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Robert Blum im Jenseits - Band 1

Jakob Lorber: Robert Blum im Jenseits - Band 1 - Kapitel 36
Quellenangabe
typetractate
titleRobert Blum im Jenseits - Band 1
authorJakob Lorber
publisherLorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen
year1898
senderViehweger, Veit vv@starfinanz.de
note(Texte in Klammern sind spätere Zusätze)
firstpub1848
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Kapitel 35

Vom wahren Glauben und wie solcher zu erlangen ist; mit einigen kritischen Hinweisen auf die Hindernisse der Weltphilosophie und deren sinnliche Verirrungen

1 Rede Ich, Jesus: »Mein Freund! solange der Mensch bloß aus seinem Verstande heraus Definitionen macht, kann er vom Glauben und vom Gebete auch keine andere Meinung haben, als du sie Mir nun gar sehr unumwunden kundgegeben hast; denn des Menschen Kopfverstand hat keinen anderen Weg, als den der materiellen Anschauung und sinnlichen Betastung, – und ein geistiger, lebensvoller Glaube kann in seinem sinnlichen Gemüte ebensowenig Wurzeln fassen, als ein Weizenkorn auf einem Granitfelsen, allda es wohl eine feste Unterlage hat; aber da der harte Fels keine Feuchtigkeit hat, die das Weizenkorn auflösete, und (dadurch) den Keim frei machete, so bleibt das Korn wohl eine zeitlang, was es war, auch auf dem harten Felsen; aber mit der Länge der Zeit stirbt es dann gänzlich, dieweil es keine Nahrung hat! – Was nützet dir all dein Wissen, und was deines Verstandes Gehorsam, den du »Glauben« heißest, so dein Geist daran keinen Anteil nimmt?! –

2 Siehe, ein jeder Mensch hat ein doppeltes Erkenntnisvermögen, ein äußeres, das da ist der Kopf; auch der eigentliche äußere Seelenverstand; mit diesem Erkenntnisvermögen läßt sich nie das göttliche Wesen erfassen und begreifen, weil es der Seele gerade nur darum gegeben ward, um den Geist in ihr von der Gottheit vorderhand zu trennen, und ihn Diese gewisserart auf eine zeitlang verlieren zu machen! Wenn nun ein Mensch, oder vielmehr eine Seele mit diesem alleinigen negativen Vermögen Gott suchen und finden will, da entfernt sie sich nur stets desto weiter vom Ziele, je hartnäckiger sie auf diesem Wege dasselbe verfolget!

3 Aber die Seele hat noch ein anderes Vermögen, das da nicht in ihrem Kopfe, sondern in ihrem Herzen Wohnung hat; dieses Vermögen heißet inneres Gemüt, und bestehet aus einem ganz eigenen Willen, aus der Liebe, und aus einer diesen beiden Gemütselementen entsprechenden Vorstellungskraft. Hat diese einmal den Begriff vom Dasein Gottes in sich aufgenommen, so wird dann dieser Begriff sogleich von der Liebe umfasset, und durch ihren Willen festgehalten, welches Festhalten dann erst »glauben« heißt;

4 durch diesen Glauben, der lebendig ist, wird dann der wahre Geist erwecket, und der beschauet dann seinen Wecker, erkennt und ergreift ihn dann auch sogleich, richtet sich danach auf, wie ein mächtig Licht aus Gott, und durchdringt dann die Seele, und umwandelt in ihr alles ins Licht, und dieses Licht ist dann der eigentliche Glaube, durch den jede Seele selig werden kann. –

5 Hast du je von diesem allein wahren Glauben etwas vernommen? Du sprichst in dir: »Nein, diese Art des Glaubens ist mir völlig fremd; denn ein Denken im Herzen kommt mir völlig unmöglich vor!« Ja, ja, so ist es auch; es muß dir diese Sache unmöglich vorkommen;

