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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 57
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 56

Jellineks gute Ahnung vom alten Freund Robert Blum. Edle Wirkung des Himmelsweines, und Jellineks guter Trinkspruch an den ihm lieben unbekannten Freund. Des Herrn Erwiderung und Jellineks wahre Ahnung

1 Der Jellinek aber schaut Mich so recht freundlich fest an, und fragt Mich sagend: »Lieber, holdester Freund unseres Freundes und Bruders Blum, dürfte ich Dich darum bitten, daß Du Dich uns auch näher zu erkennen geben möchtest! Denn Du mußt sicher auch ein äußerst edler und guter Mensch sein, sonst Du Dich sicher nicht in der Gesellschaft unseres edelsten Freundes Blum befinden möchtest!«

2 Rede Ich: »Die Folge wird dir alles enthüllen, was dir nun noch dunkel ist; gehe aber nun mit Mir nur auch zum Tische des Herrn hin, und stärke dich dort zuvor, alsdann wirst du viel geeigneter sein, so manches zu begreifen anzufangen, was dir bis jetzt noch ein Rätsel sein mußte. Komme also, mein lieber Freund und Bruder Jellinek!«

3 Spricht Jellinek: »O Freund! Deine Stimme klingt wunderbar freundlich; jedes Deiner Worte schwellte mir das Herz auf eine bisher noch nie empfundene Weise; so Du nicht ein Engel aus den Himmeln Gottes bist, so leiste ich auf meine Menscheit ewig Verzicht! Ja, ja, Du bist, Du mußt ein Engel sein! Weißt, ich werde bei Dir bleiben, und mich ganz besonders an Dich so recht ausschließend fest halten! Denn ich muß Dir's offen bekennen, so lieb ich auch den guten Freund Blum habe, so habe ich Dich nun, seit Du mit mir geredet hast, aber dennoch ganz unbegreiflich um sehr vieles lieber! – Aber jetzt also zum Tische, und ein Gläschen miteinander zur ewigen Freundschaft (getrunken)! Denn ich glaube, hier wird es doch etwa keine Windischgrätz Geheimpolizei und Richter geben, die über dies Haus ein Standrecht verhängen könnten?!«

4 Rede Ich: »O nein! diese Furcht lasse du für ewig beiseite! Nun aber also nur zum Tische hin; denn die andern trinken uns schon eine rechte Gesundheit entgegen.«

5 Der Messenhauser geht dem Jellinek sogleich mit einem sehr schönen Kristallpokale voll des besten Weines entgegen und spricht: »O Bruder Jellinek, das ist eine wahre Tausendessenz aller der besten Weine, die wir je irgendwann und wo auf der Erde verkostet haben! – Da, trinke den Pokal aus, trinke ihn auf das Wohl aller unserer Freunde und Feinde! – Auch der Windischgrätz soll leben, dies blinde Werkzeug der irdischen Völkerbeherrscher wird vielleicht wohl einmal zu einer besseren Einsicht gelangen!«

6 Jellinek nimmt erfreulichen Gemütes den Pokal und spricht: »Liebe Freunde! so gefallet ihr mir besser, als ehedem im Verlaufe unserer nichtssagenden Debatten in jenem Haftkämmerchen dort, wo du Bruder Messenhauser noch immer auf's Todesurteil in aller ersichtlichen Verzweiflung harretest!

7 Aber höret, ich habe mir hier den Freund unseres Bruders Blum zu meinem Herzensfreunde erwählet, und so müsset ihr mir's schon vergeben, daß ich von diesem göttlichst duftenden Safte eher keinen Tropfen auf meine Zunge geben will, als bis nicht Er zuvor aus diesem nun mir gereichten Pokale getrunken hat!« –

