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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 51
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 50

Die freche Rede der »Wiener« Freunde vor der Haustür. Entschiedene Antwort Robert Blums an diese »Viecher«; Geschichte der geschändeten Frauen, sie sind die Töchter der Notzüchtler

Am 21. Februar 1849

1 Diese 24 schönen Tänzerinnen aber bleiben für die lüsternen Wiener Freunde Roberts nun schon zu lange im Hause; daher kommen diese vor die Zimmertüre Roberts, und sagen laut schreiend: »No, wie lange belieben denn diese Pariser und Londoner Schnellfüßlerinnen bei euch zu verweilen?! – Wir glauben gar, daß du sie für dich und deinen Freund da zurück behalten möchtest!? – Wäre nicht übel, du behieltest das Beste für dich, und wir als deine Freunde könnten uns draußen mit den mageren, braunen und häßlichen Fetzen begnügen! Schau, schau, du wärst uns ein rarer Freund, das Beste möchtest du behalten, und das Schlechte uns zukommen lassen! – Wir bedanken uns ganz gehorsamst für solche deine saubere Freundschaft! – – Höre! wir wollen billig sein, weil du der Blum bist; ein Dutzend kannst du für dich behalten; aber ein Dutzend von diesen schönen Engländerinnen oder Französinnen mußt du uns sogleich ausliefern, sonst fangen wir ein Spektakel ums andere zu machen an, ja sogar mit der schönsten Katzenmusik sollst du sogar hier im Geisterreiche bedient werden! und wenn dich diese auch noch nicht für die Erfüllung unserer Wünsche stimmen sollte, so schlagen wir hier alles quintelweis zusammen!«

2 Spricht Blum: »Aber oha! sagt auch eine gewisse Gattung der Bewohner Wiens, ich sage euch: So wahr ein ewiger Gott lebt, und so wahr ich bis jetzt noch den Erdnamen Robert Blum führe, so wahr auch kommt keine von diesen Tänzerinnen zu eurem schändlichsten Vergnügen aus dieser Burg, in der Gott der Wahrhaftige wohnt, und jedem gibt, wie er sichs verdienet hat!

3 Ich habe sie als hungrige und elende Wesen in dies mein Haus aufgenommen; sie sind meine Gäste nun, und genießen als solche auch alle jene Sicherheit, und jenen Respekt, den mein Haus von jedem gutgesinnten und ehrlichgesinnten Geiste zu fordern das vollste Recht hat; seid ihr aber etwa ernstlich gesonnen, dieses heilige Recht jedes Hauses an diesem meinem Hause zu schänden, so versuchet es, und wir wollen sehen, wer da das Kürzere ziehen wird?!

4 Ich glaube, und bin der Meinung, nach dem was ich von euch gesehen habe durch dies Fenster, daß ihr euch draußen in meinem Garten doch zur Vollgenüge müßtet ausgebuhlet haben!? Denn wahrlich, ich kenne kein Tier auf der Erde, das einen solch' schändlichen Instinktstrieb je irgendwo verriete, wie ihr als vernünftige Menschengeister hier im Gottesreiche sogar allertätigst an den Tag geleget habt! Aber nicht genug, daß ihr euch ohnehin schon bis ins Zentrum der untersten Hölle hinein gesündiget habt, und den Teufeln gleich geworden seid, nicht genug, das eure schändliche Gier jene ärmsten weiblichen Wesen, statt ihnen zu helfen, noch 1.000 Male elender gemacht hat, als sie ehedem waren; nicht genug, sage ich, daß ihr diese reine geistige Gotteserde mit dem schändlichsten Geifer der echt höllischen Unzucht und Hurerei auf das Schmählichste beflecket habt! Nein, das alles ist eurer unersättlichen Geilgier noch viel zu wenig!

5 Auch diese armen Wesen, die 30 lange Jahre, nach irdischer Rechnung, Hunger, Durst und 1.000-faches anderes Elend zu erdulden hatten, nach dem Ratschlusse des Allerhöchsten, die Gott Selbst nun aufgenommen hat, und die dort in jener Ecke dieses Gemaches vielleicht seit 30 langen Jahren das erste Stückchen nährenden Brotes genießen, und dafür Gott, Den sie leider noch kaum kennen, mit Tränen danken, diese wollet ihr auch noch mit euch zur Hölle hinabziehen! O eurer grenzenlosen Verruchtheit!

