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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 79
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 78

Mahnung zur Vorsicht mit dem Urlicht vor den Augen der noch halb Blinden. Helena und Jellinek über den nahen Großrat in betreff der Geschicke der Erde. Von des Herrn Größe, und Seiner Einfachheit und Güte

1 Ich aber ermahne sie aus guten Gründen, daß sie nun davon nichts sollen merken lassen, was sich ihnen aus besonderer Gnade eröffnet hatte! Und sie verstehen Mich, und schweigen, während ihre Herzen stets mehr und mehr zu erkennen anfangen.

2 Der Helena geschieht es aber am schwersten, daß sie schweige; aber der Jellinek sagt zu ihr: »Geliebteste Schwester, brenne innerlich, wie du willst und kannst; aber dem außen nach mäßige dich, derjenigen willen, die hier noch blinden Herzens sind, auf daß über sie wo möglich kein Gericht ergehe! Wir werden aber nun einen großen Rat halten, wie es mir der Herr ehedem insgeheim anvertrauet hat; und dabei müssen wir so ruhig als möglich uns verhalten, auf daß die ja nichts merken, die noch nicht erkennen, daß der Herr alles Lebens ihnen gar so überaus nahe ist! Daher sei also ruhig!«

3 Spricht Helena: »Was sagtest du von einem geheimen Rat halten? Was wird denn da beraten werden?! O Gott, o Gott! Dahinter muß gewiß sicher etwas Großwichtiges stecken?!«

4 Spricht Jellinek: »Ja, ja, etwas sehr Großwichtiges! Ich sage dir: Wehe allen Hochmütigen, Herrschsüchtigen; allen Mördern und Menschenschlächtern, und Wehe denen, die auf den Thronen sitzen! Ich sah ehedem eine ungeheure Menge zorniger Engel mit flammenden Schwertern sich auf die Erde hinabstürzen, und eine Stimme hallte donnernd ihnen nach: »Alle Meine Geduld ist zu Ende; darum keine Schonung mehr! Denn die Großen suchen Hilfe nicht bei Gott, sondern in ihren vielen Waffen; und die Kleinen heulen, und knirschen mit den Zähnen, und kehren sich auch nicht um zu Gott, von Dem alle Hilfe kommt! Daher keine Schonung mehr!« Und sieh, darüber wird nun Rat gehalten werden, weil nun alle Himmelsmächte in Bewegung gesetzt werden; daher mußt du also doppelt ruhig sein!«

5 Spricht Helena: »Ja, ja, ich bin schon ruhig, aber was wird da herauskommen?! O schrecklich, o schrecklich!!«

6 Spricht Jellinek: »Ja, meine allerschätzbarste Schwester Helena, da geht es nun ganz kurios anders zu, als es in Wien zugegangen ist, als wir beide seligen Andenkens noch im Fleische uns unter den Freiheitskämpfern befanden! Denn hier gilt es im vollkommensten Sinne der unerschütterlichsten Wahrheit entweder – Leben oder Tod, oder – Himmel oder Hölle. Der Herr der Unendlichkeit, der allmächtige Schöpfer Himmels und aller Welten ist hier unter uns, und Seine zahllosen Myriaden von mächtigsten Dienern werden, wenn auch uns nun noch nicht sichtbar, sicher nicht ferne von hier Seiner heiligsten Winke harren! Und so kannst du dir schon im voraus einen kleinen Begriff machen, wie unaussprechlich heilig und großwichtig nun dieses große Zimmer ist, wo der Herr Himmels und aller Welten nun Beschlüsse unter uns, Seinen jüngsten Freunden, fassen wird, von denen alle künftigen Zeiten und Ewigkeiten abhängen sollen! No, was denkst du dir nun, wenn du diese Sache so recht beim wahren Lichte betrachtest?!«

7 Spricht die Helena: »O sieh, lieber Freund! ich kann die zu erschreckliche und die unendliche Wichtigkeit dieses Platzes gar nicht fassen! Es ist nur unbegreiflich, wie in Ihm, da Er doch nichts von irgend einer besonders göttlich allmächtigen Auszeichnung zur Schau trägt, doch eine gar so allerunbegreiflichst allerhöchste Kraft und Macht vorhanden sein kann, und wie Er mit einem Blicke die ganze ewige Unendlichkeit vom Größten bis zum Allerkleinsten gar so unaussprechlich scharf übersehen kann!? Er steht da unter uns, als wären wir die Einzigen, mit denen Er Sich nun abgibt; gar so anspruchslos, gar so gut, zuvorkommend, und gar unbeschreiblich lieb ist Sein Benehmen! O Freund! welch eine unendliche Herablassung ist das!

