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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 80
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 79

Die große Ratsversammlung im Jenseits über die Verhältnisse auf der Erde. Eine Frage des Herrn: Was wollet ihr, daß Ich der Erde tun solle? Adam, Noah, Abraham, Isaak und Jakob reden

1 Nach einer Weile allgemeinen Schweigens fragt Helena Mich ganz leise: »Herr! wer wird denn nun zu reden anfangen? und wer ist denn der gar so ehrwürdig aussehende neben mir sitzende Mann?«

2 Ich antworte ihr auch ganz leise: »Meine Liebste! zu reden werde Ich Selbst anfangen, sobald aller hier Anwesenden Gemüter ganz zu der erforderlichen Ruhe gelangen werden; der neben dir sitzende Mann aber ist, weißt Du, der Vater Adam selbst, wie er vor ungefähr 6.000 Jahren auf der Erde als erster geschaffener Mensch geleibt und gelebt hat. Neben ihm siehst Du den Noah, und nachher den Vater Abraham, dann Isaak, und dann Jakob; und dann siehst Du noch zwei; der erste ist der Moses, und der andere David; die zwölf auf diese 7 folgenden nun sehr ernst aussehenden Männer sind die Dir wohlbekannten 12 Apostel; hinter ihnen stehen auch noch ein Paar, siehe, das sind auch noch zwei Apostel; der mehr vordere ist der Paulus, und der etwas hinter ihm stehende ist der Judas, weißt, der Mich verraten hat. Die anderen kennst du ohnehin, und so weißt du nun, in welch einer gewiß sehr merkwürdigen Gesellschaft Du dich befindest.

3 Was aber diese alle nun hier bei diesem Rate werden zu tun haben, das wird dir am Ende der Beratung vollends klar werden. – Nun passe aber nur auf! Die Gemüter der Gesellschaft sind nun zur gehörigen Ruhe gelangt, und so werde Ich nun auch sogleich zu reden anfangen; aber du mußt dich etwa ja nicht erschrecken, wenn Ich so manchmal ein wenig scharf reden werde, und hier vor uns so manche Erscheinungen vorüberziehen werden, die dir freilich keinen angenehmen Anblick gewähren werden; – aber da halte du dich nur fest an Mich, und da wirst du gleich wieder gestärkt sein.

4 Darauf wende Ich Mich zur Gesellschaft, und rede, also fragend: »Meine Kindlein! Meine Freunde! Ich, euer aller wahrer Vater, Gott und Herr, und Schöpfer der Unendlichkeit, frage euch: – Wie gefällt euch allen nun die Erde? – Was wollet ihr, daß Ich ihr tun solle?«

5 Spricht Adam: »Herr, Du ewige Liebe! Die Erde war ärger nie, denn jetzt; aber auch Deine Liebe war größer nie denn jetzt! Tue ihr nach Deiner Liebe; denn sieh, das Meer, der Erde weitsehend Auge, ist blind geworden. Lege ein mächtig Feuer hinein, und lasse durch seine gewaltige Flamme Licht werden in den Abgründen, auf daß vor demselben sich alle Ungeheuer erschrecken sollen, und vergehen vor Schmach, die ihr endlicher Lohn für ihre schwarzen Taten sein solle! – Also erkannte ich, und also sah und sehe ich es, als der Erde erster Mensch.«

6 Darauf spricht Noah: »Herr! zu dem ich allezeit gebetet habe, und treu bewahret den Glauben und die Liebe! Als sich's vor etlichen 4.000 Jahren mein Bruder Mahal gelüsten ließ, von den heiligen Höhen seine Blicke in die Tiefe hinab zu senken, und zu machen eine Reise nach Hanoch, in der Drohuit und Fungha Hellan ihr Unwesen trieben, und getrieben haben, und als eine Tochter Mahals Königin ward in der Tiefe, siehe, da beriefst Du mich, und zeigtest mir zu bauen einen mächtigen Kasten, zur Rettung meiner kleinen Familie, und vieler Tiere, die Deine Macht aus allen Gegenden der Erde in den weiten Kasten trieb.