6 Die armen Wesen da draußen, die ihr soeben auf das gewissenloseste und unbarmherzigste geschändet habt, die nun voll Schmerzen jammern und weheklagen, und dahin liegen wie halbtot, wisset ihr, wer sie sind? Sehet, das sind eure eigenen Töchter auf Erden gewesen; sie kamen zum Teile durch natürliche Krankheiten, wie sie im lustigen Wien leider nur zu häufig vorkommen, und zum Teile durch die Beschießung Wiens um ihr irdisches Leben; aller geistigen Bildung bar und ledig kamen sie in dieser geistigen Welt an, und wußten nicht wohin, wo aus, und wo ein; da erfuhren sie durch eine gütige Fügung Gottes, daß ihr, als ihre irdischen Väter, euch in dieser Gegend befindet, die ihnen angezeiget ward. Voll Freuden, in der Hoffnung, ihr traurig aussehendes Los zu verbessern, eilten sie hierher, als sie hier anlangten, und euch erblickten und erkannten, und euch mit dem kindlichen Rufe: Vater! an ihr kindliches Herz ziehen wollten, – da spranget ihr gleich wütenden Hyänen über sie, und finget sogleich an – als Väter mit den eigenen Töchtern – die allergeilste und schmählichste Unzucht und Hurerei zu treiben. Umsonst schrien die Armen: »um Gottes willen! wir sind ja eure Töchter! was tut ihr mit uns!? Jesus, Jesus! was tut ihr?!« Aber das hörtet ihr gar nicht; denn eure verfluchte Geilgier und teuflische Brunft hat euch blinder und stummer gemacht, als da blind und stumm ist ein Auerhahn in seiner Balzzeit! Ihr zerrisset förmlich die Armen in eurer Geilwut! O ihr verruchten Täter des Übels! Da sehet hinaus euer schönes Werk! Mit welchem Namen solle man es bezeichnen?! Wahrlich meine Zunge findet keinen Ausdruck dafür!

7 Als ich mit diesem meinem großen Freunde hier ankam, und euch alle eben hier in meinem Hause antraf, da hatte ich eine rechte Freude an euch, und besonders freute es mich, als ich von euch nach Verlauf (dem Verlauten) einiger Worte, die ich an euch gerichtet habe, das herrliche Verlangen vernahm, demnach es eure diesweltliche größte Freude wäre, Christus den Herrn nur einmal von ferne zu Gesichte zu bekommen! Ich gab euch darauf die Versicherung, daß ihr, so ihr Ihn recht innigst liebend in euer Herz werdet aufgenommen haben, und durch solche Liebe reiner machet eure Herzen, Ihn, den Herrn der Ewigkeit, nicht nur einmal, sondern immer und ewig sehen werdet! Worauf ihr sehr froh ergriffen waret, und recht demütig bekanntet, daß ihr solcher zu großen Gnade noch gar lange nicht wert seid! Das gefiel mir so gut, daß ich vor Freude hätte weinen mögen.

8 Aber incredibile dictu (unglaublich scheints) als ich in dies, mein Haus, mit diesem meinem Freunde trat, und Ihm darob meine Freude äußerte, da sprach Sein weisester Mund: »Traue ihnen nicht zu viel; das sind lauter grobsinnliche Genußmenschen! Ich sage es dir, es werden von ihnen etliche zur Hölle hinab müssen, und es wird ihrer aller Besserung ein hartes Werk sein.« O der großen Wahrheit! Ich sage es euch, ihr brauchet nun nicht mehr zur Hölle hinab zu kommen, denn ihr seid schon vollends in ihr! Denn die böse unersättliche Geilgier eurer unratsvollsten und stinkendsten Herzen kann euch Gott nicht mehr bessern, außer durchs Gericht der Hölle, da ihr selbst ganz Hölle seid!

9 Nun habe ich euch's gesagt, wie es mir Gott in's Herz geleget hat; ihr wisset nun, was ihr getan habt, und was ihr noch tun wollet, und was davon die unvermeindlichste Folge sein wird! Tuet nun, was ihr wollt! Noch seid ihr frei; aber bald, nur zu bald wird das Gericht Gottes euch ergreifen, und euch geben euren Lohn! Aber nicht nur euch, sondern auch allen, die auf Erden in dieser Zeit noch im Leibe herumwandeln, und sich die Mahnungen Gottes, deren diese Zeit so voll ist, nicht wollen gefallen lassen!

