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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 64
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 63

Neue Proben für die Wiener Gäste beim Anblick der liebreißenden Tänzerinnen. Gespräche in der Wiener Mundart. Der Pathetikus will die Barrikaden-Heldin beraten; kommt aber dabei übel an

1 Als sie alle im Zimmer beisammen sind, da bemerkt einer die Tänzerinnen und spricht: »Na, die könnten uns nun auch alle gestohlen werden! Unser Zustand und die da, das tauget' so hübsch für einander!« – Spricht ein anderer neben ihm: »Aber potz Sepel Laudon fix Element! Sabbatmiezl! sauber wärn's! und nur die schön'n Föß, die sei hob'n! Das wär so ein Extra-Speis'l auf'n Ostersonntag! Saprament, wann i nur g'sund wär, meiner Seel, der Mittern dort von den drei voranigen – saget i was!« –

2 Ermahnt ihn sein Nachbar: »Aber ich bitt' dich Franz, sei nur itzt gescheidt! weißt denn nicht, daß wir nemmer auf der Welt san'?« – Spricht der erste: »Das weiß i wohl! aber Welt hin, Welt her, schön sans holt doch! und mi müßt' goar kan G'fühl hob'n, wann ma do dabei gleichgülti bleib'n kunnt!«

3 Spricht ein dritter: »Aber waon holt der Franz noher mit saner Ungleichgültigkeit in d' Höll kimmen täte, wie wärs n' Franze nocher z' Muet?« Spricht der Franz: »Eh' hohls der Teufel; bist und bleibst hold a dumms Luder! Sain mir denn hietzt etwa im Himmel?! oder host du schon amol die Höll g'sehn, um sag'n zu können, daß du hietzt noch nicht in der Höll wärst; glabst du, mir zwa wär'n etwa zu gut für die Höll?« – Spricht der Angeredete: »Dös woaß i schun, aber do mieße wir erst früher verdammt werd'n, und nocher s' höllische Feuer seh'n! Und dös moan i, is hietzt mit uns denno nit der Fall! Es brennt mi wohl ganz fix sakrisch; du woaßt schun was, und warum! Aber dös is denno ka Höll! Weil mer no nit san verdammt wurd'n, und weil mer auch ka Feuer sehen! Aber dös moan i holt, waon mer hietzt a no nit von de verdammte Menscher abloße tun, wo mer schun in der Geisterwelt san, da kunnt ma holt viel leichter in d' Höll kummen, als auf der Welt! Ha, wos moans du, hob i etwa Unrecht!« –

4 Spricht der erste: »Ja, ja, hast wohl recht; aber denken kann i ja do, wie mir der Kopf gewachsen is?! – Deßtwegen werd i denno nix ton!« – Spricht der andere: »Jo, jo; nix tan, nix tan! – Aber z'erst kummen an allzeit die Gedonken, noch die Gedonke kummen die Begierde, und noch die Begierde kummen die Thoten, und noch die Thoten kummt die Höll, und nocher is goar! Versteahst mi, nocher is gar?! I moan holt so hietzt: gstorbn warn wir, und san hietzt in de Geisterwelt; do hoaßts hietzt holt schön ruhlig und ghurscham sein, und nix oanders denken, reden und than, als wos uns der Blum sogen wird, und do koanns mit uns no besser werdn!« – Spricht der Franz: »Nu ja, is a recht so; bist erst nit gar so dumm, als wie's du ausschaust.«

5 Spricht an der Seite eine Barrikadenheldin: »Do schauts die zwa Lerchenfelder Schnipfer oan! Dö wulln anander die Höll aus- oder einreden! Hahaha! Das is spaßi, woar do aner a größrer Schnipfer als der andre, und woarte no, bis sie möchte verdammt werdn, als woans etwa nit längst schun wärn, hahaha! Das is do spaßi!« – Spricht der Franz: »Holtst mi dein golgenstinketn Brodlodn! Du Hauptmärzeflachxn von olli Weaner Studenten! Du krahschinketer Barrikadeschnepf! Na, woart du, dir meß i vorn Himmelreich Christi schun no a paarl ober, daß dabei die allerseligste Jungfrau selber auweh schreien sull! Do schau aner dös kuguschäckigs Mistbradl oan! Döi möcht uns schun olli mitanander verdammt in der Höll hobe! Schau, daß du mit deine Fleadermausflügeln von ani Händ mit z'erst hineinfliege wirst!« –

6 Kommt ein anderer hinzu, und spricht in einem pathetischen Tone: »Freunde, bedenket, wo ihr seid! Das ist nicht etwa der Prater oder die Brigittenau, in der die rohe Wienermenschheit noch zehnmal roher sich gebärdet als sonst; bedenket, hier ist das ernste Geisterreich, wo man ganz ordentlich und ernstlich sein muß, um nicht augenblicklich auf ewig verdammt zu werden; denn bei Gott ist keine Gnade und kein Pardon mehr in dieser Welt!« – Spricht die Heldin: »O, o, o! ereifern's ihne neit goar so ollmächti, sie bratschulteriger Tapschädl! Daß unser liebe Herrgott mit an solchenen Eimerbiersauflimmel ka Erbarmnis hobe kan, wie sei aner san, das wird do etwa gaonz natürli san!?« – Spricht der Pathetiker, seine Augen sehr weit auftuend: »Waaas sagt diese Blocksbergshexe!? ohhh, für diese Hacke wird ja wohl auch sogar noch hier in der Geisterwelt sich ein Stiel finden lassen! Ist denn kein so gemeiner Kerl hier, dem es um seine Hände nicht leid sein dürfte, dieser unflätigsten Dirne den Hals umzudrehen!?« – Spricht die Heldin: »Oh, destwegen moches ihner ka Müh! Denn waons auf die gemeinste Kerlschaft hier ankäme, um mir den Hals umz'drahn, da war zu dem Gschäftl ja so ka Tauglicherer wie sei!? Aber da moan i, daß so an Oarbeit für sei wuhl no viel z'gut war! Was manens denn, wer sei san, sei lebendig täglichs 4 Eimer Bierfaßl, sei!? Geltens, 's Birl, und ihnre kropfete Mierl die gehn ihne holt ob hier in der Geisterwelt, drum sans so ernstli!? Aber tröstes ihne nur, vielleicht kummt ihre Mierl a bold nochi, und do wird dann der liebe Herrgott glei barmherziger sein als er hietzt ist!« –

7 Spricht der Pathetikus: »Freunde! lassen wir ab von diesem stinkenden Aase! Denn eine Kuh mit einem bedreckten Schweife macht alles unrein, was sie umgibt!« – Spricht die Heldin: »No, war doch a Schaond, wann sei nit reiner warn als i, hobns ihne ja doch durch ihr ganzes Leben mit anige tausend Eimer Bier ausgwosche und ausgschmapet gnua!? Und das wird etwa doch wuhl etwas gaonz wos aonderes sein als 100 Generalbeichten bei olli Jesuiter!? Wann i so a bißl von an lieben Herrgott war, i wißt schon wie sei selig z'mache warn! Schan's, i mochet die Donau zu lauter Linsinger Doppelbier und manchmal zu a bißl Gmischts; und do setzet i ihne dann grod durt hin, wo die Donau in's schwarze Mier rinnt, und die kropfete Mirl neben sein, und da wärn sei dann der seligste Mensch!«

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