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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 60
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 59

Die Aussage des Herrn über den oft mißbrauchten Satz: »Der Zweck heiligt das Mittel«. Einige Beispiele zu dem vor genannten Satz

Am 20. März 1849

1 Der Jellinek aber wendet sich nun auch an Mich, und fragt – wie etwa doch Mir diese sonderbare Produktion gefallen hätte?

2 Ich aber sage zu ihm: »Lieber Freund, Ich muß dir hier offen bekennen, daß Ich bei solchen Gelegenheiten viel weniger auf das Mittel, als nur einzig und allein auf den Zweck Mein Augenmerk richte. Denn es kann an und für sich das Mittel oft noch so sonderbar aussehen, so macht das nichts, wenn damit nur ein in allen seinen Beziehungen edler und guter Zweck erreicht worden ist. Denn hier im Geisterreiche heiligt allezeit der erreichte beste Zweck jedes Mittel, durch das er einzig und allein nur hat erreicht werden können! Es liegt hier wahrlich gar nichts an dieser Tanzproduktion; aber in Verbindung mit der durch sie allein möglichen Erreichung eines edelsten und besten Zweckes liegt dann wieder unendlich viel an ihr!

3 Ich will dir diesen zwar jesuitisch klingenden Grundsatz aber zuvor irdisch beleuchten, auf daß dir dann sein geistiger Gehalt desto einleuchtender werden möge, und so höre Mich! Siehe, der Grundsatz lautet kurz also: Der gute Zweck heiliget jedes Mittel, durch das er möglichst erreicht werden kann. – Ob dieser Grundsatz aber auch richtig ist, werden wir nun aus mehreren Beispielen ersehen; und so habe nur wohl acht!

4 Siehe, ein Sohn auf der Erde hat einen Vater, der bei einer Arbeit das Unglück hatte, sich ein Bein dergestalt zu brechen, daß selbes nur durch eine geschickte Operation wieder geheilt, und dem jeweiligen Naturleben der anderen Leibesteile unschädlich werden kann. Was würde der gute, seinen Vater über alles liebende Sohn wohl mit einem so bösen Menschen tun, der seinem Vater rein nur aus Zorn oder bösem Mutwillen einen Fuß mit einem scharfen Beile abhiebe? Siehe, dieser Sohn würde den Übeltäter ergreifen, und ihn züchtigen sein Leben lang, und doch hatte sein Vater bei dieser Schnelloperation bei weitem weniger gelitten, da sie an einem ganz gesunden Fuße pfeilschnell wäre bewerkstelligt worden, als sie nun an einem im höchsten Grade leidenden Fuße mußte vollzogen werden. Siehe, das Mittel an und für sich, ohne Verbindung mit dem durch eben dies Mittel erreichbaren Zwecke, allein genommen, wäre ein Greuel, aber in der Verbindung mit dem guten Zwecke ist es ein Heil; und der Sohn wird dem geschickten Operateur sich gewiß im höchsten Grade dankbar erweisen, der seinem geliebtesten Vater das Leben rettete! Denn ohne diesen wäre der Vater am Brande gestorben. Gehen wir aber weiter!

5 Was wohl würdest du jemanden tun, der dir mit der Faust einen Zahn einschlüge? Siehe, du würdest diesen Wüterich vor's Gericht fordern, und von ihm kein kleines Schmerzensgeld verlangen. – So du aber einen leidenden Zahn hast, der dir viel Schmerzen verursachet, da gehst du selbst zu einem Zahnarzte und zahlst ihm gerne dafür, so er dir geschickt den schlechten Zahn herausreißt. Wer könnte einen ledigen Zahnreißer loben, der bloß zu seinem Vergnügen den Menschen, wo und wann er nur könnte, die Zähne einschlüge oder ausrisse!? – Aber ganz anders verhält sich die Sache in den Händen eines wirklichen Zahnarztes, und das darum, weil er mit seiner oft noch so schmerzlichen Operation einen guten Zweck erreichet, und du kannst es unmöglich in eine Abrede stellen, daß hier das an und für sich sehr grausame Mittel durch den erreichten guten Zweck geheiligt wird!? Aber darum nur weiter. Sieh', der Totschlag ist eine der größten Sünden, die ein Mensch an seinem Nebenmenschen begehen kann. Es wandeln aber ein Vater und dessen Sohn durch einen Wald. Ein böser Mensch, der bei dem Vater viel Geld wittert, springt auf einmal gleich einem Tiger aus dem Dickicht hervor, packt den Vater an der Kehle, und will ihn erdrosseln; (eine – solchen Mördern liebste Hinrichtungsart, weil ihnen dabei die Absicht zum wirklich aus vollem Willen vollbrachten Morde, so sie vor's Gericht kämen, nicht so leicht erwiesen werden kann.) Der Sohn ersieht die große Gefahr seines Vaters, greift sogleich nach seinem Gewehre, und tötet den Raubmöder!

6 Siehe, der Totschlag ist, wie bekannt, also eine der größten Sünden, die ein Mensch gegen seinen Nebenmenschen begehen kann, ist aber auch der Totschlag, den der Sohn an dem Mörder, der seinen Vater erdrosseln wollte, beging, auch eine Sünde? – O nein! Schon der pure Verstand sagt es dir: Der Totschlag ist nur an und für sich, wie auch um so mehr als Mittel zur Erreichung eines schlechten Zweckes eine der größten Sünden! Aber, wie hier in Verbindung mit dem besten Zwecke ist er eben so heilig als der Zweck selbst, und ganz besonders dann, wenn er als ein einzig möglich wirksames Mittel sich herausstellt.

7 Und siehe, wie mit diesen drei Beispielen, also verhält es sich auch mit jeder Handlung, deren nur immer ein Mensch oder ein Geist fähig ist; wenn sie nach genauer und weiser Überlegung als das einzig möglich wirksame Mittel zur Erreichung eines guten Zweckes erscheint, so ist sie auch gut, gerecht, und durch den erreichten guten Zweck geheiligt!

8 Und so wirst du, lieber Freund, bei diesen armen Tänzerinnen schon auch müssen ein Auge zudrücken; denn sie tanzten zur Erreichung eines mehrfach guten Zweckes, und dieser Zweck ist nun auch wirklich erreicht worden, wie du es gar bald einsehen wirst. Sage, sollen wir diesen Choreographiennen dafür grollen oder sollen wir ihnen dafür etwa auch von der zweiten Bouteille einige Gläschen verkosten lassen?«

9 Spricht Jellinek: »O, wenn so! allerdings, allerdings! Kommet nur her, ihr lieben Herzerln, kommet nur her! Sollet auch einen guten Tag haben!«

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