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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 61
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 60

Die Choreographiennen, voll Demut, Bescheidenheit und Aufrichtigkeit, suchen Gott. Robert Blum erquickt sie mit einer guten, weisen Lehre. Ein Lebens-Geistes-Geheimnis und seine große Gefahr

Am 21. März 1849

1 Die Tänzerinnen verneigen sich auf diesen Ruf gar ehrerbietigst, und die drei ersten sagen: »O ihr lieben, herrlichen Freunde, ihr seid gar zu gut und nachsichtig gegen uns! Denn unsere gar schlechte und elende Kunst ist wohl zu sehr die allerunterste aller Künste, als daß sie von Geistern, wie ihr es seid, nur die allergeringste Achtung verdienen könnte, und so sehen wir es gar nicht ein, und können es auch gar nicht begreifen, wie und warum ihr uns armen Sünderinnen gar so gut sein könnet!? Wahrlich, so wir auf der Erde noch im Fleische uns befänden, und möchten dort eben so herzlichst gute Menschen treffen, als wie ihr da nun seid, da könnten diese eine große Macht über uns bekommen; denn einer wahren Freundschaft, und einer echten uneigennützigen Liebe kann man wohl am leichtesten die größten Opfer bringen! Aber wir sind nun hier ganz vollkommen Arme im Geiste wie in unserem Gesamtwesen, und haben nichts, als was eure große Güte uns bescheret; daher können wir auch für solche eure zu große Güte entgegen auch nichts anderes tun, als euch achten und lieben, so stark und mächtig es auch nur immer unseren Herzen möglich ist! Dürfen wir uns euch mit solcher unserer Liebe nahen, so wollen wir uns sämtlich auch übergerne zu euch hinbegeben, und mit euch fröhlich sein; ist aber diese unsere vielleicht zu wenig reine Liebe für eurer Wesen euch nicht genehm, und sind wir leichtlich auch wohl gar nicht wert euch zu lieben! o! dann lasset uns wieder fortziehen und beweinen unsere irdischen Sünden, die uns eurer Liebe vielleicht für ewig unwürdig gemacht haben?«

2 Spricht der Jellinek: »Ich bitte euch, ihr allerliebsten Herzchen, seid nur nicht gar so römisch-katholisch schwach! Wo ist denn der Gott, Der je die Liebe für ein Verbrechen hielte!? Ich sage es euch, so ein Teufel mich wahrhaft zu lieben anfinge, da würde ich ihn dafür wieder lieben! Wie sollten dann wir euch wohl verachten können, daß ihr uns liebet, indem ihr doch sicher keine Teufel seid, und auch ewig keine werdet! Kommet also nur alle her, und trinket von diesem wahren Lebensweine! Scheuet euch ja nicht vor uns; denn wir alle tragen unsere Herzen auf der Zunge, und sind wenigstens für diese unsere Wirkungssphäre innerlich nicht um ein Haar anders gesinnt, als wie wir reden und äußerlich handeln. Wir alle fünfe verlangen von euch nichts, als bloß eure Liebe, die ihr uns auch gerne werdet zukommen lassen, – und so hoffe ich, daß ihr nun ganz im klaren seid, was ihr an uns habet, und was wir von euch zu haben wünschen, nämlich nichts, als eure reine Liebe und Freundschaft!«

3 Als die Tänzerinnen solches vom Jellinek vernehmen, da machen sie eine noch freundlichere und tiefere Verbeugung, begeben sich darauf gar liebfreundlichsten Angesichtes zu uns hin, begrüßen uns da wieder freundlichst und sagen: »Wir sind eure Mägde; euer reiner, guter und edelster Wille an uns sei ewig unser heiligstes Gesetz! Eine Bitte aber wagen wir euch dennoch vorzutragen, und diese besteht darin: Wir haben auf der dummen Welt wenig Gelegenheit gehabt, und haben sie im Grunde auch wenig gesucht, um das höchste Gottwesen näher und wahrhaft kennen zu lernen, und sind sonach in diesem allerersten Fache jedes menschlichen Wissens und Glaubens hier als rein Blinde angekommen.

