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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 49
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 48

Der Herr und Robert gehen ins Haus. Anstößige Szenen im Garten, die skandalöse Wiener Gesellschaft, und Roberts Ärger darüber. Des Herrn Mahnung zur Geduld. Wege der göttlichen Liebe und Weisheit als Kur der Verirrten

1 Spricht Robert: »O Freund, o Bruder! wunderherrlich, wunderherrlich! mann sieht es von außen diesem Hause wahrlich nicht an, daß es innerlich so herrliche, und so geräumige Gemächer enthalten solle! und wie herrlich ist die Aussicht durch die schönsten hohen Fenster! Ach wie herrlich nimmt sich nur der Garten aus, und die schönsten Gebirgsgruppen in der Ferne; und wie lieb die vielen netten Häuschen, die die umliegenden kleinen Hügel zieren! Ach Freund, ach Bruder! das ist ja mehr als himmlisch! Aber da sieh, da sieh bei dem ersten Fenster hinaus; was ist denn das für ein wahrstes Lumpenpack?!

2 Ach, ach, nein, so was von einem allerechtesten Lumpengesindel ist mir noch nie vorgekommen! Da, da, o der frechsten Unverschämtheit! sieh, sieh! ein Schöckchen lustiger Dirnen ziehen die lumpigsten Mannsbilder, – – – a, a, das ist zu arg! – – – Die müssen wir denn doch aus dem Garten schaffen!?«

3 Rede Ich, Jesus: »Siehe, das sind schon so einige Wiener Früchteln, es sind dieselben, die dir draußen alles bejahten; da wir nun aber ins Haus gegangen sind, da sind sie lieber draußen geblieben, als daß sie dir gefolget wären, und unterhalten sich nun nach ihrer Lieblingsweise! – Seh' dich nur um, und zähle sie, die uns ins Haus gefolget sind; und du wirst auch nicht einen finden! Denn die etlichen Buhldirnen sind ihnen mehr (wert), als wir, und alle deine Lehren! Und sie werden ihnen noch lange mehr sein, als wir beide!

4 Gehe aber jetzt hinaus, und mache ihnen eine Predigt, da werden sie wieder ganz Ohr sein zum Scheine! Ich sage dir, es gibt dir kaum eine Gattung Sünder, die schwerer zu bekehren wären, als eben die fleischlichen Sündenböcke, und das darum, weil sie äußerlich ganz geschmeidig erscheinen und alles annehmen, wenn sie sich nur in ihrer inneren Lustgier nicht beeinträchtigt fühlen; versuche aber ihnen solche Lust ganz ernstlich zu untersagen, so wirst du Wunder von allen möglichen Widerspenstigkeiten und Grobheiten erleben. – Lassen wir sie nun aber nur ausremmeln, und befriedigen ihre Lust; dann wollen wir denn wieder hinaustreten und sie fragen, warum sie uns nicht ins Haus gefolget sind?! Und du wirst dich nicht genug verwundern können, mit welch allerlei Entschuldigungen sie uns entgegenkommen werden!

5 Bevor wir aber hinausgehen wollen, werde Ich es zulassen, daß da einige recht üppige »Dirnen« zu ihnen stoßen sollen; da erst wirst du Wunderdinge der geilsten Unzucht zu schauen bekommen! Und so gebe den acht!«

6 In diesem Augenblicke kommen durch den Garten 12 recht saubere Dirnen zu der Gesellschaft. Sogleich geschieht ein feldgeschreiartiger Jubelruf, und alles, was nur Mann heißt, stürzt sich wie Tiger auf ihre Beuten auf diese Dirnen los! –

7 Robert springt über diese Ungezogenheit nahe vor Ärger auseinander, und will mit Donner und Blitz hinauseilen; aber ich halte ihn weislich davon ab, und er bleibt voll gerechten Ingrimms in dem Hause bei Mir, und wirft nur manchmal einen Blick zum Fenster hinaus!