8 Alle stimmen überfröhlichen Mutes in den Wunsch des Jellineks; dieser aber reicht sogleich Mir mit sichtlich intimster Freundschaftsliebe den Pokal und spricht: »O Du lieber göttlich erhabener Freund! verschmähe es nicht, aus der Hand eines armen Sünders, aus der Hand eines irdischen Staatsverräters diesen Becher anzunehmen! – Wahrlich, hätte ich hier etwas Besseres, wie gerne würde ich Dir's als ein Zeichen meiner innigsten Verehrung und vollsten Hochachtung reichen! Aber so muß ich denn hier auch wie einst der Apostel Petrus zum Lahmen an der Pforte des Tempels sagen: O du lieber Freund! sieh', Gold und Silber besitze ich nicht; aber was ich nun habe, nämlich diesen mir dargereichten Becher, und dann ein warmes Dich als einen allerwertesten Freund erfassendes und begrüßendes Herz, das gebe ich Dir! – O! nehme es also an, wie ich es Dir darreiche! Es ist wohl sicher eine große Keckheit von mir, daß ich als ein sicher in den Augen eines Engels für die Hölle ganz reifer Sünder es wage – Dir, der Du sicher so ein Engel bist, diesen Becher und mein schlechtes Herz als Freundschaftspfand anzubieten; aber ich liebe Dich (nun) einmal auch mit diesem meinem schlechten Herzen, weil ich ehedem in Deinen wenigen Worten, die Du an mich zu richten die Güte hattest, gar so viel Freundliches, Liebes und Weises fand! – Bin ich auch ein ganz unreiner Geist oder Mensch, da drücke Du ein wenig Deine gar so himmlisch milden Augen zu, und denke dir's: Der Kerl versteht's nicht besser! – Weißt, ich bin ganz irdisch verfaßt, und weiß die Manieren noch lange nicht, wie man mit Geistern Deiner Art umzugehen hat; aber das kannst Du versichert sein, daß bei mir Herz und Zunge fest aneinander gewachsen sind! Gelt ja, Freundchen, Du nimmst mir diese meine kecke Freiheit nicht übel!?«

9 Ich (Jesus) nehme gar sehr freundlich den Becher aus der Hand des Jellinek, trinke daraus, und sage dann zu Blum: »Bruder, gehe hin, in dem Speiseschranke steht noch eine Flasche voll Meines eigentlichen Leibweines; diese trage her, auf daß Ich diesem Meinem neuen wärmsten Herzensfreunde zeige, wie gar sehr teuer Mir nun seine Freundschaft geworden ist!«

10 Blum springt geschwinde hin und bringt eine förmlich diamantene Flasche voll des allerköstlichsten Weines, und reicht sie Mir unter sichtlicher Rührung dar.

11 Ich aber nehme die Flasche, und schenke denselben Becher voll ein; darauf nehme Ich den Becher und sage: »Hier, lieber Freund und Bruder, nehme den Becher hin, und trinke dir daraus die vollste Überzeugung, wie gar überaus lieb, wert und teuer Mir deine Freundschaft ist! – Was sprichst du von deinen Sünden? – welcher Mensch wohl könnte je ein Herz, das so voll der uneigennützigsten Liebe, als ein mit Sünden behaftetes ansehen!? – Bruder! Ich sage es dir, vor Mir bist du rein; denn deine Liebe zu Mir bedecket die Menge deiner irdischen Sünden! Was du aber noch irgend der Welt schuldig warst, – weißt du, Ich müßte dir ein schlechter Freund sein, so Ich dir diese Schuld nicht abnähme, und sie an deiner Statt nicht berichtigte!? Also trinke nun Bruder Jellinek auf unsere – ewige Freundschaft!«

12 Jellinek, ganz zu Tränen gerührt, spricht: »O Du göttlicher Freund, Du, wie gar so lieb und gut bist Du! O, wenn ich mir nur jetzt das Herz aus dem Leibe reißen könnte, und schieben in Deine Brust hinein! – Aber gib nun den Becher her! –

13 Jellinek nimmt den Kristall, trinkt daraus und spricht: »Nein, o Du himmlischer Engelsbruder! So Deine Freundschaft diesem Safte gleicht, und Du natürlich zuerst selbst, dann, dann, dann bist Du kein Engel, sondern – ein reinster Gott selbst! Denn etwas Göttlicheres von einem Geschmacke und Geiste kann die ganze Unendlichkeit unmöglich irgendwo mehr aufzuweisen haben! – Brüder! kostet auch ihr davon und saget, ob ich nun nicht ganz vollkommen richtig geurteilet habe!«

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