6 denn um im Herzen denken zu können, muß man eine eigene Übung haben, und diese Übung besteht in der stets erneuerten Erweckung der Liebe zu Gott; durch diese Erweckung wird das Herz gestärkt und erweitert, wodurch dann des Geistes Bande lockerer werden, so daß sein Licht (denn jeder Geist ist ein Licht aus Gott) sich nach und nach stets mehr und mehr, und freier und freier entwickeln kann. Fängt dann des Geistes Licht an, des Herzens eigentliche Lebenskammer zu erhellen, so werden auch die zahllosen Urtypen in rein geistigen Formen an den ebenfalls zahllosen Wänden der Lebenskämmerlein stets deutlicher und deutlicher ausgeprägt, und der Seele beschaulich gemacht; und siehe, diese Beschauung der Seele in ihrem Herzen ist dann ein neues Denken; die Seele gelangt da zu neuen Begriffen, zu großen und klaren Vorstellungen; ihr Sehkreis erweitert sich mit jedem Pulsschlage; die Steine des Anstoßes verschwinden, nach dem Maße, wie da verstummet der Kopfverstand; – da ist dann kein Fragen nach Beweisen mehr; denn das Licht des Geistes erleuchtet die inneren Formen, also daß sie nach keiner Seite hin einen Schatten werfen; somit auch alles, das einem Zweifel nur wie im leisesten Hauche ähnlich wäre, für ewig verbannet wird.

7 Und so ist denn auch ein Glaube, der also gestaltig im Herzen und nicht im Kopfe seinen Sitz hat, ein wahrer und lebendiger Glaube zu nennen; »wahr«, weil er dem untrüglichen Lichte des Geistes entstammt, und »lebendig«, weil im Menschen nur der Geist im wahrsten Sinne lebendig ist!

8 In diesem Glauben aber liegt dann auch jene außerordentliche Kraft, von der in den Evangelien zweimal die Rede ist.

9 Um aber zu diesem alleinseligmachenden Glauben zu gelangen, muß man die vorerwähnte Übung wohl angehen, und sich auf's ernsteste bestreben, darinnen so bald als möglich eine rechte Fertigkeit zu erlangen, und das so frühzeitig als nur immer möglich! Denn so der Mensch zu sehr und zu lange nur für die Ausbildung des Kopfverstandes (nach der heutigen Weltunsitte) gesorget hat, und durch diesen rein nur für irdische Zwecke und Wohlfahrten, da freilich muß es dann einem solchen Menschen völlig unmöglich vorkommen, auch im Herzen denken zu können! – Besonders so man einen ganzen Hegel, Strauß und Ronge im Kopfe herumträgt, und dergleichen mehreres.

10 Ferner muß man sich auch der Reinheit der evangelischen (christlichen) Sitten zu erfreuen vollen Grund haben; man muß kein Schwelger, und hauptsächlich kein fleischlicher Unzüchtler und Geiler sein; denn die Unzucht und Hurerei tötet entweder nahe ganz den Geist; oder so es schon den Geist auch nicht zu töten vermag, so verhindert es doch für alle Zeiten die freie Entwicklung seines Lichtes, woher es denn auch kommt, daß solche Unzüchtler, besonders in vorgerückteren Jahren, ganz stumpfsinnig werden, und ihrem matten Leben nur dann noch ein heiteres Augenblickchen abkneipen, so sie ein wenig geschwelget, und irgend eine Maid angegafft und betastet haben;

11 war solches bei dir etwa gar nicht der Fall? in der späteren Zeit; indem du doch das weibliche Geschlecht ohnehin als dem alleinigen Lustzwecke nur bestimmt zu sein ansahst. Fandest du nach Ronge nicht auch in solchen unlautersten Genüssen die eigentliche irdische Glückseligkeit, für die du strittest und starbst? und so du nun zu einer rein geistigen übergehen sollest, da gibt es in dir nun nahe keinen Grund, auf dem man etwas bauen könnte; denn siehe, rings um dich herum ist alles leer, – so leer wie in deinem Herzen, und eben so wesenlos, wie in deines Herzens Lebenskammern!

12 Sage! woher werden wir nun Stoff nehmen, um in dir einen ganz neuen Menschen aufzubauen?! – Rede nun wieder und schaffe Rat!«

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