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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 75
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 74

Schluß des Lebensberichtes vom Pathetikus und Überraschungen für ihn im Jenseits. Der Pathetikus findet seine Familie. Max Olafs guter Rat, der Pathetikus und sein Schwiegervater wandeln sich zur geistig-seelischen Reife. Max Olaf macht den Fürsprecher beim Herrn

Am 1. Mai 1849

1 Spricht endlich wieder der Max Olaf sagend: »Mein geehrtester Freund, deine eheliche Lebensgeschichte fängt an sich stark zu dehnen; daher lassen wir die weitere Fortsetzung derselben, und das darum, weil sie mir eben so gut bekannt ist, als dir selbst; denn wisse, ich, allhier unter dem Namen Max Olaf, der ich dir hier zumeist fortwährend als ein rechter Freund zur Seite stehe, bin ja eben derselbe Oberste und General, der dich auf der Welt so zu sagen aus Nichts zu etwas gemacht hat; und dieser Freund da, der alle diese Erscheinungen samt der Metamorphosierung der Lerchenfelderin für einen puren Traum ansieht, ist jener Baron, dessen Tochter ohne sein Wollen dein Weib wurde; willst du aber auch dein Weib hier kennen lernen, mit der du nahe 20 Jahre auf der Erde gezankt und gehadert hast, so sehe das armseligst aussehende Wesen, das nahe halb nackt und ganz entsetzlich mager hinter dem Baron auf dich herüberlugt, und du hast dann das wirkliche Finale deiner ganzen Lebensgeschichte beisammen! – Bist du zufrieden mit der Lösung dieser deiner uns hübsch gedehnt erzählten Lebensgeschichte?«

2 Spricht der Pathetikus: »O, du verzweifeltes Wetter! No, no, no, die Sache wird sich machen! Ich glaube, die allermißlichste Fortsetzung meiner Lebensgeschichte wird hier wieder wie ein zweiter Akt eines Dramas ihren Anfang nehmen?! Was meinst du, mein alleiniger aufrichtigster Freund?!«

3 Spricht der Max Olaf: »Lieber Freund! mir kommt es hier sehr stark also vor, daß wir uns fast ausschließend an jenen Mann werden müssen zu halten anfangen, so wir eine bessere Fortsetzung unseres Lebensdramas an uns werden gewärtig sein wollen! Denn sieh, ich machte nun immer so einen stummen Beobachter, und meinen Feldherrnaugen ist nichts entgangen, was alles sich hier in diesem Gemache zehn Schritte von uns entfernt, während deiner Lebenserzählung, für mein denkendes Gemüt von größter und beachtenswertester Wichtikeit ereignet hat! Die Lerchenfelderin wurde neu bekleidet, und sieht nun wie ein purster Engel aus, und je mehr sie jenem sonderbaren Manne mit Liebe zugetan ist, desto schöner und weiser wird sie auch! – Aber nicht sie allein ist so glücklich; ich sehe schon eine Menge, die früher gleich uns sehr elend da gestanden sind; wie sie sich aber jenem Manne mehr und mehr haben zu nähern angefangen, da bekamen sie auch sogleich ein besseres Aussehen, und ihre Kleider verwandelten sich nahe (ebenso), wie ihre Gemüter!

4 Freund! das sind ja doch im buchstäblichen Sinne des Wortes und der Bedeutung nach Wunder über Wunder!

5 Dort mehr im Hintergrunde auf einer recht geräumigen Tribüne ersiehst du bei 24 weibliche Wesen im Balletkostüm; die sehen dir doch schon ganz rein himmlisch aus; und dort am mit Brot und Wein best besetzten Tische stehen der bekannte Demokrat Blum, der uns nur zu bekannte Messenhauser, der Dr.Becher und der Dr. und Redakteur Jellinek, welch eine, man könnte sagen, wahrhaft heilige Würde strahlt aus ihren Angesichtern; von welcher Weisheitstiefe ist jede ihrer Reden erfüllt; wie freundlich und dabei doch so erhaben ernst ist ihr Benehmen,

6 und dennoch scheint ihnen jener schlichte Mann, der nun der schönen Lerchenfelderin förmlich den Hof macht, und mit ihr von nichts anderem als von der Liebe spricht, alles in allem zu sein; denn sie fragen Ihn um alles; Er ordnet alles an, Er gebietet, und es ist da und dort, was Er will und gebietet! Dabei aber ist Sein ganzes Benehmen ein so anspruchloses und ein so, man könnte sagen unmenschlich, also rein himmlisch-freundliches, daß ich Ihn nun bloß durchs Zusehen und Beobachten schon so lieb gewonnen habe, wie man nur immer einen allerbesten Freund lieb gewinnen kann!

