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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 76
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 75

Die demütige Bitte Max Olafs für das Wohl anderer erfreut den Herrn; dessen gutes Zeugnis und Verheißung an ihn; der Menschenseelen-Fischfang. Der noch blindstörige Pathetikus geht nicht mit

1 Mit diesen Worten begibt sich Max Olaf aber auch sogleich zu Mir hin, verbeugt sich vor Mir tief und spricht: »Erhaben weisester und sicher auch liebevollster Freund! Von allem, was nun während meines Hierseins sich zugetragen und wunderbar ereignet hat, ist meinen Augen nichts entgangen; aber auch bei all den wunderbaren Ereignissen habe ich bemerkt, daß sie sich alle ganz allein auf Dich stützen; Du scheinst ganz allein, wenigstens hier in diesem Hause, der Grund von allem zu sein!? Also kommt es mir auch noch obendarauf vor, daß hier in diesem Hause es eigentlich bloß nur auf Dich ankommt, ob da jemand glücklich oder unglücklich werden solle! Wer Dich gewonnen hat, der hat, wie es wenigstens mir vorkommt, schon alles gewonnen! Auf diese meine untrüglichsten Wahrnehmungen gestützt, und auf Deine nur zu ersichtliche Güte vertrauend, habe ich, vielleicht der Unwürdigste von allen, die dieses Gemaches Raum einschließt, mir die Freiheit genommen, Dich aus dem innersten Grunde meines Herzens zu bitten, daß Du jenen dreien dort, nämlich zweien Männern und einem gar armseligen Weibe Deine Gnade, Liebe und Freundschaft zukommen lassen wollest! Es klebt an ihnen, wie an mir, wohl noch vielleicht so mancher irdische Klumpen, der für diese Geisterwelt wohl kaum zu brauchen sein dürfte; aber wir alle sind sicher, bei Gott dem Lebendigen, vom besten Willen beseelt, und werden das nach allen unsern Kräften zu ergänzen trachten, was uns noch abgeht, um uns dadurch der Gnade als würdiger zu erweisen, die wir nun von Dir erhoffen.«

2 Rede Ich: »Mein geliebtester Freund und Bruder! Ich sage dir, gehe hin und bringe sie zu Mir! Denn wo wohl ist ein Vater, der dem Ohr und Herz verschlösse, der ihn um Gnade für seine Kinder anflehet!? Siehe, das würde selbst der härteste Vater auf der Erde nicht tun; um wie viel weniger Ich, wo in Mir doch alle Liebefülle des himmlischen Vaters wohnet körperlich! Daher eile du nur hin und bringe sie alle her, die nach Mir verlangen!«

3 Spricht Max Olaf voll der tiefsten Freude: »O Freund, ich wußte es ja, daß ich bei Dir keine vergeblichen Schritte machen werde! O, ich danke Dir schon im voraus für alle; denn nun sehe ich sie schon im Glücke weinen vor Freunden; o, ich danke Dir, ich danke Dir!«

4 Rede Ich: »Aber liebster Freund und Bruder; Ich habe nun immer gewartet, daß du für dich selbst auch etwas bitten möchtest; aber es kam nichts dergleichen zum Vorscheine! Willst denn du nicht auch so ein bißchen glücklicher sein, als du nun bist?!«

5 Spricht Max Olaf: »O Du himmlisch lieber guter Freund! Sieh', ich bin schon also beschaffen, wenn ich nur andere glücklich sehe, da bin ich ja auch schon glücklich in dem Anschauen des Glückes derer, die mir am Herzen liegen! Ich war ja auf der Welt auch nicht um ein Haar anders; ich vergaß eben darum stets für mich zu sorgen; weil mir nur das Glück anderer am Herzen lag! Ich habe es darum mit meinen eigenen Glücksumständen freilich nie weiter bringen können, weil ich alles was ich hatte, nur für andere hatte, und was ich tat, nur für andere tat! Daher mußt Du, liebster bester Freund, es mir hier schon nicht für übel nehmen, so ich zu Dir bloß nur für andere um Deine Gnade bitte, und vergaß dabei meiner fast also, als bedürfte ich derselben etwa weniger, als jene, für die ich Dich gebeten habe! O ich bedarf derselben wohl gar sehr; aber ich warte gerne darauf, so ich nur die anderen glücklich sehen kann!«

