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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 71
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 70

Der Pathetikus berichtet aus seinem Erdenleben (im Kapitel 70 bis 74). Der Lebenslauf eines Weltglückspilzes oder was sonst? (Matth. 16,26) Dieses Kapitel endet mit der Eheschließung zwischen dem Pathetikus und Kunigunde genannt Emma

Am 18. April 1849

1 Der Pathetikus erzählt: »Bruder Max, du hast nun vollauf gut, wahr und aus dem Leben gegriffen richtig gesprochen! – Meine Kunigunde, Gott habe sie selig! Du hast sie gekannt! Ich war von Geburt aus nur ein Landjunker, wie du's weißt; meine Eltern haben nie zu der Klasse der Wohlhabenden gehört, und konnten mir somit auch keine andere Erziehung geben, als die sie selbst hatten. Der Zufall wollte es, daß ich zum Militär kam, ich war ein sauberer Bursche, und hatte das Glück, meinen Oberst für mich eingenommen zu machen; er gab mich in die Militärschul oder eigentlich Regimentsschule, in der ich binnen kurzem recht gut lesen, schreiben und rechnen konnte; in den sonstigen Militärdienstsachen war ich gar bald einer der Gewandtesten im ganzen Regimente. Die ganz natürliche Folge davon war, daß ich Scharschen (Chargen), wurde Gefreiter, Korporal, Feldwebel, und endlich, nach sieben Jahren schon Offizier! Jung, sauber, lustig und geschickt, und Offizier! Denke, daß ich auch im Punkte des schönen Geschlechtes bei solchen Eigenschaften nicht zurück blieb.

2 Zum Unglück lernte ich bei einem Erzaristokraten eine seiner Töchter kennen, und das bei der Gelegenheit eines Balles, den er dem sämtlichen Offizierskorps gab. Sie war von Geburt eine Baronesse, und ihr Vater, der Ballgeber, oben darauf ein ungeheuer reicher Mann. Das Mädchen gefiel mir, und ich ihr wahrscheinlich als notorisch der schönste Mann beim Regimente, noch mehr; kurz, sie fing Feuer, und gab es mir ganz unzweideutig (zweifelsfrei) zu verstehen, was sie für mich fühle! – Ich von Geburt ein Sauhalter und arm, vis à vis dem Baron, wie eine Kirchenmaus, nur durch meine Leibesvorzüge, und nicht durch Verdienste – Offizier! Das reimte sich wohl verdammt schlecht zusammen! Aber was fragt die rechte Liebe nach Geburt und Reichtum! Da ich sah, daß das Mädchen mich wirklich liebte, so kam es mir wahrlich auch gar nicht schwer vor, mich auch in sie so recht nagelfest zu verlieben.

3 Nun waren wir beide in einander also kreuz und quer, und über Hals und Kopf verliebt, und unser beider Wunsch auf Leben und Tod war dann natürlich kein anderer, als einander ehst möglich zu – heiraten! Aber wie?! Wie des erzaristokratischen reichen Vaters, der sich bei jeder Gelegenheit seiner wenigstens 24 Ahnen rühmte, Einwilligung erhalten, und ihn zur Legung der vorgeschriebenen Kaution (Sicherheitsleistung) zu bewegen?! Ich steckte mich hinter alles, was mich beim Vater nur immer protegieren konnte! Und der Erfolg war, daß mir das Haus freilich auf eine ganz höfliche Art verboten wurde. Was nun?! War meine, und meiner Geliebten Frage.

4 Mein Oberst, der mich wie seinen Sohn liebte, war selbst ärgerlich über diese Geschichte, und riet mir, (den Militärdienst) zu quittieren, dann Pässe zu nehmen, nach England zu reisen, und mir dort nur allsogleich eine bedeutende Militärstelle zu kaufen, zu welchem Behufe er mir als selbst ein überaus reicher Kavalier das nötige Geld ohne allen Rückhalt vorschießen wolle! Ich verstand, was der Oberst damit erreichen wollte; und befolgte seinen väterlichen Rat auf das Pünktlichste. Kurz, omissis omitendis etc., im Verlaufe von einem halben Jahre war ich, da ich mich zur Marine wandte, erster Kapitän eines Kriegsschiffes, das nach kurzer Zeit die Bestimmung erhielt – nach Ostindien zu segeln. An wahrer Tapferkeit fehlte es mir nicht, die Nautik (Seefahrkunde) hatte ich mir bald zueigen gemacht, und die Art auf der See ein Kriegsheld zu sein, nicht minder!