10 Hätte ich selbst auf der Erde lieber so manchen unverkennbaren Gottesmahnungen mein Ohr und meine Herz geöffnet, so wäre ich auch in gar kein Gericht gekommen; aber weil ich nur dem folgte, was mein zu exaltierter und ruhmsüchtiger Verstand mir eingab, so mußte ich mir dann aber auch ein übles Gericht gefallen lassen! Ich aber wollte dennoch Gutes – nach meinem Urteile, und habe mich dadurch dennoch eines Gerichtes schuldig gemacht, und ward auch gerichtet! Was wird aber mit euch, da ihr nur Arges wollt, das ihr gar wohl einsehet, daß es ein Arges ist?!!« –

11 Auf diese sehr eindringliche Rede Roberts fangen die äußerst betroffenen Zuhörer ganz gewaltig zu stutzen an, und einer zieht sich um den anderen zurück; keiner hat den Mut, dem Robert auch nur ein Wörtlein zu erwidern.

12 Nur unter einander murmeln sie, daß sie die Veränderung Roberts nicht begreifen, und sein Ernst sei wie ein großer Donner, und seine Rede wie eine alles verheerende Sturmflut! Einige unter ihnen aber fangen an sehr in sich zu gehen, und eine mächtige Furcht ergreift ihr ganzes Wesen, und sie bereuen sehr, was sie getan haben.

13 Darauf wendet sich Robert zu Mir, und spricht: »O Herr, Du mein allerheiligster und ewig wahrster und bester Vater! vergebe es mir, so ich nun an diese meine sogenannten »Wienerfreunde« eine vielleicht denn doch etwas zu harte und scharfe Mahnrede geführet habe!? Du siehst es ja in meinem Innersten, daß ich ihnen allen nur das Beste wünsche, und möchte durch die Schärfe meiner Rede nichts anderes bewerkstelligen, als so es möglich wäre, ihnen das sicher allerhöchst traurige Gericht der Hölle ersparen; denn ich meine, ein noch so scharfes Mahnwort ist dennoch unberechenbar milder, als das kleinste Fünklein höllischen Gerichtes!? Und so donnerte ich denn auch in diese aller höheren Bildung ledigen Brüder mit aller Kraft, die ich nur immer aus allen Winkeln und Ecken meines Wesens habe zusammen raffen können, hinein, und habe, wie es wenigstens scheint, bei einigen einen recht wohl sichtbaren Effekt zu Wege gebracht!

14 O Vater! segne Du diese meine Worte in ihnen, wer weiß es, vielleicht werden sie bei ihnen doch das bewirken, was ich damit so ganz eigentlich habe bewirken wollen!?«

15 Rede Ich, Jusus: »Mein lieber Freund, Bruder und nun auch Sohn! Ich sage es dir: Nicht ein Wort mehr, und nicht ein Wort weniger hast du geredet, als was Ich Selbst in dein Herz geleget habe! Denn was du geredet hast, das habe Ich in deinem Herzen gedacht und gewollt; daher darfst du dir auch durchaus keine Vorwürfe machen, als wärest etwa du aus dir selbst gegen diese aller geistigen Lebensbildung ledigen Menschen zu hart gewesen; o deshalb sei du nun ganz ruhig!

16 Denn siehe, solche Geister, die am Rande des Abgrundes stehen, und sich schon also vorneigen, um im nächsten Augenblicke in selben hineinstürzen, müssen mit aller Kraft ergriffen, und so vom Rande des Abgrundes zurück gerissen werden; nur so ist es möglich – sie ohne Hölle auf einen besseren Weg zu bringen.

17 Du wirst dich nun bald überzeugen, welch eine gute Wirkung die Donnerrede deines Mundes bei ihnen hervorgebracht hat! Alle werden freilich noch allerlei Ausflüchte suchen, und werden sich schöner machen wollen, als sie sind; aber das macht nichts, wenn nur nahe der größere Teil in sich geht, so ist das schon gut; der mindere Teil wird dann als der ganz natürlich Schwächere mit der Weile sich denn am Ende dennoch willig also und dahin zu fügen bemüßigt sein, da er nach sonst irgend wohin keinen Ausweg finden wird.

18 Doch lassen wir sie nun ein wenig ruhen, und in dieser Ruhe gleicher Weise ein wenig durchgähren; so sie nach rechtem Maße also werden durchgesäuert sein, wie da auf Erden durchsäuert ist die Maische, bevor sie in den Destillierkessel getan wird zur Gewinnung des Spiritus, da werden wir sie dann auch in den Destillierkessel tun, unter dem ein stets gleich mächtiges Feuer unserer Liebe brennet; und es wird dann ein Leichtes sein – ihr wahres Geistige von den groben irdischen Trebern zu scheiden. – – Nun aber unterdessen von etwas anderem. –

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