4 Wohl waren wir sogenannte römische Christinnen, und machten äußerlich wohl alles mit, was diese Kirche zu beobachten vorschrieb, obschon wir Tänzerinnen waren; aber was nützte uns das alles für diese Welt?! Alle unsere Fasten, Beichten und Kommunionen haben uns alle der wahren Erkenntnis Gottes nicht um ein Haar näher gebracht; wir starben etwa nach einem Verlaufe von 10 bis 15 Jahren alle, wie wir hier sind, und fanden uns hier wie zufällig wieder! Aber in welchem Zustande wir diese ernste Welt betraten, in demselben Zustande befinden wir uns noch, d.h., wir kannten Gott nie, wie man Ihn eigentlich kennen solle, und kennen Ihn noch nicht; und doch kann nur ein Gott, ja ein überaus guter, höchst weiser und allmächtiger Gott uns dieses Dasein gegeben haben!?

5 Wenn ihr, liebe Freunde, es nicht zu sehr unter eurer Würde fändet, auch uns armen weiblichen Kreaturen bei manchen Gelegenheiten von Gott nur eine etwas bessere Vorstellung zu geben, als wie sie uns auf der Erde gegeben ward, da würdet ihr uns eine überaus große Freude machen!

6 Man hat uns auf der Welt die Gottheit stets auf eine solche Weise vorgestellet, daß eben diese Vorstellung von Gott uns eben jede Vorstellung von Gott nahm; ein Gott bestehe aus drei Personen, deren jede für sich ganz vollkommen Gott sei, was somit doch offenbar drei Götter geben müßte; aber diese drei Götter sind dennoch nicht drei Götter, sondern nur einzig und allein nur ein Gott! Jeder der drei Götter hat zwar seine eigene Verrichtung, und hängt, wie z.B. der Gott Sohn doch sehr vom Gott Vater ab, und darf nur das tun und lehren, was der Vater will; und doch heißt es wieder: Sohn und Vater sind vollends eins! Mit dem heiligen Geiste weiß man eigentlich gar nichts zu machen! Ist er mehr oder weniger als der Vater, oder als der Sohn? Er gehe aus beiden hervor, und ist über beiden als eine Taube dargestellet! Nun kommen aber noch die milliarden Hostien, von denen jede auch vollkommen Gott sein solle! – Freunde! kann daraus ein Mensch über das Gottwesen je in's klare kommen?! Daher lasset euch unsere Bitte nicht zuwider sein; denn ihre Erhörung tut uns not, mehr denn dieser Wein nun!«

7 Spricht Robert Blum, einen Pokal des besten Weines darreichend: »Liebe Schwestern, im Namen Gottes des Herrn und Schöpfers der Unendlichkeit, nehmet nur getrost hin diesen Wein und trinket ihn, denn dieses Weines Geist ist nicht wie der Geist der irdischen Weine, in denen nach Paulus, dem weisen Lehrer der Heiden, die Geister der Unzucht und Hurerei wohnen; sondern dieser Geist, der in diesem Weine wohnt, heißt der Geist der ewigen, reinsten Liebe in Gott; welcher Geist aber zugleich auch ist eine heilige Flamme voll Licht, Helle und Klarheit; in diesem Lichte werdet ihr gar bald von selbst in euch finden, das ihr von uns haben möchtet.

8 Erhaben ist zwar euer Wunsch, und kein Engel Gottes kann an ihm einen Makel entdecken; aber suchet seine Erfüllung ja nicht außerhalb von euch, sondern in euch, so wird sie euch frommen und nützen für ewig; geben wir sie aber euch, da habt ihr ein fremdes Eigentum in euch, das euch wohl äußerlich hin einen zeitweiligen Vorteil gewähren kann, aber innerlich euch nie einen Nutzen, sondern mit der Zeit den barsten, nicht leicht zu verbessernden Schaden bringen müßte!