5 Nur zu bald boten sich mir tausend Gelegenheiten dar, mich als ein Feldherr auszuzeichnen; alle Operationen, die mir anvertraut wurden, habe ich glänzend durchgeführt, und so fehlte es auch nicht an glänzenden Auszeichnungen. Nach etwa 4 Jahren kehrte ich nach England zurück, natürlich geadelt, und auch ungeheuer reich; ich schützte Gründe vor, um mich pensionieren zu lassen; allein – sie wurden nicht angenommen; aber dafür bekam ich einen halbjährigen Urlaub, den ich natürlich dazu benutzte, um meine Heiratsgeschichte in die nun vielleicht doch mögliche Bewerkstelligung zu bringen?!

6 Als ich mit viel Geld, Urlaub und Pässen versehen in meinem Vaterlande ankam, und Gottlob meine Eltern und Geschwister noch am Leben fand, und sie alle auch reichlichst beschenkt hatte, so war darauf mein erster Gang in die Stadt, wo ich assentiert (tauglich für den Militärdienst erklärt) wurde, und wo sich mein guter Vater Oberst, nun aber schon als Generalmajor befand. Ob meine, oder ob seine Freude über unser Wiedersehen größer war, das wird Gott wissen! Kurz – eine gute Viertelstunde lagen wir uns in den Armen, und küßten uns gegenseitig wohl tausendmale! Meine erste Sorge war, ihm die große bare Schuld abzutragen, und zwar mit den reichsten Zinsen; wie gerne hätte ich diesem Ehrenmanne das Dreifache des mir Geliehenen abgestattet! Aber er nahm nichts an, und sagte, als ich ihm blankes Gold auf den Tisch legte: »Mein liebster Freund, sie wissen, daß ich nie verheiratet war, und somit auch keine Kinder habe; sie sind mein einziger Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe, und somit auch der Erbe meines sämtlichen Vermögens nach mir. Diese Kleinigkeit aber betrachten sie bloß als ein väterliches Vorgeschenk, und machen bei mir weiterhin auch keine Erwähnung mehr!«

7 Daß mich eine solche Erklärung bis zu Tränen rühren mußte, das versteht sich von selbst; denn wer wohl könnte, und so er als ein Kriegsheld auch zehntausend Teufel im Leibe hätte, einem solchen wahrsten Edelmanne und Ehrenmanne gegenüber ungerührt bleiben?! Kurz, als wir uns so recht wacker durchgeliebt haben, so fragte er mich, ob die bewußte Baronesse nie an mich, oder ich an sie geschrieben hätte? Ich sprach der Wahrheit gemäß, daß ich ihr drei Male geschrieben habe, aber leider auf keines dieser Schreiben eine Antwort erhielt! Daß ich ihr dann nicht auch noch ein viertes Mal schrieb, läßt sich leicht denken!? Daß ich aber nun mit diesem Besuche, den ich meinem Vaterlande schuldig war, und ganz besonders ihm, als meinem größten Freunde, auch noch eine ganz solide Anfrage an den Baron um die Hand seiner Tochter verbinden möchte, läßt sich sehr leicht denken!

8 Der Herr Generalmajor war damit sehr zufrieden, und lobte die Festigkeit meines Charakters über alle Maßen, obschon er es mir nicht verhehlte, daß der Baron mit seiner Tochter, d.h. mit der mir allein wohlgefälligen, obschon sie nun um einige Jahre älter ist, jetzt noch ein prätiöseres (anmaßenderes) Wesen treibe, als ehedem; Reichtum sei kein Köder für ihn, ebensowenig auch das Verdienst eines unadlig Geborenen; sondern bei diesem bornierten Aristokraten gelte bloß die Geburt und der hohe Adel etwas. Er habe auch deshalb den ihm vom Kaiser verliehenen Grafentitel zurückgelegt, weil er dadurch zu einem jüngsten Grafen würde, da er sonst doch der älteste Baron sei!

9 Daß diese Erklärung auf mein Gemüt eben keinen sehr günstigen Eindruck machte, läßt sich leicht begreifen; besonders so man bedenkt, was unsereiner zur Gewinnung der Gunst solch eines Hauses alles unternommen und gewagt hatte!? Ich war wohl auch nun ein Gentleman (niederer engl. Adel); aber wo wären bei mir die erforderlichen wenigstens 16 Ahnen zu suchen gewesen, da der Stammbaum mit mir erst seinen Anfang nahm!? Aber der Herr Generalmajor meinte, ich solle dennoch hingehen, und dem Alten meine Aufwartung machen, und ihm bei dieser Gelegenheit recht viel Abenteuerliches erzählen von Meeresstürmen, Seeschlangen und Seeschlachten, wovon der Baron ein großer Freund sei, vielleicht gelänge es mir, das Herz des alten Kauzes zu gewinnen!?