Am 15. Februar 1849

8 Nach einer Weile, als Robert sich bis über die Ohren an den verschiedenartigsten Unzuchtsskandalen seiner Wiener Freunde satt geärgert hat, spricht er zu Mir: »O Herr! nun hätte ich mich doch wahrlich geärgert zur großen Übergenüge; aber bei aller Deiner Heiligkeit, was wahr ist, ist wahr, diese echten Lumpen werden darum dennoch um kein Haar besser, und so sehe ich es nun wieder bei mir ein, daß es von mir selbst eine tüchtige Dummheit war, daß ich mich darüber geärgert habe!

9 Du könntest diese Sache freilich sogleich anders machen, so Du es wolltest, und so es Deine Weisheit für gut und recht fände; aber Du, Der Du nur zu handgreiflicher Weise die ungeheuerste Geduld, Liebe und Sanftmut Selbst bist, siehst diesem echtesten Luderspektakel mit einer Ruhe zu, als könnte Dich so etwas ewig nimmer in einen auch nur scheinbaren Ärger versetzen; was solle aber ich da noch mich ärgern, wo Du so ruhig zuschauest?! O da werde ich mich für die Zukunft auch nicht ärgern, und sollen's diese Lumpen noch 1.000 Male ärger treiben, als sie es nun schon getrieben haben, und noch treiben!

10 Nur das begreife ich nicht, wie einem sonst gebildeten Menschen solch eine Schweinerei aller Schweinereien zur Leidenschaft werden kann!? Ich war doch auch ein Mensch, von festem Fleische und sehr heißem Blute, und habe wohl auch dann und wann dem Fleische gedient; aber bei allem meinem Leben! bis zur Leidenschaft ist bei mir dieser actus bestialis nie gediehen! Denn wahrlich wahr, ich habe mich dabei stets geschämt, wie ein ganz hundsgemeiner Bettpisser; denn ich dachte nur zu sehr dabei, und sagte mir’s auch oft ganz tüchtig ins Ohr: »Robert! Was bist du nun? Du sollst in allem ein rechter Mann sein, und siehe, du bist (zeitweilig) ein geiles Tier! Schäme dich Robert, der du ein Mann sein sollest, durchaus ein Mann, und du bist jetzt ein geiles Tier, und blöd wie ein Esel! Robert! du bist kein Mann, ein Weiberpoppel bist! Ein rund's und glatt's Gesicht, ein Paar nach Unzucht glotzende feurige Augen einer dicken Dirne, ein voller Busen und dergleichen Dummheiten mehr können dich zum Tiere 'runter machen, du kannst darob schwach werden! Pfui, und noch tausendmal Pfui dir! Denn so bist du kein Mann, sondern bloß nur ein geiles Tier. Ein Tier aber kann nicht handeln, sondern bloß nur wie ein Ochse, ein Esel oder ein Schwein, aller Gedanken ledig genießen, eine Beschäftigung, deren jeder Polyp fähig ist.

11 Siehe, eine solche, und oft noch ärgere Lektion habe ich mir selbst gegeben, so ich dann und wann, besonders so ich manchmal bei gewissen festlichen Gelegenheiten zu tief ins Gläschen geguckt habe, schwach geworden bin; aber, bei meinem armen Leben, bis zur Leidenschaft ist es bei mir nie gekommen! –

12 Aber diese hundsgemeinen Kerls betreiben diese Sachen mit einer so leidenschaftlichen Gier, daß sich wirklich alle Hunde, Affen, Spatzen und Fliegen vor ihnen allerweidlichst schämen müssen, so sie diese Lumpen in die Betrachtung nehmen! Was mich aber am meisten wundert, ist das, daß hier gerade die alten Schöpse und Esel es am ärgsten treiben! Da sieh einmal hinaus, dort unter einem Feigenbaume haben drei recht wunderalte Kerls eine Dirne, und machen Spektakel mir ihr! Ach Herr jeh! – – – Das ist ja doch zum Donnerwetter dreinschlagen! – – Wird denn diese – Schweinerei kein Ende nehmen?!«