8 Und höre, welch ein Unterschied zwischen Ihm, dem allmächtigen, ewigen Herrn der Unendlichkeit, und zwischen den Machthabern unserer stinkenden Erde!? Er, alles in allem, ist voll Demut, und erhöhet sich nie vor seinen Geschöpfen; aber die Mächtigen der Erde, du kennst sie, wollen von einer Herablassung, und von einer Demütigung schon gar nichts hören; sie allein wollen alles sein, und alles haben; alle andern aber kann der Teufel holen, wie und wann er sie nur immer will! Wahrlich, bei solchen Regierungsaspekten muß die sonst so schöne Erde ja doch notwendiger Weise in aller Kürze zu einer veritabelsten (echten) Hölle werden, aus der am Ende kein sterblicher Mensch mehr für's ewige Leben wird gewonnen werden können!?« –

9 Spricht Jellinek: »Ja, ja, du hast recht, und urteilest gut und scharf; aber denke bei dir auch das hinzu, wie bei Gott gar unendlich viele Dinge möglich sind, die sich auch ein weisester Geist nimmer als möglich vorstellen kann, so wirst du all das Kommende mit einem viel ruhigeren Gemüte mit anzusehen imstande sein; denn siehe, alle unendliche Machtgröße liegt ja eben – nach Seiner höchst eigenen Belehrung an mich – in der unermeßlichen Größe Seiner Liebe; so aber des Allerhöchsten Höhe, Macht und Größe in Seiner Liebe steckt, so darf es uns bei Seinen noch so großen Vernehmungen und Beschlüssen ja nicht bangen; den was die allerhöchste und mächtigste Liebe tut, das kann doch unmöglich anders als – auch nur allerhöchst gut sein, und solle es äußerlich noch so ein erschreckliches Gesicht haben!«

10 Spricht die Helena: »Ich danke dir, du lieber Freund, für solche deine Belehrung! Wahrlich, du hast mir nun wie einen schwersten Stein von meinem Herzen hinweg gewälzet! Aber sage mir noch: Wann wird denn diese von dir mir vorerwähnte allerhöchste Beratung anfangen?«

11 Spricht Jellinek: »Sogleich, meine geliebteste Schwester! Sieh, die große Gesellschaft der Wiener Proletarier, die noch kein Licht zu haben scheint, wird dort soeben vom Blum in ein Seitengemach zu treten beschieden; nur die 24 Tänzerinnen, der Blum, Messenhauser, Becher, ich und du und der Max Olaf mit seiner etlich zwanziger Gesellschaft, wie auch jener Halbengländer, mit ebenfalls einem paar Dutzend echter Aristokraten dort ganz im Hintergrunde dieses Saales Posto (Aufstellung) fassend, diese werden bei der Beratung zugegen sein.

12 Sieh, dort aus einem anderen Gemache kommen auch soeben Zwölf sehr weise aussehende Männer zum Vorscheine, und hinter ihnen noch Sieben andere; diese werden höchst wahrscheinlich auch an der großen Beratung teil nehmen, und ein großer Tisch befindet sich auch schon in der Mitte dieses stets wie größer werdenden Saales; es ist somit schon alles in der Bereitschaft da, und freue dich, die Beratung wird nun unverzüglich ihren Anfang nehmen.«

13 Auf diese Belehrung des Jellinek wendet sich die Helena ganz zerknirscht und nahe ganz bis zum Boden gebeugt zu Mir, und kann vor lauter Furcht nahe kein Wort herausbringen. Ich aber fasse sie am Arme und sage zu ihr: »Aber Meine allerliebste Tochter Helena, was machst denn du nun für ein Gesicht? Vor was oder vor wem fürchtest du dich denn nun gar so gewaltig? Schau, schau, bin ja Ich bei dir! wie kannst du dich denn an Meiner Seite fürchten?!«

