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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 8
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 7

Fortsetzung des Selbstgespräches über das Gebet: Vaterunser, bringt einen warmen Zug zu Jesus. Ein Blitz gibt ihm nun zu denken und zu philosophieren, als er wieder an Jesus denkt, neues Blitzen

1 Robert Blum spricht weiter: »Das sogenannte Vaterunser ist unter allen Gebetsformeln wohl die beste! Denn also hat der weise Lehrer Jesus seine Schüler beten gelehret; leider ist dies Gebet noch nie ganz verstanden worden, da man es meistens blind für alle Fälle und Bedürfnisse vorbrachte, während es doch nur eine rein weltliche (?) engst zusammengefaßte Aufzählung der Hauptbedürfnisse jedes Menschen ist, die sich der Mensch oft vorsagen solle, um über sich und seine Bedürfnisse stets im Klaren zu sein; aber die Römischen legen in diese Gebetsformel statt der Wahrheit nur eine gewisse läppische agathodämonisch (Familien-Göttersegen) magische Kraft, und gebrauchen sie als eine geistig-sympathetische Universalmedizin (geheime Gefühlswirkung) gegen alle Übel, auch wider die Krankheiten der Tiere! – und das erscheint mir denn doch unmöglich! Das Vaterunser ist an und für sich sicher ein sehr würdevolles Gebet; aber freilich nur im rechten Sinne – und nur als das, was es ist; aber in der Art, als es die Römlinge und auch Protestanten gebrauchen, der barste Unsinn! – Ja, ja, der barste Unsinn!

2 O du guter Lehrer und Meister Jesus! Wenn Dein Los etwa auch dem meinen gleicht, so wirst Du in solch einem Bestande nach Deiner schnödesten Hinrichtung wohl auch schon sicher hübsch oft bereuet haben, den argen Menschen so viel Gutes getan zu haben?! – Beinahe 2.000 Jahre in solcher Nacht? – O Edelster! – das muß sehr hart sein?!« –

3 Als unser Mann den Namen Jesus so recht teilnehmend und sehr ehrend ausspricht, da fährt ein starker Blitz vom Aufgange bis zum Niedergange, worüber unser Freiheitsapostel sehr erschrickt, zugleich aber doch auch eine große Freude empfindet, da er dadurch die Überzeugung überkommen hat, daß er nicht blind ist.

4 Zugleich aber fängt er an auch nachzudenken, was denn etwa doch die Ursache dieses sehr hellen Blitzes war? Er denkt nun hin und her, und auf und ab; er geht alle ihm bekannten Gründe zur Erweckung der Elektrizität durch; aber er findet hier nichts zur genügenden Erklärung dieser ersten Lichterscheinung in diesem seinen für ihn noch immer unbegreiflichen Zustande; denn, denkt er bei sich, zur Erweckung der Elektrizität müssen die notwendigen natürlichen Bedingung vorhanden sein, als da sind – die mit Sauerstoff gefüllte athmosphärische Luft, und in ihr – negativ elektrische Körper, entweder flüssig oder auch hart; hier im Reiche des reinsten und absolutesten Nichts aber kann doch sowohl vom einen wie vom anderen nicht die Rede sein; denn wo nichts ist, da ist vollkommen Nichts, da der Begriff Nichts logisch richtig jedes wesentliche Sein gänzlich ausschließt! Freilich befinde ich mich, als ein sich selbst nur zu klar bewußtes Wesen, in der Mitte dieses Nichtses, und bin somit ein bestimmtes Etwas in diesem Nichts; aber das hebt das mich umfassende Nichts nicht auf, Nichts zu sein; denn Nichts und Etwas können sehr gut nebeneinander gedacht werden, und somit auch bestehen!?