7 Ich tat, wie Du, o Herr, es gewollt hast, und die Folge lehrte mich und mein Haus, wie gut es war, daß ich Dir unbedingt gehorcht habe! Damals war die Menschheit schlecht und arg, und förderte Böses um Böses auf dem Boden der Erde, und entweihte gräßlich das Werk Deiner Hände. Aber dennoch geschah damals alles, was da geschah, in irgendeiner bestimmten scharf abgegrenzten Ordnung, und die Lüge, der Hochmut und die satanische Herrschsucht schwellte nicht so nahe jedes Sterblichen Brust, als es nun in dieser Zeit der Erde der Fall ist.

8 Es waren damals die Menschen wohl auch grausam, und einzelne Taten finden kaum ihresgleichen wieder! Aber nun sind die Menschen zu Hyänen und Tigern geworden, und begehen Grausamkeiten, vor denen die ganze Unendlichkeit erschauert! Damals sandtest Du ein schrecklich Gewässer über die Sterblichen, und ersäuftest alle die Täter des Übels. – Was wohl wirst Du nun tun, o Herr? ich kenne aber die Größe Deiner Liebe; ich weiß es auch, daß es Dich gereuete damals die Menschheit ersäuft zu haben; denn es waren darunter ja auch viele Kinder, die noch der Mütter Brüste sogen; wird es Dich nun auch gereuen, die tausend Male schmutzigere Erde durch ein mächtig Feuer zu reinigen, auf daß sie wieder würdig würde, Tritte Deiner Füße aufzunehmen?!« –

9 Noah schweigt darauf, und der alte Vater Abraham erhebt sich, und bittet um die Erlaubnis zu reden! Ich aber sage zum Vater Abraham: »Rede! denn Du hast die Verheißung überkommen, und diese muß erfüllet werden!«

Am 13. Mai 1849

10 Spricht Abraham: »Herr! 1.000 oder 10.000 Jahre sind vor Dir wie ein einziger Tag; denn aus Dir ging hervor Zeit und Raum, aber Du setztest Dich über beide, und die fernste Vergangenheit, wie die fernste Zukunft sind Dir gleich wie die Geschichte eines Tages! Liebe ist Dein Wesen, und die höchste Güte ist Deine Weisheit! – Weich wie Wolle ist Dein Gemüt, und sanft wie des Lenzes Abendhauch ist Dein Herz! Alle Deine Wege heißen Erbarmung, und Deine Führungen sind die Gerechtigkeit Deines Herzens!

11 Als ich im Lande Kanaan mit meinem Bruder (den Neffen Lot) stritt, um des Bodens Teil, da sahst Du an mein Herz, und fandest es bereit zur Nachgiebigkeit! Und siehe, Du rührtest meine Seele an, und sie sprach zum Lot: »Bruder! frei sollst du wählen! Siehe, groß ist der weiten Erde Boden; warum sollen wir also streiten um dessen vergänglichen Besitz? Ziehe du oder bleibe! Ziehst du gen Abend, so ziehe ich gen Morgen, auf daß Friede und Einigkeit zwischen uns herrsche, und zwischen all denen, die uns folgen werden; so du aber bleiben willst, da schwinge den Stab nach der Gegend hin, dahin du willst, daß ich ziehen solle; und siehe, ich werde tun nach deinem Willen! Aber hier beisammen können wir nimmer wohnen, indem du nicht auf den Wegen des Friedens wandeln magst!«

12 Und der Lot faßte meine Worte, und nahm sie zu Herzen, und sprach: »Bruder, ich habe mir den Abend erwählt; dahin will ich ziehen; dir aber stehet es frei, ob du bleiben oder ziehen willst, entweder nach Mitternacht, oder Mittag oder Morgen! Dahin du aber auch ziehst, da vergesse aber dennoch des Lot nicht! Und wir segneten uns, und zogen – er nach dem Abend, und ich nach dem Morgen.