14 Spricht die Helena: »O Du mein Gott und Du mein Herr! ja, da freilich, wenn Du mir gut bist und mir auch gut bleiben magst, kann man sich nicht fürchten; aber wenn einem darauf gleich Deine alleinige endlos allerheiligste Gottheit einfällt, zu Der sich denn doch kein Sünder nahen darf, und auch nicht nahen soll; so kommts mir denn doch vor, daß Du unsereins nur gar zu geschwinde verdammen könntest! Besonders wenn Du etwa doch möglicher Weise so ein bißchen in einen Zorn kämest; früher habe ich mich freilich nicht gar so gefürchtet vor Dir, weil ich da noch nicht gewußt habe, Wer Du so ganz eigentlich bist; ich hielt Dich für irgend einen älteren Heiligen nur, und dadurch auch, wie Du selbst sagtest, für einen intimen Freund Gottes, Der für mich bei Gott eine wirksame Vorbitte tun könnte! Aber jetzt, oh, oh, welch' eine schreckliche Enttäuschung! Bist Du Gott der Allmächtige! O weh, o weh, wer solle sich vor Gott dem Allmächtigen nicht fürchten!? Und jetzt wirst Du auch noch einen Rat halten, wahrscheinlich zum Jüngsten Gerichtstage!? O Jemine, o jemine! und da soll ich mich nicht fürchten, als eine so große Sünderin vor Dir?!«

15 Rede Ich natürlich in dem gutmütigsten Tone von der Welt: »Also das drückt dich nun gar so sehr! Nun, wenn du denn nun schon eine gar so ungeheure Furcht vor Mir hast, so wirst Du Mich wohl auch nicht mehr lieben können und mögen? Was werd' Ich denn nachher anfangen, wenn du Mir die Lieb' etwa darum aufsagtest, weil Ich denn schon einmal der schreckliche Allmächtige bin?! Geh Helenerl und sag Mir, ob du Mich jetzt wohl auch noch so gerne hast, als wie früher, wo du Mich bloß so für einen allenfalls heiligen Joseph oder Petrus hieltest?!«

16 Spricht die Helena etwas beruhigter: »O Du mein Gott, und mein Herr! Na – ist aber das doch eine Frage! Wenn's auf meine Liebe zu dir ankommt, so kannst du ja ohnehin in mein Herz hinein sehen, und da muß sich's ja gleich zeigen, ob neben Dir noch wer Platz in meinem Herzen hätt'! Dich lieb ich ja nur ganz allein, und früher hab ich den vermeintlichen Joseph oder Petrus ja auch nur Deinetwegen geliebt! Um meine Liebe zu Dir darf Dir wohl nie bange sein; aber mir darf es wohl bangen um Deine Liebe zu mir, wo ich eine so große Sünderin bin!«

17 Rede Ich: »Nun, nun, mein lieb's Helenerl! schau, jetzt werden wir zwei schon bald wieder in der Ordnung sein. Wie wäre es denn, so du nun probieren tätest – Mich wieder zu umarmen, und gar – zu küssen!?«

18 Die Helena wird hier ganz verblüfft, reibt sich die Augen, und spricht endlich mit ganz liebebebender Stimme: »H, hm, wär freilich unendlich süß, so was! – H, unendlich gerne hätt' ich dich freilich wohl! – aber wenn Du doch nur nicht gar so entsetzlich heilig und allmächtig wärest?!«

19 Rede Ich: »Ach, das macht nichts; tue Du nur, was Dein Herz will, und Du wirst Dich gleich überzeugen, daß Dir Meine Heiligkeit und Meine Allmacht nicht dein Nasenspitzchen wegbeißen wird!«