9 Denn sehet, eine bloß äußere Lehre kann sich vorerst auch nur bloß den äußeren Geistern, deren Sinn ein materieller ist, mitteilen; er macht dann in diesen Geistern wohl eine Revolution, und nötigt sie hie und da solche Lehre anzunehmen; der innere Geist merkt solches auch gar bald, und macht sich auf, und geht hinaus unter die Naturgeister, oder die eigentliche Naturseele jedwedes Menschen, und gewahrt da die gute Saat, und hat große Freude daran, und freuet sich um so mehr der herrlichen Ernte, die aus dieser Saat hervorgehen möchte; aber sehet, eben da geschieht dann meistens das nahe unvermeidliche Unglück, daß sich eben, während der eigentliche Lebensgeist des Menschen die äußere Saat betrachtet, und sich außer seinem Gemache unter seinen Naturgeistern auf eine baldigste und reiche Ernte freut, die bösesten und unlautersten der Naturgeister, die noch in der Seele vorhanden waren, zusammenraffen, in das Gemach des wahren Geistes eindringen, und diesem dann den Rückzug verwehren, ja gar oft sogar unmöglich machen! So der wahre Geist aber dann diesen seinen wahren Sitz des Lebens verliert, da sucht er dann freilich anfangs sich einen neuen Sitz unter den besten seiner seelischen Naturgeister aufzurichten, und wohnet da unter ihnen wie eine Wohnpartei im Hause eines anderen Besitzers; aber da er alles seines Eigentumes beraubt, am Ende den Mietzins nicht entrichten kann, so pfändet ihn der eigentliche Hausherr, und nimmt alles, was er noch hatte, und macht ihn noch oben darauf zu einem Gefangenen, oder wohl gar zum Sklaven seiner Herrschsucht, in welchem Zustande dann der wahre innere Lebensgeist sich mit den unlautersten Naturgeistern verbinden, und in selbem Joche am Schandseile des Lasters ziehen muß, und das ist dann auch so viel als der geistige Tod des Menschen; denn in so einem Menschen hat dann der Satan seinen Thron aufgerichtet, und hat den eigentlichen Herrn des Lebens im Menschen zum Sklaven höllischer Gelüste und Triebe gemacht!

10 Daher lasset euch das für allezeit geraten sein, daß ihr nicht zu gierig nach einer äußeren Belehrung trachtet; denn diese taugt für nichts, wenn sie der Geist nicht in der größten Demut aufnimmt, und alsogleich vollkommen sein ganzes Leben danach einrichtet, was wohl für jeden Geist eine sehr schwere Aufgabe ist. – Sehet, Salomo, Israels weisester König, fiel trotz seiner Weisheit, weil sein innerer Geist, sich stark genug fühlend, es einmal wagte, seinen innersten Wohnsitz zu verlassen, dann hinauszutreten unter seine Naturgeister, und sie zu ordnen nach seiner Weisheit; aber da er das tat vor der Zeit seiner Vollreife, die allezeit von innen heraus, und nie von außen nach innen erfolgen muß, so ward er von seinen unlautern Naturgeistern gefangen, und nicht mehr in sein Haus gelassen, welches nur zu bald zu einer Wohnung alles Lasters, der Hurerei, der Unzucht und der Abgötterei umgestaltet wurde! Also auch verriet ein Judas seinen Meister, seinen Herrn und Gott, weil er die Lehre des Heils nur in seine äußeren Geister, die im Verstande, und daraus in allerlei Begierlichkeiten ihren Sitz haben, aufnahm; dadurch den eigentlichen Lebensgeist aus seiner innnersten Wohnung lockte, und sie dadurch dem Satan zum freien Einzuge öffnete! Die Folge davon ist zu bekannt, als daß ich sie euch hier wiedergeben solle!

11 Daher trinket nun diesen Wein! Dieser wird in euch die rechte Liebe zu Gott erwecken, und diese Liebe wird euern Geist stärken, und wachsen machen. Wenn der Geist dann durch sein Wachstum alle seine äußeren Naturgeister durchdringen wird, ohne seinen ursprünglichen Sitz zu verlassen, so wird er auch dann schon in sich alles finden, was er jetzt von außen her erhalten möchte. Habt ihr mich wohl verstanden?«

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