Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Jakob Lorber >

Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 55
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
Schließen

Navigation:

Kapitel 54

Jellinek nimmt seinen Freund Messenhauser die Wahn-Idee eines Fatums, durch den Hinweis auf das weise Walten des Lebens in der Natur. Zweifel der drei an der Gottheit in Jesus Christus

Am 8. März 1849

1 Spricht Jellinek: »Bis auf dein Fatum, ganz vollkommen einverstanden, in allem! Aber mit deinem Fatum scheint es, weißt du, wie es die Wiener sagen, einen Faden zu haben, und das einen sehr bedeutenden!« –

2 Spricht Messenhauser fragend: »Wieso? erkläre dich darüber deutlicher!« –

3 Spricht Jellinek: "Nur eine kleine Geduld, mein lieber Bruder Messenhauser; denn weißt du, so was läßt sich nicht so gleich wie mir und dir nichts aus dem Ärmel herausbeuteln! aber ich will es dennoch versuchen, dir dein leidiges Fatum ein wenig aus deinem Kopfe herauszutreiben.

4 Siehe, du warst dein ganzes Leben lang nur ein Mensch, der sich nie viel mit der höheren Sphäre der Wissenschaften abgegeben hat; du warst so zu sagen schon mit dem Einmaleins zufrieden, und kümmertest dich wenig oder nie um die höhere Mathematik! – Du weißt schon, was ich mit dieser Anspielung sagen will? – Kurz und gut, du warst ein Schalenlehrer oder Hülsengelehrter, als Belletrist (Unterhaltungsliteratur), und hast dich wenig um den Kern der Wissenschaften bekümmert; daher kam es denn auch, daß dir das innere Wesen der Dinge verschlossen bleiben mußte; weil dir aber dieses Wesen verschlossen blieb, so konntest du auch nie jene wohlbegründete Einsicht bekommen, in der sich dir eine gar wunderbar wohl berechnete Ordnung in all den Dingen und ihren Wirkungen und Gegenwirkungen beschaulich dargestellet hätte, – und so bliebst du nur an der äußeren Rinde kleben, die freilich wohl dem ersten Anscheine nach das Aussehen hat, als wäre sie bloß nur des leidigen Zufalles Werk. Aber es ist dem nicht also, sondern ganz anders!

5 Sage mir Bruder, hast du schon einmal erlebt, daß so irgendwo aus bloßem Zufall ein Haus mit allen seinen Einrichtungen entstanden ist? Du sprichst: Nein, so was sei noch nie geschehen! – Gut, sage ich; wenn der Zufall aber nicht einmal ein dummes Haus zuwege bringen kann, wie solle er eine ganze Erde erschaffen können, auf der wir doch der wohlberechnetsten Wunderdinge in einer Unzahl antreffen, von denen das allereinfachste schon eine viel zu tief durchdachte und weiseste Konstruktion aufweiset, als daß man nur von ferne hin sogar mit verbundenen Augen auf die Mutmaßung kommen könnte, zu behaupten und zu sagen: Das ist ein Werk des stummen und so zu sagen des blindesten Fatums! – Bruder, du gibst mir recht, und das freut mich; aber höre mich nur noch ein wenig weiter an!

6 Betrachte du nun aber erst die wunderbarsten Einrichtungen der Pflanzen! Wie strenge und genau sie in ihrer einmal gestellten Form durch Jahrtausende als stets dieselben vorkommen, und ihr Geschlecht und ihre Tauglichkeit auch nicht um ein Atom ändern. Wie unberechenbar kunstvoll muß schon die bloß nur mechanische Konstruktion eines Samenkornes sein, der zufolge es aus der Erde nur die ihm zusagenden Teile an sich zieht, durch die es sich dann wieder und zwar allezeit vervielfältigt regeneriert! – Von dem übersinnlichen Wesen eines Samenkornes will ich eigentlich gar nichts reden; denn wer begreift jene rein göttliche Berechnung, der zufolge ein einziges Samenkörnchen zahllose Myriaden seinesgleichen in sich faßt, und das nicht nur in der Form des Samenkornes, sondern auch in der Form der Planze, auf der das Samenkorn reift.

