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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 74
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 73

Fortsetzung des Lebensberichtes vom Pathetikus: Der Auszug aus der ehelichen Wohnung. Der Kammerdiener als ein Schattenkrieger an verschiedenen Fronten. Frau Emma beginnt zu rasen, oder ist sie hysterisch nervös? Die Wandlung der Emma und der Wiedereinzug in die eheliche Wohnung

Am 28. April 1849

1 Der Pathetikus erzählt weiter: »No, gut, gut; sehr gut hast du es gemacht«, sprach ich; »aber mit diesen drei großen und schweren Kästen wird es seine geweisten Wege haben?« – Spricht der Kammerdiener: »Hat nichts zu sagen, euer Gnaden, waren die anderen doch auch nicht viel kleiner, und sind doch schon in der Ordnung! Viele Hände und geschickte Hände können ja Wunder wirken! Nur ganz unbesorgt, euer Gnaden; in ein paar Stunden ist alles in der Ordnung. O, euer Gnaden werden eine rechte Freude haben mit der Wohnung! Sie ist zwar nicht in der Stadt, sondern in einer der Vorstädte; aber eine wahre Prachtwohnung, versehen mit allen möglichen Bequemlichkeiten, und kostet wirklich nur eine Bagatelle! Acht Herrschaftszimmer, drei Zimmer für Dienstboten, einen Stall für 6 Pferde, Wagenremise, Holzlage, eine schöne ganz englisch eingerichtete Küche, Speisekammer, ein bedeutender Keller und der ganze Dachboden; was glauben euer Gnaden, was das kostet?« – Sag ich: »No, so gegen 3.000 bis 4.000 Gulden!« – »Oh, oh!« – verwundert sich der Kammerdiener und spricht »Nicht 2.000! (sondern nur) 1.600 Gulden macht die ganze Geschichte aus! No, ist das wohlfeil oder nicht?!« – Sage ich: »Sehr wohlfeil, wahrlich sehr wohlfeil.« –

2 Spricht auch der General: »Ja, wahrlich sehr billig! Aber in welcher Vorstadt ist es, und im wievielten Stocke?« – Spricht der Kammerdiener: »Die Vorstadt nenne ich aus guten Gründen nicht; (dabei auf mein Weib Emma hindeutend) Stock aber ist es der zweite! Denn wenn man sich von dem Feinde zurückzieht, so darf man ihm nicht auf die Nase binden, wohin man sich zurückzieht! Hab ich recht, oder nicht?!« – »Ganz vollkommen,« sagte der General, »ihr müsset einmal auch schon vor dem Feinde gedient haben, weil ihr das so gut wißt?« Spricht der Kammerdiener: »Zweifach, euer Exzellenz! einmal als Wachtmeister vor dem wirklichen, wo es Bomben, Granaten und Kartätschen geregnet hat; und bald darauf vor dem unwirklichen, – nämlich vor meinem Weibe. Da hat es zwar keine Bomben, Granaten und Kartätschen geregnet, aber dafür ganze Heuschreckenzüge von Lästerzungen! Fünf Jahre und drei Monate habe ichs ausgehalten, und behandelte die Rackalie mit aller Geduld und Zartheit; aber das war alles umsonst! Denn je zärtlicher ich mit dem Rabenbratl war, desto mehr stieg in ihr der Hochmutsspitzel bis zu einer solchen Höhe, gegen die der Stephansturm ein reiner Spitzbube wäre! Kurz, es war mit ihr um keinen Preis mehr auszukommen. – Ich zog mich daher auch vor diesem meinem zweiten Feinde zurück, suchte mir einen Dienst, und fand auch bald einen – nämlich hier! – Mein eheweiblicher Feind hat mich zwar hier schon aufgefunden, und kam schon einige Male mit Friedensvorschlägen zu mir; aber ich war allezeit so frei und keck zugleich, und gab der Pazifizentin einen Fußritt vor'n A . . . . hätte bald (was) gesagt, und einmal sogar eine ganz geschmeidige Ohrfeige, und sehen euer Gnaden, jetzt ist's gut, – denn Gott Lob, es sind nun bereits sieben Monate vergangen, und ich habe meinen zweiten Feind nicht wiedergesehen, außer manchmal zur Nachtzeit so ganz inkognito im Schlossergäßl auf dem bekannten Schnepfenstriche! Prosit Mahlzeit, hab ich mir da gedacht, wer das Glück hat über dich zu kommen, der wird viel zu genießen bekommen! Wenn vielleicht von euer Gnaden Frau Gemahlin gewünscht werden würde, bei meiner liebenswürdigsten Gattin in allen nützlichen Dingen einen gründlichen Unterricht zu nehmen, so könnte ich ihr kein tauglicheres Individuum anempfehlen!?«