6 Rede Ich: »Höre, liebster Freund und Bruder! Ich fragte dich darum nicht umsonst, denn Ich wußte es wohl, wie dein Herz beschaffen ist, und wie es mit dem Meinen in der größten Harmonie stehet; Ich fragte dich aber nicht, als wüßte Ich's nicht, sondern um dein Herz für etwas vorzubereiten, was zu fassen du nun noch nicht fähig wärest; aber Ich Selbst werde dich bald fähig machen! – Gehe aber nun hin, und bringe sie her, die dir am Herzen liegen! Lasse aber noch von mehreren dein Herz belasten; und ich sage es dir – alle die du Mir herbringen wirst, sollen angenommen werden! – Verstehst du das? Ja du verstehest es; daher gehe hin, und bringe sie Mir alle ohne Ausnahme hierher!«

7 Max Olaf verneigt sich nun wieder tief vor Mir und kehrt zu den Seinigen zurück. Als er dort sehnlich erwartet zurückkommt, so fragt ihn der Baron gleich, wie er bei Mir aufgenommen wurde und wie seine Bitte?

8 Spricht Max Olaf: »Meine lieben Teuren alle! ich sage euch, allerbestens! Nicht nur ihr allein, sondern so viel sich ihrer uns anschließen wollen, werden bei Ihm die Aufnahme finden! Daher lasset uns ein wenig unter dieser Menge herumlavieren, ob sich nicht jemand vorfinden dürfte, der sich uns anschlösse!?«

9 Spricht der Baron: »O sie lieber Freund, sehen sie da gleich hinter der Emma noch ein paar weibliche Wesen, es sind meine älteren zwei Töchter, und hinter ihnen ihre Gatten, und daneben noch ein paar treue Domestiken (Hausangestellte), vielleicht würden sie auch angenommen, so sie mit uns hingingen?« – Spricht Max Olaf: »Nur her mit ihnen, was mit uns geht, wird angenommen, denn ich habe dafür Sein göttlich Wort! Aber wir müssen uns nun um noch mehrere umsehen.«

10 Spricht der Pathetikus: »Hören sie, mein allerwärmster Freund! da weiß ich ein Mittel: wir gehen unter die uns bekanntere Menge und machen unter ihr einen allgemeinen Aufruf! Wer sich dem fügen will, der wird uns auch folgen; wer sich aber dem nicht fügen will, no, der bleibe zurück! Nötigen, glaube ich, sollen wir gerade niemanden!?«

11 Spricht Max Olaf: »Oh, vom Nötigen ist da durchaus ja ohnehin keine Rede; aber erklären müssen wir es ihnen doch, warum wir von ihnen zu ihrem höchst eigenen Wohle so etwas wünschen! Und eine solche Erklärung wird hoffentlich doch keine Nötigung sein?!« Spricht der Pathetikus: »Je nachdem man die Sache nimmt, und je nachdem die Erklärung gestellet ist. Eine zu magere Erklärung wird wenig Effekt machen; eine durchdachte und wohlbegründete aber ist eben so gut eine Nötigung, als was immer für eine andere Macht, und der Wille des Beredeten ist kein freier mehr!« –

12 Spricht Max Olaf: »Freund! sie greifen da sehr weit aus; wenn man das alles eine Nötigung nennen würde, wodurch Menschen auf andere Ideen, Begriffe, und dadurch auf andere Entschließungen gebracht werden, da müßte ja auch aller Unterricht verbannet werden; denn durch den Unterricht kommen die Schüler, die doch auch mit einem freien Geiste begabte Menschen sind, ja auch zu ganz anderen Ideen, Begriffen und Entschließungen, durch die ihr erstes ursprünglich rein sinnliches Wollen eine ganz entgegengesetzte Richtung bekommt! Und ich meine, daß das etwas sehr Gutes ist? So aber die Unterrichtsnötigung dem menschlichen Geiste nur ersprießlich sein kann, und dieser eben durch sie erst zur wahren Freiheit gelangen kann, da sehe ich hier gar nicht ein, wie allda, im eigentlichen Reiche des Geistes, eine belehrende Erklärung die Willensfreiheit irgend eines Menschen gefährden solle oder könnte?! Seien sie, mein lieber Freund, deshalb nur ganz unbesorgt; wenn daran etwas gefehlt sein solle, so werde ich es schon dort vor Dem verantworten, Der mir dazu Sein göttliches Wort gegeben hat! Bleiben sie alle hier noch eine kleine Weile ruhig, ich werde sogleich mich selbst an dieses Werk machen, und werde mein treues Wortnetz unter diese Fische hineinsenken; fange ich etwas, so wird es gut sein, und fange ich zufälliger Weise nichts, no, so wird es denn also auch gut sein müssen.«

