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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 67
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 66

Die Heldin wendet sich an den Herrn, der ihr noch unbekannten ist. Des Heilandes Rat an sie ihre Verfehlungen zu bekennen; was sie auch nach einigem Sträuben befolgt. Die Geschichte eines gestrauchelten Menschenkindes. Warnung vor Ärgernis daran

1 Auf diese Belehrung von Seite des Jellinek schaut Mich die Heldin eine Weile an, geht darauf näher zu Mir hin, da Ich Mich während ihrer Unterredung mit dem Jellinek ein wenig zurückgezogen habe, und spricht zu Mir: »Verzeihns mir, Sei mein allerbester Herr, waon i aehne hietzt mit aner Bitt lästig falle thu! – Schan Sei, der Herr Jellinek hat mich an Sei angewiesen, und hot mi gsogt, daß Sei holt goar so allmächti warn, und kunnte an holt überoll helfen, wo's an nur glai immi fahlen miecht. Schan Sei, bester, liebeswürdigster Herr! Mir fahlet's holt so hübst tüchti! und do gab's denn holt a hübsch viel z'helfe! San 'S so guat, und helfens mie, und uns Weanern elle, waons Iähna nur glai miegli ist! Schauns, mie san af der Welt holt aufg'wachse wie's liebi Vieh, und san so a ols Viechar doher kummen, und san kraonk hietzt do überall, wo's nur glai hinschaun miege, und dumm san mer a no dazu, wie a 30-jähriger Riligionskriag! San's so guat, und mache 'S uns a bißel gsund, und a bißel gscheider, wie mir sunst san, und wir olli werde uns daon schon beßr aufführe, ols wie bis hietzt!«

2 Rede Ich: »Ja, ja, helfen kann Ich euch wohl, und dir am ersten; aber du mußt Mir zuvor so ganz offen bekennen und gestehen, was dir nun so ganz besonders fehlt? Bist du krank, da mußt du Mir sagen, wo, wie und wodurch du dir die Krankheit zugezogen hast; und so du dich für dumm zu sein glaubst, da mußt du Mir denn auch recht getreu angeben, was dir an dir selbst so ganz eigentlich dumm vorkommt? Und Ich werde dann schon sehen, wie es dir, und auch deinen Landsleuten zu helfen sein wird! Denke nun nur so recht gewissenhaft über alle deine Zustände nach, und sage Mir's dann, wie du dich gefunden hast! – Das andere werde dann natürlich schon Ich machen!«

3 Spricht die Heldin: »O jegrl, o jegrl! – da wird's bei mir an gewoltige Fode hob'n! – Sei warn ja no über an Liguorianer, woan i Iehna dos olles soge sull! Schans, i war a mol ban an sulchtenen beichten; na höre Sei, um was mi der a olles ausg'frogt und ausg'fratschlt hot, da hobe Sei goar kan Begriff! – Na, an irgsti Stobskanallie mißt da af die Zeahn blitzschaondroth werd'n. Und schans, waon i Iähna holt hietzt do olles sog'n miaßt, wos i mei Lebtag olles thon hob! – o jegrl, na! – da möchte Sei Auge moche, als waon Sei so a rechts Golgebradl vor Iähne hätten! Wann net so viel Leut da wärn, do geangest no, aber vor so viel Leut mießt ie mi jo grod die Auge ausschaomen! Wos manens denn? Höre Sei, dos war so a Spaßl! – Kinnen denn Sei nit so erkennen, wos mir fehlt? – San S' so guat, und probirn's mit mir holt Seiner Glück, vielleicht geats do ohne Schaond ober?« – –

4 Rede Ich: »Aber hör du, Meine Liebe, wie kam es denn, daß du dich damals nicht geschämet hast, so du sündigtest? Du warst ja bei deinen sündigenden Gelegenheiten auch zumeist in Gesellschaften, und schämtest dich wenig, so dich in nächtlichen Stunden ein Dutzend Jünglinge in Gesellschaft, vor denen du dich ganz entkleidet aufstelltest, und allerlei wollüstige Gesten machtest, angafften, betasteten, und dann – gewöhnlich noch was taten; wie solltest du denn gerade jetzt gar so schamhaftig sein?! Schau, Ich weiß es, daß du einmal, als du etwas zu tief in's Gläschen geschauet, so ungeheuer die sogenannte »Sauglocke« hast zu läuten angefangen, daß es dabei sogar den ausgelassenst sinnlichen Hurenhelden vor dir zu ekeln anfing! Sage Mir, wo war denn damals deine Schamhaftigkeit?! Und so weiß ich noch eine Menge noch ärgerer Saustückel von dir, die du wie eine wahre Heldin ohne der allergeringsten Schamhaftigkeit vollbracht hast, und so wird es dich auch hier, meine Ich, gar nicht zu sehr deine Keuschheitsehre angreifen, so du Mir es offenherzig sagst, wo es dir fehlt, und wie du zu solch deinem Fehltum, Not und Elend gekommen bist!?«

5 Spricht die Heldin etwas verdutzt: »No, Sei warn mir a der Rechte, wo man die aondern damit faongt! – Gespührns wos!? – Sei kunnt'nan ins G'schra bringen, daß mi sei Lebtag gnua dron hät! – Schans, wons nit goar so guatmiti aussahten, i kinnt mei Seel harbi af Sei'ner werdn; ober weil i aus Sei'nern guaten Gsichtl erkennen thu, daß Sei mir's net schleacht manen, so will i mir glai wuhl nix draus moche! Aufrichti gsogt, schinire thu i mi eigentli nuar vor Sei'ner; wos do dieses Weaner Gfraß anbetrifft, do mohet i mi grod nit zviel draus! Woans mir aber derlaben a wengerl stater z'reden, da kinnt i Iehna schun a so monche Stückl zum besten gebn?!«