13 Rede Ich, Jesus: »Gedulde dich nur noch ein wenig, siehe, Ich will ihnen noch mehr Dirnen herbei ziehen, und wir werden dann sehen, was sie mit diesen tun werden? Die neuherbeigezogenen Dirnen sollen noch üppiger sein, als die früheren, aber dafür etwas spröder und züchtiger, und wir werden sehen, was deine Freunde mit diesen machen werden!?«

14 Spricht Robert: »O Herr! ich meine, um das im voraus zu bestimmen, braucht man gar nicht allwissend zu sein! Da werden diese Kerle es noch hunderttausendmal ärger treiben! Ach Herr jeh – , das wird eine schöne Hetze abgeben!? Mag gar nicht einmal hinausschauen, so diese dumme Hetze angehen wird! – Aber sag' mir doch gnädigst einmal, Du Herr, Du einziger Herr über alle Himmel und Welten, was wird denn da am Ende herauskommen? Werden diese Lumpen die Sache nicht einmal satt bekommen? – Werden sie, statt Geister zu werden, sich nur zu echten Tieren umwandeln? Bei meinem armen Leben, das wird denn etwa doch eine saudumme Geschichte abgeben?!«

15 Rede Ich, Jesus: »Sei nur ruhig, du wirst in allem dem gar bald ein rechtes Licht bekommen; aber nur mußt du bloß gleich Mir einen ganz ruhigen Zuschauer machen; wenn ich dir aber die Augen mehr und mehr öffnen werde, so wirst du dann erst vollends einsehen lernen, wie man hier zu Werke gehen muß, um womöglich solche Schweine – zu Menschen umzugestalten! Was aber hier die Liebe nicht vermag, das wird der Hölle, oder dem eigenen in jeder Seele wohnenden Strafgerichte anheimgestellet! Aber nun ruhig; denn sieh' – die Dirnen kommen schon.«

16 Robert sieht nun zum Fenster hinaus, sieht sich nach den neu ankommenden Dirnen um, und spricht nach einer Weile: »Bei meinem armen Leben – wahrhaftig wahr, diese Dirnen, etlich zwanzig an der Zahl, sehen dir gar nicht übel aus, das heißt, so man sie mit einem rein irdischen Maßstabe beurteilet; Potz Tausend und alle Elemente, die vorderen drei sind ja wie die ersten Pariser Ballettänzerinnen angekleidet! Die werden sicher diesen geilen Wiener-Tiermenschen ein Pas de trois zum Besten geben, um sie desto lüsterner pro Actus bestialis zu machen?! Ich möchte es ihnen wohl sagen, daß sie sich deshalb eben keine Mühe geben sollen; denn diese Tiermenschen haben zu derlei Verrichtungen ohnehin nur zu viel Gier, ohne es vonnöten zu haben, sich dazu extra durch allerlei weibliche Füßewackelereien reizen zu lassen!

17 Es wäre nach meiner freilich menschlich unvollkommenen Meinung wahrlich besser, so an der Stelle dieser schmucken Choreographinen (Tanzmeisterinnen) ein paar Dutzend Bären aufmaschieret wären; vielleicht würden diese sehr kräftigen und keinen Spaß verstehenden Wald- und Alpen-Choreographen auf diese meine tierischen Wienerfreunde eine bessere Wirkung üben, und heilsamer vielleicht auch, als diese dickfüßigen und rundfüßigen, vollbrüstigen und pausbackigen Tänzerinnen? –

18 Mich wundert es aber dennoch, daß die Wiener Geister sich nun beim Anblicke dieser Schönheiten noch so viel zurückhalten, daß sie diese neuen Schönheitskoryphäen der Geisterwelt doch nicht so wie die früheren gleich beim ersten Erscheinen wütenden Hunden gleich angefallen haben. Wahrscheinlich imponieren ihnen diese Schönheitssterne doch etwas zu stark, und sie trauen sich nicht an sie (heran).«

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