um die großen Wirren auf der Erde wieder auszugleichen! – Ich weiß es nun nur zu gut, daß Dir mehr der besten und wirksamsten Mittel allerklarst bekannt sind, als es der Sterne im ewig unermeßlichen Alle gibt! Wolle nur allergnädigst das Kleinste anwenden, und es wird über eine Nacht alles wieder in der schönsten Ordnung sein! Gebe o Herr den Herrschern ein wahres Licht, und den Untergebenen Sanftmut und Geduld in der Tragung des Kreuzes, und so ein bißchen ein kleines Kalifornien hinzu, und es wird alles über die Nacht wieder in der schönsten Ordnung dastehen! und so etwa dem Herrn von Satanas die Geweihe zu hoch gewachsen sind, so lasse sie ihm durch einige wohl konditionierte Blitze um einige Ellen kürzer machen, da wird meines Erachtens der Hochmut der Großen auf der Erde auch so einige Erleichterung bekommen, etwa à la Windischgrätz, was ihm sehr heilsam sein wird!

8 Es gibt ja noch recht viele gute Menschen auf der Erde, die es ganz gut und redlich meinen; warum sollen diese mit gezüchtigt werden, so Du den Hochmütigen die Geweihe etwas kürzer machen wirst, und wie ichs merke, eigentlich schon machst!? Ich sage: Glück und Segen allen auf der Erde, die eines guten Herzens und Willens sind! Aber dafür eine wohlgenährte Demütigung allen, bei denen der Mensch erst beim Baron anfängt. Ich wünsche ihnen dadurch aber ja nicht etwa irgend etwas Böses; o nein, das sei ferne von mir! Aber nur diese Erkenntnis wünsche ich den Großen, daß sie doch endlich einmal möchten so recht praktisch einsehen, daß diejenigen auch Menschen sind, die sie nun bloß für ein lumpiges Kanonenfutter ansehen!

9 Es müssen ja wohl Regenten sein; denn ohne Regenten und weise Gesetze könnte wohl schwerlich eine menschliche Gesellschaft bestehen! – Aber diese Regenten sollen einsehen, daß sie der Völker wegen, und nicht die Völker gleich wie eine Ware ihretwegen da seien, mit der sie wie Kaufleute mit ihrer Ware nach Belieben schalten und walten können! Auch sollen sie das Schwert der Gerechtigkeit haben und tragen; aber sie sollen es nur dann gebrauchen, so ihre Völker bedroht sind von äußeren Gefahren; aber gegen ihre eigenen Völker sollen sie es nimmer gebrauchen dürfen, denn bei denen werden sie mit der Waffe, die da Liebe heißt, bei weitem mehr ausrichten, als mit dem Schwerte der Majestät, die bald gar keine Majestät mehr sein wird, sondern eine Grausität, und nachher eine vollkommene Marxenpfuschität!

10 Aber weißt Du, o Herr, das sind nur so fromme Wünsche von mir; Du aber bist der Herr, Dessen geheime Ratschlüsse unerforschlich, und Dessen Wege unergründlich sind; Du wirst schon die rechte Verfügung treffen, des bin ich mehr als gewiß; denn es geht schon also alles, wie es eigentlich gehen muß, damit aus der Pastete keine Talken (einfache Schmalzkekse) werden; es muß einmal ordentlich alles durcheinander gehen, und die Saiten müssen noch ein wenig mehr gespannt werden, damit sie dann desto sicherer reißen! Ein Riß aber muß geschehen, weil Du es also willst; denn ohne einen Riß wirds noch lange nicht gut gehen auf der Erde, wie ich es denn also einsehe! Aber darum dennoch alles also, wie Du es willst, Amen.«

Am 29. Mai 1849

11 Rede Ich: »Nun, sieh' und höre, gar so wertlos, wie du dir's vorstellest, sind deine Wünsche nicht; es ließe sich daraus schon etwas machen; aber nur mit dem rechten Licht geben an die Regenten, und ebenso mit dem Geduld und Sanftmut geben an die Völker, – siehe, das wird sich nun wohl nicht so recht tun lassen; denn zu dem Behufe ist bereits allen Völkern der Erde das Evangelium gepredigt, der alte Brunnen Jakobs voll lebendigen Wassers ist ihnen gegeben; wollen sie Licht und Erkenntnis und vollste Wahrheit, so können sie das alles aus dem Brunnen schöpfen; wollen sie das aber nicht, so können wir das ihnen in gar keinem Falle durch was immer für eine Macht anhängen; und täten wir es auch, so würde ihnen das nicht nur sehr wenig nützen, sondern nur sehr mächtig schaden!

12 Also das können wir auf unsere Liebe zu allem Leben nicht legen, nach unserem höchst eigenen Triebe; aber ganz was anderes wäre es, so die Könige samt ihren Völkern das von Mir bittlich verlangen würden! Da könnte ihnen alles gegeben werden, um was sie bitten würden, in Meinem Namen! Aber siehe, von dem vernehmen Meine Ohren wenig oder nichts; Ich höre wohl so des Gebrauchs wegen hie und da ein Geschrei, wo es heißt: »Herr, beschütze unsere Throne, Zepter und Kronen! und lasse uns weidlich siegen über alle, die sich wider uns erheben! Anderseits, d.h. aus dem Munde der Völker im allgemeinen aber wird von einer Bitte nun nahe gar nichts mehr vernommen, und die Einzelnen gelten nicht für ganze Völker!

13 Jedem Einzelnen wird gegeben, um was er bittet; aber den Völkern kann's nicht gegeben werden, um was die wenigen Einzelnen bitten!

14 Daher also Mein lieber Freund Messenhauser werden wir hier denn doch am Ende ganz andere Saiten aufziehen müssen, um eine bessere Harmonie unter den Völkern der Erde zuwege zu bringen! Die Saiten sind zwar schon aufgespannt; aber wie du ehedem selbst bemerkt hast, noch zu wenig; aber nun sind neue Stimmer erwecket worden, die werden schon das ihrige tun! Wahrlich, da wird eine starke Fege vor sich gehen müssen, bis alle Spreu vom Weizen ausgeschieden wird!

15 Aber wir haben ja noch unsere Helena nicht vernommen; die muß ja auch ihre Meinung von sich geben! Also, Meine liebste Helena! Was meinst denn du nun, was da zu geschehen habe, damit es auf der Erde wieder zu bestehen sein möchte? Wer weiß, ob du uns nicht etwa den besten Rat erteilest?! Daher rede und spreche ganz ungeniert deine Meinung aus!«

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