7 Ich möchte nun schon selbst zu Ihm hineilen, und Ihn aber schon so zu liebkosen anfangen, als wie da liebkoset ein sehr bedrängter Feldherr eine eroberte feindliche Hauptfahne, von deren Eroberung der vollkommene Sieg eines beschwerlichen Feldzuges abhängt! – Sage mir Freund, fühlst du nicht auch ein ähnliches Bedürfnis in dir, und du Traumdeuter von einem irdischen Barone auch samt deiner Tochter Kunigunde Emma?!«

8 Spricht der Pathetikus: »Ich für meine Person bin nun ganz mit dir einverstanden, und fange nun auch das gleiche zu fühlen an; aber ob es mein Herr Schwiegerpapa, und meine Emma auch also fühlen, das ist freilich eine ganz andere Frage? Vielleicht die Emma, bei der ich in der letzten Zeit so einige Spuren von einer Religiösität entdeckt habe; aber was den Herrn Baron betrifft, so kenne ich ihn viel zu wenig, als daß ich behaupten könnte und sagen, wie er in sich denkt und fühlt! Das wenigstens dürfte hier als gewiß angenommen werden, daß er mit seinen irdischen 16 Ahnen-Hoheitsbegriffen keine zu weiten Sprünge machen wird, wenn er dieselben – wie ich mein Ehrenmannsgefühl – ganz nagelfest mit herüber genommen hat!?«

9 Spricht der Baron: »Mein lieber Tochterentführer! kehren sie nur schön fleißig vor ihrer eignen Flur; denn so ich mit ihnen hier rechten wollte, da würde es einen tüchtigen Prozeß absetzen! Aber ich habe ihnen auf der Welt alles vergeben, und so sind wir in unserer fraglichen Causa quitt. Haben sie aber hier in dieser mir noch immer wie ein Traum vorkommenden Welt etwas Ersprießliches vor mir voraus, so entgelten sie mir hier durch ihre Freundschaft das, was sie mir auf der Erde doch offenbar feindlich genug entwendet haben, nämlich mein Leben! Denn meine Emma war dort mein Leben, welches sie mir geraubt haben; aber ich habe ihnen diesen Raub vergeben. Fragen sie daher nicht, wie ich hier gesinnt sei oder ob ich mit meinen allfällig mit herüber genommenen 16 Ahnenbegriffen kurze oder weite Sprünge machen werde; sondern helfen sie mir und der armen Emma, so sie uns irgendwie helfen können! Dieser ihr Freund solle es sagen, ob ich nun recht geredet habe?!« –

10 Spricht der Max Olaf: »Ganz vollkommen, so zu sagen mir aus dem Herzen, lieber Freund! Der Schwiegersohn wird das auch sicher tun; denn an gutem Willen hat es bei ihm nie gemangelt, und wer diesen hat, von dem läßt sich auch nur das Allerbeste erhoffen! Nur geht uns allen hier noch das können ab. Aber ich hoffe zu Gott, daß wenigstens einem aus uns bald geholfen sein wird, und dieser wird dann auch seine lieben Freunde nicht in der Not stecken lassen!« –

11 Spricht der Baron: »Ich danke ihnen recht herzlich dafür! Denn irgend eine Hilfe täte mir und der Emma überaus not; denn etliche 20 Jahre, die hier zu 2.000 Jahren geworden sind, schmachte ich schon in der größten Verlassenheit! Keine Hilfe und kein Trost, und kein Licht kam bis nun, da wir hier in diesem herrlichen Gemache uns befinden, zu mir, und sie sind der erste, der da angefangen hat, mir aus meinem langen Traume zu helfen! O Freund, vollenden sie aber auch, was sie begonnen haben! Wenn mein Herz und mein Leben für sie irgend einen Wert hat, so solle es ganz ihnen zum Lohne und Lobe geweiht sein und verbleiben!« –

12 Spricht Max Olaf: »Liebe Freunde, und sie auch meine arme Emma, folget mir willig und getrost dorthin zu jenem herrlichen Manne, der dort mit dem Dr.Jellinek sich nun bespricht; ich will dort vor Ihm einen Kniefall machen zu eurem und vielleicht auch zu meinem Besten! Wenn Der uns annimmt, und uns Seine wunderbar hilfreiche Hand bietet, so wird es uns auch geholfen sein; davon bin ich vollkommen überzeugt! Aber es heißt sich vor Ihm ungeheuer zusammen nehmen, das habe ich schon so im Vorbeigehen beobachtet; denn so unaussprechlich gut Er auch sein mag, so aber besitzt Er neben Seiner unbegrenzten Güte dennoch auch eine so enorme Weisheit, vor der jeder unserer allertiefsten Gedanken wie eine Butter an der Sonne zerschmilzt. Wie wir denken und fühlen, so müssen wir vor Ihm reden; denn vor Seinem Scharfblicke läßt sich kein Hinterhalt machen! Kommet daher mit mir! vielleicht finden wir Gnade bei Ihm!«

13 Spricht der Pathetikus: »Bruder, wie wäre es denn, so du ohne uns allein zu Ihm hingingest und machtest für uns einen Fürsprecher? Denn sieh', wahrlich wahr, ich habe so ganz heimlich vor Ihm eine ganz eigene Art von einer Furcht!«

14 Auch der Baron und die Emma bitten den General Max Olaf darum. – Und der General Max Olaf spricht: »Liebste Freunde, was ich für euch tun kann, das werde ich auch tun. Aber sammelt euch unterdessen; denn ich ahne es, daß ich mit einer guten Antwort baldigst zurückkehren werde! Gehabt euch unterdessen wohl.«

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