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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 77
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 76

Des Schuhputzers Franz guter Rat und sanfte Bitte an den Pathetikus. Durch den Starrsinn des Pathetikus entsteht eine häßliche Szene

1 Tritt darauf der schon bekannte Franz zum Pathetikus, der weiland auf der Welt sein treuer Stiefelputzer war und sagt: »Mir san hier wuhl olli gleich, ober i sog zu siener denno euer Gnodn! Hörens, se sann holt do akradi a so, wia's af dr Welt woarn; un das kimmt mi hold a so vur, als waons net recht war, verstängens mi! Af de Welt woarns freili a reacht großer Herr, und woarns dozu a no blitztausendelementsakrisch reich, zu welchem Reichtum ihna freilich ihre Genädige z'meist verhulfe hod; ober mit oll den ist hiatzt goar, denn mer san do in de Geisterwelt, verstängens mi?! Un do hoaßts hiatzt net hopertaschi sein! do muaß a nijederner schön dehmiethi sein, sist gibt's spanische Mucken und an Loxenburger Spargl! De guate Herr do mants guat mit uns, und hot uns a bißl a Lichtl gmocht, un do moan i hold, des sulle wiar net so leicht obe schlucken ols ani spanische Wind!? – Gängens se nur mit uns, i moan, 's wird sener Schode net sein! und do schans her, senre liebe Mierl is a do, wißn's, de sei holt so nebe senre Genädigen ghobt hobn, verstängens mi!? – Un do moan i holt, wo ihre Mierl is, do sulle sei a net fehle! Woas moanens denn?«

2 Spricht der Pathetikus ganz indigniert (unwillig): »O du verfluchte Hauptwäsche! Das Fegefeuer scheint schon da zu sein, und so dürfte die Hölle auch nicht gar zu weit weg sein! Das ist aber ja doch rein zum des Teufels werden! Jetzt ist das Luder von einer Mierl auch hier, und mein gottseliges Weib dazu! No, no, die Sache wird sich machen! Ist mein Weib doch ein paar Jahrln vor mir in die Ewigkeit spazieren gegangen, und ich glaubte, weil sie in ihrer letzten Zeit gar so liguorianerisch fromm geseufzet hat und also selig in dem Herrn entschlief, daß sie schon längst wo auf einer Himmelswolke herumschwebt!? Aber nein, sie ist hier, und das noch 100 mal elender als auf der Welt knapp vor ihrem Tode! Allein, das hätte mir wenig oder gar nichts (aus-) gemacht. Aber jetzt kommt auch noch zum größten Überflusse mein Ludersmensch hinzu, die ein Maul wie ein Schwert hat! No, das ginge einem noch ab, mit so einer Gesellschaft hin zu jenem Manne zu gehen, Der mir schon ehedem ganz unzweideutig zu verstehen gab, daß ich noch sehr gedemütigt werden solle; aber ich rieche nun den Braten, und werde mich weise zu hüten wissen, mit dieser Gesellschaft hinzuwallen vor den Magier und vor die verklärte Lerchenfelderin; muß man aber in dieser Sauwelt auch mit allen Anujantitäten (Widerwärtigkeiten) zusammenkommen! Also mußte aus dem früheren Max Olaf sich auch mein ehemaliger irdischer Oberste und Freund herausdrechseln, der auch in alle meine Geheimnisse eingeweiht war, und aus dem Traumdeuter mein Herr Schwiegerpapa mit seiner ganzen Sippschaft im Hintergrunde! O Kruzifix Donnerwetter; wenn das nicht Fatalitäten von plus ultra sind, so weiß ich nicht mehr, was man noch fatal nennen solle!? Vielleicht kommen noch meine anderen zeitweiligen Amoretteln und allerlei Gruppierungen, die ich mit ihnen per Jux manchmal machte?!«

3 Solches redete der Pathetikus wie in sich hinein; aber es vernahmen die Umstehenden auch seine Worte und sein Weib trat hervor und sagte recht sanft zu ihm: »Johann! ich wußte es ja auf der Welt, wie dein Leben beschaffen war, und das war auch der Grund der Disharmonie, die zwischen uns beiden in der letzten Zeit mit geringen Unterbrechungen obwaltete; aber ich habe dir am Ende dennoch alles vergeben! Mache daher aber du denn nun hier gut vor Gott an mir, deinem irdischen Weibe, das dir aus purer Liebe alles, ja sogar die Liebe ihres Vaters geopfert hat! Fürchte mich ja nicht, denn ich werde dir wohl ewig keine Vorwürfe mehr machen! Folge aber nun auch Dem, Dem allein zu folgen du auf der Welt mir stets vorgabst! Wie oft hast du mich und mein Haus des stinkendsten altaristokratischen Hochmutes beschuldigt, und sieh, nun hier, im Reiche der Demütigung, bist du 100 mal hochmütiger als ich, und alle meine Angehörigen! Wie kommt denn das?«