13 Mit diesen Worten begibt sich unser Max Olaf unter die Menge, und richtet an diese eine wohl dokumentierte Petition (Eingabe)! und bei zwanzig an der Zahl schließen sich ihm an, während die anderen murrend sagen: »Nu, waon mer hin wulln, wer' mer wuhl selbst'n Weg findn! Mi brauche kan extra sich Patzigmacher dobei!«

14 Max Olaf solches vernehmend, kehrt mit seinem Fange sogleich aus der Menge zu den Seinen zurück und sagt voll Freuden: »Nun sehet, liebe Freunde, mein Fischfang ist recht gut ausgefallen und ich bin darob voll Freuden! Nun ziehen wir aber auch sogleich zu Ihm hin, ja zu Ihm, Der uns allen allein helfen kann und auch helfen wird! Denn dafür und dazu habe ich Sein göttliches Wort!« –

15 Spricht der Pathetikus: »Aber ich begreife nicht, was sie, mein teuerster Freund, immer von Seinem göttlichen Worte reden! wie kann denn ein wenn schon auch ganz vollendeter Menschengeist ein göttliches Wort haben und geben? oder halten sie Ihn denn im Ernste etwa für so eine Art Apollo?!«

16 Spricht Max Olaf: »Ja, ich sage es ihnen ohne Scheu: Aut Caesar aut nihil! Entweder Er, oder sonst keiner! Seine an mich gerichteten endlos großen Worte fielen bei mir durchaus nicht auf Sand und Fließpapier, sondern in alle Tiefe meines Herzens; und dieses sagt mir nun stets: Er und sonst ewig keiner! Verstehst du diese Kraft? So fragt mich mein Herz. Und mein Geist antwortet: Ja! Herz! Den du liebst, Der ist es, und außer Ihm ist keiner mehr! – – Aber nun nichts weiter davon, sondern auf und zu Dem hin! Heil dem, der mir folgt!«

17 Spricht in der Schnelligkeit der Pathetikus: »Muß wahrlich um Vergebung bitten, mein sonst schätzbarster Freund! unter solcher Ägide (Obhut) kann ich Ihnen nicht folgen! Einen Menschen als einen sogar alleinigen Gott ansehen!? Fürwahr, das ist mehr als zu viel und zu stark! Ich habe gegen Seine ihnen gar so auffallende Weisheit und innere Willenskraft nichts einzuwenden, wie auch gegen Seine Güte nichts; denn die Lerchenfelderin macht sich unter Seiner Güte famos; aber gegen Seine von ihnen uns angezeigte Gottheit muß ich einen Protestanten machen! Im Mose heißt es; du sollst allein an einen Gott glauben! und hören sie ferner, was Moses an einem anderen Orte spricht, eigentlich Gott zum Moses, als er Ihn zu schauen verlangte: Gott kann niemand sehen und leben, denn Gott ist ein verzehrend Feuer! Und hören sie weiter, was der weise Jude Jesus, den sie auch für einen Gott halten, selbst an einer Stelle, glaube im Johannes, spricht, indem Er sagt: Es habe die Gottheit wohl nie jemand gesehen, aber wer sein Wort hörete, es annehme und danach handeln möchte, der würde dadurch den Geist Gottes in sich aufnehmen, und dieser in ihm wohnen! Sehen sie, ich bin auch ein wenig ein Orthodoxer und bin mit der Bibel so ziemlich vertraut; aber das steht nirgends darinnen, daß ein Mensch oder auch sein Geist, wenn er auch aus Gott ist und sich göttlicher Vollkommenheiten zu erfreuen hat, darum auch schon das allerhöchste im ewig unzugänglichen Lichte wohnende Gottwesen Selbst wäre! Und da sie, mir sonst stets gleich schätzbarster Freund, eben von jenem Lerchenfelderin-Verschönerer das zu behaupten scheinen, so kann ich wirklich nicht mit Ihnen gehen!«

18 Spricht Max Olaf: »Lieber Freund! tun sie nun was sie wollen; sie haben schon früher gegen eine Nötigung protestiert, und so werde ich sie auch fürderhin gar nicht mehr zu was immer bereden!«

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