6 Rede Ich: »Das kannst du schon tun; aber nur nichts verheimlichen, verstehst du, – nur nichts verheimlichen!" – (An dieser Stelle wird auf einige Schriftstellen wie folgt hingewiesen: »Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, dem Allwissenden«, 2.Kor.5,10 und Matth.5, 28 und 29, wonach dort die Gedanken gewogen werden. »Richtet nicht!« Matth.7,1 nur wer ohne Sünde, der möge richten, Joh.8,7. »Selig, der sich nicht an Mir ärgert« Matth.11,6 und Lukas 7,47: »Ihr sind viele Sünden vergeben, denn sie hat viel geliebet«; aber im höheren Sinne; sie bewahrte unter rauher und sehr beschmutzter Schale den edelsten Kern – ein gutes, mit allen Menschen wohlmeinendes und opferfreudiges Herz und demütigen Sinn. Auch mag noch das Gleichnis vom Splitter und Balken hier passen. Matth.7,3.)

7 Spricht die Heldin, sich zuvor ein wenig räuspernd: »No, in Gottesnam, wons denn schon san muß, so höre Sei mi holt guatmiti an! Schans, mit 14 Jahrln hob i grod am Pfingstmonti meine Jungfernschaft einbießt, und waon i mi net irre, so wars a gewisser Pratenhuber Toni; dos woar iähne holt schun a gaonz sakrisch sauberer Bua! und weil er mir holt goar so zugred und zugesetzt hot, do hob i holt gmant: Na ewi konst so ka Jungfer bleibn, und a mol muaßt do probirn; wie dös ist? und so hob i ehn holt feschweg drübr lassn! – und weils mir holt do goar so guat gschmeckt hod und iähma a, so hamers nocher holt öfter probiert; und i wär nit goar so schleacht wurde, waon ich nur a mol hät kinne schwangr wern; aber do hob i schun than kinnen, was i nur glai gwölt hon, so is holt denno nix draus wurde! Und schan S', do hot nocher der Toni mi heurote sulln, und weil er holt gemant hod, daß i unfruchtbar wär, so hot mi der Hauptschnipfer nocher sitze lossn, und hod iähma an aondri genuhma! und i wor holt do gaonz deschperadig, und hob mi denkt: Hiatzt is schon olls ans, um a paar Dutzend Liebhaber uf oder o! die Höll is dir so gewiß, waons ani gibt; und do hob i holt recht fidel z'lebe aonfange, wos nur s' Zeig gholte hat! Vodern (Vater) hon i ehrnder nie an gsegn, und mei Mueder, Gott tröst sie, woar holt selbr nix bessr wie i! Und schans, bei so an Lebeswaondl bin i holt a öfter aongsteckt wurde, und aondri nocher a von mir; und do hot mir nocher wuhl so a homipathischer Doktor ghulfe; no – daß er nocher mit mir a kan Rosenkranz beat hat, dos werdes Iahna wuhl denke kinnen, waons wos gschpühre!

8 Wie nocher aber die Gschichten in Wean ausbroche san, do wor holt mei Herr Doktor a dabei, und hod überoll fleißi ghulfe Revolution moche; und weil i holt goar a so a guraschirts Madl wor, so hob i mi holt a zum Revolutionmoche brauche lossen! und hob do a mein Tod gfunde. Und hiatzt bin holt do als an oarmi Seel, und muaß holt dfür leide, weil i af dr Welt zlusti war! – und hiatzt hob is Iähna auch olles gsogt, wos i gwißt hob, und Sei wissn's hiatzt a, wias mit mi dron san, und wiassn a, wos mir fehlt, und wie i dazu kummen bin, und so bitt i Sei'ner holt um Himmels Jesu willn, waons mir helfen kinnen, so helfe S' mir!«

9 Rede Ich: »No, Ich bin zufrieden mit deiner Offenherzigkeit, und Ich werde nun auch schauen, ob, und wie es dir zu helfen sein dürfte; zugleich aber muß Ich dir auch eben so offen entgegen bekennen, wie du mir deine Hauptsünden ganz offen bekennet hast, daß dich nur dein gutes Herz und deine dir unmöglich zu Schulden kommen könnende schlechte Erziehung von der Hölle retten; hättest du entweder ein nur etwas schlechteres Herz oder wärest du in deiner Erziehung nur etwas weniger vernachlässigt worden, als es bei dir der Fall war, so würdest du offenbar in der Hölle dich befinden, und dort leiden die entsetzlichste Qual! Denn siehe, es steht geschrieben: »Hurer und Ehebrecher werden in das Himmelreich nicht eingehen!« Aber, Ich will aus oben angeführten Gründen mit dir die Sache nicht gar so genau nehmen, und werde sehen, wie es dir zu helfen seien wird! – Sage Mir aber zuvor, was du von Jesus, dem Heilande, hältst?« –

10 Spricht die Heldin: »O, den hob i z'todt gern! Denn der hot jo die Ehbrecherin gerettet, und hot die Magdalena a nit verstoße, won se a no a so groaße Sünderin woar, und vor der Samaritanerin hod er grod a kan Grausen kriegt! und do maan i holt, woan Er mi sähet, und i Iähna reacht schön bitte that, daß Er mi grod a net glai umbringen thät!?«

11 Sage Ich: »Nun gut, Meine Liebe; Ich werde heimlich mit Ihm reden; denn Er ist nicht weit von hier; vielleicht macht Er’s mit dir auch wie mit der Magdalena!? Und so warte nur ein wenig hier – aber ganz ruhig!" – –

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