4 Der Pathetikus Johann stutzt, murrt in sich hinein, und sagt nichts auf diese sanfte Anrede seines Weibes! –

5 Da tritt aber die Mierl hervor und sagt zur Emma Kunigunde: »Ich bitt euer Gnodn tausendmol um Verzeihung, doß i seanern Mann ghobt hon! i bin sonst alliwal a guats und bravs Diandrl geweßt, aber wie beim Sperl draußt hob i amol seiner Herrn kennen gelernt, weil er mir goar so zugsetzt hot, und hot mi af Tod und Lebn s' Heurathe schriftli versproche! un do hon i holt gmoant, 's kinnt v'leicht do miagli sein! Und der Sausackre hot mi von an Johr zum andern schön bei der Nose herum zogen, und vom Heurothe woar goar kane Red mehr; ober do hob i nix gwußt, daß dieser Sausackre verheuroth woar! Schan sie, dos hob i erst hiatzt ghört! Ober hiatzt gfreuens ihne a, wia i den Sausackre meine Manung soge werd; – na, der sull af seine 1.000 mol betrogene Anna Mierl denken!«

6 Darauf wendet sich die Mierl zum Pathetikus und spricht: »No, sei Sausackre von an holbenglischen Wosserfiacker, und nochr hiar do, i moan in Wean, wia mer no af der Welt woarn, so a pensnierter Frierschitz oder was sei woarn! woas moannes epr, woar sei san?! Jenern Gneadige kunts schun an Antwurt gebn, de sei af dr Welt so damisch aongschmiert hon?! Redns hiatzt, waos a Guraschi hobn, sei damischer Sausackre sei! Wisse sei, wos sei mi olles gsogt hobn, und wia sei a lediger Herr san, und wos für a Mengi Geld sei hietn! – O sei damischer Sausackre sei! Schans, waon sei schon a so an groaßer Herr warn, wie sei mi angloge hobn, und hietn sei goar a so a groaße Ehr in seinern Leib, do wärn sei do unmiegli goar a so a damischer Sausackre gwest; wissns, waon i mi net hellicht schaomen miaßt,i soget seinrer gneadige Frau olles, wos sei bloß nur mit mier olles tribn hobn, sei damischer Sausackre sei! Hobn sei irnern Frau nie die schön Klader zagt, de sei gaonz agns für mi hon moche losse, woibei sianer bold ols a Tirkin, bold ols a Spaningerin, bold ols a Französin, bold ols a Schweizerin und bold ols Gott waß wos ols hob erscheinen miaße, und woß sei damischer Sausackre sei nochr ols mit mier tribn hon!? Und hobn sei seanern Gneadigen net gsogt, wia sei olli Woche bei sener a gaonze Mengi allerlei Menschergefraß hobn zsaom kemme lossen; dei sich nocher hobn als ollerlei Gfraß aonziache miaße, und nocher vur seiner wia epr vur an türkische Pascha ollerlei Corawecke und Schponbonade moche, doß sei af dei Art nocher reacht wuhllüsti hobn wern kinnen, sei damischer Sausackre sei! Geltens, dos hobn sei seaner gnädigen Frau gwiß net gsogt? Na woartes mar no a bißli, i wer seiner gnädigen Frau schun no mehr soge! Denn hiatzt kriag i erst a reachte Gift af sei, wal i waß, doß sei damischer Sausackre sei so an ehrsames guates Wieberl ghobt hobn!«