7 Nehme an nur eine Eichelnuß! Setze sie ins Erdreich, so wird in Kürze ein ganzer Eichbaum zum Vorscheine kommen, und dieser wird dir dann durch viele Jahre hindurch eine unzählbare Menge Eichelnüsse abgeben; wenn du alle diese Nüsse wieder in die Erde legst, so wirst du schon einen Wald von vielen Millionen Eichbäumen haben, die dir alle die gleichen Früchte erzeugen werden, in einer dir nimmer berechenbaren Vielheit! Und siehe, das alles liegt wunderbarst in einer jeden Eichelnuß vor unseren Blicken verborgen, und ist doch unleugbar da! Wenn aber so, o sage mir dann, ob ein Fatum eine Eichelnuß wohl also einzurichten vermag?«

8 Spricht Messenhauser: »Bruder Jellinek, wahrlich, ich muß es dir sagen, daß du ein ganzer Theosoph bist! Dein ganz schlichter Beweis mit der Eichelnuß hat mir mehr gesagt, als alle die gelehrten Phrasen, mit denen ich je auf der Erde meinen Gehirnkasten belästiget habe! – Von der totalen Nichtigkeit eines Fatums bin ich nun total und geläutertsten Erkenntnisses überzeugt, und ich brauche wahrlich weiter gar nichts mehr; denn dein Beweis war ein schlagender für mich; aber nun kommt was anderes.

9 Einen Gott voll der höchsten Urmacht und Weisheit muß es sonach geben; das kann mein Gemüt und all mein Verstand ewig nimmer in eine Abrede stellen! – Aber wo und wer ist dieses Gottwesen? Kann es von einem Geschöpfe je erschauet und begriffen werden?! – Ich kann mich noch gar wohl entsinnen, wie ich noch als Studierender in der fünften Gymnasialklasse die sogenannte biblische Geschichte habe zu studieren gehabt, und da einen Text gefunden habe, und so ich mich nicht irre, etwa wohl in einem der fünf Bücher Mosis; dieser Text lautete: Gott kann niemand sehen, und leben zugleich! – Dieser ominöse Text solle dem Moses aus einer Feuerwolke zugerufen worden sein; als er an die mit ihm redende Gottheit das heißeste Verlangen stellte, Selbe nicht nur zu hören, sondern auch zu schauen. Ich muß dir aufrichtig bekennen, daß ich eben zufolge dieses Textes wohl noch immer einerseits so einen gewissen halben Glauben an die Gottheit behielt; aber was dann den Glauben betrifft, daß der gewisse Jesus die Fülle der Gottheit in sich fassen solle? Da muß ich euch, meinen beiden liebsten Freunden, ganz offen bekennen, daß ich darin ein reinster Atheist war, und respektive es noch bin.

10 Es hat zwar die reine Lehre Jesus, natürlich getrennt von den ihr beigemischten Wundermärchen, wahrhaftig die alleredelsten und allerrichtigsten, mit der Natur der Menschen vollkommen übereinstimmenden Grundsätze, gegen die sich gar nichts einwenden läßt; es setzt wahrlich einen vollkommensten Antropologen (Menschenkenner) voraus, um solche allgemeinst praktikablen Grundsätze aufstellen zu können; aber daß der Erfinder solcher Grundsätze darum auch ein Gott sein solle, weil er aus dem klar vorliegenden Bedürfnisse der Menschen moralische Grundsätze, die sich mit der allgemeinen Natur der Menschheit am besten vertragen, abstrahiert, zusammengestellt, und endlich gelehret hat, das geht über allen Horizont meines Wissen und Glaubens! –