10 Ich befolgte den Rat meines Freundes, der mich selbst hingeleitete, ward vorgelassen, und vom Alten mit großer Auszeichnung empfangen, was ich für ein gutes Prognostikon (günstiges Vorzeichen) hielt, worüber mich aber die Folge leider dennoch nur zu bald eines anderen belehrte!

11 Das Beste an der Sache war das, daß mich meine Emma noch mit derselben Glut liebte, wie ehedem, und daß sie meine Briefe richtig erhielt, aber dieselben nur stumm und unter vielen Tränen in ihrem Herzen beantworten mußte. Ich bot nun natürlich alles auf, um den Alten in Punkto seiner Tochter mir geneigt zu machen; aber da war alles vergebliche Mühe; kurz, ich stand nach einem Vierteljahre auf demselben Punkte mit ihm, als wie am ersten Tage meines ihm gemachten Besuches! –

12 Was ist da zu machen? fragte ich meinen Freund. Der zuckte die Achseln, und ich mit ihm. Nach einer Weile sagte der Generalmajor: »Ich will ihnen wohl durchaus keinen bösen Rat erteilen; aber so sie hier zum Ziele gelangen wollen, was ich bei mir im Geheimen recht sehr wünsche, so müssen sie sich schon auf ein paar Gewaltstreiche verlegen, von denen sie einen in die Ausführung bringen müssen. Das Mädchen ist nun nahe an die fünf- oder sechsundzwanzig Jahre alt, also vollkommen majorenn, und kann über ihr Herz und ihre Hand disponieren, wie sie will; hat sie den Mut, sich auch ohne die Einwilligung ihres Vaters zu verheiraten, da heiraten sie ihre Emma nur vom Flecke weg! Denn ein Soldat darf nie viel Umstände machen. Freilich müssen sie sich da auf die Enterbung gefaßt machen, und vielleicht auch auf einen wohl condizionierten Vaterfluch nach alt aristokratischer Sitte, – woraus sie wohl sich nichts machen werden; aber ob ihre Emma auch so starkmütig sein wird? Das müßte freilich erst eruiert (ermittelt) werden! Aber ich denke, weil das Mädchen selbst ihnen erst unlängst den Vorschlag zu einer Entführung gab, so dürfte sie in diesen meinen Vorschlag vielleicht doch noch eher eingehen, weil er sich auf dem Boden der Gesetzlichkeit befindet. Wenn aber dieser Vorschlag scheitern solle an der Schlauheit des alten Fuchses, daß er etwa die Pfaffen in seinen Sold nähme, und sie zu keiner Kopulation (Verbindung) kämen, dann freilich müßten sie den zweiten Gewaltstreich in eine schnelle und wohlberechnete Ausführung bringen, nämlich den der baren Entführung, und sich dann in England kopulieren lassen. Dieser zweite Streich bewegt sich freilich nicht mehr auf dem gesetzlichen Boden; aber so es da kein anderes Mittel zur Erreichung des Zieles gibt, das sie doch um jeden Preis erreichen möchten, so wird ihnen am Ende doch nichts anderes übrig bleiben!? Sie werden sicher verfolgt werden! Aber das lassen sie nur mir über; ich werde diese Verfolgung schon also einleiten, daß sie sicher nicht eingeholt werden; und befinden sie sich einmal auf ihrer Fregatte, dann adieu Baron! Das weitere werden dann schon sie selbst zu veranstalten wissen?!

13 Dieser Rat gefiel mir natürlich über alles wohl, und ich führte schon in der zweiten Woche den zweiten Gewaltstreich aus, weil mit der Ausführung des ersten sich zu viele unüberwindliche Schwierigkeiten in den Weg stellten. Wie mir hernach eine gute Gelegenheit von Seite meines größten Freundes bekannt gemacht wurde, so wurde ich auch verfolgt; aber da für's erste mein Freund die Verfolgung zu lenken wußte, und für's zweite das Meer keine Balken hat, so kam ich gut davon. Meine Fregatte betretend, ließ ich mich auch sogleich von unserem katholischen Schiffskaplan trauen, und die Trauung gehörig dokumentieren, und zwar insoweit in der Ordnung, was so zu sagen die nackte (die formelle) Heirat betrifft.«

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