5 Aber – jetzt geht mir ein neues Gedankenlicht auf! – – Ja, ja, so ist es! – – – O du herrliche echtdeutsche Philosophie, du unversiegbarer Born der wahren Weisheit; du bringst jedem das rechte Licht, der dich, wie ich, mit aller Glut und Liebe ergreift, und dich in allen noch so sonderbaren Lebenszuständen als einzigen und verläßlichsten Ratgeber und Wegweiser benützest! – Schau, wie geschwind habe ich nun mit deiner Hilfe diesen gordischen Knoten gelöset!? –

6 Wo im Reiche des Nichts ein individuelles Sein sich vorfindet, da können ja im selben Nichtse sich irgend noch eine Menge anderer, entweder homogene oder anders geartete Seins vorfinden!? und so können außer diesem meinem Sein sich noch eine Menge allerartiger Wesenheiten befinden, die zur Erweckung der Elektrizität tauglich sind, ohne das eigentlich uns alle umfassende Nichts nur im geringsten zu beeinträchtigen. Bravo, so ist's gut, – und ich weiß es nun, daß es außer mir in dieser Nacht des Nichts doch noch wie immer geartete und gestaltete wesenhafte Nachbarn gibt. Ich bin somit durchaus nicht gar so ganz allein hier, als wie ich's mir schon jetzt eine leider sehr geraume Zeit vorgestellet habe!? – O das ist gut; das ist sehr gut! –

7 O, wenn ich nur schon früher mich so recht ernstlich der deutschen Philosophie in die Arme geworfen hätte, da stände ich sicher schon auf einem ganz anderen Boden, als wie ich nun stehe; aber ich Dummkopf verlor mich am Ende in eine kleinlich läppische Gebetskritik und in ein leeres und nutzloses Bedauern des großen, weisen und edelsten Völkerlehrers Jesus, und ver . . . !« – –

8 Hier blitzt es wieder, und diesmal noch stärker als zuvor. – Unser Mann ist nahe außer sich vor Schreck und Verwunderung, und kann sich gar nicht fassen über dieses für ihn unbegreiflich intensivste, aber freilich nur kurz andauernde Licht! Es kam ihm dabei auch vor, als so er in einer weiten Entfernung bestimmte Umrisse von allerlei ihm bekannten Gegenständen gesehen hätte; aber ihre Beleuchtung dauerte zu kurz, als daß er sie bestimmt ausnehmen und näher bestimmen hätte können!? –

9 Nach einer langen stummen Ruhe konnte er erst wieder seine Gedanken wahrnehmen, und selbe auch nach und nach tiefer zu fassen anfangen. Sein erster wieder etwas geordneter Gedanke war folgender: »Aha, aha, nun weiß ich's erst, woran ich bin; dieses Blitzen deutet auf ein starkes Gewitter, das sich nun in der Nacht über Wien hermachen wird; ich erwache nun nach und nach aus meiner durch die Todesangst erregten großen Betäubung, kehre nun wieder ganz sachte in's Leben zurück; wahrscheinlich hilft diese vom elekrischen Fluidum sehr schwangere Luft mir dazu, und ich werde unter Blitz, Donner und Hagel wieder in's Leben zurückkehren! Donnern höre ich es zwar noch nicht; aber das Wetter kann auch noch sehr weit von hier stehen; es hat wohl sehr stark geblitzt, und der Donner könnte jetzt wohl schon, wenn auch sehr dumpf, da sein!

10 Aber kann es denn nicht sein, daß ich auch taub bin?! – Meine Gedanken vernehme ich freilich wie Worte; aber das ist noch kein Beweis, daß ich darum im Vollgebrauche meiner Gehörsorgane bin! Vielleicht komme ich bei dieser Gelegenheit auch zu meinem Gehöre wieder?! – Freilich, das sonderbare Gefühl des mich umgebenden Nichts kann ich mir auf dem natürlichen Wege noch durchaus nicht erklären; aber was liegt da daran; ich bin einmal da, und habe es nun zweimal blitzen gesehen, Beweis, daß ich nicht blind bin; wer weiß, ob das nicht alles die Wirkung des drohenden schwersten Gewitters ist; daher lasse ich das Wetter einmal loskrachen und vorüberziehen, da wird es sich dann schon zeigen, ob ich noch so verbleiben werde, als wie ich jetzt bestellet bin!

11 Freilich dauert schon dieser Stand hübsch lange; nach meinem Gefühle könnten es auch schon bei 100 Jahre sein; aber das wird eine bloße Gefühlstäuschung sein? – ! – Ja, ja, bloß eine Gefühlstäuschung! Denn, wenn man in einer gewissen Betäubung – besonders in solch' einer wesenlosen – dahin schmachtet, da muß ja aus einer Minute ein Jahr werden! – Ja, ja, so wird es sein; ja, so ist es auch! – Wenn es nur bald wieder blitzete, und nachher aber auch ein wenig donnerte! – Aber die Blitze lassen sich Zeit!?« – –

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