7 Max Olaf solches vernehmend, tritt zum Pathetikus hin, unterbricht die Mierl und spricht: »No, no, lieber Freund, da kommen ja recht löbliche Histörchen über ihren irdischen Lebenswandel zum Vorscheine! Wahrlich, davon habe ich selbst von ihnen nie etwas vernommen! Das ist schön, das ist wirklich sehr impertinent schön! Ja, jetzt verstehe ich so manches, was ich sonst nie verstanden hätte! Also solche Treue und Liebe erwiesen sie ihrem guten Weibe?! O sie Hauptschweinepelz von einem Ehrenmanne! Hinc ergo illae Lakrimae!? Ja nun weiß ich warum sie jene Helena (Lerchenfelderin) so scheuen! Sie wird vielleicht wohl auch einige Male zufällig teil an ihren sauberen Paschafesten genommen haben?! und es wird ihnen daher hier auch gar nicht angenehm sein können, sich nun mit mir dorthin zu begeben, wo man sie etwas besser zu kennen scheint, als wie ich sie je gekannt habe?! Ja, jetzt wird mir so manches klar! Beispielsweise, daß sie samstags nachmittags nie zu haben waren; und so man sie fragte, was sie den samstags zu tun hätten, so erwiderten sie allezeit, daß sie an diesem Tage allezeit ihre wichtigen Rechnungen zu machen und in ein Protokoll einzutragen haben! Also, das war so ganz eigentlich ihr löbliches Samstagsgeschäftchen!? Schön, schön, o das ist wahrlich sehr schön! Freund, wenn ihre ehemännischen Aktien also stehen, und sie dabei doch noch als ein Mann von Ehre dastehen wollen, so muß ich sie nun wirklich bitten, nicht mit mir sich zu jenem reinsten und heiligsten Menschenfreunde hinzubegeben! Denn mit solch einer Ehrenmannschaft will ich wahrlich, besonders vor jenem Heiligen dort, nichts zu tun haben! Auch müßte ich eine verdammt geringe Achtung vor jenem Heiligen haben, so ich Ihm so einen Ausbund von einem Schweinepelz vorführete! Tun sie nun, was sie wollen; ich für mich aber werde mich weislich zu hüten wissen, mit ihnen noch fernerhin einen Umgang zu pflegen!

8 Arme Emma! hätte ich das auf der Welt gewußt, welch einen Schweinepelz von einem Manne du hattest, da hätte ich dir sicher keine Ehrenbeleidigungsstrafe diktiert; du weißt es, bei welcher Gelegenheit?! – Gehet aber nun alle mit mir hin zu jenem großen und heiligen Menschenfreunde; dort solle euch alles vergolten werden, was ihr je nur im entferntesten Sinne von mir irgend ein Unrecht erlitten habt! Aber dieser Schweinepelz solle gehen, wohin er will!«

9 Spricht der Baron: »Nein, das hätte ich von diesem Menschen auch nie geglaubt! So bleibt es denn doch allezeit wahr, was ich meinen Kindern auf der Welt so oft vorgepredigt habe: Was gemein ist, das bleibt gemein, und erhebt sich selten oder nie über den Schlamm seiner angeborenen Schändlichkeit; natürlich keine Regel ohne Ausnahme! Aber geschehen, ist geschehen; wir wollen ihn zwar nicht richten, aber für unsere Gesellschaft taugt er auch hier in dieser Welt nicht mehr!« (sich zum Pathetikus wendend) »Gehen sie von uns, und meiden sie unsere Gesellschaft! Dort unter dem gemeinsten Proletariate ist für sie der tauglichste Platz! Vielleicht finden sie dort noch einige Göttinnen, die ihnen bei ihren sauberen Paschafesten den Nektar kredenzt haben!«

10 Spricht der Pathetikus ganz erbost: »Man wird sich derlei Präsumtionen (Vermutungen) und Anherrschungen etwa wohl auch hier zu verbieten das Recht haben?! – Hat etwa nicht auch mein sauberes Weib alle Samstage Gesellschaften gegeben? Ob sie dabei Betrachtungen à la Ignatius von Loyola gemacht hat, das weiß ich wahrlich nicht! Im übrigen hat mir hier niemand etwas zu gebieten, was ich tun oder nicht tun solle! Denn ich glaube, daß ich nun keines Vormundes mehr bedarf! Ich verbitte mir aber auch für die Folge alle im höchsten Grade undelikaten Bemerkungen; denn ich werde schon selbst wissen, was ich zu tun habe! Übrigens brauchen sie mir gar nicht zu bedeuten, als wäre ich nun für ihre hochadelige Gesellschaft zu gemein, und somit gar nicht mehr wert ein Glied derselben zu sein! Denn ich selbst danke nun meinem Gotte, solch eines Gesindels auf eine so gute Art ledig geworden zu sein! Zum Glücke sehe ich dort mehr im Hintergrunde mehrere gute Bekannte; und mit denen werde ich sicher ehrenhafter daran sein, als mit euch, ihr eingebildetes hochadeliges Lumpengepack!?« –

11 Mit diesen Worten verläßt der Pathetikus diese Gesellschaft, und begibt sich sogleich zu seinen Bekannten hin. Die Emma will ihn aufhalten, aber er stößt sie zurück und eilet davon.

12 Max Olaf aber sagt: »Lasset ihn ziehen; vielleicht zieht er zu seiner Erstehung, oder zu seinem Falle! Wir aber wollen den Herrn dort bitten, daß Er ihm Gnade für Recht möge angedeihen lassen; und so begeben wir uns denn hin zu Ihm, dem Retter der Menschen!«

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