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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 6
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 5

Gymnastische Übungen im finstern Raum um sich möglicherweise fortzubewegen. Selbstgespräche über das Nichts und vom Fortleben, Robert Blum schimpft und hadert über seinen derzeitigen Zustand und über die Welt, zum Schluß der Wunsch nicht mehr sein zu wollen

1 Hier macht unser Mann mit seinen Füßen gewöhnliche Gehbewegungen; aber da er unter seinen Füßen keinen Boden wahrnimmt, so scheinen sie ihm bloß gegenseitige effektlose Pendelbewegungen zu machen, die ein Weiterkommen eben so wenig bezwecken, als so jemand auf einer Bank säße und schlenkerte mit den Füßen in der Luft leer hin und her. Robert Blum denkt daher wieder bei sich auf eine andere Art der Weiterbewegung, sprechend nämlich:

2 »Ich muß mit Händen und Füßen durch diese lichtlose Luft auf eine eigene Art zu schwimmen anfangen; das wird besser sein, als das Gehen mit den Beinen! – Denn – um mit den Beinen weiter zu kommen, muß man eine feste Unterlage haben, auf der ein Bein so lange ruht, bis das andere eine freie Bewegung vorwärts macht, aber wenn die Unterlage fehlt, da ist diese Art zu gehen fruchtlos; da heißt es entweder schwimmen, – oder fliegen; – zum Fliegen aber gehören Flügel; – diese haben wir nackten Zweibeinler nicht; aber schwimmen können wir, und so will ich mich an's Schwimmen machen! – Ach du guter Himmel, das wird freilich ein erbärmliches Schwimmen sein?! – Aber was läßt sich da anderes tun, als die noch innewohnenden Kräfte so lange möglichst zweckmäßig zu gebrauchen, als wie lange sie sich nur immer gebrauchen lassen! – Also – es werde geschwommen!« –

3 Hier fängt er an förmliche Schwimmbewegungen mit Händen und Füßen zu machen, verspüret freilich wohl keinen Fortgang durch irgend einen Luftzug; aber das beirrt ihn nicht; er setzt seine Schwimmbewegungen fort. Je mehr er arbeitet, desto mehr auch verspürt er, daß all' sein Mühen ein vergebliches ist; denn er merkt es, daß ihn diese schwarze Luft nicht den allergeringsten Widerstand irgend verspüren läßt! – Robert Blum stellt daher seine schwimmerischen Bewegungen wieder ein, und spricht:

4 »Ich bin ein Esel und dümmster Narr! – Was mühe ich mich denn vergeblich ab?! – Wo nichts ist, da ist nichts; ich bin nun im barsten Nichts; was will ich das Nichts weiter verfolgen?! – Im Nichts ist sicher die größte Ruhe, und nimmer eine Tätigkeit zu Hause?! – Daher will auch ich in die Ruhe des Nichts eingehen, um in ihr auch zu nichts zu werden! – Ja, ja, das ist schon der Weg zur völligen Vernichtung! – Hm, hm; wäre freilich recht, wenn ich nur wüßte, daß ich wirklich sei erschossen worden?! – Krachen, – kommt es mir wohl vor, als ob ich es noch gehört hätte; aber freilich müßte ich da ja natürlich vollkommen tot sein, was bei mir doch nicht der Fall ist? – Auch verspüre ich nichts von irgend einer Zerrüttung!

5 Oder sollte es nach dem Tode wirklich ein Fortleben der Seele geben?! – Ich aber bin ja noch mit Haut und Haaren, und sogar mit meiner Kleidung, die ich wohl verspüre, noch da! – Hat denn die Seele auch Beine, Haut, Haar und Kleidung? – Wenn so, da muß also auch der Rock eine Seele haben?! – – Nein! so was anzunehmen, müßte einen Mann, wie ich, doch die ganze Unendlichkeit hell und laut auszulachen anfangen!? – Hahahaha! Die Unsterblichkeit eines Rockes wäre noch bei weitem ärger als die Wunderkraft des Leibrockes Christi zu Trier, vom Bischof Arnoldi ausgestellt! – ?! – und doch, und doch, doch, doch! – Wenn ich Seele bin, ist der Rock mit mir hierher gewandert! – ? –

6 Nein, nein, und tausend Male nein; – ich bin keine Seele! – ich bin Robert Blum! – Ich bin der Reichstagsdeputierte in Frankfurt, zur Konstituierung eines einigen Deutschen Reiches! – Welchem Reiche sich Österreich nicht unterwerfen will. – Ich habe es nun hier in der Residenz (Wien) kennen gelernt, was Österreich will; ich weiß es, daß alles Trachten dieses Staates lediglich dahin gerichtet ist, um das eiserne Kleid des alten Absolutismus wieder von neuem anzuziehen! Ich kämpfte wie ein Riese dagegen; aber da die Kanonen des Gegners stärker waren als mein guter Wille, so mußte ich samt meiner gerechtesten Sache dennoch abziehen, ja – nicht nur abziehen, sondern mich auf dem Wege meines Abziehens und Zurückziehens sogar gefangen nehmen, und am Ende sogar wirklich oder doch wenigstens scheinbar totschießen lassen! – Ein schöner Lohn für ein dem wahren Vaterlande treu ergebenes Herz! – – O du verfluchtes Leben, und verflucht, der es mir gegeben! –

7 So es irgend einen Gott gibt? – Welche Freude kann es Ihm denn wohl sein, solch einem mächtigen Wesen, so sich Menschen, die sich unter jeder Zone als wahre Brüder liebevollst verträglich, und voll Geduld gegen einander erweisen sollen, wegen eines Thrones und Zepters, und nun sogar wegen Meinungsverschiedenheiten grausamst erwürgen und totschlagen!? – Daher aber, weil – nun wie gar allezeit so Arges geschieht auf der Erde, und solches doch von einem Gott, der logisch und physisch nichts sein kann als die reinste Liebe nur, nicht ausgehen kann, so gibt es entweder gar keinen Gott, oder – wenn es einen Gott gibt, so ist Er nur ein Erzböser, also nur ein fluchwürdiges Fatum, das die Wesen als ein Spielzeug seiner Launen betrachtet! – Darum noch einmal Fluch jedem Wesen, das Menschen schafft für's leidigste Verderben! –

8 Aber nun nur Ruhe, nicht mehr räsonieren, denn so ich in diesem Nichts auch die über alles erwünschte gänzliche Vernichtung finden will, und so ich stets mit mir selbst rede, so erwecke ich mich dadurch aus der Vernichtung, werde wieder lebend durch die neu erregten Lebenskräfte, und mein Wunsch kann dadurch nicht erfüllt werden! – Daher also nur Ruhe, strenge Ruhe, damit Vernichtung kommt.« –

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