13 Aber Lots Volk erhob sich bald mächtig in seinen reichen Gauen, und baute Sodom und Gomorra, und fing an toller und toller zu werden. Ich sandte Boten an Lot, aber sie richteten nichts aus! Mehrere wurden getötet, und die wenigen Zurückkehrenden brachten stets die übelste Kunde. Und siehe, in der Zeit hast Du wieder mein Herz geprüft, und fandest es gerecht vor Dir, und sandtest Boten aus der Höhe an mich, und diese taten mir kund, was Du vor hättest mit Sodom und Gomorra! Ich aber erschrak darob, und bat Dich um Schonung, und stellte Dir die möglichen Gerechten vor; aber Dein Auge fand sie nicht, außer allein den Lot! Und siehe, diesen rettest Du, o Herr, aber Sodom und Gomorra ließest Du verheeren durch Feuer von oben!

14 Als aber die beiden Städte im Pfuhle begraben samt Menschen und Vieh, da sah Dein Herz nach der Stätte hin, und siehe, es gereuete Dich wiederum des harten Gerichtes über Sodom und Gomorra, und Du machtest einen Bund mit mir, und gabst mir die große Verheißung zur Erfüllung deiner großen Erbarmungen.

15 Und wie Du es mir verheißen hast, so hast Du auch alles erfüllet, bis zu diesem Zeitpunkte, wie Du es verheißen hast. Aber Deine Verheißungen dehnen sich noch gar endlos weit über diesen Zeitpunkt hinaus! O Herr! so gedenke nun, da alle Völker der Erde wieder, und zwar in eine größte Gährung geraten sind, Deines mit mir gemachten Bundes! Du kennst die Feinde Deiner Kinder! Du kennst ihre Habsucht, ihren unbeugsamen Willen! Siehst Du nicht die vielen Wölfe, Hyänen und Tiger, wie sie gewissenlos und schamlos in den Eingeweiden Deiner Lämmer wühlen, und sie zerfleischen mit feurigen Drachenzähnen?! – O Herr! konntest Du Sodom und Gomorra züchtigen, o so ergreife nun auch die Wölfe, Hyänen und Tiger, und schlachte sie als ein Sühnopfer für all die Unbilden, die sie begingen an deinen Kindern! – Aber schone das Blut der Gerechten, und das Blut Deiner Kinder!«

Am 15. Mai 1849

16 Darauf erhebt sich der Isaak und spricht: »O Herr! ich bin das erste Blatt, das am großen Lebensbaume Deiner Verheißung, die Du meinem Vater Abramham gemacht hast, sich zu zeigen anfing; wohl sehr alt und nahe gänzlich verdorrt stand zur selben Zeit der Lebensbaum Deiner Kinder im Garten der Liebe, während die Schlange sehr fruchtbar mit ihrem Gezüchte alle Gauen der Erde anfüllte! Aber Du, o Herr, besahest die gänzliche Dürre des Lebensbaumes Deiner Kinder, und belebtest ihn von der Wurzel bis zum obersten Scheitel, und gabst ihm eine neue heilige Triebkraft; und siehe, ich war das erste lebendige Blatt an dieses heiligen Baumes Zweigen.