20 Als Helena Mich gar so herablassend vor sich sieht, vergeht ihr endlich alle Furcht, und sie fällt an Meine Brust und küßt sie, und spricht nach einer kleinen Weile: »O Gott, o Gott! Da wär's freilich gut! wenn ich nur so die ganze liebe Ewigkeit verbleiben könnte!« Endlich erhebt sie sich wieder von Meiner Brust, und sagt: »Aber, aber! ist es denn wohl möglich, daß Du, o mein Gott und Herr, gar so unbegreiflich herablassend sein kannst!? Nein, nein! das hätt' ich auf der Welt alle meine Lebtage mir nicht einmal zu denken getrauet! Aber gar so gut, demütig und lieb bist Du!!! – Nein, wer vor lauter Lieb' zu Dir nicht ordentlich hin wird, der ist gar kein Mensch!«

21 Rede Ich: »Nun, siehst Du, jetzt sind wir zwei schon wieder in der schönsten Ordnung, und das freut Mich! Nun aber komme nur auch mit Mir an den Ratstisch; dort wirst du gleich neben Mir sitzen, und uns mitunter auch einen Rat erteilen, was etwa nun mit der gar schlechten Welt der Erde geschehen solle?!«

22 Spricht sie: »Nein, nein, das geht nicht! ich – und Rat erteilen! nein, – das möchte‘ ein schöner Rat werden! Ich und Rat erteilen; nein, das ginge so hübsch zusammen!«

23 Rede Ich: »Nun, nun, mein liebes Helenerl, wir werden die Sache von dir aber ja auch nicht gar so strenge fordern; wenn dir nur manchmal so etwas recht Gescheites einfällt, da sage es Mir, und Ich werde es dann, so du dir's nicht getrauetest, schon an deinerstatt der Ratsgesellschaft vortragen.«

24 Spricht die Helena: »O Du, mein liebster Gott und Herr! wenn man Dich anschaut, und Dich gar so – man könnte sagen, einfach weg reden hört, so kommst's unsereinem aber auch gar nicht vor, als wann Du unser allerliebster Herr Gott wärst; aber dennoch bist Du es, und das seh' ich jetzt klar! Aber ich werd' darum jetzt aber auch so närrisch verliebt in Dich, daß ich vor lauter Lieb' aber schon g'rad zerplatzen könnt!! Ich möcht aber auch einen kennen, der Dich nicht auf das allergewaltigste sobald möchte zu lieben anfangen, wenn er Dich nur einmal erkannt hat! Aber für ungut wirst du mir's ja doch nicht aufnehmen, darum ich nun gar so verliebt in Dich bin?! Ich kann ja nicht dafür! Warum bist Du aber gar so unmenschlich lieb, herzlich gut, und aber gar so demütig, bescheiden und herablassend!«

25 Rede Ich: »Nun, nun, sei Du nur verliebt, so viel Du kannst und magst, das ist Mir schon recht; aber wenn Du auch noch so verliebt in Mich wärest, so ist Meine Liebe zu Dir dennoch viel stärker als die Deinige zu Mir, aber das macht auch wieder nichts; denn Ich, als Gott, muß ja stärker lieben können als wie Du, und das aus dem Grunde, weil Ich ja sonst auch stärker bin als Du, Meine liebste Helenerl! Glaubst Du das?!«

26 Spricht die Helena: »Nein, nein, ich bitt' Dich, sei doch nicht gar so gut mit mir, ich muß ja vor lauter Lieb zu Dir noch ganz zu Grunde gehen!«

27 Rede Ich: »O, sorge Dich nur darum nicht, Du Mein Liebchen Du; wenn Du auch mitunter ein wenig schwach wirst, so macht das nichts; denn Ich habe ja eine Menge von allerlei Stärkungen bei Mir, die werden Dich schon wieder aufrichten! O, darum sei Dir nur nicht bange. – Aber jetzt heißt es sich an den Ratstisch begeben. Komme also nur mit, und setze Dich hier gleich neben Mich!«

28 Die Helena folgt Mir nun ganz bescheiden, und wird am Tische, zu dem sich nun auch die anderen setzten, ganz rot vor lauter sich genieren; aber nach einer kleinen Weile fängt sie schon so mehr in dieser Gesellschaft sich zu finden an, und wird ganz aufmerksam auf den ersten von irgend jemanden begonnenen Vortrag.

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