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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 50
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 49

Vierundzwanzig Choreographinen (Tanzmeisterinnen) kommen ins Haus, Robert weist sie an den Herrn; dessen Belehrung an sie über die Verhältnisse im Jenseits. Erdlebensbekenntnisse dieser Tänzerinnen

1 Während Robert noch solches kaum ausgeredet hat, kommen diese zwei Dutzend weiblicher Schönheiten eine nach der andern in das Zimmer zu uns beiden, machen vor uns eine tanzmeisterliche Referenz, und fragen uns dann: »Ob in diesem Prachtpalaste nicht etwa auch ein Theater sei, auf dem sie etliche Vorstellungen in der hohen Choreographie geben könnten?«

2 Spricht Robert: »Da, neben mir steht der eigentliche Herr, Den fraget; ich bin erst seit einigen Augenblicken der ärgerliche Inwohner dieses Hauses, und kenne im selben außer diesem Gemache, in dem ihr euch nun befindet, noch kein anderes. Es kommt mir überhaupt sehr sonderbar vor, wie ihr euch hier in der Geisterwelt, wo man allein nur Gott den Herrn suchen, und sich in aller Liebe zu Ihm üben soll, um ein vollendeter Geist zu werden, mit solchen rein irdisch materiellsten Skandalkünsten hier abgeben könnet?! Aber – mir ist das gleich, so es dem Herrn dieses Hauses angenehm und zweckdienlich ist, da machet, was ihr wollet! Da neben mir aber, wie ich's euch schon angezeigt habe, ist eben der Herr Selbst!«

3 Sagen die drei ersten: »Wie ist nun das?! da draußen sagte uns einer, der uns an die Türe gefolget ist: Du wärest der Eigentümer, und somit auch Herr dieses Palastes! – und du sagst nun, dieser, dein Freund, ist es!«

4 Spricht Robert: »Ja, und noch tausendmale ja, Dieser ist der eigentliche Herr dieses Hauses! – und wer euch gesagt hat, daß ich der Herr sei, das war ein dummes Luder, und blinder als zehntausend Maulwürfe! Fraget also Diesen, oder schauet, daß ihr bald zum Tempel hinaus kommet.«

5 Darauf wenden sich die drei an Mich und fragen Mich: »Ob Ich alsonach wohl der Herr dieses Palastes wäre?«

Am 19. Februar 1849

6 Rede Ich: »In der Welt der Geister ist ein jeder Herr, das ist – Besitzer dessen, was sein ist, und so dieser da Mein Freund und Bruder ist, so besitze Ich ihn auch, als das, was er Mir ist, und bin sonach auch sein Herr, und auch der Herr dessen, was sein ist; wogegen er aber auch vor euch von Mir das Gleiche aussagen kann.

7 Daß Ich aber dieses Haus besser kenne, wie es beschaffen ist, als er, das hat seine gewissen Gründe, worunter auch der sich befindet, daß Ich schon um sehr viele Jahre länger nach irdischer Rechnung hier in der Welt der Geister Mich befinde, als der Freund da.

8 Mit der größten Gewißheit kann Ich euch daher sagen, daß sich in diesem ganzen großen Hause durchaus kein Theater, und ebenso wenig irgend ein Tanzsaal oder Springsaal befindet, außer an der ganz äußersten Nordseite eben dieses Hauses eine Art Rednerkammer mit einer Versenkung, durch die unlautere Gemüter, die sich Gottes Ordnung durchaus nimmer wollen gefallen lassen, ganz behaglich und wohlerhalten zur Hölle hinab können versenkt werden! So ihr dort eure Produktionen diesen Gästen da draußen wollet zum Besten geben, so kann euch diese Rednerkammer, oder besser Haderkammer zur beliebigen Disposition gestellt werden! Aber ihr müsset da sehr Achtung geben, daß ihr bei eurer Choreographie nicht in eine solche Versenkung stürzet; denn so ihr da hineinkommet, da dürftet ihr schwer wieder den Weg zurück finden! Habt ihr das verstanden?«

9 Sprechen die drei ersten Koryphäen: »Hörst du, lieber Freund, das ist etwas fatal! so ein Lokal können wir durchaus nicht brauchen! Kannst Du aber nicht gestatten, daß wir draußen im Garten unsere hohe Kunst produzieren dürften?«