11 Die Lehre für sich kann also ganz gut bloß nur menschlichen Ursprungs sein, und benötigt keines Gottwesens; denn so jeder richtigen Lehre Urheber ein Gott sein müßte, da müßte es nun schon beinahe wimmeln vor lauter Göttern auf der Erde! Euklides, als der Erfinder der geometrischen Figuren, eine der wichtigsten Erfindungen, wäre ein Gott; der Erfinder der Ackergerätschaften, die von unberechenbarer Wichtigkeit sind, wäre schon eine Art Gott Vater; der Erfinder der Zahlen ditto; der Erfinder der Schiffe ebenfalls ein Gott; und so noch zehntausend und mehr andere allerartige Erfinder von den verschiedensten nützlichsten Dingen! Wie aber das ganze Heer von allerlei Erfindern von gleich großen wichtigen und nützlichen Dingen nie noch auf eine Vergötterung Anspruch machten, also glaube ich, daß der Erfinder der besten und einfachsten Moral wohl auch darauf hätte Verzicht leisten können. Meines Wissens hat er auf die lächerliche Vergöttlichung wohl nie einen Anspruch gemacht; so aber in jener Zeit kurzsichtige und sehr abergläubige Menschen aus ihm einen Gott machten, weil er 1.000 Male gescheiter war als sie, so solle uns das nun nicht mehr beirren, Jesus nicht mehr lächerlicherweise für einen Gott, sondern nur als das, was er wirklich war, zu halten! –

12 Denn ich glaube, daß die gegenwärtige Menschheit es endlich doch einmal einsehen solle, daß das Unendliche niemals endlich werden kann; daß Gott ewig Gott bleibt, und der beschränkte Mensch nur ein beschränkter Mensch. Doch es lohnt sich hier wahrlich nicht der Mühe, viele Worte darüber zu machen, was gegenwärtig bei allen Grundgelehrten als eine ausgemachte Sache betrachtet wird; aber was ich früher bemerkt habe, nämlich das: wo und wer (?) denn so ganz eigentlich die Gottheit ist, Deren Dasein ich nun durchaus nimmer bezweifeln kann, darüber saget mir etwas, ihr meine beiden lieben Freunde!«

13 Spricht Jellinek: »Ja, du mein liebster Bruder Messenhauser, das ist eine ganz verzweifelt kitzlige Sache! Das wo und das wer werden wir wohl wahrscheinlich ebenso wenig herausbringen, als wie du soeben selbst recht trefflich als Gegenbeweis für die Gottheit Jesus gesagt hast, daß nämlich das Unendliche niemals endlich werden kann! – Denn so wir endliche Wesen das unendliche Wesen der Gottheit begreifen wollten, da müßten wir es zuvor endlich machen können, was natürlich ganz vollkommen unmöglich ist; und ebenso scheint es mir auch vollkommen unmöglich zu sein, von dem unendlichen Gottwesen mehr zu wissen und zu begreifen, als was ich dir früher durch das Beispiel der Eichelnuß gezeiget habe! – Ich bin nun der Meinung, wir sollen uns nun mit etwas anderem abzugeben anfangen; denn im Punkte der Gottheit werden wir alle drei ganz verzweifelt wenig herausbringen!?« –

14 Spricht Becher: »Ja, ja, du hast ganz vollkommen recht; denn die Gottheit ergründen wollen heißt wahrlich, wie eine alte aber recht gelungene Kirchenfabel sagt, das Meer in eine hohle Nuß einfassen wollen! Lassen wir daher dieses Feld, das kein Ende und kein Absehen hat, und fangen wir von etwas anderem zu palieren an; z.B. was etwa unser Freund, der Robert Blum, in dieser Welt, oder was etwa unser Erzfeind, der Windischgrätz, auf der Erde nun macht? Und ob er nicht etwa auch bald zu uns herüber kommen wird? Wo wir ihn ganz gebührend empfangen würden!« 15 Spricht Jellinek: »Brüder, was unsern Freund, den samt uns armen Robert Blum betrifft, ja, da bin ich gleich dabei; aber mit dem Alfredius Windischgrätz verschont mich; denn diesen Tiger wünsche ich wohl ewig nimmer zu Gesichte zu bekommen! Aber horchet! horchet! mir kommt es vor, als vernehme ich noch mehrere Menschenstimmen außerhalb der Türe, die nun offen stehet! Erheben wir uns einmal von diesem unserem Disputiertische, und begeben uns zur Türe, um zu sehen, was es etwa außer derselben gibt.«

 << Kapitel 54  Kapitel 56 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.