3 Meine Emma, aus Ingrimm an einem entferntesten Fenster dieses Zimmers stehend, und mit ihren Fingern an einer Scheibe einen ganz wohl conditionierten Zapfenstreich herunterarbeitend, kehrt sich auf einmal um, läuft auf meinen Kammerdiener zu mit verbissenen Lippen, und zieht ihre zarte Hand für eine recht energische Ohrfeige gewisserart vom Leder; aber der Kammerdiener pariert (weicht) ihr aus und spricht dabei: »Aber oha! solches Gfraß kann ich mir drunten bei einer saubern Obstlerin schon selber holen! Mein Gsicht ist nicht so nobel, daß es sich zum Rasieren von einer hochadeligen Hand sollte einseifen lassen! Nur drei Schritte von meinem ehrlichen Feldwebelleibe, sonst könnte ich auf den Gedanken kommen, mit der gnädigen Frau Baronin einen echten Straßburgerischen Tanz anzugehen; und da möchte es dann ganz kurios verdrehte Geschichten absetzen, verstanden?!« – Die Emma zerberstete nahe vor Zorn, und schrie: »Mir aus den Augen, Kanaillen-Volk, mir aus den Augen, Bestien!! Er niederträchtiger Kujon (Quäler)! – wie kann er sich unter stehen, m i i i i i i i r solche Sottisen (stichelnde) Reden ins Angesicht zu sagen, m i i i r, einer Baronin vom ältesten adligen Geschlechte?! – Packe er sich nun augenblicklich aus meinen Augen, sonst lasse ich ihn durch die Polizei holen!« –

4 Spricht der Kammerdiener: »Hat nicht nötig euere gnädige Frau Baronin! – in einer halben Stunde werden wir ohnehin Gott Lob aus dem Bereiche ihrer schönen Augen kommen! Erzürnen sie sich jetzt nicht; denn das könnte ja auf ihre zartesten Nerven von einem sehr üblen Einflusse sein! Was würden ihre für den heutigen Abend schon gestern bestellten Herrn Gesellschafter sich alles denken können, wenn die gnädige Frau Baronin sie so verstört empfinge!?« – Die Baronin: »Schweige er impertinenter Lümmel, sonst solle er es sogleich empfinden, was es heiße, eine Baronin so zu beleidigen!!! Ich bin imstande und werfe ihm, was mir in die Hände kommt, in sein scheußliches Affengfriß!« – Spricht ein anderer Bediente zum Kammerdiener: »No, du, itzt hast bald Zeit 's Maul z' halten, sonst erleb'mer noch so a klan's Vorspielel zum Jüngsten Tag! Schau, daß mer weiter koammen!« – Sage ich: »Ja, ja, tummelt's euch; denn jetzt möchte ich schon selbst lieber hinausfliegen als gehen!«

5 Als ich solches noch kaum ausgeredet habe springt die Emma zu mir hin und schreit: »Nein, nein! Habe ich das um dich verdient, daß du mich nun im Ernste verlässest, und mich noch obendrauf dem Gespötte deiner frechsten Dienerschaft preis gibst! Ich glaubte, du werdest meine diesmalige leidige üble Laune nicht so nehmen, sondern wirst mit ihr deine alte Geduld haben!? Aber nein, dein Herz ist zu einem Steine geworden, und dein Auge sieht immer die einzige Krankheit deiner armen Emma! Habe ich dir, als ich noch jünger und gesünder war als jetzt, alles zum Opfer gebracht, was ich nur deinem Herzen ansah; nun aber wo ich krank bin, ja sehr krank, wenn mein leidiger Paroxysmus (anfallartiges Auftreten einer Krankheitserscheinung) mich befällt, hast du keine Geduld mehr mit mir! O du hartes Männerherz, das auch die sanftesten Worte einer kranken Gattin nicht mehr zu erweichen vermögen! Warum verlässest du mich denn jetzt, was hab' ich dir denn getan?! Sieh, ich war in eine üble Laune gerathen, wie und warum, das wird nur Gott wissen; kurz, ich wurde krank, und bin dir gewiß in solch einem Zustande meines Leidens roh und bitter entgegen gekommen; aber nun fiel es mir wieder wie Schuppen von den Augen; ich gewahre es dumpf, daß ich dich, wie den Herrn General muß ganz tüchtig beleidigt haben, vielleicht dich gar aus dem Hause geschafft?! Und du hast es nicht erkannt, daß dies nur deine arme kranke Emma getan hat, die ihrer gesunden Sinne nicht mächtig war! O du mein teuerster Gemahl! Tue mit mir, was du willst; strafe mich, wenn ich Strafe verdient habe! Aber nur verlasse mich nicht!«

6 Mit diesen Worten fällt sie mir schluchzend und weinend an die Brust und umfaßt mich krampfhaft. – Die Dienerschaft macht große Augen und fragt mich, was nun zu machen sein möchte, ob weiter fort zu ziehen oder ob wieder zurück zu wandern?! Spricht die Emma: »Augenblicklich auf meine Rechnung wieder zurückziehen und die Miete der Wohnung auf ein halbes Jahr zu bezahlen!«

7 Spricht darauf der General: »Ja, wenn die Sachen also stehen, da bedauere ich dich, und noch mehr deine Gattin, die mir auch im Ernste krank zu sein vorkommt. Natürlich kannst du als Kavalier, Mensch und Gatte bei so bewandten Umstäden deine Emma in gar keinem Falle verlassen! Ich aber werde nun einen notwendigen Gang machen und in ein paar Stunden wieder bei euch sein, richtet mir ein Zimmer ein, denn ich werde einige Tage bei euch zubringen.« – Der General empfiehlt sich nun; die Diener gehen an ihre Rückwanderungsarbeit, was ihnen etwas fatal ist; und meine Emma ist wie ausgewechselt, und weiß sich kaum an etwas zu erinnern, was früher zwischen uns vorgefallen ist! Ich staunte und staunte heimlich; aber die Sache war nun einmal also, wie sie war! Die Emma kurz vorher noch ein Teufel – ward jetzt zu einem Engel.«

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