17 Abraham hatte eine große Freude beim Anblicke dieses ersten so hoffnungsgrünen Blattes; aber Dir, o Herr gefiel es, seine Freude zu trüben, und seinen Glauben zu prüfen; du befahlst ihm, mich zu schlachten, und am brennenden Scheiterhaufen zu opfern; das tatest Du, um der Schlange zu zeigen, wie stark der Glaube Deines Sohnes Abrahams war! Als aber Abraham durch den Gehorsam die Macht seines Glaubens bewährt hatte, da führtest Du einen Bock durch des Berges Gestrüppe, ein lebend Bild des Satans und seiner Herrschsucht; das Gestrüppe umflocht nahe an seinem Rande des Bocks Geweihe, die da ein Zeichen waren seiner Widerspenstigkeit, seines Ungehorsams, seines Hochmutes, und seiner geilen Herrsucht, so wie das Gestrüppe ein treffend Bild aller Welttümlichkeit. Diesen Bock mußte dann mein Vater ergreifen, ihn schlachten, und ihn legen an meiner Statt auf den brennenden Opferaltar.

18 O Herr, konntest Du damals den Weltbock ins Gestrüppe treiben, und zur Schlachtung, und zum Zeichen gerechter Sühne legen auf den verzehrenden Brandaltar; o so tue nun auch desgleichen in der Wirklichkeit! Denn war damals der Bock nur ein Sühnbild, wie ich selbst ein Vorzeichen Deiner Ankunft in die Welt, und der zweiten Schöpfung durch Dein großes Erlösungswerk; so ist aber dieser Bock nun in der vollsten Wirklichkeit in der Welt also groß geworden, daß seine Geweihe nun schon in Deine Himmel reichen; so errichte nun auch einmal den großen Brandaltar über die ganze Erde; ergreife dies schändliche Tier, das sich mit seinen mächtigen Geweihen gar sehr gewaltigst im dicksten Weltgestrüppe durch und durch verflochten hat, schlachte es, und werfe es dann ins mächtige Feuer des großen Brandaltars!

19 O Herr, zögere nun nicht mehr, lasse die vielen grünen Blätter am Baume des Lebens nicht abfressen von des Tieres geilster Freßgier, sondern tue nach Deiner Verheißung; denn siehe, die Zeit ist zur Vollreife gediehen, und Deine Kinder schreien nun überlaut: Vater, tue Dich auf! ziehe aus Deine Rechte! ergreife das Beil Deiner Gerechtigkeit, und schlachte das Tier, das mit seinen Geweihen nun schon sogar an die Veste (die Burg) der Himmel zu stoßen beginnt! Amen!« – –

20 Spricht darauf Jakob: »O Herr, Du rangst mit mir, und ließest mich nicht weiter ziehen, und als ich Dich ergriff, da gabst Du mir einen Stoß in die Hüfte, daß ich danach hinkete mein Leben lang! Aber der Stoß tat mir nicht wehe; denn ich rang ja aus Liebe mit Dir. Aber dennoch blieb dieser Stoß allen nachfolgenden Kindern, und diese fühlten wohl auch den Schmerz; und siehe, der Stoß und der Schmerz hat nun den höchsten Grad erreicht; o, so befreie nun endlich einmal die Kinder vom Stoße und von seinem Schmerze!

21 Vierzehn Jahre diente ich um die himmlische Rahel, und siehe, Du gabst mir die welthäßliche Lea; ich nahm sie, und murrte nicht; und noch einmal vierzehn Jahre mußte ich dienen, und Verfolgung leiden, um die himmlische Rahel; da gabst Du sie mir dann wohl, aber sie mußte unfruchtbar sein, so daß ich einen anderen Schoß in ihren Schoß legen mußte, um meinem Samen Leben zu geben! O Herr! siehe, das war hart von Dir vorgesehen!

22 Nehme aber nun endlich einmal zurück Deine Härte! Nehme der Lea die Fruchtbarkeit, und gebe sie der himmlischen Rahel im Vollmaße, auf daß die Erde einmal ledig werde vom argen Gezüchte der Schlange; und ihren Boden allein betreten möchten die Kinder der himmlischen Rahel! O lasse einmal Joseph und Benjamin zu wirklichen Kindern aus dem Schoße der himmlischen Rahel werden und mache versiegen die Quelle der Lea!«

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