10 Rede Ich: »Ja, ja, draußen könnet ihr tanzen und springen, wie ihr nur immer wollt, da haben wir vorderhand nichts dagegen. – Gehet sonach nur wieder hinaus, und machet draußen was ihr wollt; denn hier im Hause tut es sich mit eurer Sache schon durchaus nicht.«

11 Spricht die eine aus den dreien: »O lieber Freund! als wir noch auf der Erde waren, da ging es uns sehr gut; denn wir waren die Abgöttinnen der größten Städte; alles war entzückt, was uns zu bewundern Gelegenheit hatte; wir erwarben uns, nebst der Gunst der größten Kronenträger, auch sehr viel Geld und sonstige Schätze, womit wir uns auf 1.000 Jahre bestens versorgt sahen; aber als wir uns in die Ruhe begaben, um die goldenen Früchte unserer Bemühungen zu genießen, da kam plötzlich eine fatale Krankheit über unsern schönsten Leib; wir zehrten ab und starben!

12 Nun sind wir schon bei 30 Jahre lang hier in dieser armseligsten Geisterwelt oder was sie sonst sein mag, und es geht uns ganz entsetzlich schlecht! Nirgends gibt es für uns einen Verdienst; wo wir nur immer anklopfen, da werden wir wie hier bescheidet, und – o Freunde – der Hunger tut gar entsetzlich weh! Auf eine gar zu gemeine Weise wollen wir uns das Brot denn doch nicht verdienen, da wir dazu denn doch zu gut sind; besonders möchten wir mit einem so lumpigen Gesindel, wie das da draußen, schon gar nichts zu tun haben, da wir auf der Erde doch nicht selten Prinzen das nicht gewährten, was sie doch gar so oft bei uns suchten; und sonst gibt uns hier aber auch kein Mensch oder Geist nur einen Tropfen Wassers! Du siehst daraus, daß wir hier sehr elend und gar entsetzlich arm sind?!

13 Könntest oder wolltest Du uns denn nicht, gegen was immer für einen ödesten Dienst, hier in diesem Innern eine Unterkunft und nur so viel Brot zukommen lassen, daß wir uns nur einmal den allerbrennensten Hunger um ein Kleines stillen können?! – O, sei von uns allen durch mich allerinbrünstigst darum gebeten!«

14 Rede Ich: »Ja, meine lieben Choreographinnen, das hängt hier nicht von Mir ab; denn der eigentliche Eigentümer dieses Hauses, wie auch alles dessen, was eure Augen erschauen in dieser weitgedehnten Gegend, ist dennoch dieser Mein Freund und Bruder; wenn er euch das geben will, was ihr möchtet, da werde Ich nichts dagegen haben, im Gegenteile – wird Mir das nur eine große Freude sein; aber dazu bereden oder gar bei den Haaren dazu ziehen, werde Ich ihn nicht! Wendet euch daher an ihn!«

15 Die Sprecherin will sich nun in dieser Sache an den Robert wenden;

16 aber er kommt ihr zuvor und spricht: »Meine liebe Choreographinnin, und ihr alle zwei Dutzend desselben Gewerbes! Ich habe von euresgleichen bisher nur das gewußt, daß eure Füße viel elastischer seien, als die Füße anderer ehrlicher Menschen; daß aber die Choreographinnen auch fuchsfeine Nasen hätten, das wußte ich bisher noch nicht! Wahrlich eure Nasen machen euch nun mehr Ehre, als eure noch so feingebildeten Füße! So ich's allein mit euch zu tun hätte, da würde ich euch sogleich zur Türe hinausweisen; aber da das diesem meinem Freunde eine Freude machet, so ich eure Bitte erhöre, so will ich euch denn in Gottes Namen auch aufnehmen! Und so bleibet denn; dort im Hintergrunde, und zwar in einer Ecke dieses Gemaches, befindet sich ein kleiner Tisch mit etwas Brot und Wein; gehet hin und stärket euch! Sodann kommet wieder, und wir werden euch dann schon ein Geschäftchen anweisen, dem ihr recht emsig obzuliegen haben werdet. Nun gehet, wohin ich euch beschieden habe.« Die Tänzerinnen folgen sogleich diesem Befehle.

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